Blog-Artikel

    YOKOHAMA FLÜGELS


    Die Anreise:
    Japon Brand war mal der sichere Geheimtipp-Wallfahrts-Trudelort in Essen für alle, die ohne größeres Risiko ein brauchbares Indie-Spiel wollten. Die Vorbestellungen im Vorfeld der Reise nach Asia-Mekka führen bis heute grundsätzlich zu Sold Out-Etiketten im jeweils aktuellen Messe-Portfolio der Sushis. Die Anziehungskraft des raren Exportschlagers entfaltet hier noch seine ganze atavistische Wirkung selbst im Zeitalter der Allesverfügbarkeit. Hisashi Hayashi gehört dabei inzwischen dank des Dominion-Epigon Trains zu den bekannteren Zungenbrechernamen hierzulande.


    Das Stadion:
    Die östliche Art Direction ist oft voller Gepflegtheit und feinblumigen Zauber und entzückt die westliche Kartoffelnase. Das Beispiel Hanamikoji zeigt, was Anmut und ein feiner Pinselstrich ausmachen können. Da wird beim Besuch einer Geisha hinter dem Paravent sogar das niedere Motiv noch schön. Historisches asiatisches Design und Kaligraphien erheben Alltagskultur zum Stil. Das

    Weiterlesen

    INIS ATHLETIC



    Die Anreise:
    Thematisch ist Inis (sprich: Inisch) im Irland der Keltenzeit verortet. Jeder Spieler verkörpert den Häuptling (sprich: Vereinspräsidenten) eines keltischen Stamms, der die zerklüfteten Gebiete der neuentdeckten Insel erforscht und Siedlungen und Kultstätten erbaut. Dabei möchte jeder Vereinspräsident auch Oberhäuptling (sprich: Verbandschef) aller Stämme werden. Doch der Kelte beschreitet zunächst einen steinigen Weg im Spiel wie auch zunächst in Germanien. Die französische Ausgabe von Matagot war nach Essen schnell und still von der Europalette verschwunden. Die Ankündigung einer Deutschen Version des verregneten Eirelands durch Pegasus entfachte keine großen Begeisterungsstürme. Die ersten Posts von Spieleerfahrungen ließen geteilte Lager erahnen, was zum konfliktbetonten Spiel passt: Inis polarisiert.


    Das Stadion:
    Ein Hünengrab für einen Keltenkönig. Da passt sogar noch ein Helm in die Schachtel. Die Schönheit der Karten taugt als Grabschmuck.


    Die

    Weiterlesen

    GREAT WEST HAM TRAIL


    Die Anreise:
    Kennerspiel des Jahres 2015. Kennerspiel des Jahres 2016. DSP 2016. Der Mann, den sie Pfister nennen, sammelt Trophäen wie der Kopfgeldjäger Pistolen-Pep Guardiola. Pfister, der Überflieger. Jetzt überfliegt The Wiener die Weiten des Wilden Westens. Die Ansprüche sind gestiegen: Erwartungsdruck lastete schwer auf Head & Shoulders des Mombasa-Nachfolge-Schwergewichts. Hinzu kommt das Klischee, dass sich das Thema Western hierzulande nicht verkauft. Ein Image, das auch in der Marketingabteilung der Verlage als Panorama in breitem Cinemascope an der Wand hängt. So soll Colt Express zu den am schlechtesten verkauften Spielen des Jahres der letzten Jahre gehören. Zum Glück ist Peter Eggert ist ein Bauchmensch. Das sieht man seinem Bauch auch an. Klischees kümmern ihn nicht. Die Kooperation mit Stronghold Games, die den lukrativen US-Markt bedienen, bedient dann auch die nötigen Verkaufsargumente pro Western: Der Amerikaner liebt seinen Gründungsmythos.


    Das

    Weiterlesen

    SSV ULM



    Die Anreise:
    Huch, Hutter, Burkhardt. Spieleszenenamen, die bisher dato mehr das Mittelfeld der Brettspielliga beackert haben. Mehr oder weniger Hausmannskost (Portion Spätzle) statt Schokolade (Mars). Dazu ein Titel, der einem halt einfällt, wenn einem Eurogame außer Renaissance. Mittelalter oder Ägypten/Rom aber auch so gar nichts mehr einfallen möchte. Dann eben -Attenzione- Städtename! Und dann auch noch die Weltmetropole Ulm. Nichts gegen die freie, schwäbische Reichsstadt, gelle, aber Bielefeld, Passau und Wuppertal wären auch noch frei gewesen und hätten sich auch gefreut. Andererseits wiederum sehr sympathisch, dass auch weniger prominente deutsche Siedlungen mal zum Zuge kommen auf der Spieleschachtel. Wenn selbst ein tristes, unbekanntes Kaff wie Arle den Sprung in die Spielelandschaft schafft, dann dürfen auch Ulm, Bielefeld und Wuppertal zu Ehren kommen. Einen sicheren Käuferkreis hat Ulm in jedem Fall: Ulmer.


    Das Stadion:
    Das Michael-Menzel-Stadion. Das magische

    Weiterlesen

    TERRAFORMING MAINZ 05


    Die Anreise:
    Das beste SF-Buch der Welt: „Die Mars-Chroniken“ von Ray Bradbury. Die Mars-Chroniken schildern die Kolonisierung des Mars analog zur Eroberung Amerikas durch den weißen Mann in poetischen Kurzgeschichten von ersten Erkundungsmissionen über die Ankunft von Pionieren bis zur Besiedelung des Mars und Vertreibung der Ureinwohner bis später die letzten Überlebenden eines Atomkriegs auf dem Mars Zuflucht suchen. Hinzu kommt der Mars als allgemeines Trend-Thema: First Martians von Robinson Trzewiczek, Martians A Story of Civilization und das Remake von Aufbruch zum Roten Planeten komplettieren den Nachbarplaneten. Auch Vital Lacerda soll an einem Mars-Spiel basteln. Den Blockbuster zu den Mars-Kreationen steuerte Ridley Scott bei.

    Das Stadion:
    Stadion Rote Erde.

    Die Heimfans:
    Gold, Silber, Bronze – metallic glänzend verbreiten die Cubes die Aura von Retro Science Fiction. Die transparenten Spielerfarben fluoreszieren faszinierend unter dem dunklen

    Weiterlesen

    ZAMALEK EGIZIA


    Die Anreise:
    Nach den Themenfeldern "Mittelalter" und "italienische Renaissance" dürfte "Ägypten" neben "Rom" das drittmeist ausgeleierte Eurogame-Thema sein. Genauer gesagt: das „Alte Ägypten“, also die antike Hochkultur mit den Assoziationsreflexen Pyramiden, Sphinx, Obelisk, ägyptische Gottheiten, Pharaonen, Mumien, Cleopatra, Nil und alles, was man im Tal der Könige an archäologischen Bildern der Sehnsucht nach Mystik noch so finden kann. Gefühlt hat sich hier vor allem der alte Knizia in den Grabkammern immer wieder gerne bedient. Knizia – Egizia. Das reimt sich tocotronicmässig.

    Das Stadion:
    Das komische Wort Egizia. Egizia-Stadion - klingt voll nach Sponsorstadionname wie Schüco-Arena oder Signal-Iduna-Park. Dabei ist Egizia nur das italienische Wort für altägyptisch. Der konsequente Ägyptenspielname, den Knizia bei seinen Namensgrabräubereien nie gefunden hat. Dem Alten Ägypten sind inzwischen die Spielenamen ausgegangen. Hat alle der Knizia aus dem Tal der

    Weiterlesen

    IM SCHATTEN DES 1.FC KAISERSLAUTERN


    Die Anreise:
    Ein Spiel von HiG so alt wie sein thematischer Inhalt aus tiefster Deutscher Kaiserzeit. Schwer wie eine Zugbrücke ächzt das Artwork auf dem Spielplan. Der blut- und schweißgetränkte Holzdielenboden knarrt. Wind pfeift durch das Steingemäuer. Als Tourist hasst man Führungen durch solche Burgen und stellt sich das Liebesleben in den kalten Betten lieber nicht vor. Im Schatten des Kaisers ist ein visuell kantiges und charismatisches Area Control Spiel. Die Areas sind hier Kurfürstentümer. Nennen wir das mittelalterliche Politwerk ein Game of Kaiserthrones ohne Drachen, Gnome und sonstige Phantasievölker. „Hier regiert der Macht-bol-zen! Hier regiert der Macht-bol-zen! Hier regiert der Macht-bol-zen!“

    Das Stadion:
    Eng, klein, kompakt, hässlich. Man sieht sie vor sich: Zuschauer mit Warzen im Gesicht und verfaulten Zähnen, die in geduckten Häusern mit kleinen Fenstern wohnen, marschieren durch die engen, matschigen Gassen zum Spiel. Die

    Weiterlesen

    AC FLORENZA



    Die Anreise:
    Florenza war 2010 einer der positiven Überraschungen in Essen. Eine Gruppe passionierter italienischer Brettspieler hatte einen der ihren, den sie als den Begabtesten unter ihnen ausgeguckt hatten, gebeten doch auch mal ein Stück Brettspielkunst zu erschaffen. Der kreative Spielebaumeister und Kulturbeauftragte hieß Stefano Groppi, trägt eine schlaue Brille und hatte eine Bildungsbürgerspielidee, wie man sie sich als Bildungsbürger nur wünschen kann. Der eigens für die Spielgründerzeit gegründete Eigenkleinverlag Placentia Games hat zumindest eurothematisch eines der schöngeistigsten Gebäude gebaut, die man bis 2010 kannte und es geschafft, die im Eurogame arg strapazierte italienische Renaissance mit geschätztem Kulturbewusstsein frisch zu beleben.

    Das Stadion:
    Der Club der toten Künstler. Auf der Tribüne des Amphitheaters von Volterra begegnet man der versammelten verblichenen Kunstgeschichte des florentinischen Rinascimento. Auf der Hotelschachtel der

    Weiterlesen

    1. FCK2


    Die Anreise:
    Bergsteigen ist einer der großen Abenteuermythen der Naturbewältigung wie z.B. Tiefseetauchen Dschungelexpeditionen, Wüstenwanderungen, Weltumsegelungen, Höhlenklettern, Klippenspringen oder Mondflüge. Der sterbliche Mensch strebt nach Grenzüberschreitung und Selbstüberwindung im Innen und Außen. Auf die Idee aus dem Naturmythos Berg ein authentisches Brettspiel jenseits der Abstraktion zu machen und das Gipfelkreuz zum Ziel zu erklären, konnte in der letzter Konsequenz nur ein Bergsteiger kommen, der Eiskristalle im Bart, Gletscherspalten und abgestorbene Zehen bereits am eigenen Leib erfahren hat. So war es der polnische Bergsteiger Adam Kaluza, der seine Kletterleidenschaft mit seinem zweiten Hobby verknüpfte und uns die Welt aus Fels, Eis und Lawinen als Brettspiel in die warme Wohnstube brachte, so dass wir, oben auf dem K2 angekommen, dem Himmel wieder ganz nah sein können. Danke, Adam. Deine Eva.

    Das Stadion:
    Willkommen auf dem Betzenberg. Zwei Bergsteiger

    Weiterlesen

    AS MONACOKOKO



    Die Anreise:
    Der eitle Gockel der Grande Nation in ornamentalen Zeiten: Ludwig XV interpretiert das Dasein als hedonistisches Event. Die Realität auf den Straßen wird einfach ignoriert und stattdessen lieber der Hofadel bei Lust und Laune gehalten. Überkandidelte Umgangsformen, gespreizte Finger und verschwendungslustige Tanzveranstaltungen mit albernem Kichersex hinter roten Samtvorhängen garnieren die absolutistische Seifenblase. Das luftige Gehabe bringt einen Kleiderstil hervor, der später französische Modemacher begründet, die exaltierte Namen tragen werden. Die Klamotten sind schrill, ausladend, lustig - bis zur Lachhaftigkeit und kindischen Selbstkomödie. Zum coolsten Stück Crossover Pop mit einer bewusst geschichtsklitternden Zeitabbildung zählt Sofia Coppolas musikvideoästhetisches Filmbravourstück Marie Antoinette, in dem sich Kirsten Dunst als vereinsamte Partyperücke inmitten ihrer Bling Bling Posse die innere Leere mit konditorhafter Materie zu versüßen

    Weiterlesen