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Endeavor – PEEP

Aug 2009
16

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Leser:3534

Normal sagt man ja Nomen est Omen – bei Endeavor (zu dt. Anstrengung, Bestrebung, Bemühung) gilt das eigentlich nur für den Spielaufbau, im Rahmen dessen man gefühlte 500 Counter “anstrengend” auf dem Spielfeld verteilen muß. Der Rest ist eher die eierlegende Vollmilch… ähhh Wollmilchsau – ein Zivilisationsspiel mit einer Spielzeit von 90 Minuten. Hört sich gut an? Wir werden sehen…

Im Oktober soll übrigens die deutsche Ausgabe bei Lookout Games erscheinen. Diese trägt dann den Namen Magister… Eine 1:1 Übersetzung bot sich anscheinend aus marketingtechnischen Gründen nicht an – verständlich!

Phase 1: Das Öffnen der Schachtel

Immer wieder ein Highlight. Das Öffnen einer neuen Spieleschachtel. Und dazu noch eine so große und schwere Schachtel. Mit zittrigen Händen wird die Schachtel chirurgisch geöffnet. Zum Vorschein kommt ein Spielplan, 5 Spielertableaus, Karten, Gebäudeplättchen und viele Pappcounter, sowie etwas toter Wald in Form von Holzwürfeln und -scheiben. Bei mir fehlten dann mal gleich 10 weiße Scheiben, was mir aber erst beim Spielen auffiel, als ich mich wunderte, warum mein Nachschub an Population bereits aufgebraucht ist, während mein Gegner noch voll die Scheiben hatte. Auch die mitgelieferte Krone fiel mir während des Spiels permanent vom Kopf - mhhh.

Das Spielmaterial ist aber sonst absolut einwandfrei. Der benötigte Platz zum Spielen ist aber dann doch größer, als man denkt. Absolut nicht kneipentauglich, falls jemand diese Frage stellen möchte.

Das gesamt Spielmaterial ist sprachunabhängig, weswegen ich auch nicht wüßte, warum man zu diesem Spiel wieder einmal eine deutsche Ausgabe benötigen sollte. Regel übersetzen und fertig. Stimmt – ein Regelheft war auch noch dabei.

Phase 2: Regel lesen

Ok, sabbernd die Regel geschnappt und ins Bad gerannt. Das würde wohl eine längere Sitzung werden – aber weit gefehlt. Die Regel liest sich flüssig und die Spielregeln sind erstaunlich einfach. Die vielen Beispiele runden das positive Gesamtbild ab. Also einfach mal loslegen. Das Spiel ist zwar für 3-5 Spieler angegeben – wir haben es einfach mal zu zweit gespielt – nachdem auf BGG stand, daß das ohne Probleme machbar ist und auch angetestet wurde bei der Entwicklung des Spiels. Der Regel-Know-How Transfer an den Mitspieler hat halb so lange gedauert wie das Setup des Boards – also rund 5 Minuten. Vorteil dieser Pappcounterorgie beim Setup ist allerdings, daß jedes Spiel mit einem anderen Setup beginnt, da die Counter zufällig verteilt werden.

Phase 3: Los gehts

Das Spiel geht über 7 Runden. Am Anfang geht es ziemlich langsam zur Sache und selbst in Runde 4 von 7 fragt man sich ob man irgendetwas falsch spielt… Aber spätestens ab Runde 5 geht dann die Post ab. Wenn nicht hat man wohl schlecht oder bis zu diesem Zeitpunkt  unfreiwillig nach Hausregeln gespielt.

Jeder Spieler entwickelt seine Zivilisation in den Bereichen

  1. Ingenieurskunst – wichtig für den Bau von Gebäuden
  2. Kultur – wichtig für den Nachschub neuer Arbeiter
  3. Finanzen – wichtig zur Sicherstellung der Arbeitskraft
  4. Politik – wichtig zum Ausbau des Handkartenlimits

Eigentlich erinnert das spontan alles an Through the Ages (Im Wandel der Zeiten) – und eine gewissen Ähnlichkeit ist nicht abzusprechen. Wobei man dazu sagen muß, daß Endeavor ein Komplexität von 60% hat, wenn Through the Ages = 100% ist.

In einem Spielzug passieren folgende Dinge:

  1. Der Spieler muß ein Gebäude bauen
  2. Der Spieler nimmt sich Nachwuchs
  3. Der Spieler kann gemäß seiner Finanzleiste Arbeiter aus Gebäuden zurückholen
  4. Die Spieler führen reihum Aktionen aus, bis jeder gepasst hat. Die Aktionen sind:

Die Gebäude, die man am Anfang jeder Runde bauen muß (gleichzeitig der Rundenzähler) ermöglichen dem Spieler entweder einmalig seine Zivilisation in einem Aspekt weiterzuentwickeln oder bieten die Möglichkeit in der Aktionsphase dieses zu aktivieren und einer der 4 Aktionen durchzuführen. Alternativ kann man auch Aktionen durchführen, wenn man sich vorher vom Spielplan Aktionsplättchen “besorgt” hat. Plättchen erhält man nämlich immer, wenn man durch das Verschiffen oder dem Kolonialisieren Felder auf dem Spielplan besetzt. Dann legt man eine seiner Scheiben ab und erhält im Gegenzug das dort liegende Plättchen. Diese Plättchen entwickeln sofort die Zivilisation oder bieten halt die Möglichkeit einer Aktion. Als besonderer Clou kann man durch das Besetzen zweier miteinander verbundener Städte eine “Verbindung” dazwischen für sich gewinnen und erhält dieses Plättchen zusätzlich (1+1=3).

Wichtig zum Spielfeld ist noch zu sagen, daß zu Beginn nur eine Region “offen” ist. D.h. in diese Region kann man nicht nur verschiffen, sondern auch Städte einnehmen und sogenannte Karten kaufen (Kaufpreis der Karten liegt zwischen 0 und 5 und man erhält die Karte nur, wenn man mindestens so viel Präsenz in der Region hat, wie der Kaufpreis ist). Die Karten bieten Siegpunkte und/ oder die Weiterentwicklung der Zivilisation.

Alle anderen Regionen sind zu Beginn nicht “offen” und werden erst voll bespielbar, wenn die Spieler 7 Arbeiter dorthin verschifft haben. Erst dann kann in dieser Region mehr als nur marinierte Logistik geschehen.

Warum macht man das alles eigentlich?

Letztendlich geht es bei Endeavor überraschenderweise um das Mehren von Siegpunkten – oder Ruhmespunkte (Glory?) (wonach Zivilisationen halt so streben). Städte, Verbindungen, Karten, Fortschritt in den einzelnen Teilbereichen der Zivilisation, Gebäude, Population, … geben am Ende Glory Points. Wer gewinnt verrate ich nicht und überlasse es Eurer Kreativität und Erfahrung mit Spielen.

Es gibt noch ein paar Feinheiten im Spielablauf, die das Spiel zusätzlich interessant machen, die ich hier aber nicht ausführlich erläutern möchte (Regellesen macht schlauer). Ich meine hierbei insbesondere die Themen: Sklaverei, Mehrheiten, Angriff und Zurückfallen auf den Entwicklungsleisten bei der Endabrechnung. Manchmal haben kleine Dinge große Auswirkungen.

Letzte Phase: Fazit

Uns hat Endeavor richtig gut gefallen. Irgendwie mag ich Spiele mit überschaubaren Regeln, überschaubarer Spielzeit, Entwicklungscharakter und trotzdem vorhandener Spieltiefe. Auch wenn die Grafik zweckmäßig ist und das Spielmaterial funktional, so kommt doch zumindest ein bißchen Stimmung auf. Natürlich nicht wie bei einem Tannhäuser oder ähnlich thematisch stark umgesetzten Spielen – aber auch nicht weniger als bei Through the Ages. Ein bißchen Abstrakt bleibt eine Umsetzung von Zivilisationsentwicklung immer.

Wie bereits oben geschrieben beginnt das Spiel gaaaaanz langsam. Da fängt man schon an zu grübeln, ob das mal wieder eine Gurke von Spiel ist. Doch im Gegensatz zu Phoenicia (keine Gurke – aber doch etwas spannungsarm) nimmt Endeavor richtig Fahrt auf. Ich denke je mehr Spieler, umso besser, denn dann ist richtig was los. Angenehm finde ich auch, daß man nicht unbedingt Krieg führen muß, um erfolgreich zu sein. Ok, ein bißchen schon – aber nicht vordergründig – man hat genügend andere Optionen.

Das Spiel spielt sich flott. Analyses Paralyses Patienten mal außen vor gelassen. Sind die Kartenslots erst einmal voll, dann fängt man schon an zu grübeln, welche Karten einen denn noch weiterbringen – und ach Mist, man hat leider die Politikleiste nicht ausreichend entwickelt – das Handkartenlimit ist auch noch verdammt niedrig. Doch leider schnappt mir gerade mein Mitspieler die benötigten Plättchen weg. Ach: hätte ich doch vorhin das andere Gebäude gebaut – na ja: man kann nicht alles haben. Außerdem sind wir schon in Runde 5 – in 2 Runden ist Schluß… Was sich hier so gehetzt und unbefriedigt anhört fühlt sich im Spiel aber nicht so an. Im Gegenteil - die Zeit verfliegt und bei 90 Minuten ist eine Revanche am selben Abend nicht auszuschließen…

Durch das variable Setup ist auch ein längerer Spielreiz garantiert. Endeavor gefällt mir von den “kurzen” Civ-Spielen (Tempus, Phoenicia, …) bisher am besten. 

empfohlene Spielerzahl: 3+

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10 Comments

  1. # Sankt Peter on August 16th, 2009

    Super Spiel - macht einfach mal Spaß ohne anstrengend oder ausufernd lang zu sein...

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  2. # widow_s_cruse on August 16th, 2009

    Hallo Christian,

    das Thema dieses Spiel scheint ja der Art bedeutent zu sein, dass Du es mit keinem Wort gewürdigt hast.
    Ganz nach dem Motto: kennen wir alles schon! Brauchen wir nicht. ;)

    Aber ansonst: Danke für die schöne Rezi.

    Liebe Grüße Nils

  3. # Sankt Peter on August 16th, 2009

    Hallo widow…

    Thema ist für mich Zivilisationsspiel. Was da sonst rumgestrickt wurde am Thema ist mir wirklich wurscht ;)

    Wie geschrieben: Bei Tannhäuser ist das anders… Da haben die Entwickler richtig in die Story investiert!

  4. # unittype on August 17th, 2009

    Öhm, thematisch ist das Ganze aber schon durchaus sauber (Sklaverei, Erschließung von Handelsregionen durch Erkundungsaufwand, etc.), und irgendwie finde ich auch nicht unbedingt, dass Endeavor ein Zivilisationsspiel ist. Aber das ist vielleicht an der Stelle nicht so ganz trennscharf. Achja, kleiner Fehler: nicht jede Region braucht sieben Schiffsaktionen, um freigeschaltet zu werden. Und nicht immer ungefragt anderer Leute Fotos verwenden, der Tisch und die Anordnung kommen mir gerade so unheimlich bekannt vor..

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  5. # ode on August 17th, 2009

    Lookout Version wird MAGISTER NAVIS heißen… Warum auch immer… Vielleicht erklärt uns ja mal jemand de Grund dafür, den es sicher gibt. Ich find den Namen ENDEAVOR cool, weil ich ne HC-Band kenne, die so heißt…

  6. # Klemens on August 18th, 2009

    Hanno hat dazu was auf BGG geschrieben; ich hier im Forum….

    Im Grunde wollten wir aber nur etwas Verwirrung stiften. ;-)

  7. # Hanno on September 16th, 2009

    Es ist eigentlich ganz einfach.
    Das Spiel hieß ursprünglich “Endeavour”, nach dem Schiff des Cptn. Cook, der damit u.a. Neuseeland entdeckte, der Heimat der beiden Spieleautoren.
    Z-Man kürzte aus dem Schiffsnamen das U raus, weil das je britisches Englisch wäre.
    Ich hätte es jetzt wieder reinnehmen können, denn Rechtschreibfehler (und vor allem absichtliche) sind mir ein Graus, aber da das Spiel thematisch und farblich in unsere “historische” Reihe zu Zepter und Triumvirat passt, gab es einen dazu passenden Namen.
    Und da “Unternehmungsgeist” irgendwie gekünstelt geklungen hätte, musste ich halt mit meinem großen Latinum protzen.

  8. # ode on September 21st, 2009

    Da ich es nun auch schonmal gespielt hab, gibts noch nen Kommentar mit Wertung von mir. Außerdem wollte ich dem PEEP in dem Sinne widersprechen, dass ich da ein besonders schönes thematisches Spiel nicht sehe. Anders herum gesehen empfehle ich http://www.boardgamegeek.com/article/3936040#3936040 . In diesem Beitrag schreibt Tom Lehmann, dass er das Spiel mal gewonnen hat, in dem er sich bestmöglich daran gehalten hat, wie diese Zeit ungefähr tatsächlich ablief. Quasi eine historische Strategie. Es kann natürlich Zufall sein, ich weiß nicht, ob man ein solches Spiel so designen kann, dass historisch korrektes Vorgehen eine starke Siegstrategie ist. Allerdings finde ich das schon faszinierend! Eine weitere Partie muss her!!!

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  9. # Ralf on September 27th, 2009

    Schönes Spiel mit sehr gutem Spannungsbogen, der sich langsam aufbaut und dann geht es umso mehr ab. Viele verzahnte Aktionen, wobei man immer die Mitspieler im Auge haben sollte. Nichts für Schön-Wetter-Spieler, weil lieb und nett kann man sich bei dem Spiel nicht leisten. Aber gerade das macht den Reiz aus. Nach der ersten Regellektüre und in den ersten zwei Spielrunde hätte ich mir zwar gerne eine Spielübersicht mit Rundenablauf und Aktionsübersicht gewünscht, danach lief das Spiel flott und auch unter zwei Stunden gespielt mit absolutem "Nochmal-Faktor". Da die Plättchen beim Spielaufbau zufällig gelegt werden und man damit schlicht nicht auf jeder Fortschrittsleiste in jeder Partie gleich gut vorankommt, sollte es auch keine eingefahrenen Strategien geben. Stattdessen muss man dynamisch auf die sich veränderte Spielsituation einstellen, um das jeweilige Optimum zu erzielen. Schöne wie zweckmässige Ausstattung, auch wenn sich beim ersten Spiel die Spielerablagen leicht verzogen haben in der Sonne - mit gegenbiegen konnte dieses kleine Manko der dt. Version Magister Navis aber bei mir behoben werden. Deshalb absolute Kaufempfehlung für alle, die Entwicklungsspiele mit überschaubarer Spielzeit und variablen Aufbau suchen fern Zufalls-Elemente.

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  10. # Rene' Puttin on Juli 29th, 2010

    Ich finde das Spiel mechanisch gut, aber insgesamt leider ein wenig trocken daher komme ich auf kein hörhere Wertung als 8.

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