
Jawa, Bali, Sulawesi, … ja richtig: Indonesien. Land der Reisfelder, schönen Landschaften, Touristen und natürlich und leider jedem spätestens seit dem Bombenanschlag auf Bali bekannt.
Splotter Spellen hat diese wunderschöne Insellandschaft zum Thema in dem von ihnen im Jahr 2005 veröffentlichten Spiel “Indonesia” gemacht. Das Spielmaterial ist ok, aber nicht überwältigend – will heißen nicht sonderlich atmosphärisch unterstützend.
Aber: Wir sind Indonesien!
Worum geht es – aber nur kurz…
Indonesia ist ein knallhartes Wirtschaftsspiel, bei dem sich alles um mergers and acquisitions dreht. Innerhalb der drei Epochen, die man spielt entwickelt sich die Insel wirtschaftlich immer weiter und natürlich möchte jeder Spieler ein möglichst großes Stück von dem Kuchen abhaben. Da nascht man gerne – wenn es denn zum Sieg verhilft.
Es existieren auf dem Spielplan Produktions- und Schifffahrtsunternehmen (schreibt man das eigentlich mittlerweile mit 3*f?), die von den Spielern zum Erfolg geführt werden müssen. Allerdings können Unternehmen jederzeit fusionieren und damit zu größeren Unternehmen werden. Hierbei dürfen nur gleiche Unternehmen fusioniert werden (Gewürzunternehmen mit Gewürzunternehmen, … oder als Ausnahme auch Reis mit Gewürzunternehmen zu einem Billig-Technikproduktunternehmen). Die zur Verfügung stehenden Waren (Reis, Gewürze, Gummi, Siap Faji und Öl) haben unterschiedliche, aber im Spielverlauf feste Verkaufspreise, betreten das Spielfeld in unterschiedlichen Epochen und müssen per Schiff, soweit möglich an Städte geliefert und dort verkauft werden. Es gibt drei verschiedene Stadtgrößen, die sich darin unterscheiden, wie viele Waren jeder Art pro Runde angeschippert und verhökert werden können. Städte wachsen, wenn in einer Spielrunde von jeder verfügbaren Ware die maximale erlaubte Anzahl an die Stadt geliefert werden.
Das Problem bei Indonesia ist, daß man produzierte Waren verschiffen und verkaufen muß, wenn das geht. Das kann dazu führen, daß man einmal Reis für 20 Rupien verkauft und der Transport dem Spieler mit der Schifffahrtslinie, die man nutzen muß 25 Rupien bringt (5 Rupie pro benutztes Schiff). Der schlaue Betriebswirt hat gerade festgestellt, daß man solche Geschäfte als Produktionsunternehmen möglichst nur in Ausnahmefällen tätigen sollte. Der noch schlauere Volkswirt hat festgestellt, daß die Volkswirtschaft trotzdem wächst und es egal ist, wie es dem einzelnen Unternehmen geht – Hauptsache der Gesamtheit geht es besser.
Ein weiteres interessantes Element ist der Bereich der eigenen Entwicklung. Jeder Unternehmer am Tisch wird durch bestimmte Skills beschrieben (Anzahl der Unternehmen, die man besitzen darf; Anzahl der Besitzurkunden, die an einer Fusion beteiligt sein dürfen, Maximales Wachstum eines eigenen Unternehmens, …). Diese müssen im Spiel entwickelt werden. Schwere Entscheidung, was man da vorwärts bringen soll, ist doch irgendwie alles sehr wichtig.
Damit hier aber nicht eine komplette Abhandlung der Regeln und des Spielverlaufes erfolgen muß, sondern die Kurzbeschreibung ausreicht, verlinke ich mal eine Kurzspielregel. Sie basiert auf der Kurzspielregel, die man bei attila-products runterladen kann. Ich habe sie in Teilen verkürzt, ergänzt und anders formatiert. Sie ist vier Seiten lang und passt damit im Duplex Druck mit der Einstellung zwei Seiten pro Blatt auf ein DIN A4 Blatt quer (Vorder- und Rückseite). Du findest die Anleitung im Datenbankbereich des Forums (Kurzspielregel).
Mit der Regel war uns ein schneller Einstieg in das Spiel möglich.
Achtung Meinung
Wir haben Indonesia zu dritt in einer gemischten Gruppe gespielt. Damit meine ich eine richtig gemischte Gruppe (Frau, Mann, Vielspieler, Wenigspieler). Das Spiel hat sage und schreibe rd. 4 Stunden gedauert. Ein echter Brocken, aber nie langweilig.
Schön an dem Spiel ist es, daß man sieht, wie die Inseln gedeihen und die Wirtschaft wächst. Leider habe ich relativ schnell zwei Schiffahrtslinien zu einem viel zu hohen Preis fusioniert. Ehe ich überhaupt Erträge damit erwirtschaften konnte, um den Kaufpreis zu amortisieren, wurde sie mir durch eine Fusion schon wieder weggenommen (Danke Martin). Davon habe ich mich das ganze Spiel nicht wirklich erholen können. Obwohl das echt ärgerlich war, hat mir das Spiel trotzdem bis zum Ende Spaß gemacht. Die ersten beiden Plätze trennten zum Schluß 3 Rupien, was bei einem Stand von über 1.500 Rupien nicht wirklich viel ist und zu einer kleinen Ärgerwolke über dem Kopf des Zweiten führte (nicht wahr Martin). Um es offen zu sagen: Am Ende hat Marion – die einzige Frau am Tisch – gewonnen, was meine Theorie mal wieder bestärkt unbedingt eine Frau an die Spitze des Finanzministeriums zu berufen. Hat man erst einmal alle Schuh- und Taschenläden aus ihrer Umgebung entfernt, wird sie bestimmt sehr verantwortungs- und sinnvoll mit dem Geld umgehen.
Etwas gewöhnungsbedürftig fand ich bei der Schlußwertung und Siegerermittlung, das die Unternehmen auf dem Spielplan gar keinen Wert haben. Nur das Geld in der Bank und die Cash Mittel entscheiden über “Juhu” und “Sch…”. D.h., daß Fusionen im Spielverlauf und insbesondere zum Ende hin immer weniger Sinn machen oder erheblich preiswerter erfolgen, da die Zeit für eine Amortisation der Investition, d.h. bis mindestens Erträge in Höhe des Fusionspreises in die Kasse gespült wurden, immer kürzer wird. Daran muß man sich erst einmal gewöhnen, sonst hockt man am Ende auf totem Kapital.
Was macht das Glück und wieviel Strategie gibt es?
Insgesamt haben wir keinen einzigen Glücksfaktor in Indonesia ausmachen können. Alles ist beeinflußbar und man darf sich dann auch im Falle einer Niederlage (oder auch eines Sieges) an die eigene Nase fassen. Indonesia bietet den Spielern eine Vielzahl von Strategiemöglichkeiten (Entwicklung der eigenen Skills, Welche Unternehmen erwerbe ich, …). Das Spiel entscheidet sich aber im Wesentlichen über das Fusionsthema. Immerhin kann man ja auch Fusionen einleiten und an Fusionen mitbieten, an denen gar keine eigenen Unternehmen beteiligt sind. Wenn dann die Kriegskasse gefüllt ist, gilt aber “Holla die Waldfee – hier komme ich”. Bei den Fusionen sind Timing, Vorbereitung und Auswahl der richtigen Unternehmen die bestimmenden Erfolgsfaktoren. Hier kann man gewinnen oder verlieren - und das Lustige ist, daß bei uns jeder Spieler den Wert der zu fusionierenden Unternehmen anders eingeschätzt hat. Ich leider auch einmal … grummel!
Indonesia ist ein empfehlenswertes Spiel, daß bei uns sehr positiv bewertet wurde und definitiv nicht das letzte Mal auf dem Tisch lag. Einziger Nachteil ist, daß die letzten Runden etwas unübersichtlich werden, wenn die Waren verschifft und verkauft werden (Aussagen wie: “… welche Schiffe hast Du gerade genutzt…”, “… zu welcher Stadt lieferst Du – und vor allem von wo…” sind hier nicht selten). Gerade in der letzten Operationsphase vor dem Ende ist das wichtig, denn die zählt doppelt (auch die Fehler natürlich) und kann auch noch einmal ein Spiel kippen.
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# Sankt Peter on April 5th, 2009
In meinen Augen eines der besten Wirtschaftsspiele, auch wenn es zum Ende hin etwas unübersichtlich wird...Spielreiz
Spielmaterial
Spielregel
Einfluss
Interaktion
Innovation