
Eggertspiele hat wieder zugeschlagen. Doch wer schnell hintereinander zuschlägt (Imperial, Space Dealer und jetzt Guatemala Cafe) kann auch Probleme mit seiner Qualität bekommen. Ãffnen wir doch einfach mal die Schachtel.
Oh Gott – ein unendlicher Kaffeegestank weht einem entgegen – und ich kann alle Käufer von Guatemala Cafe beruhigen: der Geruch geht auch nicht nach 2 Tagen Dauerauslüften weg - die Regel stinkt immer noch wie am ersten Tag.
Regel – ein gutes Stichwort. Die ist wirklich überhaupt nicht gelungen. Und das ist eigentlich völlig unüblich für die letzten Eggertspiele. Wenig Bilder, unnötig komplizierter Regelaufbau und nicht lesenswerte Beschreibungen. Diese Regel will erarbeitet werden. Ehrlich gesagt habe ich mich dann nach dem ersten Mal spielen gefragt, wieso man die Spielregel nicht besser hinbekommen hat – das wäre vermutlich sogar einfacher gewesen, denn das Spiel ist aus Sicht der zu beachtenden Spielregeln und des Spielablaufs durchaus auch für Wenigspieler geeignet. Bei der Komplexität der zu berücksichtigenden Faktoren wäre ich mir schon nicht mehr zu sicher. Auf jeden Fall kann ein Spieler, der das Spiel schon einmal gespielt hat, einem Nichtspieler die Regel innerhalb von 10 Minuten erklären. Für Euch gibt es zur Hilfe meine erstellte Kurzspielregel hier zum Download: Kurzspielregel
Und jetzt zum Spiel… Daà es um Kaffee geht erkennt man schnell am Geruch – was man aber dafür tun muà ist auf den ersten, zweiten und dritten Blick nicht ersichtlich. Bis zum Ende war mir nicht klar, ob ich Prinzip Diversifikation oder Konzerntration spielen sollte. Erst einmal muà man sich von dem Ansatz verabschieden irgendetwas wirklich strategisch, d.h. längerfristig zu planen. Guatemala Cafe ist in meinen Augen eindeutig ein Taktikspiel. Die Interaktion bei der Wahl der Bauteile und dem anschlieÃenden Setzen ist hoch und führt zu ständigen Veränderungen auf den Spielbrettern. Doch worum geht es. Hier mal grob der Sinn des Spiels:
Man versucht Lagerhütten und Arbeiterinnen (warum wurde hier eigentlich ausdrücklich nur die weibliche Form angesprochen???) in den Plantagen siegpunktebringend einzusetzen. Wenn man diese dann noch über einen Weg mit dem Hafen und dem dort hoffentlich existierenden Schiff – oder besser Schiffen – gleicher Farbe zu verbindet, klingelts richtig auf dem Punktekonto. Die zu verbauenden Teile rekrutiert man mithilfe eines Einkäufers auf einem Rundkurs (maximal Bewegungsweite 3 + 1 – und den einen zusätzlichen Schritt nur, wenn man dafür zwei Geld bezahlt). Allerdings muà man die ausgesuchten Teile gleich bezahlen und verbauen – ein Lager dafür gibt es nicht. Zwischendurch veranstaltet man dann Wertungen, um Geld und zusätzlich Siegpunkte zu erhalten. Die anderen Spieler können zur Punktewertung (nicht zum Geld) Einspruch erheben. Das kann im Extremfall zu der unschönen Situation führen, daà man seine gute Farbe maximal einmal bewertet bekommt. Wichtig ist in dem Zusammenhang auch, daà jeder Spieler jede Farbe spielt. Also immer schön die anderen mit ins Boot holen, damit die auch ein Interesse an einer Wertung haben. Mir ging es mit meiner gigantomanischen weiÃen Plantage so, daà kein anderer von einer Wertung profitiert hätte. Weià war tot – und dabei hatte ich beinahe alle Arbeiterinnen und Schiffe. Ja, ja, ich erwähne gleich an dieser Stelle, daà ich mit Hängen und Würgen Vorletzter wurde.
Das Spiel an sich hat uns richtig Spaà gemacht. Steffen hat zwar wieder den Grübler gemimt – was zu einer sagenhaften Spielzeit von fast zwei Stunden geführt hat – aber auch das war einigermaÃen auszuhalten. Das Spiel bietet viele variable Stellschrauben, so kosten z.B. die Bauten in den verschiedenen Gebieten unterschiedlich viel (je näher am Hafen, umso teurer). Nur wo fängt man an zu bauen. Das Spiel kann hintenheraus so an Dynamik gewinnen, daà man seine erhofften Wertungen für die rundenlang augebauten Superplantagen gar nicht mehr durchführen kann. Tja, wer zu spät kommt, den bestraft das Spielende.
Im Vergleich gefällt mir zwar das zeitgleich von alea veröffentlichte Notre Dame besser (komischerweise werden beide Spiele immer zusammen genannt: “…welches soll ich kaufen…”, “…welches ist besser…”, …), aber irgendwie sind diese beiden Spiele auch nicht vergleichbar. Guatemala Cafe ist eindeutig kopflastiger. Man muà mehr überlegen und im Auge behalten. Das liegt sicherlich auch an dem höheren MaÃe an Interaktion. Nicht immer kommt man an die Teile, die man gerne bauen würde. Guatemala Cafe wurde in unserer Spielgruppe einstimmig positiv bewertet. Alle waren sich auch darin einig, daà es einige Partien benötigen wird, ehe man wirklich mal eine sinnvolle Strategie/ Taktk gefunden hat. Die Siegpunkteunterschiede waren bei uns am Ende doch ziemlich groÃ. Und letztendlich war bereits nach wenigen Runden erkennbar, wer das Spiel gewinnen wird. An dieser Stelle gratuliere ich Steffen noch einmal – souveräne Vorstellung!!!
Unterm Strich hat Eggertspiele wieder ein tolles Spiel mit umfangreichen und qualitativ hochwertigem Material veröffentlicht. Ich hoffe, daà die Spielregel in einer überarbeiteten Version zum Download ins Internet gestellt und natürlich der zweiten Auflage des Spiels beigelegt wird. Dann hat Guatemala Cafe echte Chancen auch die Wenigspieler zu erreichen, die sich momentan nach dem Regelstudium nur verwirrt am Kopf kratzen und eine weiÃe Fahne schwenken…
Dir könnte das Spiel gefallen, wenn Du
empfohlene Spieleranzahl: 2 – 4 (funktioniert in allen Besetzungen gut)
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# wolf on April 29th, 2007
hi spielergemeinde..
ich hab guatemala cafe nur einmal gespielt nach schnellem regelstudium..
und wir drei waren begeistert…als vielspieler hat man eigentlich keine probleme mit der etwas knappen regel…man kann sich den rest zusammenreimen….
die spieltiefe kann man anfangs nur erahnen…
also kurz und knapp: guatemala cafe ist ein muss fuer alle strategen, die wert auf schoenes spielmaterial legen, nahrung fuer hirn und auge!!!!!!!
# Gutelaunebär on Mai 16th, 2007
Ich konnte das Spiel in Herne beim Spielewahnsinn erstmal spielen. Allerdings sind uns dort beim Spielen einige Fehler unterlaufen. Gestern hatten wir Guatemala Café erstmalig in unserer Spielerunde gespielt.
Die Blockaderegeln hatten in unserer Runde allerdings einige Zweifel aufkommen lassen. Man blockiert den gewerteten Sack und legt einen gleichfarbigen Sack aus seinem Vorrat wieder hin. So geht das hin und her bis die Kaffeesäcke ohnehin gewertet werden. Geld hat dann jeder Spieler im Ãberfluà ohne das er damit noch etwas anfangen kann, denn zum Einkaufen gibt es nichts besonderes mehr. Das Spiel wird im Mittelspiel praktisch schon entschieden. Etwas unbefriedigend in der Endphase des Spiels.
Ãbrigens Sankt Peter hatte die Blockaderegeln überhaupt nicht erwähnt, dabei sind diese ein wichtiger Bestandteil des Spiels.
# Sankt Peter on Mai 16th, 2007
Ich habe doch geschrieben, daà das Blockieren von Punktwertungen dazu führen kann, daà einige Farben nur wenig gewertet werden. Uns hat das allerdings bisher nicht gestört – gehört halt zum Spiel.