Essen 2015 - Les Poilus - The Grizzled

The Grizzled- Les Poilus (Sweet Games)



Irgendwo hatte ich es gelesen „The Grizzled“ und so hatte es den Weg auf meinen wichtigsten Zettel für die Spielemesse gefunden – eine ausgedruckte Excel-Tabelle, auf der abgehakt, durchgestrichen und angekreuzt wird und die immer den aktuellen Stand meiner Käufe, Wünsche und Pläne zeigt. Am Samstagabend war das meiste auf dem Zettel in irgendeiner Form abgearbeitet. Wir hatten zuhause gerade noch eine Partie Grand Hotel Austria gespielt und überlegten, welches Ziel wir am Sonntagmorgen auf der Messe ansteuern wollten.



Mein Freund Gerd, der zur Messe immer zu Besuch ist, hatte noch einen Tipp mit dem Namen „Celestia“ bekommen, Halle 3 Stand P104. Ein Blick auf meinen Zettel und „The Grizzled“ direkt nebenan bei Sweet November 3-P106. Das hörte sich doch nach einem guten Plan an.


Tatsächlich war ein Tisch für Celestia frei und uns gefiel es sehr gut. Am Stand leider ausverkauft, aber bei den Heidelbergern sollte es noch welche geben. Bei den Heidelbergern gab es noch 5 Exemplare, bzw. noch drei als wir den Stand wieder verließen – „German Rules“ – da waren wir doch schwer zufrieden.



Am Stand von Sweet Games war der deutsche Erklärbär aktiv und wir mussten ein bisschen warten. Man drückte uns die deutsche Regel in die Hand und bot uns Stühle an. Ich hatte keine Ahnung gehabt, worum es in dem Spiel ging und war nun durchaus überrascht:



„2. August 1914 – auf dem Dorfplatz liest eine Gruppe unzertrennlicher Freunde ungläubig ein Plakat, das am Rathaus angeschlagen ist: Die Generalmobilmachung. Seit mehreren Wochen wurden die Presseberichte immer beunruhigender, aber diese harte Ankündigung erstaunt jeden. Ohne auch nur die mindeste Idee von der Hölle zu haben, die sie erwartet geben sich die Freunde ein Versprechen: Sie werden in dem, was auf sie zukommt, zusammenhalten und gemeinsam zurückkehren. Leider wird die Realität, die sie erleben, ihre schlimmsten Ängste übertreffen.“ Upps, ich hatte keine Ahnung vom Thema des Spiel gehabt und klärte erstmal meine beiden Begleiter auf. Wir warteten gespannt auf das, was uns nun erwarten würde. Denn den 1. Weltkrieg brachte ich im Zusammenhang mit Spielen mit Cosims in Verbindung, soll heißen, ein Riesenspielplan und ungezählte Pappmarker oder Figuren. Und nun hier: knapp 70 Karten, 1 Figur und ein paar Plättchen.



Ja, und dann ziehen wir zu viert (mit dem Erklärbären) in den Krieg. Es liegen 2 Karten auf dem Tisch, eine mit einer Friedenstaube und eine mit einem Kriegerdenkmal. Auf die Friedenstaube kommen 25 der 59 Bedrohungskarten, dies ist der Stapel mit den Bewährungsproben, auf das Kriegerdenkmal 34, dies ist der Vorrat an Moral, den die Gruppe besitzt. Wenn wir die Friedenstaube sehen, haben wir das Spiel gewonnen, sehen wir das Kriegerdenkmal, werden unsere Namen darauf geschrieben…


Ein Einsatz dauert eine Runde, verläuft in mehreren Phasen und am Ende sinkt die Moral. Es gibt 6 verschiedene Bedrohungen: Schnee, Regen, Nacht, Granate, Giftgas, Pfeife (die Pfeife gibt das Signal zum Angriff).



Der Gruppenleiter (wechselt jede Runde im Uhrzeigersinn) gibt vor, wie viele Karten jeder bekommt (1, Runde mindestens 3 pro Person). Dann spielen wir unsere Karten nacheinander jeweils eine aus, Bedrohungen legen wir ins Niemandsland: von keiner der 6 Bedrohung darf mehr als zwei ausliegen, sonst ist der Einsatz verloren (auf einer Karten sind zwischen 1 und 3 Symbole). Oder wir haben Karten mit einem roten Blitz, das sind schwere Schläge, die legen wir neben unseren Soldaten. Hat jemand 4 oder mehr rote Blitze dort liegen, ist das Spiel verloren. Auf den Karten „schwerer Schlag“ ist entweder auch ein Bedrohungssymbol oder ein Text, der eine bestimmte Verhaltensweise vorschreibt, die niemals positiv für uns ist. Wer nicht mehr legen kann oder will, zieht sich zurück, dann gelten die Karten Schwerer Schlag nicht mehr für die anderen und derjenige legt ein Unterstützungsplättchen verdeckt auf seinen Soldaten. Haben sich alle zurück gezogen, werden die Unterstützungsplättchen verteilt, hat jemand mehr als alle anderen, darf er entweder seinen Glücksbringer wieder umdrehen (damit kann man eine Bedrohungskarte aus dem Niemandsland entfernen und zwar diejenige Bedrohung, welche der Soldat zeigt) oder zwei Karten schwerer Schlag/Trauma ablegen. Hier gilt es also jede Runde, den bedürftigsten zu unterstützen! Die Plättchen bleiben bei dem liegen, der sie bekommen hat.



Dann werden alle Karten gezählt, die wir noch auf der Hand haben und entsprechend viele Karten vom Moralstapel auf den Bewährungsstapel gelegt, der Gruppenleiter wechselt, der alte Gruppenleiter bekommt ein Plättchen „Ausruf“ und der Gruppenleiter bestimmt, wie viele Karten verteilt werden. Ist die Friedenstaube zu sehen, müssen wir noch unsere Handkarten abspielen und haben gewonnen. Das Ausrufeplättchen kann ich benutzen statt eine Karte zu spielen: Damit mache ich den Kameraden Mut und erzähle ihnen z. B., dass der Schnee uns doch gar nichts anhaben könne und dann darf jeder eine Karte von der Hand ablegen, auf der Schnee zu sehen ist (ich nicht, weil ich das, was ich erzähle selbst nicht glaube ... - so sagte es uns der Erklärer).


Eigentlich handelt es sich um einen sehr abstrakten Mechanismus, aber das Spiel baut eine beeindruckende Atmosphäre auf, die uns echt mitgenommen hat! Ich weiß nicht, ob ich schon einmal so ein Spiel gespielt habe, aber vielleicht ist auch dieses Thema besonders bewegend.



Auf jeden Fall musste ich nach dem Spiel, welches wir übrigens gewonnen haben, unbedingt ein Exemplar kaufen. Eine absolute Kaufempfehlung!

Kommentare 2

  • Das ist leider völlig an mir vorbeigegangen. Habe erst am Sonntag abend davon gelesen. Das taucht auch nicht im Essen Geek auf. War wohl schon auf einer Amerikanischen Veranstaltung erhältlich und daher für BGG keine Essenneuheit... Schade.


    Schöner Bericht.

  • Sehr schöne Rezension!
    Ich liebäugle auch schon mit dem Spiel, vielleicht sehe ich es auf der Spielwiesn!


    Als Ergänzung gibt es dazu auch einen schönen Bericht bei TricTrac:
    http://de.trictrac.net/news/fr…ist-starker-als-der-krieg