Great Western Trail

  • GREAT WEST HAM TRAIL


    Die Anreise:
    Kennerspiel des Jahres 2015. Kennerspiel des Jahres 2016. DSP 2016. Der Mann, den sie Pfister nennen, sammelt Trophäen wie der Kopfgeldjäger Pistolen-Pep Guardiola. Pfister, der Überflieger. Jetzt überfliegt The Wiener die Weiten des Wilden Westens. Die Ansprüche sind gestiegen: Erwartungsdruck lastete schwer auf Head & Shoulders des Mombasa-Nachfolge-Schwergewichts. Hinzu kommt das Klischee, dass sich das Thema Western hierzulande nicht verkauft. Ein Image, das auch in der Marketingabteilung der Verlage als Panorama in breitem Cinemascope an der Wand hängt. So soll Colt Express zu den am schlechtesten verkauften Spielen des Jahres der letzten Jahre gehören. Zum Glück ist Peter Eggert ist ein Bauchmensch. Das sieht man seinem Bauch auch an. Klischees kümmern ihn nicht. Die Kooperation mit Stronghold Games, die den lukrativen US-Markt bedienen, bedient dann auch die nötigen Verkaufsargumente pro Western: Der Amerikaner liebt seinen Gründungsmythos.


    Das Stadion:
    Ein farbentsättigtes S/W-Cover mit Richard Widmark in der Hauptrolle.

    Die Heimfans:
    Mich kann das Klischee nicht meinen: als großer Freund des einsamen, unschuldigen Cowboys auf verlorenem Posten gegen böse Rinderbarone mit ihrer übermächtigen Bande warte ich geradezu auf Western-Romantik im Spiel, in welcher der Kampf auf The Cramer Leiste noch mit Revolvern (Carson City) oder fieser Landversteigerung (Homesteaders) ausgetragen wird. Goldrausch (Gold West) ist auch Willkommen.

    Der Gästeblock:
    Marketing-Abteilungen. BWLer. Master in Bachelor. Der abendfüllende Viehtreck-Epos, den Sam Peckinpah nie gedreht hat.

    Die Startaufstellung:
    My Rifle, My Pony & Me - mit Dean Martin, Ricky Nelson und Walter Brennan in einer 4er-Runde am Spieltisch.

    Das Spielfeld:
    Kinder-Strichel-Linien wie einst an der Taktik-Tafel von Professor Rangnick im Aktuellen Sportstudio zu besten SSV Ulmer Bundesliga-Zeiten. Der Schlaumeier-Auftritt bleibt unvergessen.

    Die erste Hälfte:
    Der Westen ist am Anfang noch dünn besiedelt. Wir folgen Ralle Rangnicks Strichel-Linien und galoppieren mit unserem Billig-Rinderdeck auf dem besten Trail durch die Brettspiel-Prärie. Dabei ist ein Spielzug bei Great Western Trail kürzer als bei Mombasa: 1-x Felder weiterreiten und auf einem Westerngebäude anhalten. Dort kurz die Pferde tränken und die abgebildeten Aktionen machen, in beliebiger Reihenfolge. Weiter zum nächsten Gebäude und zum nächsten Gebäude und in Kansas City werden dann schließlich die Maredo-Hüftsteaks für eine Handvoll Dollars verkauft und mit dem Zug weiter nach Westen verladen. So long! Dann zurück zum Anfang und gleich den nächsten Viehtreck starten. Das klappt am Anfang noch without Problems.

    Die zweite Hälfte:
    Jede Stadt darf bis auf Kansas und San Francisco nur einmal beliefert werden. Dies führt alsbald zu bigger Problems, denn Billig-Rinder bringen zu wenig. Bessere Rinder kosten Dollars. Und mehr Cowboys. Die kosten aber auch Dollars. Aber dann fehlen die Dollars beim Bau eigener Westerngebäude für die man wiederum Arbeiter braucht, die Dollars kosten. Und die Schienen Richtung Westen zum günstigeren Verladen muss man auch bauen. Als Rinderbaron denkt man eben nur in grünen Scheinen. Und die Mitspieler bauen alle schon fleißig Gebäude und Schienen. Wie machen die das nur?!??! Die Prärie wird voll und voller, der Rangnick-Pfad nach Kansas City länger und länger. Und die Gebäude-Aktionen sind mit derart vielen Stellen im Spiel verschraubt, dass einem der Schädel unter dem Skalp raucht wie die Smith & Wesson von Billy the Kid: Optionen, Optionen, Optionen.

    Torschütze des Spiels:
    Die Lagerfeuer-Gitarre von Ricky Nelson am Lagerfeuer unter sternklarem Himmel. Der gute Spielabend-Gastgeber serviert Bohnen und getrocknetes Pökelfleisch statt Chips und Flips.

    Déjà-Vu des Spiels:
    Die besten Western aller Zeiten. Jetzt auf Sat1.

    Drama des Abends:
    Der Eurogamer pfeift normalerweise auf Miniaturen. Doch an der Grenze zur Zivilisation, da fehlt sie: Eine Figur von Jean Höfler aus der Kindheit als Cowboy mit Lasso – das wäre es gewesen!

    Haken des Spiels:
    Der böse Rinderbaron bin ... ICH!

    Erkenntnis des Spiels:
    Mister Pfister kann’s. Allein die Variable der Gebäude bei der Startaufstellung und der Zufallsmix bei den eigenen Gebäuden kreiert in jedem Spiel neue Gewichtungen, Abläufe und eine flexible Selbstorganisation. Der optimierende Vielspieler feuert Freudensalven in die Luft. Peng! Peng! Peng! („Bitte unterlassen Sie im Stadion das Abbrennen von Feuerwerkskörpern. Danke!“ )


    Spiel mir das Spiel vom Rind: