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Peloponnes – PEEP

Sep 2009
21

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Leser:2571

Bernd Eisenstein hat in seinem Eigenverlag Irongames mit Peloponnes sein erstes und auch noch eigenes Spiel verlegt. Alea iacta est, Zack und Pack sowie Maya sind zwar auch von ihm, aber jeweils in anderen Verlagen erschienen.

Netterweise hat Bernd Eisenstein das Spiel direkt bei mir vorbeigebracht, da er beim Paketpacken über unsere identische Postleitzahl gestolpert ist – danke noch einmal für die persönliche Lieferung, wenn wir uns auch nicht getroffen haben dabei – aber wofür hat man Nachbarn.

Eigentlich war Peloponnes für mich ein Blindkauf. Die Eckdaten…

haben aber ausgereicht, um die 33 Euro (inkl. Erweiterung) zu investieren.

Verpackung, Spielmaterial, Spielregel und die Leichtigkeit des Seins…

Freudestrahlend entreiße ich dem Nachbarn das Paket und beginne mit dem Öffnen der Schachtel. Also: Schachtel auf und wundern… Die Packung hätte auch halb so groß sein können (Grundfläche der Spielertableaus und den Rest oben drauf – vorausgesetzt die Regel wäre DIN A5, wogegen nichts sprechen würde, da sie dann auch besser auf dem Spieltisch Platz findet). Egal – ist halt ein Detail. Vielleicht ist die Luft in der Schachtel auch für zukünftige Erweiterungen?

Also ran ans Auspöppeln der Plättchen. Da sollte man etwas vorsichtig sein, da es sonst schnell passieren kann, daß die Oberfläche einreißt. Hat man das aber geschafft, dann findet man ordentliches Spielmaterial. Ein Großverlag hätte vielleicht zu Lasten des Preises die Spielerboards in einer mounted Version gemacht und die Bietmarker aus Kunststoff – aber das ist alles nicht zwingend notwendig.

Wichtig ist aber, daß es sich bei Peloponnes um eine multilangual Version handelt. D.h., daß das Spielmatieral sprachneutral ist. Sprachneutral bedeutet Symbolsprache. Diese gibt es hier auch – ist jedoch anders als bei Alea iacta est bereits nach einer Partie verständlich und man muß nicht permanent in den Spielregeln nachschlagen. Dafür “Daumen hoch”.

Unterm Strich ist das Spielmaterial gut.

Auf geht es zur Spielregel. Diese sollte man schon mehrmals lesen. Zumindest mir ging es so, daß man kleine Details schnell übersieht. Die Spielregel hat kleinere Lücken, die aber mittlerweile durch Foren oder Bernd Eisenstein selber (kleiner Beipackzettel) geschlossen wurden. Bernd Eisenstein selber ist im Internet sehr aktiv und beantwortet derzeit zeitnah Regelfragen.

Unterm Strich ist die Spielregel befriedigend.

Kommen wir zum eigentlichen Spiel…

In der Solopartie versucht man entweder so viele Siegpunkte wie möglich zu erreichen oder kämpft sich wahlweise durch ein Levelsystem, das einen steigenden Schwierigkeitsgrad aufweist. Zum Üben ist die Solopartie gut. Übt man zuviel, besteht die Gefahr, daß man gegenüber ungeübten Spielern einen nicht unerheblichen Vorteil hat. Muß jeder für sich selber wissen.

Bei dem Spiel an sich geht es darum, daß jeder Spieler ausgehend von einem Start-Stadtplättchen mit ersteigerten Gebäudeplättchen (links) und Landschaftsplättchen (rechts) seine Zivilisation ausbaut. Jeder Spieler verfügt über einen Spielplan, der seinen Bestand an Holz, Stein, Korn, Bevölkerung und Luxusgütern anzeigt. Zusätzlich verfügt jeder Spieler über Geld. Die Gebäudeplättchen kosten Rohstoffe zum Bauen (oder man nutzt sie erst einmal nur und löst sie später im Rahmen einer Versorgungsphase aus) während Landschaftsplättchen kostenlos gelegt werden (Einschränkung: zwei nebeneinanderliegende Plättchen müssen mindestens eine Rohstoffart teilen). Die Plättchen bieten :

Die Plättchen müssen ersteigert werden. Hierzu liegen zwei Reihen aus. Eine Reihe besteht aus so vielen Plättchen wie Spieler teilnehmen und die zweite Reihe (=Eroberungsreihe) aus 5 minus Anzahl der Spieler Plättchen. Die Angabe des Mindestgebots befindet sich auf dem Plättchen. In der Eroberungsreihe muß man jeweils drei Geld dazu addieren. Dafür sind Gebote in der Eroberungsreihe auch immer erfolgreich und können nicht überboten werden. Schön für den, der genügend Geld hat. In der ersten Reihe kann man aber von den Mitspielern überboten werden. Geschieht das, muß der überbotene Spieler sein Gebot (nicht veränderbar) auf ein anderes Plättchen legen. Gibt es kein anderes Plättchen, wo er ein reguläres Gebot abgeben kann, nimmt er sein Geld zurück und erhält zum Trösten ein Geld zusätzlich. Hätte er gleich von Beginn an auf sein Gebot verzichtet hätte er drei Geld erhalten. Tja, Pech gehabt.

Sind die Plättchen angelegt wird die neue Spielreihenfolge festgelegt. Der Spieler mit dem höchsten Gebot darf zur Strafe in der nächsten Runde mit seinem Gebot beginnen. Gratuliere! Das kann richtig häßlich sein.

Nun aktualisiert man sein Spielertableau und erhält Geld. Luxusgüter erhält, wer in einem Rohstoffbereich das Ende der Skala erreicht hat und weitere Rohstoffe der Art bekommen würde (Überproduktion). Luxusgüter können jederzeit 2:1 in einen beliebigen Rohstoff umgewandelt werden (auch Geld). Nicht schlecht – das rettet doch manchmal die eine oder andere brenzlige Situation.

Wurde übrigens ein Plättchen mit dem Versorgungssymbol (es gibt zwei im Spiel – ein B- und ein C-Plättchen) aufgedeckt, muß die Bevölkerung versorgt werden (mit Korn) und Gebäude, die nicht gebaut werden konnten müssen nun ausgelöst werden, sonst zerfallen sie zu Staub.

Hat man das alles erledigt, kommt die Katastrophenphase. Hört sich an wie bei Im Jahr des Drachen – ist es beinahe auch. Am Ende jeder Runde werden zwei Katastrophenplättchen aufgedeckt und zur jeweiligen Katastrophe gelegt. Liegen bei einer Katastrophe drei Plättchen, so wird diese ausgewertet. Dürre, Erdbeben, Verfall, … alles was des Satans-Herz begehrt ist vorhanden. Glücklich, wer ein Gebäude mit Schutzfunktion hat. Sonst aber wird jetzt die Zivilisation mal richtig durchgewirbelt…

Das ganze Spiel geht über 8 Runden. Nach der letzten Runde gibt es noch einmal eine Versorgungsphase. Das ist meist richtig zum Kotzen, büßt man als kopfloser Spieler hier noch einmal richtig Bevölkerung ein. Nicht schlimm meint ihr? Was hat das mit den Siegpunkten zu tun, die gibt es doch für die Gebäude- und Landschaftsplättchen. Richtig! Sogar Geld zählt noch etwas. Aber irgendwie hat sich Bernd Eisenstein von Knizia inspirieren lassen und so werden die Punkte aus den Plättchen und dem Geld den Siegpunkten aus der Bevölkerung (Bevölkerungsanzahl x 3) und dem Geld gegenübergestellt. Die niedrigere Punktzahl geht in die Wertung. Und jetzt wißt ihr auch, warum die letzte Versorgungsphase so wahnsinnig weh tun kann. Da verhungern sozusagen die Siegpunkte vor den eigenen Augen… und das nicht selten – da die letzten beiden Versorgungsphasen meist dicht beieinander sind.

Mein Eindruck

Irgendwie kommt mir Peloponnes wie eine Mischung aus Roll through the Ages, Phoenicia, Im Jahr des Drachen und Endeavor vor. Allerdings nur “wie”. Passt natürlich nur bedingt – wie jeder Vergleich. Aber Peloponnes hat halt Elemente aus diesen Spielen.

Innovativ ist Peloponnes sicherlich nicht – nur insofern, als daß es bekannte Elemente neu und zugegebenermaßen elegant verbindet. Die kurze Spielzeit und die einfachen Spielregeln bieten einen leichten Zugang zu dem Spiel und es bleibt selten bei einer Partie an einem Abend. Die Spiele verlaufen zudem teilweise sehr unterschiedlich, was für den Langzeitspielreiz positiv zu werten ist. Eine störende und/ oder einseitige Glückskomponente gibt es nicht. Beide Spieler sind gleichermaßen betroffen. Die Interaktion ist über den Bietmechanismus (ähnlich wie bei Comuni – wenn ich es richtig in Erinnerung habe) gegeben. Die Katastrophen und Versorgungsphasen setzen einem ziemlich zu. Das Spiel animiert unterm Strich dazu, verschiedene “Taktiken” auszuprobieren.

Peloponnes ist stets fordernd aber nicht überfordernd. Eine gewisse AP-Problematik ist nicht zu leugnen – wobei das bei Nico eigentlich bei jedem Spiel der Fall ist. Aber die Siegbedingung führt schon dazu, daß man seine Zivilisation ausgewogen aufbauen muß – und das erfordert ein bißchen Hirnschmalz. In einem Spiel ist mir ein Großteil meiner Bevölkerung in der letzten Versorgungsphase abgeschmiert. Man hatte ich viele Siegpunkte über die Gebäude – alles für die Katz – große Zivilisation, tolle Gebäude aber kein Schwein, der das alles nutzen kann…

Von unserer Spielrunde eine klare Empfehlung für Peloponnes. Macht bereits zu zweit Spaß (hallo ode!) und wird natürlich mit mehr Spielern aufgrund des Versteigerungsmechanismus anspruchsvoller. Auch die Solopartie (insbesondere mit dem Levelsystem) ist ganz spaßig.

In der nächsten Auflage bitte Spielkarton halbieren, Spielertableaus mounten und die Bietchips aufwerten. Alle Käufer der Erstsauflage bekommen das Upgradekit zum Selbstkostenpreis – und dann ist alles schick!

Ein Wort noch zur Erweiterung: Die Seefahrererweiterung fanden wir belanglos – benötigt unserer Meinung nach kein Mensch… Vielleicht ist jemand in der Lage mir über die Kommentarfunktion den Mehrwert der Seefahrerplättchen für das Spiel zu erläutern. Die Erweiterung für den Spieler Nummer 6 ist ok – allerdings werden wir wohl seltenst zu sechst am Tisch sitzen. Also ich hätte die Erweiterung nicht benötigt – aber das kann jeder für sich entscheiden.

empfohlene Spielerzahl: 2+

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3 Comments

  1. # Sankt Peter on September 21st, 2009

    Herzblattartig: "So, Du sucht ein gutes solides Spiel, daß auch Solo Spaß macht und bekannte Mechanismen gut kombiniert... Vielleicht ist Peloponnes ja das was Du suchst?"

    Spielreiz
     

    Spielmaterial
     

    Spielregel
     

    Einfluss
     

    Interaktion
     

    Innovation
     

  2. # ode on April 13th, 2010

    Was, zur Hölle, ist eine “mounted Version”?

  3. # Sankt Peter on April 14th, 2010

    Mounted boards sind die “normalen” Spielbretter, die man in den deutschen Spielen findet (z.B. bei Hansa Teutonica). In amerikanschen CoSims sind meist nur dünne Spielpläne enthalten.

    Die Spielpläne bei Peloponnes sind auch nur dünne labberige Blätter. “Mounten” heißt: macht diese Dinger aus dickem Karton…


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