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Das 1993 als “Rette sich wer kann” erschienene Verhandlungsspiel hat im Jahr 2006 durch den Argentum Verlage eine längst überfällige Neuauflage als “Seenot im Rettungsboot” oder im englischen “Lifeboats” erfahren.
Beim Auspacken des Spielplans war spontan die erste Aussage: “Das haben wir doch schon einmal gespielt … wie hieß das Spiel doch gleich …”. Nach kurzem “Am Kopfe kratzen” war mir dann klar, daß “Perle” das Spiel Manila meint. Na ja, zumindest die Gischt weißt eine gewisse Ähnlichkeit auf. Aber Wahnsinn, wie sie diesen Vergleich anstellen konnte. Wir haben Manila einmal gespielt, als es neu auf dem Markt war. Vielleicht sollte ich es mal wieder vorkramen, scheint ja einen bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben. Aber jetzt wieder zu Seenot im Rettungsboot.
Das Spiel ist eine echte Gaudi. Auf der Packung steht zwar, daß der Spaß pro Partie gerade einmal 90 Minuten dauern soll – das kann sich aber auch schon einmal länger hinziehen, wenn die Spieler gerade im Verhandlungsrausch sind, oder ein Teil der Spielgruppe ihre Differenzen verärgerter Weise vor der Tür austragen.
Bei Lifeboats wird wirklich über alles verhandelt. Obwohl es letztendlich nur darum geht mit einem Rettungsboot das sichere Inselufer zu erreichen. Dumm nur, wenn die Schiffe Lecks bekommen oder ein Matrose beim Versuch das Schiff zu wechseln keinen freien Platz mehr findet.
Grob gesagt teilt sich jede Runde in drei Phasen:
Ich weiß nicht, wie oft ich den Ellenbogen meines linken Sitznachbarn in die Seite gerammt bekommen habe, aber gerade Phase 3 bietet doch einige taktische Rafinessen, mit denen man gezielt Leute ärgern kann. Auch ist das Vorwärtskommen der Boote nicht gerade mit konstanter Geschwindigkeit zu beobachten. Einige fahren schnell los und verlangsamen auf seltsame Art und Weise ihr Tempo, je näher sie an eine Insel kommen. Kurz vor der Insel gibt es dann noch große Umsteigeaktionen – schließlich möchte keiner Wasser in der Lunge aber doch Siegpunkte haben!
Am Ende gibt es in Abhängigkeit davon, auf welche der drei Inseln man gelandet ist und ob es sich um einen Steuermann oder Matrosen handelt Siegpunkte. Viele Boote werden nicht ankommen – egal, Hauptsache man ist auf den ankommenden Nußschalen vertreten.
Wie gesagt Lifeboats hat in unserer Runde richtig viel Spaß gemacht. Es war ein mehr oder weniger Nichtspieler dabei, der am Ende auch knapp gewonnen hat. Vielleicht lag es auch daran, daß er sich vorher so herrlich ärgern konnte, haben wir sein favorisiertes Boot doch kurz vor der Insel noch massenhaft aber leider erfolglos torpediert. Worüber man sich auch trefflich ärgern kann, sind die emotionalen und nicht auf Logik basierenden Entscheidungen eines Kapitäns oder Startspielers. Da werden Figuren mit Sätzen wie z.B.: “Weil Du mich vorhin aus dem Boot geschmissen hast” oder “Gelb konnte ich noch nie leiden” eliminiert, während schon in den Punkterängen befindliche Spieler das Ruder auspacken und mit weiteren Figuren eine Insel erreichen. Da kotzt man dann richtig ins Essen.
Ich kann Lifeboats jeder “ernsthaften” größeren Runde empfehlen. Betonung liegt dabei wohl eher auf “größeren”. Man sollte sich auf das Spiel allerdings einlassen und seinen Ärger kontrollieren und sein Verhandlungsgeschick ausspielen können. Das ist kein Spiel, um langjährige Freundschaften aufzubauen oder zu erhalten.
Am Ende hier noch der Link zur Kurzspielregel: Lifeboats Kurzspielregel
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