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Tide of Iron

Jul 2007
29

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Leser:9922

Tide of Iron

Tide of Iron (Flut aus Eisen) – ist das neue Spiel von Fantasy Flight Games. Statt Eisen lächelt ein allerdings nach dem Öffnen der Schachtel erst einmal viel Plaste und Elaste an. Alles hübsch untergebracht in einer 0,6 m langen Schachtel mit einem gefühlten Gewicht von rd. 10 kg! Plastik ist doch aber gar nicht so schwer – das stimmt! - aber die Geländeplatten sind beinahe einen Zentimeter dick und wiegen dementsprechend. Dafür sind sie aber beim Spielen auch so schwer, daß ein Verrutschen kaum möglich ist. Insgesamt ist das Spielmaterial sehr funktional und gut – mit einer großen Ausnahme: die Figuren -aber dazu später mehr…

Tide of Iron hieß also unsere Beschäftigung am letzten Abend, zu dem Nico netterweise die Spielregel vorbereitet hatte. Da er sie sogar noch im Bus zu Ende studierte fuhr er leider mit dem falschen Bus und merkte das erst nach einer Odysee durch Berlin. So begann unser Scharmützel auf dem Tisch mit 60 Minuten Verspätung.

Dafür ist aber laut Nico die Spielregel wirklich sehr gut strukturiert, verfügt über einen Stichwortindex und außerdem existiert für jeden Spieler eine Kurzreferenz mit den wichtigsten Angaben. Vorbildlich! Trotzdem liest man wohl ewig, da sich die Regeln auf insgesamt 48 Seiten breit gemacht haben. Die vielen Bilder mit Beispielen nehmen natürlich auch einigen Raum dabei ein, aber am Ende wird alles halt auch sehr genau beschrieben (und die Betonung liegt hier auf “sehr”).

Als Einstiegsszenario haben wir “Breaking the Line” gewählt. Es ist kein Szenario aus dem beiliegenden Szenarioheft (indem sechs Szenarien mitgeliefert werden), sondern aus dem Internet. Wem die Vielzahl der mittlerweile runterladbaren Missionen nicht ausreicht, der kann sich unter folgendem Link einen Missioneditor zum selber Basteln besorgen.

Unsere Partie

Also Breaking the Line hieß das Motto des Abends. Nico sitzt in dieser Mission mit seinen lächerlichen sechs Squads um einen Berg rum und versucht diesen sechs Runden lang zu halten. Ich versuche als Amerikaner mit meinen acht (!) Squads ihn einfach zu überrennen. Simpel – habe ich doch schon so gut wie gewonnen – dachte ich zu Beginn. Die verfügbaren Einheiten jeder Seite werden in der Mission benannt. Aufstellen kann man sie wie man will. Einsetzfelder sind jedoch meist vorgegeben. Da ist bereits das erste mal Grübeln angesagt. Wie stelle ich die Squads zusammen und wo stelle ich sie hin? Im ersten Spiel tappt man da noch im Dunklen. Immerhin gibt es acht verschiedene US-Einheiten und neun verschiedene Deutsche Einheiten. Man sollte also bereits vor dem ersten Zug eine ungefähre Vorstellung über seine Vorgehensweise zum Erreichen des Missionszieles entwickeln. Die Einheiten unterscheiden sich in Bewegungsweite, Schußweite und Schußkraft. Außerdem haben bestimmte Einheiten auch noch betimmte Eigenschaften. Wahnsinn – hört sich komplex an – ist es aber weniger regeltechnisch, als eher strategiefindend. Ich baue also alles auf und da ich mehr Einheiten habe feier ich schon mal innerlich meinen grandionsen Sieg über Nico.

Doch unterschätzt habe ich Nicos Stinkwanzen in dem Haus, die er permanent auf Opportunity Fire, d.h. die Truppen schießen automatisch auf alles, was in ihr Sichtfeld rennt, gestellt hat, und die mein Fortkommen dadurch doch beträchtlich einschränken. Das Erreichen des Missionsziels rückt zwar nicht auf dem Spielplan weiter weg, aber gedanklich schon. Außerdem habe ich jede Runde nur drei Aktionen, kann also von meinen acht Squads nur maximal drei bewegen. Ich brauche also anscheinend doch einen Plan – Mist. OK, dann überrenne ich erst einmal die Nervbacken in dem Haus. Und wenn ich die erledigt habe, dann ist die Bahn frei. Stopp – ich habe ja nur sechs Runden Zeit – verdammt. Was nun?

Noch einmal Stopp: Dank Maddin habe ich jetzt erfahren dürfen, daß Nico die Regel in dem Punkt falsch (absichtlich?) “interpretiert” hat. Ich hatte mich bei dem Spiel immer gewundert, warum ich mit meinen acht Squads überhaupt nicht vorwärts komme. Das Problem war aber, wie ich im nachhinein feststellen muß, daß die Anzahl der Aktionen pro Aktionsrunde gilt. Ich kann also soviele Aktionen hintereinander ausführen, wie in dem Szenario angegeben. Dann der Gegner und dann wieder ich und das pro Spielrunde solange, bis alle Truppen auf beiden Seiten erschöpft sind. Es gibt somit mehrere Aktionsrunden pro Spielrunde. Was für ein kleines aber feines und etwas spielentscheidendes Regeldetail. Wenn ich das jetzt so sehe und auf meine Partie mit Nico projeziere, dann war ich echt erstaunlich gut – ja eigentlich sogar der Sieger – fehlte mir doch am Ende höchstens eine Spielrunde zum Sieg. Da werde ich wohl mal Nico zusammenfalten müssen – echt mieser Trick von ihm mit der Regelauslegung – Wahnsinn – der Hund! Danke für den Hinweis Maddin81!

So habe ich natürlich am Ende knapp verloren. Eine Runde mehr und ich hätte den Deutschen am Boden gehabt. Vielleicht hätte ich mehr “Surpressive Attacks” durchführen sollen, um seine Truppen zu demoralisieren. Auf jeden Fall habe ich schon ein paar Spielfehler meinerseits entdeckt, die ich das nächste Mal bestimmt abstellen werde.

Das Einstiegsszenario war trotzdem super von Nico ausgewählt worden, hat es einen doch ideal mit den Grundregeln vertraut gemacht und Besonderheiten, wie z.B. Fahrzeuge, Reinforcements und das Sammeln von Siegpunkten ausgeblendet. Das kommt dann nächstes Mal dran.

Meinung

Tide of Iron spielt sich sehr schön. Die Regeln sind für die Komplexität des Spiels moderat und durch die Referenz-Blätter schnell nachgeschlagen. Tide of Iron kann man zu viert spielen – spielt sich aber zu zweit schon genial. Zu dritt oder viert greifen ein paar Sonderregeln.

Das schöne an Tide of Iron sind aber die hohen Freiheitsgrade und Entscheidungsmöglichkeiten die man hat. Da kann man locker verschiedene Strategien ausprobieren. Das Glück spielt natürlich wieder in Form der Kampf- und Verteidigungswürfel eine Rolle. Was mir sehr positiv aufgefallen ist, war der Fakt, daß sich angegriffene Truppen nur verteidigen und Ihrerseits dabei keine Angreifer eliminieren können. Das finde ich besser als bei Axis and Allies, wo immer gleich das große Gemetzel losgeht.

Schön eingebunden sind auch die Aktionskarten, die abhängig vom Szenario zur Verfügung stehen und mit sogenannten Kommandopunkten aktiviert werden können. Die Kommandopunkte erhält man jede Runde in Abhängigkeit von der Kontrolle diverse Zielobjekte auf dem Spielplan. Tolle Sache. Insgesamt finde ich den Glücksanteil bei Tide of Iron im Vergleich zu einem Memoir 44 oder Command & Colors sehr erträglich, um nicht zu sagen überhaupt nicht störend.

Ein Kritikpunkt muß ich aber mal loswerden: Die Figuren sind obwohl aus Plastik zwar ganz hübsch anzusehen, aber das raufpopeln der Figuren auf die Squad-Plättchen ist doch irgendwie mäßig gelöst worde. Das Weichplastik verbiegt sich bis an die Sollbruchstelle und man schwitzt schon, daß man die halbe Armee nachbestellen oder mit Kleber verarzten muß. Das trübt ein bißchen den Spielspaß, da man ja einen Großteil dieser Puzzlearbeit am Anfang eines Spiels zu erledigen hat. Sind die letzten Schweißperlen des Spielebesitzers aber nach dem Aufbau an der Stirn vertrocknet, erwarten einen unterhaltsame Stunden mit einem wirklich bis zum Ende durchdesignten und nahezu perfekten Spiel. Hat mir Command and Colors:Ancient wegen des Glücksfaktors mit den Karten überhaupt keinen richtigen Spaß gemacht, besitzt Tide of Iron echtes Suchtpotential.

Ein großes Lob an die Entwickler!

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empfohlene Spielerzahl: 2

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12 Comments

  1. # Ecki on Juli 29th, 2007

    Danke für das Review – nur ein Hinweis: “Tide of Iron” würde ich eher mit “Flut aus Eisen” oder vielleicht auch “Eiserne Flut” übersetzen. “Zeitalter” wäre beispielsweise “Age”, wie bei “Age of Empires”.

  2. # Sankt Peter on Juli 29th, 2007

    Sorry, you’re right. – thank you!

    Habe es geändert..

  3. # Maddin81 on Juli 31st, 2007

    Sankt Peter schrieb:

    “Außerdem habe ich jede Runde nur drei Aktionen, kann also von meinen acht Squads nur maximal drei bewegen.”

    Ich weiss ja nicht, ob du dich da nur in der Rezension geirrt hast, aber das Spiel laeuft doch so ab, dass du 3 Aktionen hast (Einheiten bewegen, schiessen, Aktionskarten spielen etc) danach hat dein Gegner 3 Aktionen und danach bist du wieder dran mit 3 Aktionen. Das geht so lange weiter, bis alle Einheiten “fatigued” sind, d.h. nicht mehr aktiviert werden koennen. Gilt das auch fuer deinen Gegner, ist die “Action Phase” beendet und die “Command Phase” und “Status Phase” folgen. Erst danach beginnt eine neue Runde. So hast du dann mehr Zeit deine Plaene in die Tat umzusetzen ;-)

    Ansonsten sehr schoen geschrieben. Ich bewundere die Leute, die sich die Zeit nehmen koennen und so etwas zu Papier bringen koennen! Weiter so!

  4. # Sankt Peter on Juli 31st, 2007

    Danke für den Hinweis Maddin81. Habe oben den Text geändert. Nico kann was erleben…

    Ehrlich gesagt hätte ich ja haushoch gewonnen, wenn wir es so gespielt hätten… Da hätte Nico ganz schön geschwitzt!

    Danke überigens auch für das Lob!

  5. # S. Meyer on August 8th, 2007

    Auch von meiner Seite ein ganz großes Lob für die so ausführlichen Besprechungen der Spiele. Zwar ist das Meiste hier nicht ganz nach meinem Geschmack (da muss es schnell spielbar und Kneipentauglich sein), aber es macht Spaß die Berichte zu lesen und über den Tellerrand zu schauen schadet ja bekanntlich nicht.

    Vielleicht ist ja irgendwann doch etwas dabei, wozu ich nicht nein sagen kann.

  6. # Sankt Peter on August 8th, 2007

    Hallo S.Meyer,

    vielen Dank für das Lob.

    Im spielforum gibt es die Möglichkeit Rezensionswünsche abzugeben. Welche Spiele würden Dich denn interessieren?

    Gruß
    Sankt Peter

  7. # Attila on August 12th, 2007

    Hiho,

    Danke für den Bericht. Das Problem mit den Figuren und den Basen lässt sich mit einem Nagel der gerade so in die Löcher der Basen passt leicht lösen. Einfach jedes Loch einmal damit bearbeiten und man hat keine Probleme mehr damit!

    Atti

  8. # Mat on November 5th, 2007

    Mit dem Loch-”erweitern” auf den Bases wäre ich vorsichtig; auf BGG gibts die ersten Kommentare, dass die Figuren sich mit der Zeit wohl den Originallöchern anpassen und bei vergrößerten Löchern entsprechend locker werden.

    Ansonsten ist das Spiel wirklich genial; die Ausstattung ist super und durchdacht. Ein Minuspunkt in meinen Augen sind die wenigen mitgelieferten Szenarien. Es gibt Zusatzszenarien auf der FFG-Website, aber man muss sich dazu die Schlachtkarten farbig ausdrucken :( . Die spinnen, die –wo kommen die her?

  9. # Franki on Dezember 29th, 2007

    Hier ist die brandaktuelle deutsche Übersetzung der Spielregeln zu finden:
    http://brettspielfreunde.com/include.php?path=download&contentid=161&PHPKITSID=n0IUZ728GinUIa3IEV8NiHlwPgYW6vOD

  10. # Louis on Januar 22nd, 2008

    Ein schöner Spielebericht, Peter.

    Habe mir das Game gleich mal gekauft ^^

    Ich muss allerdings anmerken, dass mir das Spiel vorher empfohlen wurde und ich mir natürlich alle verfügbaren, relevanten Berichte und Reviews reingezogen habe.

    Erstes Testspiel folgt bald.

  11. # Pixnicer on März 5th, 2008

    Superspiel

    Ich habe am vergangenen WE eine Partie gespielt und war restlos begeistert. Die Regeln erschliessen sich zwar erst wärend des Spiels in vollem Umfang, aber die Beschreibung lässt letztendlich keine Fragen offen.

    Taktisch ist es sehr anspruchsvoll, so dass die Strategievielfalt sehr hoch ist.

    Alles in allem – freue ich mich auf die Erweiterungen.

  12. # Vlohammer on September 4th, 2008

    Danke Franki für den Link zu deutschen übersetzung. Das hat mir schon sehr viel weiter geholfen.
    Kann mir nun noch einer sagen ob es für die Karten auch eine Übersetzung irgendwo gibt? Ich mein die Actionskarten…..

    Vielen Dank im Voraus….


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