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Flaschenteufel

Jan 2007
05

email email
Leser:4482

Flaschenteufel 2003

Nein, nein… Flaschenteufel ist nicht die Hardcore Version vom Flaschendrehen, wie wir es alle von unseren ersten Klassenfahrten kennen. Flaschenteufel ist ein hoch anständiges und zutiefst fieses Kartenspiel. Das Spiel basiert auf einem Roman von Robert Louis Stevenson und die Karten zeigen dementsprechend Bilder zum Thema und Texte aus dem Roman. Wer dazu mehr wissen will, findet beim Öffnen der Schachtel gleich noch die Geschichte zum Nachlesen – wobei das für das Spiel absolut irrelevant ist.

Worum geht es?

Die Karten werden an die Spieler verteilt. Die Karte mit der 19 wird in die Mitte gelegt und der Flaschenteufel (eine kleine Holzflasche) draufgestellt. Genau – der Flaschenteufel hat zu Beginn einen Preis von 19. Die Karten haben verschiedene Farben und sind durchnummeriert von 1 bis 37. Auf einem beigelegten Übersichtsblatt kann man sich dies jederzeit anschauen.

Der erste Spieler spielt eine Karte. Und jetzt wird es etwas gewöhnungsbedürftig – und selbst nach einigen Spielrunden kratzt man sich teilweise noch am Kopf wenn man wieder einmal den Flaschenteufel gewinnt, obwohl man der festen Überzeugung war, daß der Nachbar, welchen man deswegen auch schon seit 10 Sekunden schelmisch angrinst, stolzer neuer Besitzer der Flasche wird. Das Problem ist nämlich, daß der Spieler, der die Flasche am Ende (alle Karten wurden gespielt) sein Eigentum nennt nicht heftig an dem Ding reiben und sich was wünschen darf (sollte bei jemandem wirklich mal ein Geist erscheinen, dann bitte mir melden), sondern dieser Spieler erhält keine Punkte. Entschuldigung keine Pluspunkte, sondern die Karten aus der Mitte – den Teufelsstich, wo jeder Spieler zu Beginn der Partie eine Karte abgeben durfte – als Minus angeschrieben. Die anderen Spieler erhalten wie es sich gehört für nicht besessene Spieler Pluspunkte für ihre Stiche. Häßlich nicht wahr.

Noch häßlicher ist aber, daß man einmal Besitzer der blöden Flasche geworden, mit fortschreitendem Spielverlauf immer weniger Chancen hat das Teil wieder loszuwerden – ist halt keine Pfandflasche. Es erhält im Spiel immer der Spieler die Flasche, der die am nächsten am aktuellen Preis liegende Karte spielt, sofern sie unter dem aktuellen Flaschenpreis liegt. Leider muß man auch noch die angespielte Farbe bedienen, wenn man kann. Also immer schön merken, was schon gespielt wurde.

Ähhhhh…. stirnkratz… richtig – ich habe doch darauf hingewiesen, das es gewöhnungsbedürftig ist.

Also ein Beispiel:

Der aktuelle Flaschenpreis beträgt 19.

Spieler 1 spielt eine 25,
Spieler 2 eine 17 und
Spieler 3 eine 12…

Was passiert?

Richtig. Spieler 2 gewinnt den Flaschenteufel und den Stich. Normalerweise würde der Spieler den Stich erhalten, der die höchste Karte gespielt hat. Das gilt jedoch nicht, wenn bei einem Stich der Flaschenteufel betroffen ist. Leider ist der Stich nichts wert so lange die Flasche vor einem thront. Und der neue Flaschenpreis beträgt auch nur noch 17 – und dummerweise ist die 12 bereits aus dem Spiel.

Knifflige Sache. Manchmal kann es auch sinnvoll sein, hohe Punkte in Stichen zu sichern, indem man sich – vorausgesetzt der Flaschenpreis ist nicht zu niedrig – den Flaschengeist zu sich holt. Aber Achtung: Die Geister die ich rief, werde ich nur schwer wieder los. Wenn die anderen Mitspieler schlau sind, versuchen sie sich natürlich in solchen Fällen von Ihren niedrigen Karten zu trennen. Blöd gelaufen, wenn man gelb (überwiegend niedrige Karten) bedienen muß und den Flaschenteufel mit der gelben 3 bekommt. Da ist dann meistens Frustschieben angesagt.

Taktieren kann man übrigens schon, bevor der erste Stich gespielt wird. Denn neben dem Füttern des Teufelsstiches kann man ähnlich wie bei Tichu mit seinen Sitznachbarn Karten tauschen. Nico ist es dabei mal passiert anschließend unter seinen Karten nur noch eine gelbe Karte auf der Hand zu haben – die gelbe 1. Pech gehabt – die 1 nicht losgeworden und den Teufel unwiederruflich gewonnen, als er zwangsweise gelb bedienen mußte. Nicht selten hat man beim Spielen schon so ein blödes Gefühl in der Magengegend, daß die Runde nicht gut läuft. Es wurden schon viele Karten gespielt, man konnte eigene ungünstige Karten nicht richtig los werden und der Strick zieht sich immer enger zu…

Gespielt wird über mehrere Runden. Die Spieler vereinbaren vorher einen Punktewert oder eine Rundenanzahl.

Flaschenteufel hat uns immer richtig Spaß gemacht. Es ist zu Beginn gewöhnungsbedürftig – der Mechanismus allerdings umso genialer. Klarer Pflichtkauf für Stichspiel-Freaks.

Ihr könnt Flaschenteufel übrigens online ausprobieren:
http://www.flaschenteufel-online.de/2003/

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