
Am Anfang war…
… das Regelstudium! Vier Stunden durch die Anleitung gequält (wohl gemerkt nach mindestens vier Anläufen, die ich vorher schon einmal gestartet habe). Eigentlich sind die Regeln gar nicht so kompliziert – aber einfach unstrukturiert und vielleicht schon zu ausführlich (es wird wirklich alles beschrieben und es bleiben keine Fragen offen). Ich denke, das Problem mit der Regel resultiert aus der Tatsache, daà das Spiel möglichst historisch korrekt ablaufen soll und deshalb jedes Volk (insbesondere die Römer) ihre Besonderheiten (d.h. Ausnahmen von den Standardregeln) haben. Diese Sonderregeln sind quer in der Anleitung verteilt und nicht unbedingt immer an der Stelle, wo man sie vermutet und manchmal sogar nur in einer kleine Extra-Box am Rand… Ich habe dann beim Lesen gleich noch eine Kurzspielregel erstellt, die man im Datenbankbereich des Forums runterladen kann (Kurzspielregel). Viel Spaà damit, Ihr spart stundenlanges Regelstudium.
Ist Britannia neu?
Nein! Britannia ist im Jahr 2005 als Neuauflage mit schönem Material von Fantasy Flight Games neu aufgelegt worden. Die erste Variante gab es bereits im Jahr 1986. In der Neuauflage wurde wie gesagt das Material, aber auch die Regel überarbeitet – und es hat sich gelohnt. Derzeit ist Britannia zwar nur in Englisch erhältlich, das soll sich aber noch im Sommer 2007 ändern – wir dürfen gespannt sein. Da im Spiel selber keine Ereigniskarten oder sonstige textlastigen Elemente vorhanden sind, ist das Spiel (die Regeln mal auÃen vor gelassen) eigentlich beinahe sprachneutral und auch von Englisch-Legasthenikern gut zu spielen.
Grundsätzliches
Aber bitte spielt Britannia genau zu viert. Das ist mit Abstand die beste, ausgeglichenste und damit auch freudvollste Besetzung. D.h. Ihr müÃt nur noch drei Mitspieler finden, die bereit sind rd. 5 Stunden Zeit zu investieren. Kein Problem? Na dann los…
Zum Spielablauf
Das spannende Element an Britannia ist die wirklich historisch korrekte Einbindung der Nationen in das Spiel. Jeder Spieler verfügt über 4 Nationen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten in das Spielgeschehen eingreifen. Jede Nation erhält Siegpunkte für andere Länder, die sie besetzen muÃ. Und es passiert auch, daà bestimmte Nationen dann nach ein paar Runden wieder vollständig aus dem Spiel verschwinden.
Gespielt werden 16 Runden (die Jahre 45 bis 1085), die aus jeweils 5 Phasen bestehen:
Durch das hervorragende Regelstudium und der guten Vorbereitung konnten wir schnell loslegen und bereits nach der ersten Runde war allen klar, worum und wie es geht.
Vereinfacht gesagt sammelt jede Nation für sich Siegpunkte, die sie für Ländereroberungen oder die Zerstörung von Armeen, römischen Befestigungen oder Anführern erhält. Eine andere Möglichkeit besteht noch darin einfach mal König für eine Runde zu werden (leichter gesagt als getan).
Wer sich mehr für den Spielablauf im Einzelnen interessiert sollte unbedingt einen Blick in die Kurzanleitung werfen.
Als wäre man dabei…
Das Spielgefühl bei Britannia fanden alle toll. Man spürt richtig die Charaktere und Besonderheiten der einzelnen Nationen, die sich da so im Laufe der Zeit auf der Insel tummeln. Da unterwerfen sich Nationen den Römern, fallen die Iren immer wieder vom Meer aus in das Land ein oder punkten friedvoll die Schotten in den ersten Runden in ihrem vom Krieg verschonten Land.
Das Kämpfen wird durch Würfel entschieden. Daniel hatte wieder einmal seien Pechsträhne dabei (wie damals bei Axis and Allies) und auch mir waren die Würfel nicht besonders gut gesonnen. Aber auch wenn hier ein Glücksmoment vorhanden ist, so spiegelte sich das schlechte Würfeln nicht unbedingt in den Siegpunkten wider.
Interessant an den Siegpunkten ist, daà zu Beginn die Römer Siegpunkte ohne Ende scheffeln, da sie beinahe einmal quer durch ganz England latschen, überall ihre Befestigungen errichten und Nationen unterwerfen oder ausrotten (na ja, damit hat Nico, der die Römer gespielt hat, natürlich einen konträren Verlauf seiner Sympathiepunkte zu seinen Siegpunkten erreicht). In Runde 6 ist dann allerdings Schluà damit (die Sympathiepunkte für Nico blieben trotzdem im Keller – man ist ja nachtragend), da im eigenen Land die Luft dick wird und die Römer zur Verteidigung der Heimat mal kurzerhand die Insel verlassen (getreu dem Motto: Kommen, sehen, gehen…). Dann schlägt die Stunde der anderen Nationen, wie z.B. der Sachsen, der Angles, der Norwegians und der Normansbis dann zum Ende hin irgendwann mal die Dänen ihren groÃen Auftritt haben. Während des Spiels sieht man zwar die Siegpunkte der einzelnen Nationen, durch diesen wenig gleichmäÃigen Verlauf ist aber vor Ende des Spiels nur schwer prognostizierbar, welcher Spieler denn am Ende, wenn jeder die Punkte seiner Nationen addiert, die Nase vorne hat.
Was uns gestört hat…Â
Etwas störend empfanden wir, daà man nur schwer bis gar nicht den Ãberblick darüber hat, wer wann welche Punkte wofür bekommt. In der Kurzregel habe ich eine Punkteübersichtstabelle eingebaut, die dieses Problem beseitigen sollte. Jetzt kann man endlich auch mal die anderen ärgern, indem man ihnen kurz vor einer Punkterunde einfach ein Land entreiÃt. Das macht Spaà und bringt mehr Würze ins Spiel (und hebt vielleicht auch im Zeitablauf wieder Nicos Sympathiewerte).
Fazit
Ich bin glücklich, die Zeit für das Regelstudium dann doch noch investiert zu haben. Britannia ist ein richtig gutes und damit auch empfehlenswertes Spiel. Es bleibt abzuwarten, wie ähnlich die einzelnen Partien verlaufen, da durch die regeltechnische Berücksichtigung der Historie so eine Art sinnvolle Bewegungspfade für die einzelnen Nationen vorgegeben werden.
Nachteil an Britannia ist eigentlich nur, daà es halt genau mit vier Spielern Spaà macht und eigentlich auch dafür ausgelegt ist. Die 3- und 5-Spielervariante sind Hilfskonstrukte. Entweder scheiden einige Spieler schon frühzeitig ganz aus dem Spiel aus und dürfen dann noch ein paar Stunden zuschauen oder das Spiel zieht sich noch weiter in die Länge. Die Aufteilung der Nationen bei vier Spielern ist im Mix (sowohl für den zeitlichen als auch für den inhaltlichen Ablauf) einfach ideal.
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