
Die Baumeister von Arkadia ist einer der neueren Streiche vom Ravensburger Spielerverlag. Einfache kurze Regeln führen zu einem schnellen Einstieg in das Spiel. Wirkliche Innovationen vermisst man allerdings nicht nur beim Regelstudium, sondern auch anschlieÃend im Spiel.
Ziel ist es, am Ende des Spiels mehr Gold durch den Tausch von Siegeln, die man beim UmschlieÃen und damit Fertigstellen eines Gebäudes auf dem Plan erhält, zu haben, als die Gegenspieler.
Tja, wie kam das Spiel denn nun bei uns an?
Es plätscherte so vor sich hin. Im Gegensatz zu anderen Rezensionen im Internet empfanden wir den Glücksanteil im Spiel als zu bestimmend.
Erst einmal spielt bei den Baumeistern immer das Glück mit, da man immer nur das Gebäude auf dem Spielplan platzieren darf, von dem man auch die Karte auf der Hand hat. Bei vier Karten auf der Hand ist das aufgrund der Vielzahl der Gebäude schon ein nicht zu unterschätzender Glücksanteil. Das Glück ist auch durch die offene Auslage von drei Karten, aus der man seine Handkarten wieder auffüllt nur unwesentlich abgedämpft.
Verstärkt wird der Glücksanteil dafür wieder durch die Differenzierung der einzelnen Siegelfarben. Jede Gebäudekarte beschreibt ein Gebäude und die Siegelfarbe. Von den Siegelfarben gibt es wiederum vier (rot, schwarz, grün und weiÃ). Also noch mehr Glück.
Denn die Siegelfarbe ist einer der bestimmenden Faktoren beim Tausch Siegel gegen Gold. Der andere bestimmende Faktor ist die Anzahl der sichtbaren Siegel beim Bau des Kastells. Immer wenn Gebäude fertiggestellt werden (d.h. vollständig von Arbeitern umschlossen wurden) erhält man die Siegel der Gebäudefarbe des umschlossenen Gebäudes (je nach Anzahl eigener Arbeiter an diesem Gebäude) und kann anschlieÃend pro umschlossenen Gebäude einen Kastellbaustein setzen und damit die Mehrheiten der sichtbaren Siegel im Kastell verändern. Hier spielt mal kein Glück eine Rolle, da die Kastellbausteine offen ausgewählt werden können. Nur was hilft mir das, wenn ich die Siegelfarben im Kastell bewuÃt beeinflussen kann, aber über einen groÃen Glücksfaktor die zum Tausch notwendigen Siegel erhalte?
Um an Gold zu kommen, kann jeder Spieler im Verlaufe des Spieles (unabhängig von der SchluÃwertung für alle) bis zu viermal eine Fahne opfern und dann eigene Siegel in Gold umtauschen. Hierbei werden die Anzahl der Siegel einer Farbe mit der Anzahl der sichtbaren Siegel dieser Farbe im Kastells multipliziert. Wichtig ist es demnach den richtigen Zeitpunkt abzupassen, um zu einem möglichst hohen Kurs (viele sichtbare Siegel der Farbe, die man tauschen möchte) die erkämpften Siegel zu verscherbeln. Hier ist es manchmal auch sinnvoll nicht alle Siegel oder Sieglfarben zu tauschen, um auf bessere Kurse zu warten. Ein Anreiz wäre hier sicherlich auch gewesen, wenn auch die Anzahl der Siegel, die getauscht werden, auch insofern eine Rolle gespielt hätten, daà mann beim Tausch stufenweise einen Bonus erhält – z.B. tauscht man mehr als 5 Siegel, so erhält man ein Gold zusätzlich zum normalen Tauschergebnis. Vielleicht sollte man das mal als Variante versuchen.
Aber…
Insgesamt ist das Spiel leider viel zu kurz und glücksbetont, um wirklich sinnvoll und strategisch geplant einen Vorteil für sich herauszuarbeiten. Es beschränkt sich demnach auf Glück und einen Hauch (Hauch groÃgeschireben) von Taktik, um Vorteile gegenüber den anderen Spielern zu erlangen. Auch ändert sich viel zu viel auf dem Spielplan, bis man wieder an der Reihe ist (“… Mist, da wollte ich doch hinsetzen…”).
Das permanent knappe Gut von Arbeitern, die man hat, zwingen auÃerdem dazu, daà Gebäude teilweise nur mit Hilfe der anderen Spieler umschlossen werden können. Doch wer geht da schon gerne in die Vorleistung? Auch der Nachschub an neuen Arbeitern ist eher schleppend. Die erhält man nur, wenn man ein Gebäude auf einen Zeltplatz legt (= einen neutralen Arbeiter) oder eine Wertung durchführt (= zwei eigene Arbeiter). Sonst bleiben – und das konnten wir zu Beginn gar nicht glauben – einmal gesetzte Arbeiter bis zum Ende auf dem Spielplan stehen. Das führt dazu, daà teilweise rundenlag keine Gebäude fertiggestellt werden und dann zum Schluà hin einer der Glückliche ist, der zum richtigen Zeitpunkt genügend Arbeiter hat, um dann gleich eine Vielzahl von Gebäuden auf einmal fertigzustellen (das ist dann meistens auch der Gesamtsieger).
Wir fanden das Spiel nicht so überwältigend. Der Funke sprang einfach nicht über. Höhepunkte im Spiel gab es nicht – wie gesagt: es plätscherte so vor sich hin und war dann irgendwann vorbei. Keiner wollte eine Revanche – zu langweilig war die gespielte Partie. Schwer zu sagen, ob die Baumeister noch einmal bei uns bauen dürfen - zu gut sind andere 60 Minuten Spiele, die man dann lieber spielt. Vielleicht liegt es aber auch daran, daà bei uns solche Spiele einfach insgesamt nicht so gerne gespielt werden – war bei Elasund auch schon so.
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# Mario on März 7th, 2007
Eigentlich ein relativ langweiliges Grübelspiel. Wichtig ist, dass der Spieler rechts von Dir nicht durchblickt und die besten Möglichkeiten übersieht – das ist auch schon, was an Interaktion stattfindet. Schön anzusehen ist das entstehende Türmchen in der Mitte, dass aber immer den Blick auf einen Teil des Spielfeldes verstellt.
# Canis on März 12th, 2007
Noch eine Anmerkung zum Material: So schön der Turm in der Mitte auch aussieht, versperrt er doch den Blick auf einen Teil des Spielfeldes.
Andererseits war es mir durchaus möglich, gezielt auf das Erobern von Siegeln einer bestimmten Farbe zu spielen.
Ãtzend ist, dass man praktisch nicht vorausplanen kann, weil sich durch den Zug des Vordermannes ganz andere Möglichkeiten bieten (oder auch nicht mehr). Ist man dann an der Reihe, muss man quasi das gesammte Spielfeld nach der besten Möglichkeit absuchen – das kann dauern und die lieben Mitspieler sind es jetzt, die vor Langeweile sterben.
# ode on Juli 15th, 2008
Mal wieder habe ich ein alte Rezi durchgelesen. Manchmal stöbert man noch gerne…
Aber komischerweise ist mein Eindruck von dem Spiel ein ganz anderer!!!Mag sein, dass es daran liegt, dass wir bisher immer nur zu zweit gespielt haben, und sich daher nicht so lange Wartezeiten ergeben, was ja auch ein großer Kritikpunkt eurerseits ist.
Andererseits empfinde ich das Spiel als nicht so glückslastig wie ihr. Klar, es ist Glück dabei. Aber der fügt sich in meinen Augen sehr gut in das Spiel ein! Der Glücksanteil sorgt eher dafür, dass Optimierer nicht zu lange rumtüfteln. Die Möglichkeiten beim eigenen Spielzug sind so recht überschaubar und laden ein nicht zu verbissen an das Spiel zu gehen.
Wer das Spiel öfters gespielt hat, wird bald merken, dass es nicht darum geht, möglichst viele eigene Baumeister um die Gebäude zu stellen. Davon gibt es einfach zu wenige. Wichtiger ist es, die Baumeister so zu stellen, dass sie möglichst effektiv sind. Um die Gebäude abzuschließen sollte man nicht die Baumeister benutzen, sondern die nächsten Gebäude passend daran bauen. Das ist viel sinnvoller. Man muss auch ein Händchen dafür bekommen, wann man werten sollte. Ist einmal eine gute Situation da (am Kastell) sollte man sie nutzen. Ruhig auch mal früh und vielleicht ohne große Punkteausbeute, denn der Nachschub an eigenen Baumeistern ist früh wichtig, denn je länger die Baumeister auf dem Feld sind desto besser kann ich Gebäude um sie herum legen.
In unseren Augen ist es ein sehr schönes, durchaus taktisches, und kurzweiliges Spiel mit einer feinen Mischung aus Glück und Einfluß. Dazu mit tollem Spielmaterial und passender Spieldauer.
ode.