
Also Pandemie ist ja wirklich ein Stern am Spielehimmel der kooperativen Spiele. Da liegt die Messlatte schon hoch. Einfache Regeln, spannender Spielverlauf und funktionales Material bei interessantem Thema.
Dieses Jahr ist in Essen Ghost Stories an den Start gegangen, um mindestens einen ähnlichen Erfolg bei Kooperativ-Spielern zu erzielen.
Das Spielmaterial und die Spielregel
Das Spielmaterial ist bei Ghost Stories wunderschön. Schöne Figuren, stimmungsvolle Illustrationen, nettes Thema (Geister austreiben) und einfache Spielregeln. Stopp. Falsch. Die Spielregel ist doch etwas gewöhnungsbedürftig. Vielleicht liegt es auch am Thema – aber es dauert schon ehe man Taosteine, Ying und Yang Steine, … auseinanderhält.
Um das ganze Spiel sprachunabhängig zu gestalten hat man sich Race for the Galaxy als Vorbild geschnappt. Ich hätte vorher nie gedacht, daß man die Symbolsprache noch weiter pervertieren kann als bei dem Weltraumrennen. Aber bei Ghost Stories hat man es geschafft. Am Besten gleich die Spielübersichten für die Ortskarten und die Symbole laminieren. Die werden die Spieler oft in den Fingern haben – zumindest in den ersten Partien – versprochen!
Spielablauf
Ziel des Spiels ist es den Ansturm von Geistern abzuwehren. Nach dem davon eine Horde über einen hergefallen ist kommt eine fiese Reinkarnation ins Spiel. Um diese geht es eigentlich nur. Wird diese erschlagen, haben die Spieler das Spiel gewonnen. Kinderkacke – oder?
Falsch. Es gibt analog zu Race for the Galaxy verschiedene Level. Je nach dem wie viele Reinkarnationen man in den Stapel mischt, umso schwerer wird es.
Die ins Spiel kommenden Geister können rumspuken (spuken, nicht spucken) oder einen Spieler foltern oder einfach nur in einem der eigenen drei Ablagefelder rumlümmeln und an der Lebensenergie knabbern. Jede Runde gehen die Geister erst einmal gewissenhaft schaurig ihrer Berufung nach. Anschließend kommt ein neuer Geist ins Spiel. Die schüchternen ihrer Art bringen dann gleich noch einen Freund mit oder einen Fluchwürfel oder stinkern anderweitig rum. Jeder Geist hat eine von vier Farben und wird auf das entsprechende Tableau gelegt. Die Spielertableaus sind um die Dorfkarten herumgelegt, und bilden somit ein Quadrat aus 3×3 Feldern. Spukt ein Geist zu lange rum ohne daß man ihm erklärt das sich das nicht gehört, wird eine Ortskarte bespukt (wie gesagt spuken nicht spucken) und auf die passive Seite umgedreht. Sondereigenschaften, die die Dorfkarten normalerweise bieten können dann nicht mehr von den Spielern genutzt werden. Nach dieser Yin Phase kommt die Yang Phase. In dieser kann ein Spieler seine Figur bewegen und die Hilfe eines Dorfbewohners erbitten oder einen Geist austreiben. Für das Austreiben wird dann gegen die farbigen Stärkepunkte des angrenzenden Geistes gewürfelt und eventuell der Angriffswert mit Tao-Markern erhöht.
Das Spiel endet, wenn alle Taoisten tot sind, keine Geisterkarten mehr da sind, aber die Reinkarnation noch lebt oder eine bestimmte Anzahl von Dorkarten bespuckt (ihr wisst schon) werden. Dann gewinnt das Spiel. Schafft man es die Reinkarnation antirezukarnieren, gewinnen die Spieler, egal wie viele von ihnen noch am Leben sind.
Hat man das Spiel einmal gespielt fragt man sich, warum man die Regel nicht hätte einfacher gestalten können. Wahrscheinlich hat da ein Geist korrekturgelesen.
Fazit
Ghost Stories ist definitiv anspruchsvoller als Pandemie. Dafür ist die Regeleinstiegshürde aber auch größer und das Thema nicht jedermanns Sache.
Zu 2 spielt man rd. 45 Minuten. Es kommt Stimmung auf und man diskutiert ständig, wo man die Geister hinlegt, wer was macht und wie man die nächste Runde überleben könnte. Kurz gesagt: Das Spiel macht richtig Spaß.
Auch alleine macht das Spiel Spaß und reiht sich damit auch in die Vielzahl der mittlerweile erschienen Spiele ein, die auch mit einer Solovariante daherkommen.
Durch das zufällige Ziehen der Geisterkarten verläuft jede Runde anders. Die Würfel bringen natürlich einen gewissen Glücksfaktor ins Spiel und man muß schon überlegen, ob man einen Angriff wagt oder lieber noch eine Runde wartet (wenn man denn kann). Aber der Kampf gegen Geister ist nun mal auch in Realität eine Glückssache. Der Spruch, daß man die Geister, die man rief nicht mehr los wird bekommt hier übrigens auch eine ganz neue unangenehme Bedeutung. Da gibt es Geister, die jede Runde den Fluchwürfel rausholen und einen quängeln. Diese sollte man möglichst schnell aus dem Weg räumen. Leider treten sie manchmal unerwartet in Rudeln auf. Und es gibt Geister, die hocken einfach nur rum. Bei den Geistern unterscheidet man den Schaden oder auch die Belohnung, die sie mitbringen. Es gibt Geister, die schon frech werden, wenn sie das Spielfeld entern. Andere machen dann gleich in jeder Runde noch irgendwelchen Unfug und einige treten sogar noch einmal nach, ehe sie in den ewigen Jagdgründen verschwinden. Einige bringen beim Ableben aber auch einen Bonus. Die Einschätzung in der jeweiligen Situation, wie man am Besten wieder Oberwasser bekommt macht Ghost Stories zu einem klassischen Taktikspiel.
Am Besten einfach mal selber ausprobieren. Ghost Stories ist für mich eines der Highlights der Essen Messe 2008.
Dir könnte das Spiel gefallen, wenn Du
Hier noch ein Video:
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# Olav Müller on November 7th, 2008
“Aber der Kampf gegen Geister ist nun mal auch in Realität eine Glückssache.”
Laß das bloß keinen fundamentalen Religiösen lesen
# Sankt Peter on März 9th, 2009
Meines erachtens neben Pandemic derzeit das beste kooperative Spiel. Hoher Schwierigkeitsgrad.Spielreiz
Spielmaterial
Spielregel
Einfluss
Interaktion
Innovation
# ferox on März 22nd, 2009
Ein super Spiel mit hoher Schwierigkeit und leider katastrophaler Anleitung (es soll jedoch eine f.a.q. Liste beim Verlag erscheinen)Spielreiz
Spielmaterial
Spielregel
Einfluss
Interaktion
Innovation