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Balam

Jan 2007
07

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Leser:5624

Balam

Das Spiel versetzt uns in verschiedene Gebiete eines Waldes von Yucatan im VIII. Jahrhundert. Jeder Spieler ist ein König, der Städte für die Mayas errichtet, die dort Reichtümer produzieren, die dann als Steuer bei uns landen (wichtig für die Ausdehnung des eigenen Gebietes) oder geopfert werden (wichtig für das Ansehen). “König sein gefällt uns sehr, Kaiser sein jedoch noch mehr” denkt sich da der schlaue Spieler und versucht so viel Ansehen wie nur irgend möglich zu sammeln. Was man nicht alles tut, um den Titel einziger Kaiser von Yucatan zu tragen.

Fangen wir erst einmal mit dem Material an. Das Material ist reichhaltig, für rd. 50 Euro jedoch qualitativ nicht state-of-the-art. Es ist allerdings auch nicht so grauenhaft, daß man nicht damit spielen könnte. Die Kritik richtet sich ausschließlich an die Qualität der Königskarten, die laminiert und auf Blattkante ausgeschnitten sind (das sich die Laminierung an den Ecken lösen wird ist bereits vorhersehbar) und die Qualität der Landschaftsplättchen, die unterschiedlich groß sind und an den bedruckten Rändern angegammelt (will heißen der Aufdruck an den Kanten ist schlecht) wirken. Wie gesagt, alles keine KO-Kriterien – aber verbesserbar. Verbesserungswürdig wäre das Material allerdings nur, wenn das Spiel so gut ist, daß sich eine Verbesserung überhaupt lohnt. Ob das so ist, werden wir sehen.

OK, die Anleitung – schön bebildert, aber anscheinend von jemanden geschrieben, dessen Hirn anders strukturiert ist als meins. Nach mehrmaligen durchlesen war mir nicht wirklich klar geworden, was jetzt wie ineinander greift. In der Anleitung wird zu oft gesprungen. Man muß schon arg genau lesen, um nichts zu übersehen. Auch die Begriffe schienen mir nicht an allen Stellen der Spielregel gleich verwendet worden zu sein (Gebiete, Städte, …). Aber na gut, heißt halt durchkämpfen. Was nicht tötet härtet ab.

Wir haben dann erst einmal die Spielvorbereitung durchgezogen. Der nach allen Künsten zu präparierende Nachziehkartenstapel war vorbereitet, die Gebietskarten ausgelegt (diese können frei ausgelegt werden und bieten somit bei jeder Partie die Möglichkeit den Spielplan zu variieren - Varianten gibt es bereits im Internet unter: http://www.neuroludic.com/balam/variantes.html) und die Pyramiden gestapelt (nicht empfehlenswert, da sie ständig umkippen – nerv).

Steffen beginnt. Ja, nur womit und was – und überhaupt: Wie war das nochmal??? Also wieder das Regelrätsel aufgeschlagen.

Hmmm, Weissagungen gehen nicht (verdeckte Katun Karten anschauen), da noch keiner eine Spannservatorium (ähhh Observatorium) gebaut hat.

Also dann beginnt die nächste Phase und Du kannst jetzt nur folgendes tun:

Das wird solange gemacht, bis alle Katun Karten der Runde aufgebraucht sind. Am Anfang einer Runde werden Anzahl der Spieler + 1 Karte verdeckt hingelegt.

Gut, schlauer war er dann auch nicht, da nicht klar war, welche Aktion denn langfristig Sinn machen könnte. Aber irgendwie haben wir uns da durchgekämpft. Außerdem wußte ich schon, warum ich nicht Startspieler sein wollte.

Anschließend (alle Katun Karten wurden umgedreht und abgearbeitet) kommt Phase 3: Die Produktion. Alle Dörfer produzieren Reichtümer, wie sie in dem Gebiet wo sie stehen abgebildet sind. Die Reichtümer werden auf die entsprechenden Dörfer gelegt.

Sehr hübsch… und dann?

Dann erfolgt die Verteilung:

Entweder lagert man die Reichtümer in einem gebauten Lagerhaus (wichtig zur Abwehr von negativen Katun-Karten) oder

man rüstet gebaute Garnisonen mit produzierten Obsidianen aus oder

man schleppt maximal zwei Reichtümer in seinen Palast und erhält diese als Steuern zum Bauen oder

man schleppt maximal zwei Reichtümer zum Tempel, wo sie geopfert werden und je nach geopferten Reichtum Ansehen bringen (die größte Punktzahl gibt es für Gefangene – also Krieg spielen und Gefangene opfern) oder

man verbucht die Reichtümer, die nicht gelagert oder verwendet wurden als Verlust.

So, und jetzt ratet mal welche der fünf Möglichkeiten wir davon in der ersten Spielrunde 1 exzessiv genutzt haben? Richtig: die Letzte (Verlustbuchung) , da niemand vorher daran gedacht hatte Lager, Tempel, Garnisonen oder Paläste zu bauen. Also ab mit den tollen Reichtümern in die Tonne.

Ok – immerhin etwas gelernt. Abschließend erhält jeder König am Ende der Spielrunde noch den Großmut des Regengottes Chaak – nämlich 2 Maisplättchen (ohne Butter).

Neues Spiel, neues Glück. Es beginnt von vorne, Auslegen der Katun Karten, Weissagung, Bauen, angreifen, passen, produzieren, verteilen … und das immer wieder, bis ein Pelote Spiel ausgerufen wird. Die Pelote Karten sind in den Stapel mit den Kartun Karten nach einem bestimmten System gleichmäßig eingemischt. Für das Pelote Spiel (=Zwischenwertung) ist es entscheidend mehr Pelote Plätze zu haben als die anderen Spieler. Dann erhält man soviele Punkte (Ansehen) wie man Städte besitzt. Unseres Erachtens ist jedes einzelne Gebietsplättchen eine Stadt (sollte das nicht stimmen dann bitte sagen).

Anschließend geht das Spiel normal weiter. Nach einer vorher von den Spielern festgelegten Anzahl von Pelote-Spiele endet das Spiel und der König mit den meisten Punkten zzgl. 0,5* Anzahl der Reichtümer gewinnt das Spiel.

Während zu Beginn doch eher die Verwirrung groß war, kamen wir mit jeder Runde besser in das Spiel hinein. Trotzdem wurde es sehr unterschiedlich aufgenommen. Das Spielprinzip finde ich sehr schön, wenn auch nicht sonderlich innovativ. Die Präsentation (Material, Spielregel, …) laden aber nicht so richtig zum Spielen ein.

Insgesamt handelt es sich bei Balam aber um ein anspruchsvolles Spiel, das seine Feinheiten mit jeder Partie mehr preisgibt und einiges an strategischer Tiefe zu bieten hat. Schön ist es, wie bei vielen Aufbauspielen auch, seine Zivilisation wachsen zu sehen. Der Identifikationsfaktor mit seinem Volk ist auf jeden Fall gegeben. Das Problem bei Balam wird eher sein, jemanden nach einer ersten Partie für eine zweite zu begeistern. Wer also ein Spiel sucht, das gleich beim ersten Mal funzt, der sollte die Finger von Balam lassen. Alle anderen sollten es mal antesten. Balam ist eher für Vielspieler geeignet, obwohl es Elemente von Spielen hat, die auch eine breite Masse ansprechen.

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2 Comments

  1. # Braz on Januar 17th, 2007

    Balam verzeiht keine Fehler. Selten ein Spiel erlebt, bei dem man nach einem kleinen Fehler keine Chance merh auf den Spielsieg hatte und gegen Ende im 2`er Spiel 68-6 verloren hat.
    Die deutliche Niederlage war eigentlich schon nach 1/3 des Sipels klar. Schade, denn so macht mir das Spiel keinen Spaß: Ich möchte gerne die option auf einen Sieg haben, selbst nach einem anfänglichen kleinen Fehler, der jederzeit wieder passieren könnte.

  2. # Sankt Peter on Januar 17th, 2007

    Ups, war bei uns nicht so, wahrscheinlich haben wir beide gleich schlecht oder gut gespielt?

    Aber das Phänomen mit der fehlenden Fehlertoleranz bei Aufbauspielen ist ja nicht selten. Ich sehe das zwiespältig. Richtig schlecht ist es, wenn man wirklich sichtbar besser als der Gegner spielt und Mechanismen im Spiel ein Wegziehen verhindern. Andererseits ist es natürlich auch irgendwie blöd 3 Stunden zuzuschauen, wie der Führende sich sonnt und unhaltbar gen neuem Rekord strebt. Wir brechen an so einer Stelle dann ab und würdigen lieber einmal kurz und schmerzlos den Sieger.

    Ich werde mal bei einer unserer nächsten Balam Partien auf diesen “Auf-nimmer-Wiedersehen-Wegzieh Effekt” achten.


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