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Phoenicia

Jun 2007
27

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Leser:5006

Phoenicia

Phoenicia von Thomas Lehmann verspricht ein Aufbauspiel mit Tiefgang und überschaubarer Spielzeit zu sein. Und tatsächlich hatte ich beim Auspacken irgendwie das Gefühl eine Mischung aus Through the Ages und Zepter von Zavandor vor mir zu haben. Ob das wirklich so ist?

Auch für 2 Spieler geeignet?

Das Spiel bietet ein Versteigerungmechanismus für die Entwicklungskarten, von denen jede Runde soviele zur Verfügung stehen, wie Spieler mitspielen. Trotzdem soll es lt Schachtelangabe auch mit 2 Spielern gut funktionieren und das verwundert nicht, bietet es doch neben der Versteigerung der Karten keine weitere Interaktion. Jedenfalls ist mir keine aufgefallen. Deswegen spricht letztendlich wirklich nichts dagegen, daß Spiel auch zu zweit zu spielen. Einziges kleines Problem ist die Tatsache, daß es jede Entwicklungskarte nur einmal gibt. Da gilt dann: “Kein Improved Storage abbekommen – schade für Dich – grins”.

Phoenicia mögen – die Voraussetzungen

Insgesamt gibt es zwei Voraussetzungen, um Phoenicia geniessen zu können. Punkt 1 ist die Bereitschaft sich durch eine wirklich grottenschlechte (dafür aber in englisch und deutsch) Regel zu kämpfen. Diese ist zwar nicht lang (sonst wäre das Spiel wahrscheinlich unspielbar), aber so elendig lückenhaft. Begriffe werden nicht definiert (z.B. Werkzeuge) und der Verlag hat es nicht einmal geschafft, die einzelnen Karten in einer Art Kartenmanifest näher und mit Beispielen zu erläutern. Wirklich unverständlich! Genußpunkt 2 ist die Bereitschaft mehrere Partien Phoenicia zu spielen. Der Lerneffekt ist außerordentlich. Schon alleine dadurch, daß man bereits in der zweiten Partie die Karten besser einschätzen kann, die da zur Versteigerung stehen.

Ach ja. Für alle, die mit der Spielregel kämpfen habe ich hier noch eine Kurzspielregel: (Link). Wie immer könnt Ihr Euch damit auch ein kleinen Überblick über das Spiel verschaffen.

Meinung

Am Ende des Abends blieb bei uns ein bißchen das Gefühl zurück, das das Spiel schon einiges vor dem offiziellen Ende (einer der Spieler erreicht 32 Siegpunkte) entschieden war. Zurückgebliebene hatten kaum eine Chance aufzuholen. Ist im Produktionswert erst einmal eine Differenz von 2 Karten vorhanden zwischen dem Führenden und dem Zweiten, hat der Erste ungebremst freie Bahn. Nach ein paar weiteren Spielen, hat sich dieser Eindruck aber nicht bestätigen können. Auch Zurückgebliebene haben immer eine Chance aufzuholen.

Interessant war, daß man wie beim Zepter von Zavandor auch bei Phoenicia ein Aufbauspiel hat, bei dem man gut timen muß. Man schafft zu Beginn seine Grundlagen, um später hasenartig bezüglich der Siegpunkte losrennen zu können und seine Ernte einzufahren. Immerhin gibt es ja keine feste Rundenzahl, sondern eine Art Wettrennen, denn wenn ein Spieler 32 Punkte erreicht endet das Spiel. Da heißt es Gas geben und aggressiv spielen.

Um Siegpunkte zu erzielen gibt es wie in solchen Spielen nicht unüblich mehrere Wege, was für die Siegstrategie bedeutet, daß halt mehrere Wege nach Rom führen. Ein wesentlicher Schlüssel ist der richtige Einsatz von den viel zu knappen Arbeitern und das günstige und sinnvoll abgestimmte Kaufen von Entwicklungskarten. Diese Karten können den eigenen Produktionswert erhöhen und/ oder Siegpunkte bringen und/ oder Arbeiter bringen und/ oder das eigene Handkartenlimit erhöhen und/ oder einen Discount (Preisnachlass) auf bestimmte andere Entwicklungskarten geben. Eine Vielzahl von Entscheidungen – so scheint es zumindest. Am Ende ist das Spiel aber weniger komplex, als es nach Regelstudium wirkt. Deswegen ist es für mich auch nicht wirklich mit dem Zepter von Zavandor vergleichbar. Als Titel würde eher ein “Zepter von Zavandor junior light” passen, sozusagen ein Zepter für Anfänger.

Trotzdem macht das Spiel Spaß. und 90 Minuten sind ja auch nicht die Welt. Ein Zepter-Spiel ist in dieser Zeit auf jeden Fall nicht finalisierbar.

Das Material ist funktional, aber nicht wirklich schön (kleine lieblose weiße Pöppel und Plastikhäuser). Das mitgelieferte Spielbrett ist in dieser Größe nicht unbedingt notwendig. Eigentlich braucht man es nur, um die Discounts und Produktions-/ Siegpunkte anzuzeigen. Na ja, stören tut es auch nicht.

Zum Langzeitspielreiz kann ich noch nichts sagen, aber ich habe so das dumme Gefühl, daß die Partien am Ende sehr ähnlich verlaufen werden. Auf der anderen Seite muß sich auch noch herausstellen, ob es wirklich mehrere Wege/ Siegstrategien gibt. Trotz fehlender innovativer Elemente scheint Phoenicia ein Spiel mit Potential zu sein. Und aufgrund des Versteigerungsmechaismus spielt es sich mit unterschiedlicher Spieleranzahl auch jeweils etwas anders.

Bitte an den Verlag 

Aber meine Bitte an den Verlag lautet: Überarbeitet die Regel – so schwer ist das Spiel eigentlich nicht zu verstehen – mit der Regel wird aber einiges unklarer! In der momentanen Form ist das Preis-Leistungverhältnis meines Erachtens eher problematisch. Vor allem hat JKLM in der Vergangenheit bewiesen, daß sie es auch besser können.

Fazit

Ich finde das Spiel von der thematischen Umsetzung eher abstrakt. Auf der anderen Seite mag ich solche Aufbauspiele. Ehrlicherweise muß man aber sagen, daß Phoenicia am ersten Abend nicht meine hohe Erwartungshaltung erfüllen konnte. Trotzdem hat es irgendwie Spaß auf mehr gemacht (nach dem der Ärger über die Anleitung verflogen war).

Auf jeden Fall kann ich nur jedem, der diese Art Spiele mag ans Herz legen: Wenn Ihr die Möglichkeit habt, dann solltet Ihr das Spiel unbedingt mal ausprobieren.

Was bei uns sicherlich auch eine meinungsbildende Rolle gespielt hat ist die Tatsache, daß wir zu Beginn wirklich dachten, daß wir möglichst die Karten mit Pöppeln vollkriegen müssen. Ein Blick auf die Entwicklungskarten zeigte uns dann aber mehr oder weniger schnell, daß man nicht viele Arbeiter im Laufe des Spiels zur Verfügung haben wird (es sei denn die lieben Mitspieler schalfen oder haben kein zielführendes  Produktionspunktemanagement)… Das hat natürlich gigantische Auswirkungen auf die Spielstrategie und führt wieder zu dem Thema “knappe Ressourcen”. Hat man diesen Punkt aber erst einmal verstanden entfällt eine mögliche Frustfalle, und man hat zu Beginn des Spiels nicht mehr unbedingt das Gefühl, daß sich das eigene Dorf überhaupt nicht entwickelt und das Spiel damit etwas zäh wirkt. Ihr werdet Euch wundern, wie viel Dynamik da rein kommt – Wahnsinn!

Wie gesagt werden wir Phoenicia wieder spielen. Es war niemand dabei, der das Spiel nicht noch einmal spielen möchte. Mal schauen, wie die nächsten Partien verlaufen – man darf gespannt sein. Bis jetzt habe ich jedenfalls nicht einmal verloren – und das ist gut so!

Dir könnte das Spiel gefallen, wenn Du

empfohlene Spieleranzahl: 3+

Hier findet Ihr überarbeitete Spielregeln: Datenbank Forum

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4 Comments

  1. # ode on Juni 27th, 2007

    Hm…

    Also, beim Lesen des Textes wird einem eher die Lust genommen das Spiel spielen zu wollen. Ich weiß nicht, ob du das wirklich so beabsichtigt hast. Jedenfalls kommen mir deine Versuche immer wieder zu betonen, dass das Spiel doch gar nicht so schlecht sei, wie Rettungsanker vor: Es ist hart das Spiel zu erlernen und dann doch nicht so doll wie erhofft aber trotzdem nicht so schlecht wie es sich jetzt anhört… So ungefähr kommt es bei mir an…

    ode.

  2. # Braz on Juni 27th, 2007

    Also mir hat das Spiel wirklich gut gefallen!

    Grund:
    Es ist ein Aufbaustrategiespiel, welches man in 60-90 Minuten spielen kann und nicht 2h oder länger dran sitzt.

    Als negativ empfand ich ebenfalls die Spielanleitung ABER auch teilweise das Material, denn die Plättchen/Counter sind super schwer von dem Bogen zu lösen und sind zudem recht “weich” und daher schnell biegsam. Man muss also beim Herauslösen schon höllisch aufpassen: Am Besten mit Teppichmesser o.ä. die Stanzplättchen herausschneiden /-lösen.

    Aber mal abgesehen von der Regel und dem blöden Stanzbogen finde ich das Spiel echt gut!

    Gruß
    Braz

  3. # Sankt Peter on Juni 27th, 2007

    Ups, kommt der Bericht so negativ rüber? Schade, war wirklich nicht so gedacht…

    Ich habe den Bericht noch einmal ergänzt – damit kein falscher Eindruck entsteht.

  4. # nora on März 13th, 2009

    Für uns ist das Spiel ein vollgültiger Ersatz für Outpost und Zavandor (keine lästige Rechnerei und keine fast barocken Spielelemente). Die Regel ist nicht besonders gelungen, aber es lohnt sich, sich da durchzubeißen, denn das Spiel ist wirklich gut. Es läßt sich gleichermaßen mit vier oder fünf Personen spielen.

    Spielreiz
     

    Spielmaterial
     

    Spielregel
     

    Einfluss
     

    Interaktion
     

    Innovation
     


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