
1861 – Die Eisenbahnen des Russischen Reichs – ein weiterer Ableger der berühmt berüchtigten 18xx Reihe, die mit 1830 vor vielen Jahren die bis heute gültige Meßlatte für Aktien-Wirtschaftsspiele gesetzt hat. Weihnachten machte es dann “Tuuuuuuttttt” unterm Weihnachtsbaum, denn der Mann mit der roten Mütze hatte für mich ein 1861 mit deutscher Anleitung durch den Schornstein geworfen. Erst jetzt im Februar kamen wir dazu, es auch auszuprobieren. Ich glaube es gibt derzeit einfach zu viele gute Spiele – man kommt ja kaum noch hinterher.
Um der hohen Komplexität des Spiels gerecht zu werden habe ich mich dann ran gesetzt und erst einmal eine Kurzanleitung verfasst, die man im Datenbankbereich des Forums runterladen kann (Kurzspielregel).
Damit umgehe ich dann auch gleich das Thema, hier die gesamte Regel darzulegen. Lest einfach die vier Seiten der Kurzspielregel durch und Ihr bekommt einen Eindruck vom Ablauf des Spiels.
Bei der Erstellung der Kurzregeln habe ich übrigens gleich verwundert feststellen dürfen, daß die Komplexität von 1861 nicht etwa aus komplex-komplizierten Regeln rührt, sondern aus dem Zusammenspiel der einzelnen Spielmechanismen. Das ist auch der Grund dafür, daß eine Partie 1861 einerseits definitiv spannend, auch für semi-professionelle Spieler geeignet, andererseits aber sehr lang ist (rd. 8 Stunden sollte man schon einplanen). Bei der ersten Partie haben wir uns dann alle auch öfter mal die Haare gerauft, weil man z.B. wieder einmal zu viel für eine Gesellschaft bezahlt hat, den Aktienpreis zu hoch gesetzt hat oder ein paar der eigenen Gesellschaften sofort auf dem Silbertablett der russischen Staatsbahn übergeben durfte, da man alle Loks verschrotten mußte. Schrott happens! Wichtig – ja nahezu überlebenswichtig – für die Gesellschaften ist das Startkapital, was ja mit dem Kauf oder der Eröffnung der Gesellschaft in das Betriebskapital fließt. Man kann sich zwar einerseits über ein Schnäppchen freuen – bereut die karge Kapitalausstattung der Gesellschaft aber spätestens nach ein paar Runden. Also nicht geizen, sondern strategisch investieren und dann gezielt den Ausbau des Gleisnetzes, der Einnahmen und des Börsenwertes vorantreiben.
Ach ja, vor dem Loslegen unbedingt einen Taschenrechner bereitlegen. Will heißen: Eine Affinität zu Zahlen und diesem ganzen Börsenkurskram sollte man schon haben, um eine Runde 1861 auch wirklich genießen zu können. Wenn im Laufe des Spiels mehrmals Ausschüttungen berechnet werden müssen, wird man dieses Hilfsmittel nicht missen wollen und dankt mehrmals dem Erfinder dieser Rechenmaschine. Nicht umsonst gibt es PC gestützte Spielhilfen für die 18xx Spiele. Hat man das aber alles im Griff, dann ist die Entwicklung von den kleinen Privatbahnen zu den kleinen und schließlich großen Gesellschaften höchst spannend.
Ein gutes Gefühl für den Wert von Gesellschaften zu einem bestimmten Zeitpunkt und das richtige Timing, sowie eine Prise Glück beim Setzen auf bestimmte Kursentwicklungen einzelner Gesellschaften sind der Garant für den Erfolg.
Das Spiel wird in Aktien- und Operationsrunden gespielt. Zum Ende der Phase der kleinen Gesellschaften nervt ein bisschen die hohe Anzahl von kleinen Gesellschaften (16 Stück), die ja alle ihre Operationen durchführen wollen. Dem kann man natürlich mit schnellen Umwandlungen oder Fusionen entgegenwirken. Aber Nico und Steffen taten sich damit etwas schwer. So zog sich die Phase bis zum Eintritt der ersten großen Gesellschaft 5 Stunden hin. Das müssen wir das nächste Mal unbedingt beschleunigen. Und das es ein nächstes Mal geben wird, da waren wir uns alle einig.
Schön fanden wir, daß es keinen einzigen Glücksfaktor im Spiel gibt und man emotional richtig in das Thema hineingezogen wird. Jedes Spiel verläuft anders und man sieht das Streckennetz wachsen und die Unternehmen sich entwickeln. Und das alles beruht auf Aktionen, die die Spieler durchführen (man wird nicht gespielt, sondern sitzt selber am Steuer seines Erfolgs). Selbst das Geld haben wir (z.B. im Vergleich zu Age of Steam) nicht unbedingt als knappes Gut empfunden. Man wird zwar durch das Geld beschränkt, aber nicht so sehr, daß es den Spielfluß hemmen würde – schön, wenn das auch im richtigen Leben immer so wäre.
1861 schätze ich als Spiel ein, daß einen nachhaltigen Spielreiz entwickelt. Das liegt u.a. daran, daß man wirlich eine Lernkurve spürt. Man kann Situationen, Preise und Zeitpunkte besser einschätzen und vor allem mehrere Strategien ausprobieren. Vielleicht einfach mal die Ärgervariante ausprobieren und einem eine kurz vor der Verstaatlichung stehenden Eisenbahnlinie mit einem hämischen hysterischen Gelächter vor die Füße werfen. Kommt bestimmt gut – so macht man sich Freunde. Durch den Ausgleich der Verstaatlichung, bei der die Aktien der Loser-Gesellschaft noch “Inzahlung” genommen werden, führt das nicht gleich zur totalen Pleite eines davon betroffenen Spielers. Deshalb ist 1861 letztendliche auch ein Spiel, bei dem alle bis zum bitteren Ende Spaß haben und im Spiel bleiben, also nicht vorzeitig ausscheiden.
1861 ist eine klare Empfehlung. Und JKLM hat wieder einmal richtig gutes Spielmaterial abgeliefert (wie bereits bei “On the Underground”). Fester toller Spielplan, schöne Marker, … So macht Spielen Spaß!
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# ingo on März 1st, 2007
hallo,
ich fänd es generell super, wenn es nen info-kasten oder sowas geben würde, der über genauen titel, hersteller, designer (,evtl. bgg-link) usw. informiert.
ansonsten – sehr nette seite
# admin on März 1st, 2007
Hallo Ingo,
Danke für Dein Lob. Zu Deinem Wunsch bezüglich eines Kastens mit den wesentlichen Infos über das Spiel. Ich werde mal prüfen, was ich da machen kann. Vielleicht finde ich eine elegante Lösung für Deinen Wunsch. Kann aber ein biÃchen dauern, da ich momentan viel zu tun habe. Kann aber auch ganz schnell gehen, wenn ich eine Idee habe und mich das Umsetzungsfieber packt.