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Tinners’ Trail – PEEP

Jul 2008
25

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Leser:4757

Tinners' Trail

Warfrog, Treefrog, … egal – Tinners’ Trail ist mal wieder ein echter, wenn auch einfacherer Martin Wallace! Wie bei guter Musik, erkennt man auch bei diesem Spiel sofort die Handschrift wieder (Stil, Mechanismen, …).

Schachtel aufgerissen und reingeglotzt – wow – massenhaft Holzteile (ach ja: Treefrog) – nein, Frösche waren nicht drin. Die Erstauflage des Spiels ist auf 1.500 Stück limitiert und auf der Rückseite mit einer individuellen Nummer versehen. Meines trägt die Nummer 1 – nein, war ein Witz (das hat der Autor wahrscheinlich selber behalten) – mein Spiel trägt die Nummer 113 – hoffe das bringt kein Pech.

Neben dem schönen und funktionalen Spielmaterial liegt dem Spiel auch eine sehr gut gelungene Spielregel bei. Einmal lesen – alles verstanden – ok, das ist nicht unbedingt typisch für Wallace-Spiele. Aber wie gesagt, hier handelt es sich um ein einfacheres Exemplar, das man locker und ohne Langeweile in rd. 75 Minuten durchspielen kann. Schade eigentlich nur, daß es erst ab drei Spielern geht.

Worum geht es eigentlich?

Tinners’ Trail ist ein Wirtschaftsspiel, daß im süd-westlichen England angesiedelt ist. Ziel ist es innerhalb von 4 Runden á 7 Sequenzen und 9 möglichen Spieleraktionen mit je Runde 10 Zeitpunkten die x-Würfel mit y Geld zu möglichst vielen Siegpunkten (nennen wir diese z) umzuwandeln. Einfach oder?

Zu Beginn werden die Rohstoffe der Gebiete zufällig mit drei Würfeln bestimmt. Das ist eigentlich bezüglich des Glücksfaktors in soweit egal, wie gute oder weniger gute Würfe alle gleichermaßen treffen. Das gleiche gilt übrigens auch für das Auswürfeln der Rohstoffverkaufspreise zu Beginn jeder der 4 Runden.

Pro Runde stehen den Spielern diverse technische Hilfsmittel zur Verfügung, die grob gesagt das böse Wasser und die Förderkapazität positiv beeinflussen. Diese Dinge kosten kein Geld, sondern “nur” Zeit. Womit wir bei dem Mechanismus der Spielerreihenfolge wären. Kennt jemand Jenseits von Theben? Da wird die Spielreihenfolge auch über den Faktor Zeit gesteuert. Wer zu einem bestimmten Zeitpunkt weniger Zeit investiert hat ist halt einfach mal so lange dran, bis er wieder gleichgezogen hat. Bei 10 Zeiteinheiten, die man pro Runde verschwenden kann, muß man schon etwas taktieren, gerade um auch zur richtigen Zeit mal wieder ins Spielgeschehen eingreifen zu können.

Tinners’ Trail hat neben den Würfeln, die nichts mit Glück zu tun haben auch einen Versteigerungsmechanismus. Eigentlich mag ich so etwas nicht bei Spielen – bei Tinners’ Trail stört das aber irgendwie überhaupt nicht. Die Versteigerungen gehen relativ schnell (niemand schwimmt wirklich im großen Geld) und überhaupt ist die Wartezeit während der Züge der lieben Gegenspieler eher kurz.

Aber zurück zu den Spieleraktionen. Letztendlich zielt alles darauf ab Rohstoffe zu fördern. Diese Förderung kostet pro Rohstoff immer so viel, wie Wasserwürfel in dem Feld sind. Also versucht man diese erst einmal zu eliminieren. Ein Schiff hier, eine Bahn dort und dann auch noch eine “Verbindung” – und schwups schon ist das Wasser auf der Flucht. Aber nach jedem “Fördern” kommt so ein häßlicher H2O-Cube wieder zurück. Außerdem muß man darauf achten, daß man seine Fördergebiete möglichst intelligent ausbeutet. Ist der Preis des einen Rohstoffs gerade niedrig, dann wartet man mit dem Abbau vielleicht lieber eine Runde. Das Problem ist nämlich, daß man am Ende der Runde alles Fördergut auch verkaufen muß…

Und wohin mit der Kohle? Investieren natürlich. Aber nicht zu viel, sonst kann man in der nächste Runde nicht mehr mitmischen. Also schön überlegen, wie man handlungsfähig bleibt. Dummerweise werden die Siegpunkte aber von Runde zu Runde teurer.

Fazit

Wir haben Tinners’ Trail zu dritt gespielt und hatten viel Spaß. Die einfachen Regeln und die überschaubare Spielzeit sind kombiniert mit der maßvollen Spieltiefe sehr angenehm. Wir haben es nach Glory to Rome und Monastery noch auf den Tisch gebracht, ohne das es jemand vorher kannte. Schwups, nach 90 Minuten war alles vorbei. Sehr kurzweilig und schon spannend. Jeder beendete die Partie mit Ideen, was man das nächste Mal noch optimieren kann. Das Spielergebnis war knapp (113, 102 und 97 Siegpunkte). Einem aus der Spielrunde, dem Brass nicht so gut gefallen hat, fand Tinners’ Trail richtig gut – gab aber zu bedenken, daß er sich vorstellen könnte, das der Langzeitspielreiz eventuell problematisch sein könnte. Wobei am Ende ja auch jede Partie zumindest marginal anders verläuft (durch die würfelbasierte Verteilung der Rohstoffe und Festlegung der Preise für selbige). Also meine Spielrunde kann für Tinners’ Trail derzeit nur eine klare Empfehlung aussprechen. Ein etwas längerer Absacker, den man auch mit Spieleeinsteigern spielen kann. Auf dem Spielplan steht wirklich beinahe alles Wichtige drauf. Wer lesen kann ist da klar im Vorteil. Das notwendige Englisch würde ich mit Schulenglisch Klasse 6 kategorisieren. Die bei Tinners’ Trail verwendeten Spielmechanismen sind eigentlich alle nahezu bekannt, aber schön miteinander verflochten. Das Spielmaterial ist sehr gut – auch wenn entgegen der Anleitung eine kreisrunde Scheibe pro Spieler fehlt – die braucht man aber auch nicht! Testet es an, wenn Ihr die Möglichkeit habt – vielleicht in Essen – Ihr werdet es nicht bereuen.

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3 Comments

  1. # Peer on Juli 28th, 2008

    Ein Absacker mit einer Spieldauer von 90 Minuten? Wie lange dauern eure Spielebenden denn so im Schnitt? ;-)

  2. # nora on August 30th, 2008

    Wir haben Tinners Trail zu viert gespielt. Nervig waren am Anfang die vielen verschiedenen Teile, die man erwerben konnte und ihre Fähigkeiten. Wir haben uns aber schnell damit abgefunden. Unschöner war der Zufallsfaktor bei den Preisen und dem Erwerb einer neuen Mine auf freiem Feld. Einer hatte drei Wasser, ein Kupfer und ein Zinn, der andere drei Kupfer,drei Zinn und ein Wasser — und damit den Sieg in der Tasche ( die Wertungen lagen alle zeimlich eng zusammen). Ich spiele viel lieber Brass oder eine Version von Age of Steam

  3. # Gerhard on Oktober 31st, 2008

    In all unseren verschiedensten Spielrunden kam Tinners Trail super an. Das Spiel ist schnell erklärt und die Mechanismen greifen sehr gut ineinander. Man sollte sich vielleicht auch mal die Mühe machen und die Anleitung genau durchlesen. Martin Wallace gibt für jedes “warum” etwas wie gemacht wird, eine geschichtliche Erklärung ab – und das finde ich sehr stimmig. Für mich eines der besten Spiele des aktuellen Jahrganges.


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