Kraftwagen

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VFL KRAFTWAGEN WOLFSBURG


Die Anreise:
Blau, blau, blau sind alle meine Kleider.
Blau, blau, blau ist alles was ich hab’.
Darum lieb’ ich alles was so blau ist,
weil mein Schatz ein Spieleautor ist.

Das Stadion:
Blau. Den ästhetisch auf seinen Kühlergrill reduzierten Oldtimer auf der Blauschachtel darf man als Vorbote einer lacksexualisierten Autowerbefotografie interpretieren, die er gleichzeitig zitiert. Die spartanische Schachtel lügt nicht: neben ganz viel Blau erwartet uns gestalterischer Minimalismus, der Funktionalität in den Vordergrund stellt. Die Zeitverdrehung auf dem Cover, wo die nostalgische Vergangenheit eine Fotoauffassung der Zukunft zitiert, deren Vergangenheit es vermutlich gar nicht gab, passt auch zur Geschichte des Spiels, das offenbar jahrelang in der Schublade von Matthias Cramer lag: aus der Schublade heraus hat es lediglich der Aktionsmechanismus geschafft sich nach Schottland zu Glen More abzusetzen, bevor er seinem ursprünglich gedachten Einsatz in Kraftwagen nun endlich die Ehre erweisen kann.

Die Heimfans:
Die Fans auf der Tribüne des Nürburgrings schwenken blaue Fahnen. 2-4 Spieler warten auf den Startschuss zu einer Partie Kraftwagen. Wooraroooarvroooarvroooar! Comic Sounds liegen in der Luft.

Der Gästeblock:
Der umweltbewusste Gegner von Kraftwagen will aber lieber ein Fahrradspiel spielen. Einige skandieren: „Flamme Rouge! Flamme Rouge!“. Andere wiederum wünschen sich sogar das verstaubte Kultspiel Um Reifenbreite zurück und fordern abwechselnd die Namen alter Radsportlegenden aus den 70ern wie Eddy Merckx, Bernard Hinault, Joop Zoetemelk oder Lucien van Impe und singen die Epo-Hymne: "L'enfer du Nord Paris-Roubaix / La Cote d'Azur et Saint Tropez / Les Alpes et les Pyrennees / Derniere etape Champs-Elysees".

Die Startaufstellung:
Die ganzen Fahrradfahrer können uns mal. Heute wird Superspiel getankt. Heute wollen wir Autobauer sein und Autos bauen in der Steinzeit der Automobilbranche. Darum bekommt jeder eine Fabrik mit drei Werkshallen sowie einen Rennwagen für Grand Prix-Rennen.

Das Spielfeld:
Die ganze nostalgische Automobilwelt in monochromen Blau. Im Spielkartenstapel tummeln sich die berühmtesten Persönlichkeiten der Automobilwelt: Daimler, Benz, Otto, Porsche. Da geht dem Motoröl das Herz auf! Im Grand Prix-Bereich von Kraftwagen imaginieren wir viele bekannte Gesichter der alten Formel 1-Szene: Jacky Ickx, Nikki Lauda, Senna. Michel Vaillant aus Zack ist auch da. Erstaunlich wie viel Retro-Prominenz aus Automobilbranche und Sportwelt sich in diesem Artikel treffen und das Spiel historisch anhauchen. Wahnsinn! Wie ein Klassentreffen beim „Ball des Sports“.

Die erste Hälfte:
Wooraroooarvroooarvroooar! Es geht los. Zunächst sollte man die Entwicklungen für Karosserien und Motoren ankurbeln, um Karosserieplättchen mit möglichst hohen Werten und möglichst leistungsstarke Motoren zu bekommen. Die braucht man um die Oldtimer zu montieren, die man mit Preisplättchen ausstattet und auf dem Automarkt zum Verkauf anbietet. Problem 1: Die Autokäufer sind nicht die Spieler. Die Spieler bestimmen nämlich selbst die Käufer mit ihren speziellen Vorlieben. Dadurch muss man stets damit rechnen, dass der eigene PKW verschmäht am Markt zurückbleibt, weil seine Ausstattung nicht den Vorlieben der Käufer entspricht. Problem 2: Es gibt mehr Marktfelder als Autokäufer. Man ahnt: Kraftwagen kann auch übel sein.

Die zweite Hälfte:
Man merkt: Kraftwagen IST übel. Wird das eigene Auto nicht gekauft, schaut man in die Null-Punkte-Röhre seines Auspuffs und atmet Kohlenmonoxid. Ganz Scheiße das. Dann müssen Punkte bei den Grand-Prix-Rennen her. Die vielen Prämienplättchen bringen auch was.

Torschütze des Spiels:
Günter Netzer und seine Ferraris. Netzer fuhr gleich drei davon. Gleichzeitig. Einen Ferrari Dino, einen Daytona und einen Ferrari Berlinetta. Seine Frau musste übrigens draußen bleiben. O-Ton Netzer: „Ferrari-Fahren mit ihr kostet mich einfach zu viel Nerven.“ Günter die Spaßbremse.

Déjà-Vu des Spiels:
a) Der Aktionsmechanismus aus Glen More. Aber eigentlich ist es der Aktionsmechanismus aus Kraftwagen, den wir in Glen More sehen.
b) Autoquartette von Ass mit dem obligatorischen Riss im Plastikdeckel

Drama des Abends:
„Papa, wo ist eigentlich meine Carrera-Bahn?“
„Ach, Du, sorry. Ich habe neulich den Dachboden ausgemistet. Alles auf dem Sperrmüll gelandet. Hätte ich was sagen sollen?“

Haken des Spiels:
Wegen Blaustich zum Augenarzt.

Erkenntnis des Spiels:
Ein Motor und Getriebe mit Herz und Liebe. Kraftwagen ist ein mit Öl geschmierter Ausflug ins verstaubte Automobilmuseum mit mittlerem Anspruch, aber gehobenem Charme für Jungs, die früher ihr Peugeot 103er Mofa frisiert haben. Funktionalität mit Seele, hier ist dein Beweis. 7/10 für das Spieldesign, 8/10 für die Soulfulness.


Autobahn von Kraftwerk: