Die dritte Erzählung, die unsere Abenteurer mit deutlich mehr Beinen verlassen, als sie sie begonnen haben

Die Wiesen

  • Es scheint Spinnensaison zu sein! Beim Anblick des schwarzen Ungetüms erbleicht Hilarius so sehr, dass er kurz durchsichtig wird. Er kann während er seinen Bogen zieht nur noch, über seine eigenen Warnworte stolpernd, „RIESENGIFTE! WITWIG! FIGTIG! GIIIFT!! RIESENWITWE!!!!“ kreischen, da hackt die schwarze Riesenwitwe ihre mit Klauen bewehrten Vorderbeine in Richtung Ronft. Da sich auch diesmal keiner der Vier vor dem Kampf drückt und Hilarius' Bogen ihm eine angemessene Entfernung zur haarigen Giftschleuder erlaubt, wird in voller Zahl mit Entschiedenheit und Furcht gekämpft – Gift ist etwas neues, mit einem giftigen Gegner hatte es noch keiner der Truppe zu tun. Ronft und Schnattus, die Nahkämpfer, geben sich größte Mühe, von der Seite und dem Giftmaul möglichst abgewandt anzugreifen. Ginkgo schießt eisern durch die Mitte genau ins Gesicht des Viechs und Hilarius flankiert. Einem solchen Beschuss hält auch eine giftige Riesenwitwe nicht lange stand und bricht mit Pfeilen gespickt und zerhackten Beinen zusammen. Und wieder eine Gegend für durchziehende Wanderer sicherer gemacht! In ihrem Erdloch finden sich erneut menschliche Knochen. Hilarius kotzt Schnattus vor die Füße. Beide übergehen dieses Ereignis wortlos, der Halberpel entnervt, Hilarius beschämt. Ginkgo erbt 14 Gold vom unglücklichen vorherigen Opfer der Riesenspinne. Ronft fühlt den Ruhm, der mit seinem Namen verknüpft wird, wachsen, und geht vollends im Rausch des Sieges auf.


Kurze Anmerkung der Chronistin: Durch eisernes Training erhöht sich Ronfts Stärke um 1 und ist jetzt bei drei. Hat aber auch 3 Ruhm gekostet. Danach wird ohne Unterbrechung nach Traumburg weitergereist.

Traumburg

  • Ronft sucht sich einen erfahrenen Kämpfer, der ihm beibringt, wie er trotz Verletzung weiterkämpfen kann (Ausdauer). Die 30 Gold dürften gut investiert sein, um den besten Nahkämpfer der Truppe etwas länger bei der Stange zu halten.
  • Eine gemütliche Runde abends in der Taverne, genau wie Schnattus es sich gewünscht hat, findet statt. Da Hilarius sich früh mit einer zwar noch nicht eingetretenen aber mit Sicherheit erwarteten Migräne ins Bett verabschiedet und Schnattus dem jungen Gemüse seinen Freiraum geben will und sich ins Kartenspiel mit einigen anderen Seebären vertieft, können Ronft und Ginkgo den Abend mit anderen jungen Recken verbringen, was ihnen sichtlich guttut. Die Todesängste der vergangenen Tage, die auch an Helden nagen können, sind für einige Momente vergessen und jeder gegnerische Trupp wird in ihren Erzählungen zahlreicher, jedes erlegte Monster größer...


Ein eher kurzer Ausflug zu den Feldern, mit der Hoffnung auf Arbeit, entpuppt sich als bescheiden ertragreich – nicht nur findet Hilarius einen herrenlosen Geldbeutel auf der Straße, tatsächlich können sich die Helden erneut verdingen und die Gruppenfinanzen etwas aufbessern. Da das zwar schön und gut, aber langweilig ist, und besonders Ginkgo und Ronft nach der Entspannung in der Stadt und einigen Tagen gewöhnlicher Arbeit gerne wieder etwas erleben möchten, werden erneut die so harmlos aussehenden, es aber in sich habenden Wiesen aufgesucht...und mit einem neuen Gruppenmitglied verlassen! Aber lest selbst...


Die Wiesen

  • Es hat sich ausgelangweilt. Unsere Vier können eine Gruppe von Hobgoblins einkesseln – Ronft kann es kaum erwarten, seine frisch gestählten Arme zu schwingen und auch Ginkgo freut es, seinen kleinen aber starken Bogen erneut zu sinnvollem Einsatz bringen zu können. Die Ungetüme bieten zwar kurz Widerstand, sind aber schnell in die Flucht geschlagen und dabei so übel zugerichtet, dass sie ihr Ganovendasein sicherlich aufgeben und sich zur Ruhe setzen werden.
  • Eine interessante Begegnung findet statt, als unsere siegestrunkenen Abenteurer auf eine Gruppe ebenfalls siegestrunkener Abenteurer treffen, die sie gleich hemmungslos fronten. Dabei geben sie sich gewollt „edel“ und überlassen unseren Helden die Wahl - erneut könnten sich Ronft, Schnattus, Ginkgo und Hilarius vom Kampf freikaufen. Doch diesmal ist selbst in Hilarius' Blick so etwas wie Kampfeslust zu sehen, ebenso wie aufrichtige Empörung. How dare they! Einen auf edel machen aber Schutzgeld erpressen! Alle sind sich einig; mit solchen Hallodris muss man streng sein. Und wer kann unsere Helden jetzt wohl noch aufhalten?? Es kommt zum Kampf, den die verkappten Helden dank Ronfts und Ginkgos Training so peinlich verlieren, dass der Anstand eine nähere Beschreibung des Ganzen verbietet. Wichtig ist im Ergebnis nur, dass die Gruppe nun über ein Reitpferd verfügt, dass die Edlen Arschlöcher auf der Flucht zurückgelassen haben. Ein nicht allzu riesiges aber äußerst kräftiges, gut trainiertes, stahlblaugraues Tier, das der Klingenfarbe von Ronfts Schwert so sehr ähnelt, dass dieser vor Begeisterung fast zu grunzen beginnt. Als erfahrener Reiter, wenn auch eher mit großen Ponys als mit richtigen Reitpferden, schwingt er sich gleich auf den Rücken seines neuen Gefährten und dreht ein paar Runden. Behände steigt er nach einer Weile ab und fängt an auf Hilarius einzureden: „Ist er nicht toll? Und ich bin jetzt schon fast ein richtiger Ritter mit Schwert und Kettenrüstung und nun sogar einem Schlachtross! Naja, nicht wirklich Schlachtross, aber er ist sehr schnell und ich glaube ziemlich stark. Wie soll ich ihn nennen? Schattenschrei?? Klagelaut? Stahlgezisch? Eisentod?? Silberschlag?? Ich meine, er SIEHT aus wie mein Schwert, schau mal!“ (zum Vergleich legt er seine Klinge flach auf die Flanke des Pferdes und es scheint als würden sie miteinander verschmelzen)

    Hilarius entgegnet: „Wie wäre es mit Grauemaus?“

    Ronft stutzt und fragt nach ein paar Sekunden irritiert: „...ist alles in Ordnung?“

    Hilarius: „Nun ja, eigentlich dachte ich...also, so ein graues, mageres Tier ist doch deiner gar nicht würdig und du weißt wie schnell ich Blasen an den Füßen bekomme, neulich hatte sich eine so sehr entzündet, dass ich kurz vor der Sepsis stand. Ich bin zwar größer aber auch viel schlanker und damit leichter als du, ICH könnte das Pferd also sehr gut...“

    Ronft: „Du möchtest Schattenschr...du möchtest das Pferd haben?“

    Hilarius: „Nun ich dachte, es wäre eine angemessene Entscheidung, wenn man alle Faktoren bedenkt, die - “

    Schnattus mischt sich, von jedem Wort, das jemals aus Hilarius Mund gedrungen ist entnervt, ein: „Du möchtest ein schwitzendes, Schaum vor dem Maul entwickelndes, äpfelndes Tier in deine Nähe lassen? Sobald dir im wilden Galopp ein Tropfen Sabber entgegenfliegt müssen wir alles stehen und liegen lassen und den nächsten Dorfheiler aufsuchen. Weißt du wie viele Krankheiten durch die Mäuler von 437!!

    (Tatsächlich entspringt die Bezifferung der durch die Mäuler von Pferden übertragbaren Krankheiten, 437, Hilarius' Mund, doch hat dieser seine Antwort so schnell herausgeschleudert, dass das interpunktionelle Abschließen von Schnattus' Satz mit Gänsefüßchen und das Beginnen eines neuen Satzes, ebenfalls mit Gänsefüßchen, der tatsächlichen Geschwindigkeit nicht hätte gerecht werden können. Der Leser ist also mit einem solchen typographischen Kniff näher am Geschehen dran, als es anders möglich gewesen wäre.)

    Hilarius beginnt mit der Aufzählung: „Besonders ansteckend sind Pferderotze, Kolikentrab, Nüsternbrand, Das Ständige Gewieher, Nackenrund, Hafersucht, Eisenfuß, Schweifentzündung, Mähnen-“

    Ronft ergreift wieder das Wort: „Kurz - Du würdest vor lauter Ansteckungsangst zu GAR NICHTS mehr kommen. Und würde dir als reinem, edlen Elf nicht ausschließlich ein Einhorn gut zu Gesichte stehen, so wie vorne auf der Schachtel von...“ (Ronfts Blick schweift in die Ferne)

    Hilarius, eine ungeduldig-wedelnde Handbewegung vollführend: „...ja, Ronft? Schachtel von?“

    Ronft: „Ach ich bin müde und weiß nicht mehr was ich rede. Auf jeden Fall; sollten wir dich nicht lieber auf ein Einhorn setzen? Gelten die nicht als reinlicher als Katzen? Die Viecher äpfeln doch nicht mal, hab ich gehört!“

    Hilarius: „Das ist eine gängige Misskonzeption. Natürlich erleichtern sich auch Einhörner rektal, sie sind nur so anständig, ihr Geschäft niemals in Gesellschaft zu verrichten und suchen sich dafür stets unbeobachtete Momente und geschützte Plätze. Das kann allerdings dazu führen, dass schon Einhörner, zum Beispiel in Gefangenschaft, wochen- oder gar monatelang nicht … geäpfelt haben, wie du sagst. Wenn dieser Zustand zu lange andauert, verhärtet sich der Darminhalt des armen Tieres immer weiter, bis er durch den Druck irgendwann so sehr kompressiert, dass er zu transparenten, glitzernden, funkelnden, reinen Steinen höchster Dichte und Glätte wird. Was dann herauskommt, sobald das gemarterte Wesen einen unbeobachteten Moment und Ort findet, wird „Einhorndiamant“ genannt und ist absolut steril und geruchlos. Es lassen sich recht hübsche Schmuckstücke und Ziersteine daraus herstellen und der Unzenpreis liegt bei - “

    Ronft: „Wir könnten ein Einhorn fangen, wochenlang bewachen, es dann freilassen, müssten nur seiner Spur folgen und könnten so einen der legendären Einhorndiamanten finden?!!? Und äh – DARAUS entstehen sie???“

    Hilarius blickt Ronft ernst an und antwortet nach einer Pause, in der Ronft selbst beginnt, sich für seine Äußerungen zu schämen: „Ja, das könnten wir wohl. Wir könnten auch jede Bauersfamilie, die wir von hier bis zur Schlucht finden, hemmungslos ausrauben, dein Pferd zuschanden reiten, wenn es für uns einen Vorteil bedeuten würde oder gleich Schnattus und Ginkgo nachts, wenn sie schlafen, die Kehlen durchschneiden um dann ihre“

    Ronft (über soviel Einsatz für ein anderes Leben von Hilarius' sonst doch eher mit sich selbst befassten Seite schockiert): „Schon gut schon gut, ich wollte nur wissen, ob ich dich richtig verstanden habe...“

    Hilarius: „Aber du hast recht. Ihr habt beide recht. Behalte deine Krankheitenschleuder nur für dich. Meine Füße würden wahrscheinlich sowieso auf dem Boden schleifen...“ Hilarius zieht leicht beleidigt von dannen und unterhält sich für den Rest des Abends ausschließlich mit Ginkgo.