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Ulm

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  • Die Zeichen der Zeit: Ulm vor 1846
    SSV ULM


    Die Anreise:
    Huch, Hutter, Burkhardt. Spieleszenenamen, die bisher dato mehr das Mittelfeld der Brettspielliga beackert haben. Mehr oder weniger Hausmannskost (Portion Spätzle) statt Schokolade (Mars). Dazu ein Titel, der einem halt einfällt, wenn einem Eurogame außer Renaissance. Mittelalter oder Ägypten/Rom aber auch so gar nichts mehr einfallen möchte. Dann eben -Attenzione- Städtename! Und dann auch noch die Weltmetropole Ulm. Nichts gegen die freie, schwäbische Reichsstadt, gelle, aber Bielefeld, Passau und Wuppertal wären auch noch frei gewesen und hätten sich auch gefreut. Andererseits wiederum sehr sympathisch, dass auch weniger prominente deutsche Siedlungen mal zum Zuge kommen auf der Spieleschachtel. Wenn selbst ein tristes, unbekanntes Kaff wie Arle den Sprung in die Spielelandschaft schafft, dann dürfen auch Ulm, Bielefeld und Wuppertal zu Ehren kommen. Einen sicheren Käuferkreis hat Ulm in jedem Fall: Ulmer.

    Das Stadion:
    Das Michael-Menzel-Stadion. Das magische Dreieck Huch, Hutter, Burkhardt bedient schon genug mittelmäßige Vorurteile, da macht eine weitere sichere Bank den Kohl (Beilage zur Portion Spätzle) auch nicht mehr fett. Immerhin vegan.

    Die Heimfans:
    Ulmer. Und alle, die es sonst noch gut meinen.

    Der Gästeblock:
    Die Stichwörter "Huch, Hutter, Burkhardt, Mittelalter" sorgen für einen hoffnungslos überfüllten B-Block. Hillsborough II? Die Redaktion von Boardgame Pop Copy fordert Scotland Yard unmissverständlich auf sofort die Tore zu öffnen, damit die Vorurteile gegen Huch, Hutter und Burkhardt entweichen können.

    Die Startaufstellung:
    Die größte evangelische Kirche Deutschlands mit dem höchsten Kirchturm der Welt als redundantes Yps-Gimmick und einer Ablagefläche für Ereignisplättchen sponsored by Brille Fielmann. Ulm ist eben doch nicht Bielefeld oder Wuppertal. Schön ist auch der Haufen Ulmer Spatzen neben dem Spielbrett. Die Taubenplage am Kölner Dom wird eifersüchtig.

    Das Spielfeld:
    Eine Fahrt auf der schönen blauen Donau in einer Ulmer Schachtel, auch Zille genannt. Ganz weit hinten in der Ferne erklingt Johann Strauss, der im Grand Austria Hotel eine Suite bezogen hat.

    Die erste Hälfte:
    Der Schwabe Günter Burkhardt outet sich als Cleverle: Die 3x3 Aktions-Matrix ist schlau. Aktionsplättchen reinschieben, 3 Aktionen machen: Münze nehmen oder Karte nehmen oder Plättchen nehmen oder mit der Zille schippern oder Aktion im Viertel machen. Zurück kommt man nicht mehr.

    Die zweite Hälfte:
    O-Ton Schwabe: „Glemme dut’s an allene Egge und Ende. Und richtig vorwärts mit derre Zille geht’s a nedde. Himmeldunnerwedder! Der Günni isch’n echter Halbdackel!“. Die unaufgeregte Klemmigkeit zwischen strategischen und taktischen Überlegungen erinnert an den Badener Stefan Feld, die Kombination Zille/Viertelaktion an eine Zwangsneurose. Ein Startspielervorteil soll auch schon ausgemacht worden sein. Na, ganz toll. Die Zwangsneurose ist toll. Der Yps-Münster ist toll. Michael Menzel ist toll. Ulm ist toll.

    Torschütze des Spiels:
    1:0 Huch. 2:0 Hutter. 3:0 Burkhardt. Die spielerische Hausmannsverkostung wächst über sich und das Ulmer Yps-Münster hinaus und zaubert sich zu einem Überraschungssieg über das Vorurteil und die Festschreibung zur Hausmannskost – solch retrospektives Vergnügen macht die klemmige Zwangsneurose.

    Déjà-Vu des Spiels:
    Zu orchestriert. Zu zwanghaft. Zu mechanistisch. Zu glückslastig. Thematisch zu austauschbar (Bielefeld, Passau, Wuppertal). Einfach zu Eurogame. Bruddler finden auch in Ulm (Bielefeld, Passau, Wuppertal) ihre Gemaultaschen.

    Drama des Abends:
    In der umständlichen aufgeteilten dreisprachigen Regel fehlt die Mundart-Variante: „Ulm regelt schwäbisch“. Wenn selbst d’Aschterix schwäbisch schwätze darf, dann kann es auch das Ulmer Regelwerk. Da hat der Verlag zu wenig weltmännisch gedacht. Zu provinziell.

    Haken des Spiels:
    Soeben bekomme ich die Nachricht, dass Scotland Yard die Haken entfernt und die Tore im Kopf geöffnet hat. Die Vorurteile gegen Huch, Hutter und Günter „Pfeffersack“ Burkhardt können nicht mehr aufrecht erhalten werden. In Ulm verschmilzt die berufliche Profession von Günter B. als Lehrer für Gemeinschaftskunde, Erdkunde und Mathematik an der Schubart-Realschule in Geislingen zu einem rehabilitierendem Spätwerk als Spieleautor.

    Erkenntnis des Spiels:
    Burkhardts Ulm war ursprünglich irgendwo in der großen weiten Welt verortet: Bali, Südsee, Fernweh. Doch weil Huch in Günzburg nahe Ulm beheimatet ist und Herr Hutter sich als Kaufhausbesitzer des Kaufhauses abt am Münsterplatz 7, 89073 Ulm, ein Ulm-Spiel gewünscht hat, wurde aus der Südsee die Weltmetropole Ulm. Terraforming Fernweh. Der Schwabe auch hier ein Clevere. Das allzu Heimatverbunde treibt einem in Zeiten der globalen Märkte Tränen der Rührung in die Äugelein. Edgar Reitz heult Rotz und Wasser. Und wir mit. Alles fließt zur Donau.

    Münster in der Alien-Variante von HR Giger:


    Spiel läuft: Boardgame Pop Copy

    Thread rockt: Orientalisch Essen

    Star kommentiert: Isnoguds Liste

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