
Endlich mal ein Spiel, was historisch gesehen nach den ganzen Weltkriegen spielt. In Twilight Struggle geht es um den kalten Krieg mit allen historisch damit im Zusammenhang stehenden Ereignisse. Wir spielen die Jahre 1945 – 1989 – hört sich spannend an! Also – man öffne kurz den eisernen Vorhang und entscheide wer denn die UDSSR und wer denn die USA spielt (wer von beiden ist eigentlich der Böse?). Let the Show begin!
Twilight Struggle gibt es derzeit nur auf Englisch – allerdings gibt es z.B. bei attila-products die deutsche Spielregel und weitere Hilfen. Die Regeln sind nicht äußerst komplex und bieten somit auch Neulingen im KoSim Bereich die Möglichkeit zu einem guten Einstieg. Nicht erschrecken, das Regelheft wirkt nur so lang, weil am Ende zu allen Karten historische Hintergründe erklärt werden und ein komplettes Beispiel-Spiel dargestellt ist. Kurzum: Das Regelheft ist sehr gut.
Der Spielplan könnte wie bei vielen englischsprachigen Spielen dieser Art etwas dicker sein und etwas besser auf dem Tisch aufliegen – aber es geht dann doch irgendwie. Ich frage mich jedesmal (z.B. auch bei Paths of Glory), warum diese Spiele bei diesen Preisen keine state-of-the-art Spielmaterialen bieten können?
Kalter Krieg nicht kalter Kaffee
Wie gesagt finde ich Twilight Struggle vom Spielhintergrund, der -story sehr gelungen. Hier spielt sich einiges militärisch ab und vieles politisch/ diplomatisch. Viele verschiedene Komponenten und Spielmechanismen greifen auf innovative, intelligente und herausfordernde Art ineinander. Ich mag das: großer Tiefgang bei überschaubarer Regel.
Wie geht denn das Spiel überhaupt? Zumindest eine Erklärung in Kürze
Jeder Spieler hat eine bestimmte Anzahl von Handkarten, die jede der Spielrunden wieder aufgefüllt werden müssen. Die Karten werden entweder als Ereignis (Text unten auf der Karte) oder für Operationspunkte (oben links in der Ecke) ausgespielt. Hierbei sind die Ereignisse eine der beiden Supermächte (USA vs. UDSSR) zugeordnet. Spielt z.B. der USA Spieler eine Karte für Operationspunkte und das Ereignis auf der Karte ist dem UDSSR Spieler zugeordnet, so kann dieser entscheiden, ob er das Ereignis ausführen möchte. Danach kann der USA-Spieler seine Operationspunkte für das Setzen von Einflußmarkern, einen Neuausrichtungsversuch, einen Putschversuch oder dem Weltraumrennen investieren.
Wichtig sind im gesamten Spiel Timing und Strategie. Man muß immer auf der Hut sein, was der politische Gegner unternimmt und trotzdem sein Spiel aufbauen und kleine, bloß nicht Atomkrieg auslösende, Sticheleien starten.
Sind alle Karten gespielt, beginnt die nächste Runde mit neuen Karten. Bestimmte Karten gehen nach dem sie als Ereignis gespielt wurden ganz aus den Spiel (Fidel kann es halt nur einmal geben). Die Ereignisse sind übrigens alle real und aus der damaligen Zeit und spiegeln den tatsächlichen Verlauf des kalten Krieges exakt wieder. Die Karten sind in frühen Krieg, mittleren Krieg und späten Krieg unterteilt, womit sichergestellt wird, daß Gorbatschow nicht vor der Nato Gründung in das Spiel eingreift.
Um es gleich an dieser Stelle zu erwähnen: Natürlich spielt der Glücksfaktor in Form des Kartenziehens und des Auswürfelns der Neuausrichtungs- und Putschversuche mit – trotzdem bleiben jedem Spieler stets genügend Entscheidungssituationen, um den Spielverlauf maßgeblich zu beeinflussen.
Nun wäre das ja langweilig, wenn es nur um Mehrheiten in einzelnen Regionen gehen würde. Daneben gibt es aber noch einen Defcon Status, das Weltraumrennen und diese häßlichen militärischen Operationen, die man durchführen muß, weil der Gegner sonst Siegpunkte erhält.
Die Sache mit dem Defcon Status (Defcon 1 = Atomkrieg) ist schon ein nettes Gimmick im Spiel. Kann man doch staatsmännisch mit dem Defcon Status den Gegner ganz schön in Bedrängnis bringen. Je niedriger der Defcon Status, umso mehr werden kriegerische Ereignisse und Putsche in verschiedenen Gebieten eingeschränkt. Geht der Defcon Status auf 1, so hat der aktive Spieler sofort verloren. Wir erinnern uns: Man muß eine Karte spielen – ärgerlich, wenn man dadurch den Defcon Status verschlechtert. Der Defcon Status ist ein schönes regulativ im Spiel, da es eine echte Balance zwischen Kriegen/ Putschen und Einflußausbau herstellt.
Schön ist auch das Weltraumrennen. Wer weiß noch, wie heiß damals das Thema Weltraum war – wer da nicht alles als erster Mensch auf dem Mond landen wollte (wie war das? Der erste Mensch im Weltraum war ein Hund – oder war es ein Affe – oder Hund?). Wer erfolgreich beim Weltraumrennen ist erhält Siegpunkte und besondere Eigenschaften – solange, bis der andere Spieler nachgezogen hat. Also: Nicht das Weltraumrennen aus den Augen verlieren. Außerdem kann man hier auch unbequeme Karten loswerden, da Ereignisse beim Ausspielen einer Karte für das Weltraumrennen nicht ausgeführt werden.
Sonst erhält man für Anwesenheit, Vorherrschaft und Kontrolle von Ländern Punkte, wenn diese gewertet werden. Da Wertungskarten nicht für nächste Runden auf der Hand behalten werden können, müssen diese in der Runde gespielt werden, in der man sie erhält. Man hat Martin gesabbert, als ich den Mittleren Osten werten mußte – pfui!
Das Spiel endet nach der 10. Runde (Gewinner ist derjenige mit den meisten Punkten), oder wenn ein Spieler ausversehen den Atomkrieg auslöst, Gesamteuropa bei einer Wertung kontrolliert oder 20 Siegpunkte erreicht hat.
Lohnenswert?
Twilight Struggle ist eine wirkliche Perle unter den KoSim Spielen, die leider viel zu wenig Beachtung gefunden hat. Das Thema, die Mechanismen und die unterschiedlichen Spielverläufe begeistern mich jedesmal aufs Neue für das Spiel. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich auf das Spiel aufmerksam wurde – aber ich hoffe, daß dieser Bericht dazu führt, daß noch mehr Spieler auf Twilight Struggle aufmerksam werden. Es lohnt sich! Aber auch hier gilt, wie bei den meisten GMT Titeln. Das Spiel wird mit jeder Partie besser und die Strategien müssen über mehrere Spiele erarbeitet werden.
Mittlerweile steht fest, daß im Sommer 2009 eine deutsche Version erscheinen wird, die sogar ein mounted board beinhaltet – freu…
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# Mat on November 5th, 2007
Es gibt wirklich die Spielkarten und die Spielregel auf deutsch zum Selber-Ausdrucken, damit sollte das Spiel auf für Englisch-Unkundige kein Problem darstellen.
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Was ich nicht verstehe, ist dein Kommentar, dass das Spiel unbeachtet ist. Vielleicht meinst du hier in Deutschland, das könnte sein, aber auf Boardgamegeek ist es sicher nicht einfach so auf Platz 3 gelandet
# Sankt Peter on April 13th, 2009
Super Spiel - Für 2 Spieler, hoch interessantes Thema - leider auch etwas längere Spielzeit. Ausprobieren - schöner Einstieg in die Counter-Card-Driven-CoSim Welt.Spielreiz
Spielmaterial
Spielregel
Einfluss
Interaktion
Innovation