
“Waren zu verkaufen, Waren zu verkaufen” … Stop! Ohne Marktstände kein Warenverkauf. Und damit auch nur Kaufleute ihre Stände aufbauen, die auch dazu berechtigt sind, muà ein Bobby darüber wachen. Ein Bobby? Klar, der Portobello Market befindet sich in London – und da gibt es Bobbies.
Der Spielplan ist schon mal wunderschön – könnte glatt von Michael Menzel sein … such such such … tatsächlich, von Michael Menzel, der auch Säulen der Erde illustriert hat. Viel Holzmaterial – alles hübsch.
Das Spiel soll rd. eine halbe Stunde dauern – na mal sehen. Erst einmal die Regeln lesen. Auch die macht einen guten Eindruck und läÃt keine Fragen offen. Ups, nur vier Seiten und auch noch viele Illustrationen. Das Spiel wird wohl keinen groÃen Tiefgang haben – 30 Minuten spielen, 4 Seiten Regeln…???
Worum geht es denn? Ach ja, Stände in den Gassen aufbauen, Kunden auf Plätzen platzieren und bei den Wertungen voller, von Kunden begrenzten Gassen Siegpunkte erhalten. Und richtig – der mit den meisten Punkten hat gewonnen. Wo ist eigentlich die Innovation?
Na gut, keine Innovation – vielleicht wurden ja bekannte Spielmechanismen grandios kombiniert. Einfach mal losspielen.
Jeder Spieler hat drei Aktionsplättchen mit den Werten 2, 3 und 4. Die Zahlen geben an, wieviele Aktionen der Spieler bei dessen Einsatz ausführen darf. Die Aktionsplättchen werden nach Gebrauch umgedreht und stehen erst wieder zur Verfügung, wenn alle drei Plättchen eingesetzt wurden.
Das 2′er und 4′er Plättchen haben zusätzlich den Faktor 2 und Faktor 4 aufgedruckt und können für eine eigene Zwischenwertung verwendet werden. Danach wandern sie aus dem Spiel und werden durch neutrale Aktionsplättchen ersetzt. Davon gibt es 3′er, 2′er und 1′er. Also schnell werten und man kann durch den Einsatz des 2′er Aktionsplättchen eine Distriktwertung mit dem Faktor 2 auslösen (Anzahl der eigenen Stände in dem Distrikt multipliziert mit dem Faktor) und erhält anschlieÃend ein 3′er Aktionsplättchen. Je mehr Distriktwertungen ausgelöst werden, umso schlechter werden die neutralen Aktionsplättchen, die man als Ersatz erhält. Man sollte also den richtigen Zeitpunkt finden (zu früh = wenige Punkte, zu spät = weniger Aktionen in der Folge).Â
Die zur Verfügung stehenden Aktionen sind wahrlich überschaubar:
Gibt es weitere Aktionen? Nein, das war es schon. OK, zwischendurch kann man den Bobby beliebig auf dem Spielplan durch die Distrikte wandern lassen – das zählt aber nicht als Aktion. Allerdings muà man bei Gassen, die überquert werden an die Spieler mit den Mehrheiten jeweils einen Siegpunkt abgeben. Das kann mit zunehmender Spielerzahl schon lästig werden.
Bei der Gassenwertung kommt es auf die Kombination der zwei begrenzenden Kunden an und auf die Plätze, wo die Marktstände stehen. Eine Gasse wird immer erst dann gewertet, wenn sie voll besetzt und von zwei Kunden begrenzt ist.
Dann werden für jeden dort vertretenen Spieler die Punkte auf den Häusern, an denen ein eigener Marktstand steht addiert und mit einem Faktor multipliziert, der von der Kombination der beiden Kunden abhängt. Es gibt nämlich graue und rosa Kunden. Für die grauen Kunden (wahrscheinlich die armen Männer) gibt es weniger Punkte als für die rosa Kunden (wahrscheinlich die kauffreudigen Frauen). So beträgt der Faktor bei zwei grauen Kunden 1, bei einem grauen und einem rosa Kunden 2 und bei zwei rosa Kunden 3.
Wenn alle 10 Kunden gesetzt wurden und das Spiel ist noch nicht beendet (ein Spieler hat alle Marktstände platziert), betritt der Lord den Markt und wird auf den letzten freien Platz gestellt. Der Lord hat zwei Auswirkungen:
Tja, und dann sind 30 Minuten um und das Spiel vorbei. Es dauert wirklich nicht länger und lädt somit zu einer Revanche ein.
Insgesamt ist Portobello Market ein schönes Familienspiel für zwischendurch. Eigentlich so ein typisches Spiel des Jahres (nicht negativ gemeint). Wobei ich Thurn und Taxis schon als komplexer einschätzen würde.
Wer Portobello Market mal spielt, sollte unbedingt die Variante ausprobieren, bei der die Kunden nicht blind aus einem Beutel gezogen, sondern vorher offen in einer Reihen aufdrapiert werden. Das macht das Spiel noch einmal etwas planbarer und eliminiert die einzige Glückskomponente. Dann muà man nur noch schauen, wie man mit dem Startspielervorteil umgeht. Der ist nicht weltbewegend, aber vorhanden.
Interessant ist auch die Punkteskala. Die kann einen schnell mal in die Irre führen. Der Sieger wird am Ende ermittelt. Die selber auslösbaren Zwischenwertung und die Lordwertung am Ende können die Punkte schon kräftig durcheinanderwerfen. Eben noch geführt und jetzt schon wieder SchluÃlicht. Angenehm ist dabei, daà es den Punktestand während des Spiels etwas intransparent macht. Somit hacken nicht alle auf dem offensichtlich Führenden ein (gerade bei ungerader Spieleranzahl immer wieder gerne gemacht). Das Spiel ist übrigens zu zweit viel taktischer als zu viert, wo man eher schaut das Beste aus der gegebenen Situation zu machen. Ãber alles bietet Portobello aber nichts Neues. Irgendwie hat man das Gefühl sowas wie Portobello Market schon einmal gespielt zu haben. Nur welches Spiel war das nochmal?
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# JoelH on Februar 23rd, 2007
Ein nettes Spiel, zwar kein überflieger aber doch mit einigem taktischen Potenzial. Schnell erklärt und relativ fix gespielt, so dass man auch einige Revangepartien spielen kann. Für mich durchaus Potenzial zum SdJ 2007, wir werden sehen.
# Braz on April 6th, 2007
Ich finde es auch: Sehr schönes Spielchen: Schnell erklärt, genug taktischer Tiefgang, genug Ãrgerpotential, hübsche Grafik ….. mir hat`s gefallen