
Diese Rezension wurde dem spielblog freundlicherweise von Klaus Ottmaier zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!
War da nicht schon mal Ähnliches? Buhlen um römische Fraktionen. Und dann diese auffällige schlanke längliche Kartenform. Ich fühlte mich gleich an die vor acht Jahren erschienene Kartenschlacht um römische Fraktionen als Caesar und Cleopatra in einer kleinen Schachtel der Kosmos 2er-Reihe erinnert. Aber Tribun hat einen ganz anderen Auftritt und ein völlig anderes Spielgefühl.
Der Spielablauf
Tribun kommt in einer quadratischen, etwas größeren als der typischen Kosmos Schachtel daher, die vor allem viele Karten, ein paar Holzfiguren, einige Pappmarker, einen Spielplan und einen aus Pappe hergestellten Streitwagen zum Selberbasteln beherbergt. Der große Spielplan zeigt einen Ausschnitt einer römischen Stadt aus der Vogelperspektive, etwas düster gehalten, aber mit Leben gefüllt durch viele kleine Alltagsszenen, ähnlich dem von Portobello Market. Sehr geschickt werden die Dächer der abgebildeten römischen Alltagsgebäuden – Therme, Forum, Curia, Atrium auctionorum, Katakomben, Pantheon, aber auch eine Latrine und eine Siegessäule – zur Ablage von Karten bzw. 1x von Lorbeeren genutzt.
Am Anfang jeder Runde kommen mindestens 21 Karten teils offen, teils verdeckt von einem verdeckten Nachziehstapel auf den Spielplan. Eine Karte gehört jeweils einer der sieben im Laufe des Spiels zu übernehmenden Fraktionen (Gladiatoren, Legaten, Prätorianer, Plebejer, Patrizier, Vestalinnen und Senatoren) an und besitzt einen Zahlenwert zwischen 0 und 10.
Im nächsten Schritt können die Spieler nacheinander abhängig von der Spielerzahl jeweils eine ihrer 3-5 Spielfiguren zu einer oder mehreren Karten stellen, in die Münzschale setzen, um Sesterzen bzw. zur Siegessäule, um Lorbeer zu erhalten oder zu einer der sieben Fraktionen, um den Wunsch einer Übernahme anzuzeigen. Nachdem alle Figuren platziert wurden, werden diese auf verschiedenste Weise ausgelöst. In der Therme und im Forum können die offen liegenden Karten für 1 bzw. 3 Sesterzen erworben werden; die verdeckt auf der Latrine liegende Karte wird aufgedeckt – man kann den Zahlenwert der Karte in Sesterzen bezahlen, um die Karte zu erhalten oder sich diesen Zahlenwert in Sesterzen auszahlen lassen. In der Curia können eine oder mehrere (wenn der Gesamtwert der Karten 5 nicht übersteigt) offene Karten pro Spielfigur liegen; gegen Abgabe einer Handkarte erhält man sämtliche der dort liegenden. Im Atrium auctionorum liegen die drei Karten zunächst verdeckt. Wird die erste Spielfigur dort platziert, werden zwei Karten aufgedeckt. Bleibt der Spieler an dieser Stätte alleine, bekommt er beide Karten für eine Sesterze. Gesellt sich aber noch ein Mitspieler hinzu, wird auch die dritte Karte aufgedeckt und die Spieler müssen um die drei Karten mit Sesterzen bieten. Der Sieger der Auktion bekommt die Karten, der Verlierer das Geld. In den Katakomben liegen fünf verdeckte Karten; maximal drei Spielfiguren können dort platziert werden. Je nach Position darf man sich die Karten eher anschauen, muss dafür aber auch mehr Sesterzen bezahlen, falls man eine Karte auf die Hand nehmen möchte. Das bezahlte Geld landet im Kolosseum (s. weiter unten). Im Pantheon darf man sich nur aufstellen, wenn man bereits die Fraktion der Vestalinnen einmal übernommen hatte. Wenn man hier eine Spielfigur platziert, darf man sich die verdeckte Karte ansehen. Um eine ewige Gunst der Götter zu erlangen, muss man eine Karte derselben Fraktion ausspielen. Zu guter letzt erhält man bei der Siegessäule für jeweils zwei Karten einer Fraktion ein Lorbeer, der den höchsten Zahlenwert ausliegen hat erhält ein Extralorbeer.
Danach werden der vorgegebenen Reihe nach die Fraktionen übernommen. Hierzu muss zunächst ein Spieler in der gewünschten Fraktion eine Spielfigur platziert haben. Nun muss er bei einer Erstübernahme mindestens zwei Karten dieser Fraktion ausspielen. Ist diese Fraktion bereits im Besitz eines Mitspielers, hat er nun zwei Möglichkeiten, diese an sich zu reißen: entweder spielt er mehr Karten der Fraktion oder Karten mit einem höheren Gesamtwert aus als der Gegner vor sich liegen hat. Maximal zwei Spieler können den Wunsch ankündigen, dieselbe Fraktion übernehmen zu wollen. Wenn dies der Fall ist, muss der Spieler, der später seine Figur eingesetzt hat, den momentanen Besitzer der Fraktion überbieten, der zweite Spieler muss dann dieses neue Gebot übertreffen.
Abhängig von der Fraktion kann man bei einer Übernahme Lorbeer, Legionen, Karten oder Sesterzen erhalten oder eine ausliegende Karte einer gegnerischen Fraktion entfernen (meucheln). Zusätzlich bekommt man einen Fraktionsmarker dieser Fraktion, wenn man diese zuvor noch nicht übernommen hatte. Abschließend werden die Fraktionsfähigkeiten abgehandelt: Der Besitz einer Fraktion bringt zusätzliche Einnahmen (Sesterzen, Lorbeeren, Legionen, Karten), eine Schriftrolle (die mithilfe zweier verschiedener Fraktionskombinationen in das Amt des Tribun umgewandelt werden kann), eine weitere Spielfigur oder die temporäre Gunst der Götter.
Zum Schluss einer Runde wird noch der Streitwagen versteigert, mit dem man die feindliche Übernahme einer eigenen Fraktion in der nächsten Runde verhindern kann.
Danach werden alle liegen gebliebenen Karten vom Spielplan entfernt, der Startspielermarker wandert im Uhrzeigersinn an den nächsten Spieler weiter und neue Karten werden ausgelegt.
Abhängig von der Spielerzahl und den gewählten Siegbedingungen endet das Spiel am Ende einer Runde, wenn mindestens ein Spieler die vorgegebenen Siegbedingungen erreicht hat. Ein Gleichstand wird durch eine Punkteberechnung aufgelöst. Für den Sieg muss immer eine Auswahl aus sechs Kategorien erfüllt werden: eine bestimmte Anzahl an Sesterzen, Lorbeeren, Legionen und Fraktionenmarkern bzw. die temporäre/ ewige Gunst der Götter und/oder der Tribun. Wie viele der Siegbedingungen und in welcher Menge (bei Legionen, Lorbeeren, Fraktionen und Sesterzen) hängt von der gewählten Siegbedingungskarte ab.
Wie spielt es sich?
Tribun war nach der ersten Partie für mich eines derer Spiele, die man sofort mehrmals hintereinander spielen möchte, um verschiedene Strategien auszuprobieren und um die Mechanik des Spiels näher kennen zu lernen. Das ist für mich immer ein sicheres Zeichen, dass ein Spiel sehr reizvoll ist. Dieser Reiz setzt sich aus mehreren Punkten zusammen:
Da die Karten jede Runde von Neuem zufällig verteilt werden, steht man jedes Mal vor der völlig neuen Herausforderung, wie man an die gewünschten Karten herankommt, um seine Pläne umzusetzen. Desto mehr Spieler mitspielen, desto schwieriger ist es an all die benötigten Karten zu kommen (verstärkt auch dadurch, dass bei einer größeren Spielerzahl die einzelnen Spieler weniger Figuren zu Verfügung haben). Ein gutes Timing beim Setzen seiner Figuren ist dann schon von Nöten, um nicht allzu sehr in seinen Vorhaben ausgebremst zu werden.
Aufgrund der unterschiedlichen Siegbedingungen wird auch eine differenzierte Herangehensweise in jeder Partie gefordert. Besonders in einer sehr kurzen Partie (die Siegbedingungen sind dann leicht zu erfüllen) muss man sehr auf den Punkt spielen, denn nach drei oder vier Runden kann die Partie durchaus schon wieder zu Ende sein. Und wer dann zwei Lorbeeren mehr als benötigt gesammelt hat, dem kann leicht die Sieg entscheidende Legion fehlen.
Sehr reizvoll sind auch die vielen Möglichkeiten, wo man seine Männchen einsetzt (man kann Karten, Geld, Lorbeer – für das Feintuning für ein erfolgreiches Spiel wichtig – und die ewige Gunst der Götter durch Einsetzen der Männchen erhalten, am Wichtigsten ist aber das Übernehmen der Fraktionen, da man hier durch die Übernahme und die spätere Fraktionsfähigkeiten die entscheidenden Schritte zu einem Sieg macht) und wie man an Karten kommen kann: offen oder verdeckt Karten kaufen, tauschen, ersteigern.
Es gibt einige interessante, bedenkenswerte Überlegungen, die man bzgl. der Fraktionsübernahme anstellen sollte. Einerseits sind die Extralorbeeren bei einer Erstübernahme einer Fraktion im Spiel nicht zu unterschätzen, andererseits sollte man überlegen, ob man durch viele und hochwertige Karten eine feindliche Übernahme der gewonnenen Fraktion deutlich erschweren will (Man kann diese Strategie unterstützen, wenn man gleichzeitig die Gladiatoren besitzt, und sich dadurch vor einem der möglichen Meuchlerangriffe schätzt, und zugleich kann man das Geld aus dem Kolosseum in Verbindung mit dem Einsetzen eigener Figuren in die Katakomben für ein willkommenes Zusatzeinkommen nutzen.) oder auf den Streitwagen setzt. Andererseits kann man mit wenigen niedrigen Karten leicht eine Fraktion wieder verlieren und durch eine Rückeroberung derselben den Übernahmebonus erneut einstecken.
Natürlich sind die einzelnen Siegbedingungen unterschiedlich leicht und schnell zu erreichen. Die Vestalinnen sind häufig heiß umkämpft, da man nur über sie einerseits an die Siegbedingung temporäre/ewige Gunst der Götter kommt, man andererseits sie in Verbindung mit den Senatoren zum Erobern des Tribuntitels braucht. Hier im richtigen Moment ohne große Widerstände zuzuschlagen, ist jedoch wichtiger als als erster erfolgreich zu sein. Früh Fraktionen zu besitzen und möglichst nie ohne dazustehen ist essentiell, denn nur durch sie kann man schlussendlich die Siegbedingungen erfüllen.
Und zum Schluss muss ich noch all den Vergleichen “Ist doch wie…” entgegentreten. Dass man sich an andere Spiele erinnert fühlt – wie ich zu Beginn an Caesar und Cleopatra – ist sicher häufig unumgänglich, aber das negative Abqualifizieren “Ist doch wie…” und in eine Schublade stecken kann ich nicht leiden. (Kann sein, dass ich auch noch vom Weihnachtsgeschäft geschädigt bin, denn da muss man beim Erklären eines Spieles allzu oft “Ist doch wie Siedler…” hören – man kennt ja sonst nichts.) Klar setzt man wie bei den Säulen der Erde, bei Maestro Leonardo, Agricola oder Caylus Figuren ein und erhält dafür etwas, aber das ist auch die einzige Parallelität. Es ist eine Spielmechanik wie auch das Würfeln, das Kartenerhalten, das Versteigern oder eine bestimmte Anzahl an Aktionen immer wieder Teil eines Spielmechanismus sind. Das Spiel selbst ist mit keinem der genannten vergleichbar, so herrscht auch bei Caesar und Cleopatra trotz Karten gesteuerter Fraktioneneroberung ein völlig anderes Spielgefühl. Es lohnt sich, beide ausgiebig zu spielen.
Empfohlene Spielerzahl: funktioniert in allen Besetzungen (2-5)
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# Mandras on März 16th, 2008
Also zum Inhalt sage ich mal nichts
Aber was den Spielplan angeht betreibst Du schon fast Fälschung!
Der Spielplan ist wirklich extrem düster und ich weià nicht, wie Du es geschafft hast, das er fast freundlich wirkt.
GruÃ
Mandras
# Sankt Peter on März 16th, 2008
HDR macht es möglich… Sieht doch so viel besser aus – oder