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Colosseum

Apr 2007
10

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Leser:5446

Colosseum

Colosseum ist das neue Spiel von Days of Wonder. Getreu dem Thema des alten Roms und in schöner Eintracht mit Battle Lore aus dem gleichen Hause, ist auch hier das Material sehr üppig ausgefallen. Man findet sogar eine Anleitung in der Schachtel, wie man das ganze Zeug wieder vernünftig verstaut bekommt – das war übrigens meine Rettung, um das Spiel nach der Partie überhaupt wieder transportfähig zu machen.

Jetzt bleibt natürlich die wichtige Frage, ob denn das Spielgefühl und die Spieltiefe mit dem tollen Material mithalten können?

Aber fangen wir vorne an: Ich habe das Spiel gewonnen – damit bin ich in meiner Bewertung logischerweise nicht mehr ganz unvoreingenommen, da ein Spielsieg von mir doch genauso ein historisches Ereignis ist, wie die ganzen Aufführungen, die man während der fünf Runden Colosseum zum Wohle des Volkes veranstalten muß.

Beginnend mit einer kleinen Bonsai-Arena, die auf vielfältige Art und Weise im Laufe des Spiels ausgebaut werden kann, müssen auch die zu den Spektakelplättchen passenden Aufführungen erworben werden. Oder sucht man die Plättchen zu den Aufführungen? Egal – Hauptsache beides passt am Ende zusammen. Die Plättchen können durch eine Versteigerung am Markt erworben oder in einer Handelsphase erhandelt werden. Hat man dann diesen ganzen Zirkus durch (ist Euch das Wortspiel aufgefallen?), geht es an die Aufführungen. Vorher noch schnell die Adligen in die eigene Arena gelockt und schon kann es losgehen. So eine Aufführung ist halt einfach mehr Wert, wenn da ein paar Adlige rumsitzen – zu Eurer Geburtstagsparty würden sich doch auch mehr Leute einladen, wenn Queen Mum vorbeikommt – oder? Dumm und lästig ist natürlich, wenn der Spieler, der vor Euch dran ist den Zuschauermagneten bereits an Eurer Arena vorbeigezogen hat, um Euch zu ärgern oder ihn bei sich einzuladen. Ja man kann schon richtig garstig sein bei dem Spiel.

So eine Aufführung ist dam am Ende doch schon eine knifflige Sache. Da man nur fünf Runden Zeit hat, sollte man schon jede Runde die Puppen tanzen lassen (man kennt das ja aus Rom: je mehr Orgien, umso besser). Alleine schon aus dem Grund, daß man nur für die zahlenden Gaffer des aktuellen Spektakels das für das Spiel notwendige Geld bekommt, ist eine regelmäßige Umsetzung des hauseigenen Spielplans wichtig. Denn: Ohne Moos nichts los. Also lieber auch mal eine Aufführung in nicht voller Besetzung durchführen – ein bißchen Improvisation kann ja nicht schaden. Klar, daß dann nicht soviele Zuschauer kommen. Das Problem bei Colosseum ist, daß die Zuschauer zwar einerseits Geld bringen, andererseits aber unter Berücksichtigung diverser Zuschauer-Kicker (Zusatzspunkte durch andere Plättchen, …) die Basis für den notwendigen Zuschauerrekord stellen. Bei Colosseum sammelt man nämlich nicht additiv über die einzelnen Spielrunden Siegpunkte, sondern nur das größte Spektakel (zuschauerseitig) jedes Spielers wird festgehalten. Und um den Führenden dann auch umgehend an seine “Eigentum verpflichtet”- Pflicht zu erinnern, darf sich der hinten liegende Spieler gleich noch ein Spektakelplättchen von ihm aussuchen. Dafür erhält der am Ende einer Runde Führende allerdings ein Podium, daß ihm zukünftig 3 Zuschauer pro Aufführung mehr bringt. Heute würde man das wahrscheinlich VIP-Lounge nennen – aber wir sind ja im alten Rom.

Runde für Runde vergrößert man also idelaerweise seine Aufführungen und es ist bei weitem nicht so, daß der Spieler, der nach den ersten beiden Runden führt auch wirklich uneinholbar vorne liegt. Martin hat z.B. in der ersten Runde gleich eine Programmkarte für 20 Geld gekauft und dann natürlich erst einmal akuten Geldmangel gehabt. In Runde 4 schoß er dann an allen locker mit seiner Monsteraufführung vorbei, um dann am Ende doch wieder hinten zu liegen. Ja ja, die Up’s and down’s eines Veranstalters von häßlichen Pferderennen und Gladiatorenkämpfen.

Das Spiel bietet dann noch einige zusätzliche Facetten, wie z.B. drei Arten von Sonderplättchen, Kaiser-Medaillen, Star-Karten (wer mindestens drei aber gleichzeitig auch die meisten einer Plättchenart ausliegen hat bekommt die dazugehörige Star-Karte, die einem bei jeder Aufführung +4 Zuschauer bringt), … die immer schön in Abhängigkeit zu anderen Einflußfaktoren stehen. Ich glaube, daß meine zwei Joker (als jede Art von Spektakelplättchen einsetzbar) und meine Massen an Kaiser-Medaillen nicht unwesentlich zu meinem grandiosen Sieg beigetragen haben.

Das Spiel hat uns allen Spaß gemacht. Die Spielregeln waren schnell verstanden (hier gibt es auch eine Kurzspielregel zum runterladen: Colosseum Kurzspielregel). Der Spielaufbau dauert beim ersten Mal etwas und je nach Verhandlungslust der Mitspieler ist eine Spielzeit von 90 Minuten schon sportlich. Allerdings sollte es letztendlich auch nicht länger als zwei Stunden dauern, bis die letzte Aufführung beendet ist und der Sieger feststeht.

Colosseum ist definitiv familientauglich (einfache gut bebilderte Regeln mit schönen ausführlichen Spielhilfen und insgesamt tollem Spielgefühl bei schönem Thema). Es gibt einen kleinen Glücksanteil (blind gezogene Spektakelplättchen auf dem Markt), aber der ist für alle Spieler nahezu gleich und dominiert nicht. Das Spiel bietet meiner Meinung nach schon den Freiraum, mehrere Strategien auszuprobieren. Allerdings war unsere Spielgruppe nicht darüber einig, ob auch wirklich ein Langzeitspielreiz gegeben ist, oder man nach ein paar Partien so eine Art ideale Strategie gefunden hat. Vielleicht gibt es ja dazu Meinungen von Euch. Im Forum fielen im Zusammenhang mit Colosseum die Worte: “… man wird richtig punktegeil…”. Das ist wirklich so, da man jede Runde versucht seinen eigenen Rekord, und den des führenden Spielers aus der Vorrunde zu übertreffen. Und da gibt es soviele Zusatzpunkte einzusetzen, daß einem zumindest der Ausbau des eigenen Rekordes aus der Vorrunde beinahe jede Runde gelingt. Und dann kann man ja auch noch gegen seinen eigenen Zuschauerrekord aus vergangenen Spielen spielen. Außerdem ist der Erfolg durch die Art der Punktezählung sehr transparent. Übrigens, nur für die, die es interessiert (also alle Highscore-Top-Ten Fanatiker) – mein Zuschauerrekord liegt bei 76. Ob das gut ist, kann ich derzeit noch nicht sagen – immerhin geht die Punkteleiste bis 100!

Dir könnte das Spiel gefallen, wenn Du

empfohlene Spieleranzahl: 3 – 5 (funktioniert in allen Besetzungen gut)

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One Comment

  1. # micha120271 on Februar 22nd, 2008

    Hi!
    Also nur zur Info: Mein Punkterekord liegt bei über 100 (103 glaube ich!) :-) Aber dazu muss ich auch sagen, dass in diesem Spiel alles super lief. Jedesmal war eine tolle Spektakel-Plättchen-Kombi dabei, die außer mir keiner haben wollte, so dass ich billig drankam. Und meine ersten Programme stimmten gut mit den vorhandenen Spektakel-Plättchen überein und ich konnte bereits von Anfang an auf ein großes Programm hinarbeiten.
    Also für mich hat sich herauskristallisiert, dass ich kein mittleres Programm aufführe, sondern lieber bis zur vorletzten Runde bei den kleinen Anfangs-Programmen bleibe und dann erst zur letzten Runde zuschlage. Aber ob das immer klappt, weiß ich auch nicht. Habe es bislang so 5 – 10 Mal gespielt.


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