
Gloria Mundi – groÃe Schachtel wenig Inhalt? Das war mein erster Eindruck beim Ãffnen des Spielkartondeckels. Dabei ist es gar nicht wenig Spielmaterial, sondern einfach nur eine viel zu groÃe Schachtel. Ist so ein biÃchen das Gefühl wie in einem exquisiten Restaurant, wo übertrieben gesprochen zwei Kellner gemeinsam und keuchend den Essensteller reinschleppen, ihn auf den Tisch heben und man anschlieÃend völlig verdutzt einem kleinen Stück Fleisch mit einem Hauch Gemüse und einem Tröpfchen Sauce in die Augen schaut.
Stellt sich die Frage, ob der Spielspaà so groà wie die Schachtel ist. Ach so, die Schachtel ist anscheinend so groÃ, da Rio Grande Games (die man wohl nicht zu den GroÃverlagen zählen kann) ihre groÃen Spiele (Torres, …) in diesem Schachtelformat veröffentlicht. Vielleicht sind auch einfach nur zu viele Kartons vom letzten Spiel übrig geblieben?
Nun zum eigentlichen Spiel.
Bei Gloria Mundi geht es darum, über Basiskarten (von denen man eine bestimmte Anzahl von Anfang an auf der Hand hat), die jeder Spieler in eine eigene Auslage legen kann, Waren zu produzieren, um damit Aufbaukarten zu erwerben, die einer Basiskarte zugeordnet werden (das heiÃt, das man auch die zu der gekauften Aufbaukarte passenden Basiskarte offen ausliegen haben muà – sonst nichtsus kaufus). Die Aufbaukarten werden aus einer offenen Auslage von 6 Karten mit Hilfe der Waren gekauft und ermöglichen einem Spieler dann bestimmte Aktionen. Neu in die Auslage aufgedeckte Karten (die Auslage wandert jeden Zug um ein Feld weiter) kosten dann noch einen hohen Aufschlag, der mit dem Weiterrücken der Karte allerdings immer günstiger wird. Aufbaukarten, die nicht gekauft werden fallen dann nach – genau: 6 Runden – aus dem Spiel.
Ziel ist es mit seiner Figur aus Rom nach Afrika zu flüchten (tja, kaum geht das Römische Reich unter flüchten die ganzen vorher noch orgienfeiernden Römer aus ihren prunkvollen Palästen). Parallel bewegt sich ein Gote aus Norditalien nach Rom. Mutet etwas wie ein historisches Wettrennen an. Und genau das ist es auch. Erreicht der Gote Rom, gewinnt der Spieler, der zu diesem Zeitpunkt am weitesten von Rom weg ist. Getreu dem Motto: Den letzten beiÃen die Goten.
Die eigenen Figuren werden über die Aktivierung der Basiskarten und der dazugehörigen Aufbaukarten bewegt. Eine Aktivierung erfolgt über das Auslegen einer Basiskarte in die eigene Auslage. Und jetzt kommt der erste häÃliche Punkt: Jeder Spieler kann dann die Karten dieser Farbe in jeweils ihrer Auslage aktivieren. Jeder entscheidet dann, ob er die Basiskarte aktiviert und eine entsprechende Ware erhält, oder die Aufbaukarte und die entsprechende Aktion durchführt. Manchmal entstehen dabei übermächtige Combos, bei der zwei Aufbaukarten so gut ineinandergreifen, dass die Gegenspieler kaum noch eine Chance haben. Um die Aufbaukarten und ihre Kombinationen abschätzen zu können sind allerdings schon ein paar Spiele Gloria Mundi nötig.
Hat der aktive Spieler seinen Zug beendet kommt der Zug des Goten. Dieser bewegt sich auf seinem Weg, der mit den Symbolen der drei Warenarten gepflastert ist weiter. Weiter – moment mal, d.h. ja, daà er Rom näher kommt. Wenn man das nicht möchte, kann man dem Goten Tribut bezahlen. Dazu legt man die zu diesem Zeipunkt geforderte Ware auf das nächste freie Feld.
Und jetzt die zweite HäÃlichkeit. Ich zahle einfach mal kein Tribut und der Gote wandert weiter – bis zum nächsten freien Feld. Alle Spieler müssen dann reihum Opfer bringen. Glücklich ist derjenige, der diesen Zeitpunkt so wählt, daà die Konkurrenten groÃe Opfer bringen und man selber nur kleine. Für jedes Feld, über das der Gote zu seinem neuen Feld zieht, müssen die Spieler reihum eine Basiskarte und unter Umständen eine dazugehörige Aufbaukarte opfern. Nicht schön. Wenn der Gote dann seinen Bestimmungsort erreicht hat, werden die vorher in den Spielrunden als Tribut gezahlten Waren von den Spielern reihum genommen – sozusagen als Entschädigung.
Beim Opfern der Basiskarten gibt es noch ein weiteres Problem, das einem dann spätestens beim nächsten Mal Ausspielen bitter aufstoÃen kann. Die Basiskarten sind begrenzt. Mit fortschreitendem Spiel werden diese immer weniger. Im Extremfall hat man von einer bestimmten Basiskarte keine mehr – die dazu im Spiel befindlichen Aufbaukarten sind in diesem Moment wertlos für einen. Nicht gut – gar nicht gut. Also immer Aufpassen, sonst legt man sich selber lahm.
Die ersten Partien von Gloria Mundi verlaufen eher im Nebel. Schon alleine die Entscheidung welche Karte man ausspielt ist sehr komplex (welche Vorteile haben meine Gegenspieler?, wieviele Karten habe ich davon noch?, was passiert, wenn der Gote loslatscht?, …). Und wie gesagt sind auch Nutzen und Kombinationsmöglichkeit der Aufbaukarten in den ersten Spielen nicht einschätzbar. Also wieder einmal ein Spiel, das man öfter spielen sollte, um in den vollen Taktik-Genuà zu kommen.
Gloria Mundi kann man mit 2 bis 6 Spielern spielen. Das macht das Spiel sehr flexibel für unterschiedliche Spielerunden. Ich finde das Spiel sehr gelungen - allerdings war es jetzt nicht ein Spiel mit einem hohe Spannungsbogen über die gesamte Spielzeit. Irgendwie ist der Grübelfaktor doch sehr hoch und das drückt so ein biÃchen auf den SpaÃfaktor. Es ist irgendwie zwischen Spiel und Arbeit anzusiedeln. Wer das mag und ein Spiel sucht, das sowohl mit zwei, als auch mit 6 Spielern Spaà macht, sollte es antesten. Vielleicht kommt ja irgendwann eine Second Edition mit angemessener SpielschachtelgröÃe auf den Markt. Mein Spieleschrank würde sich bedanken.
Eine Kritik muà ich noch loswerden. Die Symbole auf den Karten, die das Verständnis erhöhen sollen ohne das man die Regel befragen muÃ, sind leider nicht intuitiv verständlich. Wir muÃten öfter in der Spielregel nachschauen, was die Karte denn nun bedeutet. Das kann man besser lösen.
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# Sankt Peter on März 12th, 2009
Unnötige Riesenschachtel. Spiel ist gutes Mittelmaß. Muß man nicht zwingend haben.Spielreiz
Spielmaterial
Spielregel
Einfluss
Interaktion
Innovation