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History of the World

Mai 2007
01

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Leser:8796

History of the World (Hasbro)

Du suchst eine Mischung aus Britannia, Axis and Allies und Vinci? Du fandest Antike von eggertspiele gut? Na dann könnte History of the World auch etwas für Dich sein.

Nach langem Suchen eines “Normalspieler-Spiels”, das einen die Weltgeschichte nachspielen läßt bin ich irgendwann über das erstmals im Jahr 1991 erschiene History of the World gestolpert. Mit “Normalspieler-Spiel” meine ich hierbei, daß ich ein Spiel mit überschaubaren Regeln und menschlichenwürdiger Spielzeit gesucht habe, ohne das die Spieltiefe unter der Grasnabe liegt. Ob History of the World meine Erwartungen erfüllen konnte? Wir werden sehen…

Das Spiel (Avalon Hill/ Hasbro-Ausgabe aus 2001) ist in Englisch und beim Öffnen der Kiste bekommt man erst einmal wieder einen Plastikschock (wie immer bei den Avalon Hill/ Hasbro Spielen) - über 300 Figuren grinsen einen da an und warten auf ihren spielerischen Einsatz. Die extreme Schwere des Spielkartons klärte sich bei mir dann schnell auf, denn ich hatte anscheinend meinen Glückstag beim Kauf, da mein History of the World mit zwei identischen Spielplänen daherkommt – sozusagen Ersatzplan inklusive!

Da die Völker der 7 Epochen, die im Spiel mehr oder weniger in den Einsatz geschickt werden so vielzählig sind, hat AH netterweise noch eine Box zum Ordnen in die Schachtel integriert. Ob man die Figuren jetzt nach den Spielerfarben oder den Epochen ordnet ist für das Suchen der Männekens am Ende egal. Am sinnvollsten erscheint der Kauf von sieben kleinen Schraubensammelboxen (für jeden Spieler eine) mit sieben Fächern (je Epoche eine), so daß im Spiel jeder seine Figuren selber verwaltet. Ich werde mir die Armeelogistik für alle auf jeden Fall nicht mehr antun, denn neben dem Herausgeben der Figuren für das aktuelle Empire muß man ja die vom Brett gefegten Armeen auch wieder richtig einsortieren – da kommt Freude auf!

Hat man das erst einmal alles geregelt, liest man die Spielregel. Diese läßt zwar ein paar Fragen offen, ist aber sonst gut geschrieben. Eine Deutsche Spielhilfe findet Ihr hier: History of the World Spielhilfe und für die, die des Englischen nicht so mächtig sind noch die Übersetzung der englischen Karten: Übersetzung der Eventkarten

Dazu muß man sagen, daß man für das Spiel an sich kein Englisch benötigt. Man erhält zu Beginn eine handvoll Eventkarten, die man während des gesamten Spiels ausspielen kann und zu denen auch keine neuen dazukommen. Also einmal die Karten verstanden und alles ist hübsch. Alles andere ist sprachneutral.

Worum geht es?

Bei History of the World spielen die einzelnen Spieler in jeder der 7 Epochen, die das Spiel dauert (woran liegt das eigentlich, das die Weltgeschichte immer in 7 Epochen aufgteilt wird? Ist ja auch bei 7ages so?) ein neues Empire. Zusätzlich kann man Eventkarten ausspielen und noch ein so genanntes Minor Empire gebären oder eine Sonderaktion für die aktuelle Epoche nutzen (besserer Angriff, Pest, …). Die Vergabe der Empire ist etwas tricky. Der auf der Siegpunktleiste am weitesten hinten stehende Spieler zieht eine Empirekarte, guckt sie sich an, rümpft gefährlich die Nase und schmeißt die Empirekarte verdeckt einem Mitspieler vor die Füße. Er kann sie natürlich auch selber behalten – aber das war bei uns eher selten. Dann zieht der Vorletzte eine Empirekarte – behält sie oder gibt sie an jemanden weiter, der noch keine hat. So ziehen alle eine Karte und verfahren nach diesem Prinzip, bis am Ende jeder ein Empire hat. Erst dann drehen alle ihre Karten um und kotzen im Regelfall auf den Spielplan. Da ist öfter das Motto: gestern noch in der Mongolei und heute schon in England. Was jedoch trotz aktiven Empires immer gleich bleibt ist die Spielfarbe jedes einzelnen Spielers. Das neue Empire ist halt das aktive Reich und die noch auf dem Spielplan befindlichen Figuren sind Reiche aus früheren Epochen.

Achtung: Mit einem seiner Figuren markiert man seine Siegpunkte auf der Kramerleisten, die um das Spielfeld verläuft. Uns ist es öfter passiert, daß man im Eifer dieses Gefechts diese Figur auch für die Expansion seines Reiches eingesetzt hat – schön, wenn man das noch früh genug merkt und nicht erst beim Punktestellen.

Auf jeden Fall erhält man dann seinem Empire entsprechend Figuren (Stärke des Empires), Schiffe und Hauptstädte. Dann beginnt man nach bestimmten Regeln sein Empire ausgehend von seinem Startgebiet zu erweitern, d.h. die Figuren zu platzieren. Stößt man hierbei auf andere Spielerfarben, dann wird sofort gekämpft. Der Angreifer würfelt im Normalfall mit zwei Würfeln (der höhere Wurf zählt – nein, nicht räumliche Wurfhöhe, sondern Augenzahl) und der Verteidiger mit einem. Die Würfelanzahl und das Würfelergebnis werden durch Geländeart, Burgen, Ausgangsfeld des Angreifers, … modifiziert. Bei Gleichstand gehen beide Figuren zurück in die Schachtel, sonst nur die mit der geringeren Augenzahl. Hat man zufällig Geld zur Hand und ist verlierender Angreifer, so kann man seine Figur sofort mit dem Geldschein die klaffende Wunde verbinden und ihn noch einmal ins Getümmel schicken. Wichtig ist in dem Zusammenhang, daß keine Figuren über das Spielfeld bewegt werden, sondern sie werden wie bei Vinci eingesetzt. D.h. es gibt stets pro Feld nur eine Figur, die einmal eingesetzt bis zur Niederlage im Kampf in diesem Feld verharrt – und im Idealfall Punkte bringt.

Hat man sein Reich dann zur Freude aller Mitspieler zu Ende gedehnt (ich hatte in einer Epoche die Mongolen mit 18 Einheiten und überrannte fast die ganze Welt – hihihi), können eventuell noch Monumente gebaut werden bevor es zur Abrechnung geht. Hier erhält man Punkte für: je Region für Präsenz (mindestens eine Figur), Dominanz (mindestens zwei Figuren und mehr als alle anderen ), Kontrolle (mindestens drei Figuren und keine andere Figur in der gleichen Region) und insgesamt für Hauptstädte, Städte und Monumente. Die Wertigkeit der Regionen ändert sich mit den Epochen. Das soll gewährleisten, daß sich die Spieler auch ungefähr an den Verlauf der Weltgeschichte halten, da sie ja hoffentlich nach den siegpunktereichen Felder streben. Schiffe, Geld und natürlich auch Figuren im Vorrat (kommt nie vor) können nicht in die nächste Epoche mitgenommen werden – da sieht man mal wieder wie vergänglich materielle Dinge sind!

Bei uns war der Sieger bereits nach 4 Epochen gefunden – wir haben natürlich trotzdem weiter gespielt und auf dem Führenden rumgehackt. Aber einzuholen war er nicht mehr. Das war nicht schön, hat uns aber nicht gestört, da das Spiel richtig Spaß macht. Was man aber auf jeden Fall vermeiden sollte ist das unreflektierte Einladen eines Grüblers als Mitspieler. Das Problem ist, daß jeder Spieler seinen kompletten Epochenspielzug macht, die Wertung erfolgt und dann erst der nächste Spieler an der Reihe ist. Das kann dauern und vorausplanen kann man nicht wirklich, da sich die Spielsituation in den meisten Fällen doch entscheidend verändert. Zum Glück erhält man seine Siegpunkte, ehe der nächste Spieler seinen Zug macht, sonst wäre das Spiel nicht kontrollierbar. Insgesamt sollte man pro Spieler eine Gesamtspielzeit von einer Stunde einplanen.

Also gut – oder was?

Definitv ja! Was wir sehr schön fanden war die Tatsache, daß unterschiedliche Empire in unterschiedlichen Epochen in das Spiel eingreifen. Bei uns kam allerdings nicht so richtig das Gefühl auf, die Weltgeschichte nachzuspielen. Dazu kommt, daß History of the World in meinen Augen kein Strategiespiel ist, da man ja nie weiß, welches Empire man in der nächsten Epoche zu Ruhm und Weisheit oder Armut und Elend führen darf. Ein Vorausplanen ist da schwer. Man muß schon eher sehr taktisch veranlagt sein, um aus der jeweiligen Spielsituation innerhalb einer Epoche etwas zu machen. Und man sollte immer darauf achten, mit seinen alten, auf dem Spielfeld verbleibenden Empire, viele Punkte zu machen. Aber wie gesagt, das kann leider nur sehr begrenzt beeinflußt werden. Bei der Vergabe der Empire muß man aber schon schauen, ob man sein altes Reich weiter ausdehnen möchte, also die Kompaktheit zum obersten Gebot macht , oder lieber an vielen verschiedenen Stellen dieser Welt vertreten ist. Immerhin erhält man ja auch für Präsenz Siegpunkte. Da macht es sich gut, wenn man als Spanier oder Engländer in jede Region einen Inselaffen stellt und die Punkte abgrast oder jemandem die Kontrolle damit streitig macht. History of the World bietet schon sehr verschiedene Wege zum Sieg an und die Partien verlaufen dadurch auch sehr abwechslungsreich.

In meinen Augen ist es mit den eingangs genannten Spielen durchaus vergleichbar und auch mindestens auf Augenhöhe. Sogar Risikospieler werden hier ihre Freude haben. Wenn Ihr also irgendwo auf ein HotW-Exemplar stoßt, dann zugreifen – es lohnt sich. Ein bißchen Zeit muß man halt mitbringen – aber das muß man ja bei vielen Spielen. Dafür erhält man ein von den Regeln her einfaches Spiel, daß aber eine gute Komplexität aufweist. Ich würde sogar behaupten, daß man es mit Wenigsspielern gut spielen könnte, wenn die Spielzeit geringer wäre.

Dir könnte das Spiel gefallen, wenn Du

empfohlene Spieleranzahl: 4+

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