
Frisch aus England von JKLM eingetroffen… ein Puerto for the Tempus oder auch Galactic Emperor genannt. Ein Spiel, das bekannte Mechanismen im Gewande des Weltraums verknüpft und somit die Old-Schooler für sich gewinnen möchte.
Das Material
Reichhaltig ist wohl eine gute Beschreibung. Außerdem fällt beim Öffnen der Schachtel erst einmal unangenehm das 8. Weltwunder: Der Chinesische Siebdruck athmosphärisch negativ auf. Trotzdem ist das Material insgesamt ok. Dunkle kräftige Farben – themenmäßig blau gehalten schimmern einem entgegen. Eine ganze Armada von Plastik-Weltraumschiffen komplettieren die sonst dicken Pappcounter/ -rollen/ und -technologiekarten. Die grafische Gestaltung ist sagen wir mal auf die nette Art “zweckmäßig”.
Die Spielregel
Hier fällt mir auf Anhieb das Stichwort “überschaubar” ein. Das ist sowohl positiv (wegen der Länge) als auch negativ (wegen der Ausführlichkeit). Trotzdem werden erfahrene Spieler keine Probleme mit der Regel haben und gewohnt professionell Regelunklarheiten kurzerhand auf dem kurzen Dienstweg in der Spielgruppe lösen. Immerhin gibt es bei Boardgamegeek bereits kurz nach erscheinen ein inoffizielles FAQ und zig Forenbeiträge zu Regelfragen. Im Notfall dort stöber – der Autor beantwortet auch bereitwillig die Fragen.
Übrigens: Die Regel ist in englisch, aber leicht verständlich. Das Spiel selber enthält so gut wie keinen Text – außer auf den Rollenkarten und den Technologiekarten. Aber das sind eher Gedankenstützen!
Achtung: Unbedingt die Beispiele am Seitenrand lesen – die erklären einiges – auch einiges Neues!
Spielerzahl
Tja, leider erst ab 3 – dafür aber bis zu 6 Spielern. Um es gleich vorwegzunehmen: Wir haben die 2 Spieler Variante von Boardgamegeek gespielt und sie soll lt. dem Erdenker das Gefühl eines 4-Spieler Spiels vermitteln. Nach dem Spiel haben wir das diskutiert und sind eigentlich auch der Meinung, daß die 2 Spieler Variante wirklich was taugt. Wir sehen eher die Gefahr, daß bei mehr als 2 Spielern immer auf den Führenden eingeschlagen wird was auch eine hohe Frustrationsgrenze bei eben selbigen voraussetzt, um das Spiel ohne Gewaltausbrüche zu Ende zu bringen.
Worum geht es?
Um Siegpunkte! Cool – oder? Aber erst einmal möchte ich kurz die bei Galactic Emperor verwendeten Mechanismen klassifizieren:
… auch wenn es sicherlich noch bessere Beispiele für die einzelnen Mechanismen gibt, sind das die, die mir auf Anhieb assoziativ ins Hirn krabbelten.
Aber jetzt noch einmal kurz einen Überblick über den Spielablauf an sich:
Abhängig von der Spielerzahl variiert die Startaufstellung (welcher Heimatplanet steht an welcher Stelle) und die Anzahl der Siegpunkte. Das Spielfeld ist in Hexfelder unterteilt. In der Mitte wird zu Beginn die Sonne platziert. Diese wird ungefähr zur Mitte des Spiels (wenn eine bestimmte Anzahl von Regionenplättchen platziert wurden) implodieren und zu einem gähnenden Schwarzen Loch. Aber dazu später.
Jeder Spieler erhält ein bissel Geld, einen Fighter und einen Pool von weiteren Kriegsschiffen sowie ein Lager (maximale Lagerkapazität: 6 Metall und 3 Energie) für Metall und Energie (zu Beginn bereits mit einem Metall und einem Energiecube) und eine bestimmte Anzahl von Empire-/ Starbasemarkern. Der Heimatplanet wird platziert – inklusive dem Fighter und einem extragroßen Starbasemarker. Diese Heimatbasis ist nicht angreifbar (oder wie in der Regel steht: Home Sweet Home).
Der Startspieler bekommt die Thronekarte (die hatte ich, da lt. Regel derjenige Spieler damit beglückt wird, der die besten Snacks mitgebracht hat). Anschließend werden noch vom verdeckten Stapel soviel Regionenplättchen aufgedeckt wie Mitspieler am Tisch sitzen +1. Diese liegen offen neben dem Spielplan und können mit entsprechender Rollenwahl platziert werden.
Noch ein kurzes Wort zu den Regionenplättchen. Diese zeigen meist 1 oder mehr Planeten und eine bestimmte Anzahl von Cubes (Food, Metall, Energie), die er produzieren kann. Der Heimatplanet produziert immer ein Food und ein Metall. Es gibt aber auch den “Freien Raum – Das unendliche Weltall, das keine Funktion hat.
Bevor es losgeht bestimmt der Throne Spieler noch, ob im Uhrzeigersinn oder entgegen gespielt wird. Nettes Gimmick. Der Throne Spieler wählt dann eine der 7 Rollen führt diese Rolle inklusive Sonderfunktion aus und anschließend führt die normale Rolle der Spieler aus, der in Spielrichtung sitzt. Haben das alle gemacht, wählt der nächste Spieler eine Rolle… Bis jeder Spieler eine Rolle gewählt hat und alle Spieler diese Rolle auch bis zum Ende ausgeführt haben. Dann ist eine Spielrunde vorbei.
Kurz zu den verfügbaren Rollen:
Zu den Technologiekarten noch kurz eine Übersicht. Letztendlich fanden wir alle sehr mächtig und bestimmt kann man da auch nach mehreren Spielen und etwas Erfahrung gute Kombos aufbauen:
Technologiekarten, die 1 Energie kosten:
Technologiekarten, die 2 Energie kosten:
Technologiekarten, die 3 Energie kosten:
Wann endet das Spiel eigentlich?
Das Spiel endet, wenn ein Spieler seinen letzten Einflußmarker auf dem Spielfeld bis zum Ende der Rolle platzieren konnte oder alle Siegpunkte verteilt wurden. D.h. das Ende ist durch die Spielweise beeinflußbar (schnelle Strategie, …). Der Spieler mit den meisten Siegpunkten gewinnt und bekommt dann laut Spielregel von den anderen Spielern ein “All Hail The Great Galactic Emperor” freudig entgegengeschrien. Die Verlierer räumen dann unter den stolzen Blicken des Siegers das Spiel weg. Nein Nico! Ich werden diesen Satz niemals zu Dir sagen!
Achtung Meinung!
Also wir haben nach dem Spiel viel diskutiert. Definitiv benötigt man mehr als ein Spiel, um die Komplexität zu erfassen und eine geeignete Strategie zu entwickeln. Die Spielzeit mit 90 Minuten haben wir wie immer nicht geschafft. Zwei Stunden + x sollte man schon rechnen. Kann aber auch sein, daß man als geübter Spieler schneller ist.
Das Spiel hat im Kampf und bei dem Erwürfeln der Rohstoffpreise in der Merchant Rolle mehr oder weniger viele Glückskomponenten. Wer Glück überhaupt nicht ausstehen kann sollte die Finger von dem Spiel lassen.
Wir hatten den Eindruck, daß wir in unserer ersten Partie keine Strategie hatten, sondern immer das gemacht haben, was in der aktuellen Runde am nötigsten war (ups, keine Kriegsschiffe, dann bauen – ach je, keine Geld und keine Rohstoffe – also erst einmal Stewarden, …). Das führt zu einem wellenförmigen Spielverlauf. Diese Wellen kann man in nächsten Partien mit etwas Vorausplanung bestimmt glätten.
Ich habe das Spiel relativ am Anfang verloren. Nico ist schnell expandiert und hat sich einen guten Vorsprung durch zwei Regent Rollen erarbeitet. Es lief ungefähr so ab: ich habe ihm die Planeten gebaut. In der Zeit hat er Kohle gescheffelt und aufgerüstet und die von mir gesetzten Planeten okkupiert – Super. Diese zwei Regent Runden konnte ich bis zum Ende nicht aufholen, obwohl die letzten Runden sehr ausgeglichen verliefen. Letztendlich war es meine Dummheit am Anfang.
Ich glaube auch, daß man mit wachsender Spielerfahrung weniger kriegerisch agiert. Auch wird es spielerzahlabhängig sein, da bei mehreren Spielern bestimmt alle auf den vermeintlich Führenden einschlagen. Also lieber nicht Führen, d.h. weniger aggressiv spielen. Der Führende ist übrigens nicht unbedingt ersichtlich, da die Siegpunkte verdeckt gehalten werden. Aber was nützt das, wenn die lieben Mitspieler denken, daß man der Führende ist *seufz*
Das erste Spiel hat uns insgesamt viel Spaß gemacht aber auch einige Fragezeichen überm Kopf produziert. Endlich mal wieder ein Spiel, bei dem man danach im Bett liegend anfängt zu grübeln, wie eine Strategie aussehen könnte und was man das nächste Mal anders machen könnte/ sollte. Ich denke wir haben eindeutig die Technologiekarten vernachlässigt. Eigentlich sind alle Technologien stark – durch Nicos Offensive hatte ich aber gar keine Zeit etwas Solides aufzubauen, da er gleich in der zweiten Runde laut “Attacke” rief und anfing rumzustänkern. Da war dann Verteidigung angesagt.
Vor dem Spiel war ich eigentlich von einem ähnlichen Spielverlauf ausgegangen wie bei Antike von eggertspiele. Erst Aufbauen, … und am Ende die Entscheidung durch Krieg. Gut, Nico wollte gleich Krieg. Jedoch die Tatsache, daß der Scientist im Schwarzen Loch zur Mitte des Spiels verschwindet deutet ja darauf hin, daß man sich zu Beginn wichtige Technologien sichern sollte. Insbesondere deswegen, weil diese einem nicht unerheblich Vorteile beim Wachsen bringen.
Das Spiel hatte auf jeden Fall viele Stellhebel und bietet dadurch anhaltende Abwechslung und einen schönen Spannungsbogen. Trotzdem hatte ich irgendwie das Gefühl schlecht gespielt zu haben. Ob man das mit weiteren Spielen besser in den Griff bekommt hoffe ich. Nicht das das Spiel eine Strategie letztendlich gar nicht zuläßt, weil der frühe Vogel den Wurm fängt. Vielleicht gaukelt das Thema “Aufbauspiel” auch nur die Notwendigkeit einer langwierigeren Strategie vor, als am Ende notwendig ist? Man würd sehen dürfen!
Wie gesagt: unterm Strich ein Super Spiel und damit eine klare Empfehlung von mir!
Und vor allem und absolut wichtig: Es hat auch zu zweit sehr viel Spaß gemacht!
Dir könnte das Spiel gefallen, wenn Du
Hier noch ein Video:
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# Marc on Oktober 17th, 2008
Gibt es inzwischen mehr Erfahrungen mit der Spieldauer? Und wie schnell weiß man, dass man verloren hat? Denn nach30 Minuten wissen, dass es das war und dann noch 1,5 Stunden aushalten müssen, ist mit manchen Mitspielern anstrengend, weil die einem nämlich dann “Königsmacher” vorhalten.
# Sankt Peter on Oktober 17th, 2008
Also ich weiß nur, daß ich bereits 2 2-Spieler Partien nach 3 Runden aufgegeben habe, weil ich keine Chance mehr hatte. Eine 3-Spieler Partie dagegen verlief anders. Da haben zurückliegende noch Chancen, da tendenziell auf den Führenden eingedroschen wird… Frühes Aufgeben wäre da falsch.
Uns hat das Spiel bisher immer viel Spaß gemacht. Auch zu zweit.