
Es war einmal ein Riff. Dort gab es ein paar Korallenlarven, die irgendwann mal Polypen werden wollten. Damit dieses Idyll in Ruhe wachsen kann, engagierte man ein paar Garnelen, die aufpassen sollen (meine Lieblingstextstelle in der englischen Anleitung: “Action 4: Introduce a new shrimp”). Die Korallen wachsen und wachsen – bis der böse Papageienfisch kommt und sie einfach auffrißt.
Hört sich spannend an? Wirklich? Was man Reef Encounter jedenfalls nicht vorwerfen kann ist eine unzureichende Simulation einer Korallenriffentstehung. Das Thema ist 1A umgesetzt. Und mit der neuen Grafik in der Version von 2005 auch ein echter Hingucker. Hier treffen sich schönes Spielmaterial und schöne Idee zu einem hervorragenden Spiel.
Aber nicht alle sehen das so…
Während ich das Spiel richtig gut finde, stöhnte die restliche Spielegruppe unter der Last des Denkens. “Das ist ja wie Schach” war da noch die harmloseste Aussage. Ich finde dagegen genau das spannend. Man muß bei Reef Encounter soviele Dinge beachten, um handlungsfähig zu bleiben, daß es richtig im Kopf kocht. Das ist definitiv kein Absacker oder “Es ist jetzt 2 Uhr Nachts – was wollen wir noch spielen”-Spiel.
Rund 120 Minuten gepflegtes Grübeln stehen den Kontrahenten bevor. Die Regel sollte man schon genau und öfter lesen, damit man auch gar nicht wesentliche Teile übersieht. Aber dann kann die Komplexschlacht losgehen.
Eine Polyp hier, eine Koralle da und eine Garnele dort…
Jeder Spieler wählt seine gesamten Aktionen und führt sie durch, bevor der nächste an der Reihe ist. Wer den dicksten Papageienfisch am Ende hat (hierbei zählt nicht nur Quantität, sondern auch Wertigkeit der verspeisten Korallen) ist der Sieger. Sitzt man mit Grüblern am Tisch kann so eine Runde schon mal dauern – in der Zeit sollten die anderen auf jeden Fall schon mal ein paar Gedanken an den eigenen folgenden Zug verschwenden, sonst dauert das Spiel locker drei Stunden und mehr.
Auf jeden Fall ist es schön anzusehen, wie das Riff wächst und gedeiht und die Abwägung, ob man die eigenen Korallen noch vergrößert und den anderen blockiert, oder jetzt doch mal den Papageienfisch an den Speisetisch bittet muß gut getimed und überlegt sein. Wenn nämlich ein Spieler seine letzte Garnele verputzt, darf jeder Spieler noch einmal rankommen. Dumm, wenn man dann erst einmal gefressen hat. Das bedeutet dann den sicheren Nicht-Sieg.
Reef Encounter wendet sich schon eher an Vielspieler, die viele Bälle in der Luft halten können und auch bereit sind vorauszuplanen. Permanent ändert sich irgendeine der Variablen, die blöderweise auch noch Auswirkungen auf die Findung des Siegers haben. Schon alleine zugfähig zu bleiben dürfte Spieleneulinge vor eine unlösbare Aufgabe stellen.
Wir fanden Reef Encounter sehr anspruchsvoll. Es ist ein Spiel, daß in allen Besetzungen (2 bis 4 Spieler) genauso gut funktioniert.
Anspielen – begeistern lassen – kaufen – lieben… da lacht die Koralle.
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empfohlene Spieleranzahl: 2 – 4 (funktioniert in allen Besetzungen gut)
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# Braz on April 6th, 2007
Super geniales Spiel. Zu Unrecht fälschlicherweise mE damals nach der Spiel`05 als Ladenhüter bezeichnet…. das Spiel ist genial! Meines Erachtens mit Abstand eines seiner besten (, welche ich kenne).