
Oh ja, meine Jugend. Neben Raumschiff Enterprise stand als Scifi-Serie natürlich auch Kampfstern Galactica hoch im Kurs. Auch wenn es nur die immer gleichen 2 Sequenzen gab, wenn eine Viper von der Galactica gestartet ist und der Commander Adama schon etwas sehr alt aussah war doch die Flucht der Menschheit vor den Zylonen bzw. die Suche nach dem neuen Heimatplaneten immer wieder fesselnd.
Nach dem die Rechtsstreitigkeiten mit dem Produzenten der alten Serie aus der Welt geschafft wurden, konnte die Serie 2004 neu produziert on air gehen. Und es ist den Machern wirklich gelungen eine spannende, atmosphärisch dichte und niveauvolle Scifi-Serie über Politik, Intrigen, Gesellschaft und Überlebenskamp zu schaffen. Das Grundthema ist natürlich gleich geblieben aber sonst findet man bis auf die Namen (Geschlechter wurden teilweise geändert) wenig wieder.
Mittlerweile existieren 4 Staffeln, ein Prequel und ein paar Mini-Folgen. Die ersten beiden Staffeln und das Prequel sind bereits in deutsch synchronisiert worden. Der Rest steht noch in den Sternen, da die Serie anscheinend auch in den USA sehr viel besser ankommt als in Deutschland. Ob das an dem Sendetermin liegt (RTL nachts um 1:00 Uhr)?
Worum geht es in der Serie?
Für die, die Battlestar Galactica überhaupt nicht kennen ein kurzer Überblick, den ich auf amazon gefunden habe:
Erzählt wird die bekannte Geschichte in einer Neuinterpretation. Die Menschheit lebt auf zahlreichen Kolonien in erzwungenem Frieden mit ihrer eigenen Schöpfung, den Zylonen, die seit 40 Jahren von der Bildfläche verschwunden sind. Als sie wieder auftauchen, bringen sie Tod und Verderben für alle Kolonisten. Lediglich der veraltete Kampfstern Galactica und einige Transporter, Frachter und zivile Passagiermaschinen entkommen dem Inferno. Unter der militärischen Leitung von Commander Adama und der zivilen Führung einer neuen Präsidentin, einer ehemaligen Bildungsministerin, die in der Vertretungsfolge der Präsidentschaft die Nummer 43 war und zudem noch unheilbar krank ist, bestimmen die letzten Überlebenden der Menschheit ihr neues Ziel – neben dem bloßen Überleben: Die Suche nach dem Ursprungsplaneten, der Erde.
Das Spiel
Anscheinend aufgrund des Erfolgs der Serie und dem Trend im Spielebereich Bücher, Serien, Filme in ein Brettspiel zu übersetzen hat Fantasy Flight Games Battlestar Galactica veröffentlicht. Eine deutsche Version soll von den Heidelbergern Mitte 2009 folgen.
Da ich darauf nicht warten wollte habe ich mir das Brettspiel in englisch gekauft – genauso wie ich mittlerweile auch bei der Serie ab der 3. Staffel auf englisch umgestiegen bin (wenn bestellen, dann bei amazon.uk.co – ist billiger als bei amazon.de).
Regel und Spielmaterial
Das Spielmaterial ist schön gelungen. Alles stimmig, wenn auch grafisch wenig Raum für fantastische Zeichnungen gegeben ist. Das ganze Spiel ist sehr kartendominiert ohne dabei aber gleich ein CDG zu sein.
Die Spielregeln sind wie bei allen größeren Spielen des Verlags sehr ausführlich und gewöhnungsbedürftig aufgebaut. Diesmal hat man es sogar geschafft wichtige Dinge erst und ausschließlich im Strategieguide unterzubringen. Ein FAQ gibt es auch bereits auf der Homepage des Verlags.
Die Regeln sind wieder einmal in Grundregeln und Core-Regeln unterteilt. Also vorne erfährt man ein bißchen über die groben Hauptregeln und hinten werden dann die Regeln einzeln aufgestrippt und detailliert beschrieben. Vielleicht mag das zum Nachschlagen besser sein aber um die Regel in einem Rutsch zu lesen eher ungeeignet. Um mich mit dem ganzen Thema nur einmal rumzuärgern habe ich eine deutsche Kurzspielregel erstellt, die es im unknowns.de Forum im Downloadbereich gibt (Link).
Unsere erste Spielrunde
Zu unserer ersten Spielrunde haben sich dann gleich mal mit mir 5 Spieler eingefunden – eine eher ungewohnte große Runde für unsere Verhältnisse. Am Tisch saßen Nico, Martin, Olaf, Olaf P. und ich.
Wir bauten das Spiel um 20:15 Uhr auf. Ich habe dann ungefähr 1 Stunde die Spielregeln erklärt. Allerdings habe ich in der Zeit auch Hintergrundgeschichte zur Serie erzählt, damit die Leute, die die Serie nicht kennen auch etwas von der Atmosphäre mitbekommen. Im Hintergrund lief zwar Trash-Metal, Hardcore und Metal Musik aber die Zylonen sind ja auch ein bißchen trashig und metallig. Nach der Spielregelerklärung ging noch einmal jeder auf Toilette und dann konnte es losgehen (21:30 Uhr).
Als erstes stand dann die Rollenwahl an. Battlestar Galactica ist ein kooperatives Spiel. Man versucht mit der Flotte bis zum Zielplaneten zu kommen. Dafür muß man mehrere Sprünge machen und sich gegen die Zylonen verteidigen. Keine der Ressourcen darf dabei auf null sinken (Population, Fuel, Morale, Food) und auch die Galactica darf nicht im Kampf vollständig zerstört werden. Es kann auch sein, daß Zylonen (Centurions) in das Schiff eindringen und von innen heraus die Niederlage der gesamten Menschheit herbeiführen. Tritt eine dieser Bedingungen ein, so haben die Menschen verloren. Die Zylonen verlieren, wenn die Menschen den Zielplaneten erreicht haben.
Bei der Rollenwahl muß man also aufpassen, daß das Team möglichst breit aufgestellt ist (Politische Führer, Militärische Führer, Piloten, Engineers, …). Einer der Spieler wird dann noch Präsident und einer Commander. Diese haben noch Spezialfähigkeiten. Der Präsident kann im Spiel auch abgewählt und neu bestimmt werden.
Wir hatten am Ende 2 Piloten, 1 Politischen Führer, 2 Militärische Führer:
Nico: Sharon “Boomer” Valerii (Pilot)
Martin: Gaius Baltar (Präsident)
Olaf: Karl “Helo” Agathon (Militärischer Führer)
Olaf P.: Kara “Starbuck” Thrace (Pilot)
ich: William Adama (Commander)
Damit waren auch die Aufgaben im Spiel einigermaßen klar, da jeder Charakter Stärken und Schwächen hat. Die Piloten mußten den Raum um die Galactica herum sauber halten, Der Präsident das Volk aufmuntern, der Commander das Grobe erledigen und Agathon das Militär auf Trab halten. Leider hatten wir kein Engineer dabei, der eventuelle Schäden beheben kann.
Jeder Charakter zieht entsprechend seiner Stärken zu Beginn seines Spielzugs sogenannte Skill-Karten aus seinem Bereich (Leadership, Tactics, Piloting, Engineering, Politics). Diese ermöglichen dann bestimmte Aktionen und sind hilfreich bei sogenannten Skill-Checks, wo darüber entschieden wird, ob bestimmte Ereignisse (positive und negative) in Kraft treten oder nicht.
Neben seiner Rollenkarte erhält jeder Spieler auch eine “Gesinnungskarte” zu Beginn des Spiels. Eine zweite Karte erhält man dann nachdem die Flotte eine Entfernung von 4 oder mehr zurückgelegt hat. Im Spiel sind aufgrund des Karten Setups am Ende 2 Zylonen und 3 Nicht-Zylonen. Die Gesinnungskarten werden natürlich verdeckt gehalten, so daß die Verräter nicht identifiziert werden können und aus dem Untergrund ihre Sabotageaktionen durchführen (bei Skill-Checks negative Karten legen, bei der Wahl eines Ereignis das schlechtere auswählen, bewußt Ressourcen verbrauchen, …).
Bei uns war im ersten Spielabschnitt kein Zylon dabei. Das wußten wir natürlich nicht und so wurde munter verdächtigt. Als Commander bestimme ich aus zwei Karten, die ich verdeckt ziehe, wie weit die Flotte springt. Ich hatte noch nicht einmal die Karten gezogen da hörte ich schon: “Wenn wir weniger als 3 weit springen, dann landest du in der Brig du alter Zylon”. Super! Die Brig ist das Gefängnis an Bord der Galactica. Ich ziehe also zwei Karten: Karte 1: Sprung 1 und 1 Fuel verlieren, Karte 2: Sprung 2 und 1 Fuel und 1 Morale. Ich habe die erste Karte genommen. Somit war ich verdächtig und Gaius konnte aufgrund einer Quorum Karte meine Gesinningskarte anschauen, was er dann auch sofort tat.
Unterdessen tobte der Kampf um die Galactica rum, da immer mehr Raiders und Starbase auftauchten. Starbuck wurde abgeschossen und kam in die Krankenstation. Im letzten Moment sprangen wir weg und entkamen den Angriffen. Dann war wirklich rundenlang kein Zylonischen Raumschiff mehr zu sehen. Wir hatten leider die Schicksalskarten so schlecht gemischt, daß die Zylonenangriffskarten hintereinander am Ende des Stapels lagen. Gähnende Langeweile breitete sich bei unseren Piloten aus. Trotzdem verloren wir extrem viel Morale, was Gaius als Präsident teilweise durch die Ansprache an die Nation abschwächen konnte.
Unsere ersten Skill Checks spielten wir alle offen, da Gaius immer eine entsprechende Karte zu Hand hatte, die das ermöglichte. Ein Zylon konnten wir nicht entdecken (es gab ja bis zu diesem Zeitpunkt keinen). Gaius selber wurde immer verdächtiger, da er zu Beginn des Spiels bereits 2 Gesinnungskarten ziehen muß. Ich schaute mir eine seiner Gesinnungskarten an (kein Zylon). Das Misstrauen stieg obwohl uns immer klarer wurde, daß kein Zylon an Bord war. Die Skill Checks, bei den man 12 Punkte benötigte meisterten wir mit 24 Punkten… keiner spielte gegen die Menschheit. Mit angeschlagener Moral und sonst guten Werten und keinem Schadensmarker erreichten wir Kobol nach 3 Sprüngen.
Die letzten Gesinnungskarten wurde verteilt. Jetzt war klar, daß die 2 Zylonenkarten aus dem Deck verteilt wurden. Boomer bekam zu diesem Zeitpunkt 2 Gesinnungskarten zugeteilt, was sie sofort verdächtig machte. Aufgrund ihrer Eigenschaft mußte sie zu dem Zeitpunkt in die Brig und alle schwörten, daß sie diese nicht wieder verlassen wird.
Währenddessen sank die Morale auf den Schiffen weiter ab. Zylonenschiffe waren nicht in Sicht. Wir checkten den Stapel, entdeckten die ungünstige Verteilung und mischten diesen neu.
Nach zwei vergeblichen Versuchen von Boomer die Brig zu verlassen outete sie sich als Zylon und wechselte in die Zylonen-Orte. Ab diesem Zeitpunkt wurde es häßlicher für die Menschen. Ein Pilot weniger und ein aktiver Zylon mehr. Ich weiß nicht warum, aber plötzlich wollten alle den Commander – also mich in der Brig sehen. Gaius schaffte es meinen Titel an Helo zu übertragen und man schmiß mich in die Brig. Juhu, dabei hatte ich gar nichts getan. Mit seiner Sondereigenschaft schaute sich Gaius meine beiden Gesinnungskarten an. Er verkündete, daß ich Zylon wäre – na super! Wenn das mal kein Bluff von ihm war.
War es nicht. Eine Runde später offenbarte ich mich und sprang auch auf das Zylonenschiff. Zu zweit konnten wir die Menschheit dann richtig gut ärgern. Auch die Zylonenkampfschiffe hatten die menschliche Flotte wiedergefunden und richteten mächtig Schaden auf der Galactica an. Die Colonial One wurde von Boomer komplett bis zum Spielende blockiert. FTL Computer (für das vorzeitige Springen notwendig), Weapons Control, Command waren auf der Galactica beschädigt. Die Menschen, die sich zum Zeitpunkt der Beschdigung in dem Raum aufhielten kamen in die Sickbay (Krankenstation) und konnten nur 1 Skill-Karte zu Beginn des Zuges ziehen. 3 Zylonen hatten bereits beboardet. Und die Raider macht Jagd auf die Zivilschiffe. Die Galactica konnte nicht vorzeitig wegspringen um die Zylonenkampfschiffe abzuhängen, da der FTL beschädigt war. Skill-Checks konnten die Menschen kaum noch gewinnen, da sie zu wenig Skill-Karten hatten. Die Super-Crisis Karten der Zylonen wurden nicht abgewehrt. Der Commander verschleuderte in seiner Verzweiflung schnell hintereinander seine 2 Nukes. Doch die Zylonenkampfschiffe waren einfach zahlenmäßig weit überlegen. Durch die Zerstörung der Zivilschiffe sank die Population und am Ende gewannen innerhalb von 3 Runden die Zylonen mit der Exekution des letzten Menschen. Aber auch die anderen Bereiche waren 1 oder 2 vor null! Lang leben die Maschinen.
Meinung
Wir haben am Ende rund 4 Stunden gespielt. Das ist doppelt so lange wie angegeben. Durch das schlechte Mischen der Schicksalskarten war wenig los im Weltraumkampf – das gefiel den Piloten nicht so. Ich glaube, daß die nächste Partie in 2 Stunden schaffbar wäre. Allerdings weiß ich nicht, wie die Menschen es jemals schaffen sollten den Heimatplaneten zu erreichen. Als offener Zylone kann ich schon richtig Druck machen (nicht alleine durch meine Super-Crisis Karte).
Die Atmosphäre der Serie ist wirklich herausragend in das Brettspiel transferiert worden. Verdächtigungen, das Ungewisse, die Intrigen, die Angst, … alles kommt vor. Und es macht auch dem Spaß, der die Serie nicht kennt. Insgesamt ein hoher Spannunsbogen über die gesamte Zeit mit einem Höhepunkt beim Erreichen von Kobol und dem Austeilen neuer Gesinnungskarten. Danach kommt dann das prickelnde Finale… wer wird es schaffen?
Ich würde das Spiel jederzeit wieder spielen, wobei ich 5 Mitspieler schon gut finde. Mit 3 Spielern geht glaube ich einiges verloren. 4 könnte ok sein, da dort eine Sympathizer Karte dazukommt.
Die Spielzüge gehen schnell, die Downzeiten sind gering und die Atmosphäre bindet sowieso jeden permanent ins Spiel ein. Die Spielzeit verging wie im Flug.
Durch die verschiedenen Rollen und den immer anderen Spielablauf (zufällig gezogene Schicksalskarten) bleibt das Spiel auch nachhalting spannend. Sonst spielt der Zufall in Form des Auswürfelns der Kämpfe mit. Das ist aber erträglich.
Raptoren haben wir kaum eingesetzt und eine Zylonen-Boarding-Party (oder Zylone-After-Boarding-Party) war bei uns unkritisch und machte keinen Druck. Ich denke aber, daß das in anderen Spielen anders sein kann.
Die Menschheit hatte bei uns eher das Problem, daß die Moralwerte aufgefressen wurden. Da haben wir Menschen uns wohl auch selber etwas platt gemacht (wie prophetisch). Ich denke aber letztendlich, daß die Menschen das Spiel nur sehr schwer gewinnen können. Es gibt zwar wieder Möglichkeiten den Schwierigkeitsgrad anzupassen, aber der Anspruch ist insgesamt hoch. Ich hätte auf jeden Fall derzeit keine wirkliche Idee, wie ich der Menschheit zum Sieg verhelfen könnte.
Von mir eine ganz klare Empfehlung. Das bisher beste Kooperationsspiel, das ich gespielt habe (Pandemie, Ghost Stories)! Wer mit dem Englisch Probleme hat sollte auf die deutsche Version warten. Sind schon einige Kartentexte im Spiel plus die Anleitung vor und während des Spiels.
Dir könnte das Spiel gefallen, wenn Du
empfohlene Spielerzahl: 4+
Hier noch ein Video:
…und noch eines…
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# Christy on Februar 10th, 2009
Hey ein echt super review hast du da geschrieben “bastante bien” hat mir sehr geholfen und hab mir dann das Spiel gekauft!
muchas gracias
# Sankt Peter on März 11th, 2009
Atmosphärisch tolles semi-Kooperationsspiel. Ich finde es genial und unterhaltsam spannend habe aber auch schon Meinungen gehört, die vom schlechtesten Spiel sprechen, das sie je gespielt haben. Da ich aber bisher immer Zylon war, konnte ich auch immer gewinnen. Nach meiner Erfahrung haben es die Menschen schwer zu gewinnen. Das Kennen der gleichnamigen Serie ist nicht störend aber auch nicht zwingend notwendig. Macht halt dann einfach nur noch mehr Spaß!Spielreiz
Spielmaterial
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Einfluss
Interaktion
Innovation
# Yogial on März 12th, 2009
Super Spiel! Die vorliegende Rezension ist sehr gut und beschreibt die Spielatmospäre sehr gut. Zylonenparanoia überall!^^ Wir haben bisher zweimal gespielt und in beiden Fällen haben auch die Zylonen gewonnen und ich schliesse mich meinem Vorredner an: Die armen Menschen! Aber in den Spielregeln gibt es nachvollziehbare Modifikationen, um es denn Menschen etwas leicht zu machen. Übermorgen steigt erneute Schlacht Menschen gegen Zylonen und alle können den Freitag kaum erwarten!Spielreiz
Spielmaterial
Spielregel
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Innovation
# unittype on August 17th, 2009
Schönes kooperatives Spiel. Und das, wo ich da sonst nicht so für bin..Spielreiz
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