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Dominion – PEEP

Okt 2008
30

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Leser:9453

Dominion

Heute schon gemischt?

Allgemein

Kartenspiele scheinen ja derzeit eine neue Qualitätsstufe und einen neuen Innovationsgrad zu erreichen. Oder hätte jemand vor einem Jahr noch gedacht, daß man einen on-play-deckbuilding-Mechanismus erfinden könnte. Muss man bei Magic noch viel Zeit in Karten und Spielvorbereitung stecken (mache ich jetzt ein schnelles Elfendeck oder doch lieber ein rotes Burndeck?) erledigt man das bei Dominion einfach während des Spiels…

Obwohl das Spiel ein Kartenspiel ist, kommt es in einer großen Schachtel daher – Größe wie Säulen der Erde. Nach dem Öffnen weiß man dann auch, wie es in chinesischen Produktionshallen riecht. Ehrlich gesagt müssen die bei diesem Farbgeruch alle professionelle Schnüffler sein. Vielleicht erklärt das auch die oft auftretenden Materialprobleme bei chinesischen Produktionen – die Arbeiter sind halt high und unkonzentriert. Aber trotz des Geruchs, der nach kurzer Zeit verschwindet ist die Materialqualität gut. Der Verlag teilt mit, das das Spiel komplett in Deutschland produziert wurde. Die Karten kommen von der renommierten Firma Altenburger Spielkarten, die sich an strengste Qualitäts- und Umweltkriterien hält. Die restlichen Teile kommen ebenfalls komplett aus deutscher Produktion und das Spiel wurde in Ingolstadt konfektioniert.

Trotz des Gestanks ist das Spielmaterial sonst ok, zweckmäßig, grafisch ansehnlich illustriert. Das Highlight ist meinen Augen aber auch ein endlich mal vernünftiges Tiefziehteil in der Schachtel. Zusammen mit der Kartenbeschriftungsleiste von der Hans im Glück Seite ist es echt funktional und damit hilfreich. Die Karten werden nach Art in die Schachtel querkant einsortiert und stehen damit am Spielanfang griffbereit zur Verfügung. Vorbildlich! Einziger Nachteil: Mit Schutzhüllen passen die Karten nicht sortiert in die Schachtel. Da muß jeder für sich selber entscheiden, ob er lieber sortierte Karten haben möchte, die nach x Partien abgegriffelt sind oder lieber dauerhaft schöne Karten, die aber vor jedem Spiel sortiert werden müssen – und das sind sumserum 500 Karten! Wirtschaftlich gesehen kosten vernünftige Kartenhüllen da mal schnell mehr, als ein neues Spiel!

Die Spielregel ist angenehm kurz und läßt bis auf die Sache mit den Fluchkarten keine Fragen offen. Das Spiel ist aber für mich so eingängig gewesen, dass ich die Spielregel überhaupt nicht zum Nachschlagen benötigt habe. Einzig und allein die Erläuterungen zu den Aktionskarten sollte man nicht zu weit weglegen. Aber auch hier erklären sich ein Großteil selber (Achtung: das Errata zum Kanzler beachten – kann sonst böse werden). Aber noch einmal kurz zurück zu den Fluchkarten, die bei den Spielern anscheinend für einige Verwirrung gesorgt haben – ein echter Fluch diese Dinger…

Exkurs: Fluchkarten

Ja, es ist so, daß die Fluchkarten nur über die Hexe ins Spiel kommen. Es steht jedem frei selber eine Fluchkarte zu nehmen, wenn er es möchte, aber wer benötigt schon -1 Siegpunkt? Eigentlich muß man die Fluchkarten nicht bereitlegen, wenn die Hexe nicht mitspielt, aber Hans im Glück hat die Originalregel 1:1 übersetzt, den Verlag auf die Unstimmigkeit hingewiesen und als Antwort erhalten, daß man trotzdem bei jedem Spiel die Fluchkarten hinlegen soll, das wäre halt so. Also ich finde es eher verwirrend… aber ich denke mal, dass noch einige Erweiterungen folgen werden, wo das dann wieder Sinn macht.

Also zusammenfassend ist zu sagen: Stinkendes funktionales Material mit guter überschaubarer Anleitung.

Kurzerläuterung Spielablauf

Bei Dominion geht es wie bei wenigen anderen Spielen um Siegpunkte. Jeder Spieler beginnt mit 10 Karten (7 Geld + 3 Siegpunkte). Eine Runde besteht aus 3 möglichen Phasen:

  1. Genau 1 Aktionskarte ausspielen (optional)
  2. Genau 1 Karte aus der Auslage kaufen (optional)
  3. Aufräumen (Verpflichtend)

Fangen wir von hinten an, um alle zu beruhigen, die von Ihren Eltern oder Lebenspartner immer zum unliebsamen Aufräumen angehalten werden. Unter Aufräumen versteht man hier, dass alle in dieser Runde gespielten Karten zuzüglich aller noch auf der Hand gehaltenen Karten auf den eigenen Ablagestapel gelegt werden. Um das zu verstehen muss ich aber doch von vorne beginnen, aber zumindest können jetzt alle beruhigt mitlesen.

Zu Beginn einer Runde zieht jeder Spieler von seinem Stapel verdeckt 5 Karten. Das können in der ersten Runde nur Geld- und Siegpunktekarten sein (später auch Aktionskarten und Fluchkarten). Siegpunktekarten sind schon einmal schlecht zu Beginn, da man sie nicht ausspielen kann. Man muß sie aber zum Spielende in seinem Stapel haben, da nur diese als Siegpunkte zählen. D.h. im Spiel behindern sie mich (das ist so, als wenn ich bei Magic nur Länder ziehen würde) aber am Ende entscheiden sie über den Sieg… Auf die Mischung kommt es also an – Achtung doppeldeutig!.

Also weiter im Text: Ich habe also zu Beginn einer Runde 5 Karten auf der Hand. Habe ich eine Aktionskarte, so kann ich sie ausspielen. Diese ermöglicht mir z.B. Karten nachzuziehen, oder eine weitere Aktion zu machen oder in Phase 2 eine Aktionskarte billiger zu kaufen oder oder oder…

Nach Phase 1 kommt Phase 2: Karte aus der Auslage kaufen. Entweder entscheide ich mich für eine Aktionskarte oder für eine Siegpunktekarte oder für eine Geldkarte oder für eine Fluchkarte (aber wer will schon verflucht sein). Die Karte muß ich mit Geldkarten aus meiner Hand bezahlen. Die gekaufte Karte – egal welcher Art – wird sofort auf den eigenen Ablagestapel gelegt und steht einem später im Spiel zur Verfügung.

Und jetzt ist auch Phase 3 verständlicher: Alle ausgespielten und noch auf der Hand befindlichen Karten werden auf den eigenen Ablagestapel geräumt. Anschließend zieht der Spieler 5 neue Karten. Kann er keine oder nicht mehr genügend ziehen, so mischt er seinen Ablagestapel und macht diesen nach einer “Durchmischen und Abheben” Prozedur zu seinem neuen Nachschubstapel. So kommen dann auch die im Spielverlauf gespielten und gekauften Karten neu oder erneut ins Spiel.

So wird reihum gespielt, bis entweder 3 Aktionsstapel leer oder die Provinzkarten vollständig verteilt sind. Die Anzahl der Provinzkarten in der Startauslage ist von der Spielerzahl abhängig.

Fazit

Insgesamt hört sich das Spiel von den Regeln her ziemlich harmlos an. Es sind aber eine Menge Dinge zu beachten. Wann steige ich auf Siegpunkte um. Steige ich zu früh um und sammel Siegpunkte, dann behindern sie mich, wenn ich sie auf die Hand bekomme. Welche Aktionskarten nehme ich wann und in welcher Anzahl in mein Deck auf? Letztendlich ist das die gleiche Überlegung wie beim Magic-Deck-Building. Mit welcher Wahrscheinlichkeit soll welche Karte kommen? Man kann zwar auch Karten aus dem Deck entsorgen (z.B. über die Aktionskarte “Umbau”), aber das ist echt mühselig, kann allerdings gerade in der Anfangsphase sein eigenes Deck beschleunigen. Ich habe mit dieser Strategie einmal haushoch gewonnen. Punktekarten von der Starthand entsorgt und dann nur auf die 6′er Punktekarten gespielt. Damit habe ich das Spiel so extrem beschleunigt, dass ich meinen Gegenspieler quasi überrolt habe (Aussage von ihm nach dem Spiel: “Ich dachte das Spiel würde länger dauern”). Ich mag diese Spiele, wo man die Länge des Spiels aktiv beeinflussen kann (ähnlich wie bei Glory to Rome und Race for the Galaxy).

Dominion hat einen hohen Wiederspielreiz, der sich einerseits aus der kurzen Spielzeit (rd. 30 Minuten), aus dem innovativen Mechanismus und aus den unterschiedlich möglichen Strategien ableitet. Eigentlich ist Dominion (zumindest vor dem Erscheinen der zu erwartenden vielen Expansionen) ein abgespecktes Magic für Arme (im Sinne von knapp bei Kasse oder nicht willens seine monatlichen Einkünfte in bedrucktes Papier zu investieren).

Das Spiel ist aber von der ersten Partie an sehr eingängig. Es funktioniert in allen Besetzungen gut, da es doch im großen und ganzen wenig interaktive Aspekte aufweist.

Die Abwechslung zieht Dominion auch daraus, dass man sich aus 22 Aktionskarten beliebig 10 aussuchen kann und dann mit diesen spielt. Jede Aktionskarte ist im Spiel 10 Mal vorhanden. Genau hier werden dann auch die Erweiterungen ansetzen. In der Spielregel sind ein paar Presets vorgeschlagen aber letztendlich ist man da völlig frei. Könnte man ja als Draft-Variante spielen. Reihum suchen die Spieler die im Spiel zu verwendenden Aktionskarten aus. Und keine Angst: Wenn man nach x Millionen Partien durch das Mischen der Karten schon das 100te Dominion neu erwerben mußte, da die stinkende Farbe abgegriffen ist und das Spiel beginnt langweilig zu werden, da man schon alle Varianten y-fach durchgespielt hat, spätestens dann kommt die erste Erweiterung, die wieder neuen Pfiff in das Spiel bringt und für Abwechslung und noch höheren Wiederspielreiz sorgt.

Dominion hat die Fairplay Scoutaktion auf der Essen Messe 2008 gewonnen. Ein unverdienter Sieger ist es auf jeden Fall nicht. Wer sich noch einen Spieleindruck vom Spiel holen möchte tut das am Besten selber. Auf der Brettspielwelt kann man es online gegen Mitspieler aus der ganzen Welt ausprobieren.

Klare Empfehlung von mir! Heute schon gemischt?

Dir könnte das Spiel gefallen, wenn Du

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6 Comments

  1. # Renate on Oktober 31st, 2008

    Entwarnung an alle Geruchsempfindlichen: MEIN Dominion stinkt nicht! Vielleicht war es nicht mehr ganz frisch … Sonst kann ich der Rezension aber in allen Punkten zustimmen, wirklich schönes Spiel mit immer wieder neuen Kartenmischungen…

  2. # Egon on November 3rd, 2008

    Schönes Familienspiel. Allerdings spielt sich das Spiel trotz drei Millionen Kombinationen von 10 aus 24 Aktionskarten letztlich immer ähnlich, mal besser, mal schlechter (wenn die Karten nicht so gut zusammenpassen), und wenn man alle Karten ausprobiert hat, stellt sich unter erfahrenen Spielern so eine Art “St. Petersburg”-Effekt ein. Alle kaufen Markt, alle kaufen Dieb, alle spielen dings etc.Wie gesagt, es ist originell, und bis man die unterschiedlichen Strategien raus hat, vergeht eine Zeit (das macht ja den Spaß aus), aber es ist bestimmt nicht das “nochmal und nochmal und nochmal” Spiel, als das es oft angekündigt wurde, dazu ist der Ablauf zu eintönig und letzlich abstrakt (das mittelalterliche Thema rettet das Spiel hier, aber letzlich ist es völlig beliebig).

  3. # Sankt Peter on November 3rd, 2008

    Also das sehe ich natürlich ganz anders als Egon.

    Klar gibt es ein paar Brot und Butter Karten (Dorf, …). Aber die einzelnen Kombinationen von Aktionskarten spielen sich schon anders. Ist eine Hexe im Spiel, dann veläuft das Spiel viel interaktiver als bei dem “Erstes Spiel”-Deck.

    Ob Dominion das Potential hat auch nach 5.000 Partien noch wie bei der ersten zu begeistern muß sich zeigen – aber welches Spiel kann das schon?

    Außerdem bin ich fest davon überzeugt, daß kommende Erweiterungen immer wieder neue Abwechslung bieten!

  4. # ODE on November 3rd, 2008

    Ja, aber die passen nicht mehr in die Schachtel!!!

  5. # Pyrrhus on November 18th, 2008

    Ich bin übrigens nicht der Meinung, dass es “Brot und Butter”-Karten gibt – noch nicht einmal das Dorf zähle ich dazu.
    Wenn es Konstellationen mit wenigen Kartenziehern (Schmiede, Ratsversammlung) gibt, kaufe ich für 3 Gulden lieber ein Silber als ein Dorf.
    Auch Hexen sind u.U. gar nicht mehr so doll, wenn es Kappellen und Keller gibt. Die erste Hexe ist dann immer noch gut, aber die zweite oder dritte meist schon nicht mehr.
    Märkte sind meistens gut, da gebe ich dem Vorredner recht. Zumal man auch für 5 häufig nur wenig anderes sinnvolles kaufen kann. Aber auch Märkte schwächen sich ab, wenn man zuviele davon hat. Den dritten oder vierten Kauf in einer Runde braucht man ja nun wirklich nicht mehr, also hat man im Endeffekt nur einen Cantrip (eine Karte, die sich selbst ersetzt) mit 1 Gulden extra. Ist das wirklich den Preis von 5 wert?
    Generell werden von Anfängern (mir ging es genauso) die Aktionskarten überschätzt. In vielen Konstellationen reicht es völlig aus, bessere Geldkarten zu kaufen, die Kupfer und Anwesen nach Möglichkeit zu entsorgen und mit ein oder zwei Bibliotheken oder Abenteurern im Deck zu spielen. Sobald man 3-4 Gold im Deck hat, kauft man einfach jede Runde eine Provinz.

  6. # Sankt Peter on März 10th, 2009

    Schönes Kartenmischspiel mit einer Vielzahl von Erweiterungsmöglichkeiten in der Zukunft (vielleicht ist es ja am Ende ein verkapptes CCG)? Auf jeden Fall sehr kurzweilig und ideal für Spielabendanfang und Spielabendende. Interaktionsgrad schwankt je nach Aktionskartenset mit dem man spielt.

    Spielreiz
     

    Spielmaterial
     

    Spielregel
     

    Einfluss
     

    Interaktion
     

    Innovation
     


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