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Cuba

Nov 2007
27

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Leser:6895

Cuba

Kuba, Havanna, Zigarren, Lungenkrebs – ups… nein das hoffentlich nicht, aber auf jeden Fall bietet Kuba für ein Spiel einen geschichtsträchtigen und atmosphärischen Hintergrund… Da hat Eggertspiele aber mal wieder ein geschicktes Händchen bewiesen. Kuba ist nämlich das neue und bereits vor der Messe sehnsüchtig erwartete Spiel aus dem Hause Eggert.

Nach dem Öffnen (egal ob die Sonderedition in der Holzkiste, oder die Normalo-Edition in der Pappschachtel) strahlt einen ein wunderschöner Spielplan mit einem riesen Capitolio entgegen – und ratet mal… richtig: Michael Menzel hat wieder die Feder (oder Maus?) geschwungen. Das ganze Spielmaterial ist übrigens sehr funktional und stimmig. Und für die mit der Sonderedition liegt ja neben der Sambaschule auch noch eine echte Zigarre dabei. Hier muß ich allerdings den Verlag rügen: das Spiel ist für bis zu 5 Leute… was soll man da mit einer einzigen Zigarre?

Die Spielregel ist auch auf gewohnt gutem Niveau. Die Regeln erschließen sich schnell und werden auch gut beschrieben. Die beiliegenden Spielhilfen tun ihr übriges. Verwirrend ist am Anfang eigentlich nur die Unterscheidung zwischen Rohstoffen, Baustoffen, Waren, … Hat man sich aber einmal plastisch die dazugehörigen Spielmaterialien ins Hirn gebrannt (am effektivsten durch konzentriertes Anstarren möglich), dann klappt auch das reibungslos.

Vom Schachtelöffnen bis zum Spielbeginn haben wir gerade einmal 30 Minuten benötigt – und das ohne Vorkenntnisse.

Das Spiel

In dem Spiel geht es darum Siegpunkte auf einer von einem Betrunkenen quer über den Spielplan gezeichneten Kramerleiste zu sammeln. Hierfür hat jeder Spieler einen eigenen Spielplan, auf dem er seinen Arbeiter platzieren kann und dafür die Rohstoffe/ Baustoffe in der Zeile/ Spalte des Arbeiters erhält. Auf diesem Plan kann man auch Gebäude bauen – dann fallen dafür aber die überbauten Rohstoff- und Baustofffelder für die “Ernte” weg.

Insgesamt hat jeder Spieler pro Runde (es gibt insgesamt 6 Runden) von 5 Aktionen 4 zur Auswahl:

Zusätzlich gibt es bei den Aktionskarten Händlerin, Architekt und Bürgermeister so genannte Alternativaktionen, die pro Runde aber jeweils nur einem der Spieler zur Verfügung stehen.

Richtig tückisch ist allerdings, daß die Aktionskarten noch eine zusätzliche Zahl aufweisen. Genau: das sind die Zahlen, die ich oben bei den Aktionskarten angegeben habe.

Diese Zahlen haben zwei Bedeutungen:

Man sollte also schon überlegen, welche Aktionen man wann in einer Runde nutzt. Möchte ich lieber viele Stimmen im Parlament haben oder Startspieler werden oder ist mir das am Ende egal, weil ich mir lieber schnell Waren hole, um diese auf die noch leeren Plätze der Schiffe im Hafen zu verladen? Ihr seht, da greift vieles zusammen.

Das zusätzliche Salz in der Suppe ist das Parlament. Hofft man als einzelner Bürger doch immer, daß das was die Politiker tun oder auch nicht tun möglichst wenig Einfluß auf das eigene Leben haben ist das in Kuba anders. Angenehm im Spiel ist allerdings, daß einem durch Gesetze, die in Kraft treten nichts weggenommen wird, sondern eher zusätzliche Siegpunkte erreicht werden können, wenn man die Vorgabe erfüllt. Durch Gesetze kann sich aber z.B. auch einfach nur das Marktangebot ändern. Am Ende sind es kleine und feine, aber jederzeit wohl dosierte Auswirkungen auf das Spiel. Die Gesetze sind keine Spieler-Killer. Sehr angenehm!

Wie gesagt: Man sammelt Siegpunkte. Da verlädt man Waren auf Schiffe, erfüllt als guter Bürger Gesetzesvorgaben und wird dafür belohnt oder zieht sein eigenes Business auf.

Eigenes Business – klar, und das alles ohne Gewerbeanmeldung. Ob Golfplatz, Cafe oder irgendetwas anderes die Gebäude liegen nur einen Griff und ein paar Baustoffe entfernt bereit. Die Gebäude sind aber nicht nur sehr unterschiedlich sondern teilweise sogar genial kombinierbar. Da kann man sich die Tabakfabrik holen, die aus Tabak die bekannten Zigarren macht. Dann gibt es zusätzlich ein Gebäude, daß Zigarren in Siegpunkte umwandelt und ein anderes, das Zigarren in Geld umwandelt. Eine echt tolle 3-Gebäude-Combo. Aber andererseits auch nicht der Garant für den Sieg. Man muß auch extrem aufpassen, daß nicht ein anderer eine ähnliche Strategie verfolgt und plötzlich die Gebäude weg sind. Zu viel sollte man auf seinem Spielplan nämlich nicht bauen, da sonst keine Roh- und Baustoffe mehr für die Arbeiteraktion vorhanden sind. Da wird die Beschaffung notwendiger Güter unter Umständen richtig teuer!

Wie man schon rauslesen konnte ist auch wieder einmal das Geld ein wichtiger Faktor. Geld benötigt man für das Kaufen von Stimmen in der Parlamentswahl und für das Erwerben von Waren. Da sollte man schon gut haushalten – denn der Reichste manipuliert im Zweifel die Gesetzeslage!

Ich habe hier bei weitem nicht alle Regeldetails aufgezählt sondern nur einen kurzen Abriß gegeben. Es gibt noch ein paar mehr Mechanismen (Verderben von Waren, …), die aber allesamt etwas gemeinsam haben: sie greifen gut ineinander und lassen das Spiel nicht unkontrollierbar werden. Man wird nicht gespielt. Zu Gücksfaktoren sagt das Spiel eindeutig: No! – und das ist gut so!

Fazit

Super tolles Spiel. Komischerweise war es vor der Messe das Spiel, auf das ich mich am Meisten gefreut habe. Letztendlich habe ich es aber beinahe als Letztes meiner Neuerwerbungen gespielt.

Das Spiel kam in unserer Runde bei allen sehr gut an. Es ist anspruchsvoller als Säulen der Erde und mindestens genauso gut wie Caylus. Die Spielzeit ist im Rahmen – die Komplexität fordernd aber nicht überfordernd. Das Thema unterstützt die Stimmung in der Spielerunde. Alleine die Covergrafik ist schon bestechend schÃön.

Unsere Spiele gingen bisher immer sehr knapp aus. Wobei sich die Führenden während des Spiels öfter abwechselten. Die Interaktion zwischen den Inselbewohnern ist insoweit gegeben, als daß alle auf die gleichen Schiffe verschiffen wollen, um den selben Gebäudepool buhlen und die eine oder andere Alternativaktion einer Karte nutzen wollen. Und dann natürlich die Abstimmung in der Parlamentsphase. Ein schönes Spielelement mit hohem Stänkerpotential.

Unser Eindruck war, daß das Spiel eine Menge Strategien bereithält, die alle ausprobiert werden wollen. Der Wiederspielreiz ist hoch. Man sollte aber beachten, daß die erste Partie benötigt wird, um einen Überblick über sämtliche Gebäude, ihre Wirkung und ihr Zusammenspiel zu erhalten. Die Gebäudeübersicht aus dem Downloadbereich des Forums ist meines Erachtens unabdingbar für ein flüssigeres Spiel!

Ergänzung

Mittlerweile gibt es die Erweitrung El Presidente, die das Spiel noch einmal interessanter und besser macht. Es stehen mit der Erweiterung gemeinsame Charaktere zur Auswahl (Cubaner), von denen pro Runde jeder Spieler einen auswählen muß. Außerdem fährt nach der Aktionsphase der Präsident in seiner Limousine zu dem nicht gewählten Cubaner und löst eine Aktion aus. Neue Gebäude und Schiffe komplettieren die Erweiterung. Das Spiel geht nunmehr über 8 statt 6 Runden und ermöglicht somit ein besseres Umsetzen der eigenen Strategie. Wir spielen Cuba nur noch inklusive El Presidente. Ich bin sonst kein Erweiterungsfan – aber in diesem Fall wertet die Erweiterung das Spiel auf. Die Mechanismen des Grundspiels werden um eine handvoll weiterer sinnvoll ergänzt.

Auf jeden Fall ist Cuba eine klare Kaufempfehlung!

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3 Comments

  1. # [Lgb]John Doe on Dezember 18th, 2007

    Ein wirklich schönes Spiel auch wenn es fast ein “Puerto Rico”-Klon mit einer Regelerweiterung ist. Dennoch ein tolles Spiel mit einem wunderschönen Spielbrett (Im Säulen der Erde”-Design.

    Reizüberflutung beim Spielmaterial ist garantiert – im positiven Sinn. – Kann ich jedem Strategen empfehlen.

  2. # Taurus on April 9th, 2009

    Sehr gutes Spiel – und demnächst erscheint die Erweiterung El Präsidente für noch mehr taktische Möglichkeiten.

  3. # Sankt Peter on Juni 8th, 2009

    Cuba macht Spaß, sieht gut aus und fordert auch den ambitionierten Spieler ohne zu überfordern. Bei diesen drei Merkmalen auf einmal kann man nur eine klare Kaufempfehlung aussprechen.

    Spielreiz
     

    Spielmaterial
     

    Spielregel
     

    Einfluss
     

    Interaktion
     

    Innovation
     


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