
Oh, endlich mal wieder ein Handelsspiel? Na ja, nicht ganz, eher eine Kombination aus Mehrheits- und GebietserschlieÃungsspiel. Hermagor wurde gespielt – das neue Spiel von Emanuele Ornella (richtig, der auch Oltre Mare entwickelt hat), das auf den Spieletagen 2006 in Essen vorgestellt wurde.
Die Anleitung war schnell gelesen – die Regeln verstanden. Ãber eine sinnvolle Vorgehensweise, wie man das Spiel nicht ganz blöd beginnen sollte, war dort jedoch nichts zu erfahren. Also saÃen wir beim ersten Zug mit Brett (vor dem Kopf) am Brett (auf dem Tisch) und waren völlig planlos. Die Spielrunde teilt sich grob in zwei Phasen:
Phase 1:
Am Markt durch das Einsetzen seiner 4 Einkäufer und das Erzielen von Mehrheiten bestimmte Produkt-, Doppelprodukt- oder Sonderplättchen erwerben. Hierbei kann beim Erwerb eine Produktplättchen auch der Produktpreis um eins erhöht werden. Dann erhalten die Spieler Geld für die Anzahl der Einkäufer in den einzelnen Gassen (1 Einkäufer in Gasse = 1 Geld, 2 Ek. = 3 Geld, 3 Ek. = 6 Geld und 4 Ek. = 10 Geld).
Phase 2:
Auf dem Spielplan ausgehend von seinem letzten Ausgangspunkt mit seinem Verkäufer rumreisen (allerdings nur zu solchen Dörfern, die auch die Waren benötigen, die man in Phase 1 gekauft hat – und wo man noch nicht war!), die erworbenen Produkte verkaufen und Handelsstationen errichten. AnschlieÃend Wertung der eingeschlossenen Gebiete und unter Umständen die Errichtung von Produktionsgebäuden.
Gespielt werden je nach Spieleranzahl 4 bis 5 Runden. Jede Runde wird ein Aktionsmarker aufgedeckt, der die Anzahl der Aktionen in Phase 2 angibt (Achtung: Der Aktionsmarker mit der Zahl 6 wird lt. Regel nur für eine Variante benötigt – also nicht wegschmeiÃen
).
Am Ende des Spiels gibt es dann Punkte für das erwirtschaftete Geld, errichtete Produktionsgebäude (Höhe des Warenpreises), Anzahl der Handelsstationen in einem Herzogtum (von den drei Herzogtümern wird das mit dem Faktor drei bewertet, in dem man am wenigsten Handelsstationen hat – ähnlich wie bei der typischen Knizia Bewertung führt dies dazu, daà man möglichst gleichmäÃig den Spielplan bereisen sollte) und die meisten Handelsstationen auf der HauptstraÃe (Sieger erhält fünf Geld).
Handelspiel bedeutet, das Waren ein- und verkauft werden. Ziel sollte es als guter Kaufmann sein, die Spanne zwischen diesen beiden GröÃen möglichst groà zu halten. Die Rechnung bei Hermagor stellt sich wie folgt dar:
+ Erlös aus Warenverkauf
+ Erlös aus Gassenwertung
+ anteiligen Erlös aus dem Mitverdienen
+ anteiligen Erlös aus Produktionsgebäudebau
+ anteiligen Erlös aus Gebiet mit einem Adelszeichen
+ anteiligen Erlös aus Endabrechnung
- Beschaffungskosten Einkäufer (Geld für das Setzen der Einkäufer)
- Vertriebskosten Verkäufer (Geld für die zurückgelegte Strecke)
= Handelsüberschuà der Ware
Wie man sieht stehen eine Vielzahl von Erlöspositionen eine geringe Anzahl von Aufwandspositionen gegenüber. Dies führt im Spiel dazu, daà ein ”Pleitegehen” eigentlich nicht möglich ist. So war es auch bei uns so, daà man trotz suboptimaler Spielweise von Runde zu Runde mehr Geld in der Hand hatte. Ãber Geldknappheit muà man sich keine Sorgen machen. Die Kunst ist es eher, das vorhandene Geld möglichst gewinnbringend in Produkte und Vertriebskosten zu investieren.Â
Die eigentliche Interaktion bei Hermagor findet in Phase 1 statt. Dort wird am Markt um die Produkte gefeilscht. Mehrheiten werden gebildet und wieder zerstört. Da heiÃt es dann “Schade Schokolade”, wenn man am Ende der Phase 1 mit nur einer Warenart dasitzt. Das schränkt die Alternativen in Phase 2 deutlich ein, kann man doch nur Dörfer bereisen und dort Waren verkaufen, deren Waren man überhaupt nur hat, und die vorher noch nicht bereist wurden. Also immer schön darauf achten, möglichst flexibel und mit einem groÃen Warenkorb in Phase 2 einzusteigen.
Dort ist es dann wichtig möglichst effizient das Land zu bereisen. Dumm wenn man – wie ich – mehrmals den gesamten Spielplan überqueren muÃ, weil man bestimmte Waren zum SchlieÃen von Gebieten in Phase 1 nicht erhalten hat. Reisen ist zwar schön, kostet aber Geld (Mietwagen, Hotel, Maut, …). Das läppert sich schnell und so kann es passieren, daà man 10 Geld Aufwand hat und nur 6 Geld Ertrag. Der klassische Fall von ”sollte man nicht öfter machen”. Die Interaktion in Phase 2 ist doch sehr eingeschränkt. Einzig und allein das Mitverdienen am Verkauf anderer spielt hier eine Rolle. Sollte nämlich ein Spieler Waren in einem Dorf verkaufen, in dem schon Handelsposten von anderen Spielern stehen, so erhalten diese 1 Geld (allerdings aus der Bank) und nicht vom Erlös des agierenden Verkäufers.
Hermagor hat uns in den ersten 2 Runden nicht so richtig zugesagt. Als sich dann langsam der Spielplan füllte und man das Ineinandergreifen der Spielmechanismen anfing zu verstehen, wurde es erheblich besser. Die Spielfreude stieg und das Grinsen von Steffen, wenn ich wieder einmal ein Minusgeschäft gemacht hatte, werde ich so schnell nicht vergessen. Die Revanche wird folgen.
Hermagor sollte man mehrmals spielen. Mit jedem Spiel steigen die Erfahrungen, die es einem dann irgendwann mal ermöglichen sollten, seine Kaffeefahrten durch das Land bereits von Beginn an effizient organisieren zu können. Nach spätestens fünf Runden ist der Spaà vorbei und was sich so wenig anhört dauert aber schon so seine 90 Minuten. Vor allem in Phase 1 beim Einsetzen der Einkäufer besteht absolute “ich hole gleich die Sanduhr”-Gefahr, wenn man mit Grüblern spielt.
Insgesamt ein sehr schönes und empfehlenswertes Spiel, das meiner Meinung nach auch familientauglich ist.
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# ode on April 8th, 2008
So, mal nen Kommentar zu ner älteren Rezi!
Eiegntlich sehr schön zu lesen, der Text, wenn da nicht die letzte Formulierung wäre… Familientauglich? Na, über Meinungen kann man ja bekanntermaÃen disuktieren. Aber ich vermute, dass die SchluÃwertung, auf die man ja das ganze Spiel auslegen muss, für Gelegenheitsspieler eine nahezu unüberwindbare Hürde darstellt. Da ist Il Principe näher am Familienspiel! Oltre Mare natürlich sogar noch mehr…
ode.