Die sechste Erzählung, in der es zwar unterirdisch, aber hoch hergeht! (außerdem: UNO-Hilli)

Als die Vier den gemächlich ansteigenden Weg zum Tor Gadûrs nehmen, sind alle mächtig beeindruckt und bestaunen die Umgebung. Nur Hilarius wirkt sehr in sich gekehrt. Irgendwann legt er einen Zahn zu, überholt er die beiden Enteriche, bis er auf einer Höhe mit Ronft läuft und wendet sich an ihn.


Hilarius: "Ronft...meinst du, ich könnte in Gadûr Probleme bekommen?

Ronft: "Wieso?"

Hilarius: "In dieser Zwergenschenke, "Zum tödlichen Bier", haben mich alle so seltsam angeschaut..."

Ronft: "Das hast du gemerkt, ja?"

Hilarius: "Natürlich. Hatte der eine der Meister nicht auch etwas wie "Wipfelläufer" in meine Richtung gespuckt? Das klingt eigentlich sehr schön, aber sein Tonfall dabei..."

Ronft: "Mach dir keine Sorgen, wir sind ja bei dir. Die Leute spötteln halt über das, was sie nicht kennen und was anders ist."


Meine Sorge, dass es für Hilli als Elf vielleicht frappierende Nachteile in der Zwergenstadt geben kann, wächst, je näher wir dem Betreten kommen. Dass ich daran nicht früher gedacht habe. Muss sich die Gruppe eventuell trennen?


Voller Neugier, beeindruckt, vorsichtig interessiert und SEHR vorsichtig interessiert nähern sich Ronft, Schnattus, Ginkgo und Hilarius dem riesigen, roten Tor, das Jeden - Elfen, Aaruk, Mensch, ja sogar Centauren, um ein mehrfaches seiner Körpergröße in Höhe und Breite übertrifft, wenn nicht, um ein zigfaches. Rechts und links sind gigantische Zwergenkrieger aus Stein in die Türme geschlagen, entspannt auf ihren gewaltigen Kriegshämmern lehnend. "Wehrfähig und souverän" ist wohl die Botschaft, die jedem Besucher und vor allem jedem Feind unzweifelhaft präsentiert wird. Von allen Seiten in die Berge, Hügel oder das Ödland eingefasst, scheint die zwergische Stadtfeste uneinnehmbar.



Gadûr

  • Obwohl es viel zu sehen gibt, bieten unsere Vier zuerst einmal ihre Dienste an und helfen einigen Zwergenbauern, ihre von kräftigen Reitebern gezogenen Heuwagen zu beladen. Die Arbeit ist hart und ineffektiv – Verdienst: 5 Gold.
  • Hechelnd und verschwitzt werden sie von einem Zwerg angesprochen, der ihnen anbietet, sie für 5 Gold durch die Stadt zu führen. So lernen sie ihre derzeitige Umgebung etwas besser kennen. Abschließend zeigt er ihnen für 5 Gold noch den Weg zu einer Übernachtungsmöglichkeit, die gerne genutzt wird.
  • Am nächsten Tag nimmt Ronft an einem Armdrückwettbewerb teil, muss sich aber gegen den zweiten Gegner, einen Krieger mit Oberarmen wie Riesenmarschschlangen geschlagen geben. Die gestern verdienten 5 Gold sind für die Teilnahme am Wettbewerb wieder draufgegangen...
  • Beim Herumschlendern hören die Vier plötzlich arbeitsame Rufe aus einem der Eingänge, die in das Stollensystem Gadûrs führen. Für 3 Gold helfen sie ein wenig bei der Ausarbeitung neuer, tiefer Stollen mit.
  • Auf dem Rückweg aus den unterirdischen Gängen entdecken sie, noch bevor sie wieder Tageslicht sehen können, eine Abzweigung, die in einen besonders dunklen und steil hinabgehenden Stollen zu führen scheint, dessen Wände überraschend verwittert bzw. unbearbeitet wirken. Drei der Vier schauen sich erwartungsvoll-enthusiastisch an - Hilarius folgt ihnen einfach. Nachdem sie eine unglaublich breite Treppe unglaublich lange hinabsteigen wird der Schachtboden wieder ganz eben. Nun befinden sie sich in einem

Gefährlichen Verlies!

  • Der erste Raum, den sie zu ihrer Linken betreten, ist enorm groß, lang und hoch. Zerklopptes oder zusammengebrochenes Inventar und eine sehr lange Tafel in der Mitte der Halle – alles mit einer zentimeterdicken Staubschicht bedeckt – weisen auf ihre ursprüngliche Eigenschaft als Speisesaal hin. Ebenso das Gespräch, dass unseren lieben Abenteurern an die Ohren dringt:


Tief und dröhnend: „Ich Kleinen essen.“

Schrill und zickig: „Du hast die anderen drei „Kleinen“ gegessen, der hier gehört uns! Zwergenfilet ist unsere Leibspeise!“

Tief und dröhnend: „...aber ICH Kleinen essen.“

Schrill, zickig und etwas höhnisch: „Du bist alleine, wir sind zu dritt. Verzieh dich! Verdau doch erstmal die anderen!“

Tief und dröhnend, nach kurzem Überlegen: „Ich einer, ja. Ihr mehr, ja. Aber ich groß. Und ich Hunger. Und ICH Kleinen essen!“

Schrill, zickig und genervt: „Hau jetzt endlich ab, du fetter Idiot!“

Tief und dröhnend, sowie seltsam gelassen: „Ich Kleinen nehmen und gehen und essen.“

Etwas großes, schlurfendes, bewegt sich langsam in Richtung der hinteren linken Ecke des Saales...


Die Vier beobachten die Szene und haben als Teilnehmer der Konversation einen Oger sowie drei Hobgoblins ausgemacht. Der „Kleine“, um den es geht, stellt sich als in der Ecke liegender, gefesselter Zwerg heraus. Unsere Heldengruppe will ihn selbstverständlich weder einem Oger noch den drei Hobgoblins zum Fraß überlassen; nach einem kurzen gegenseitigen Zunicken haben alle leise ihre jeweilige Lieblingswaffe gezogen und stürzen sich dann auf Ronfts Kommando hin auf die verdutzten Monster. Das Überraschungsmoment gewährt ihnen einen überlegenen Sieg. Ronft gerät, als sein Blick in den letzten Zügen des Kampfes kurz auf den verängstigten Zwerg fällt, über die Barbarei der vier Monster so in Rage, dass er ihnen, nachdem diese die Flucht antreten, noch hinterhersetzt und weiter auf sie eindrischt. Erst als sie sich, schwer verletzt und hoffentlich dem Tode geweiht, um die dritte Biegung aus dem Staub machen, kehrt er aufgebracht zur Gruppe zurück. „Ich hätte jedem einzelnen von ihnen die Klinge ins Herz stoßen sollen“, durchziehen düstere Gedanken seinen Kopf, während die anderen drei den verzurrten Zwerg befreien und ihm Mut zusprechen. Dem Gespräch der hungrigen Bestien haben sie entnommen, dass er wohl in einer Gruppe unterwegs war, deren andere Mitglieder nicht so glimpflich davongekommen sind.

Nachdem er ihm vorsichtig etwas Wasser eingeflößt und sich versichert hat, dass keine größeren Wunden vorliegen, räuspert sich Hilarius leicht und richtet das Wort dann an den Zwerg:


„Edler Sohn des Berges! Ihr befindet Euch von Stund' an in der Obhut des mächtigen Schnattercorps, das nicht eher ruhen wird, als bis Ihr sicher in den Schoße eurer Familie zurückgekehrt seid. Dankt uns nicht! Den Bösen zu trotzen und, was Recht ist, durchzusetzen, ist uns Beruf nicht nur, es ist Berufung auch; wenn nicht ganz unser Sein! Welch' glücklich' Wink des Schicksals, das uns zu dieser Zeit, da eure Pein und Drangsal in einem fulminanten Höhepunkt als Ogerabendbrot zu enden drohte, zu euch führte, euch die Fesseln zu lösen und die Ungeheuer zu vertreiben! Nur um eines bitt' ich euch: Verbreitet Kunde, dass unter Euren Rettern auch ein Kind des Waldes war, das, ohne Not und Furcht, treu in den Kampf sich schmiss, von keinem and'ren Wunsche angetrieben, als zu eurer glücklichen Befreiung seinen Beitrag frei zu leisten. Als einzig' Reu' im Herzen sticht es nur, dass es zur Rettung eurer treuen Kameraden nicht mehr eilen konnt'. Berichtet, edler Sohn des Berges, von der Kameradschaft, die es hier und jetzt, für immerdar, Euch und Eurem Volke anbietet! Nur darum bitt' ich Euch.“


Der erschöpfte Zwerg nickt, noch während der Elf mit ernster Miene schwadroniert, mit halb geschlossenen Augen, und willigt ein, seinen Teil zu Hilarius' Kampagne für die Völkerverständigung beizutragen... Nach einer kurzen Rast begleitet er auf zitterigen Beinen und als letzter Überlebender seiner Kameradengruppe unsere Vier auf ihrem Weg nach draußen.


  • Im nächsten Raum, aus dem ein Schacht so verdächtig scharf nach oben führt, dass es sich nur um einen Ausgang handeln kann, machen sich Ginkgos Fähigkeiten als Fallenkundler wieder einmal mehr als bezahlt. Er ruft kurz aber energisch HALT – alle halten – und sieht sich dann eine Platte im Boden genauer an. Anhand des Verlaufs einer Rille im Boden und dem, was er im Dunkel der Raumdecke erspäht, kalkulierend, stellt er Ronft an diesen, Hilarius an jenen, den Zwerg an einen anderen und Schnattus schließlich an wieder einen anderen Punkt im Raum auf. Alle sollen sich flach an die Wand drücken. Er selbst tappst sodann vorsichtig auf die Steinplatte und hechtet sofort zur Seite. Es grummelt kurz und eine riesige, rollende Felskugel bahnt sich ihren Weg, knapp an den Helden vorbei, und verschwindet im Dunkel... Ginkgo schnappt sich noch schnell ein mit der Kugel heruntergefallenes Beutelchen und alle verlassen das Verlies. Endlich wieder unter freiem Himmel wird der Beutelinhalt gezählt; 90 Gold!
  • Nachdem der arme, (un)glückliche Überlebende wieder auf seinen Hof gebracht wurde, erholen sich unsere Helden eine Runde im Gasthaus. Die Überfallstrategie beim Kampf gegen die gefräßigen Hobgoblins und den Oger wird noch einmal durchgesprochen und überlegt, was man beim nächsten Male besser machen könnte. Am darauffolgenden Tag treffen wir beim entspannten durch-die-Stadt-Schlendern auf die Werkstatt eines Meisterschildmachers – er verkauft uns einen magischen Meisterschild (+2 RW) für nur 90 Gold. Schnattus, der einzige Einhandkämpfer der Gruppe, ist über die Anschaffung so erfreut, dass er seinen alten Schild hektisch in die Ecke pfeffert. Ginkgo sammelt ihn brav wieder ein; den kann man noch verkaufen...
  • Erneut suchen sich nicht unsere Vier das Abenteuer aus, sondern das Abenteuer sie. Wie schon in der Halblingsstadt Grent lässt auch in Gadûr der Klanälteste, Ramuin, nach ihnen schicken. Die Fähigkeiten der Truppe haben sich herumgesprochen und der gerettete Zwerg scheint sein Versprechen wahrgemacht zu haben; Hilarius erntet in der prachtvollen Hütte Ramuins nicht einen einzigen feindlichen Blick, im Gegenteil, Ronft glaubt sogar eine der Zwerginnen dem schlanken Elf zuzwinkern zu sehen. Ramuin will nach einer herzlichen Vorstellung Ronft einen Eisentalisman überreichen, den dieser so schnell und höflich wie er kann ablehnt; von Hilarius wurde ihm eingebläut, niemals mehr als einen Talisman zu tragen, da sie sonst beide zu Staub zerfallen. Und die Gruppe hat ja noch den GoldTalisman! Danach hört man sich an, was Ramuin zu sagen hat. Trotz der Uneinnehmbarkeit Gadûrs selbst, möchte er die umliegende Berggegend für Reisende und seine Bauern (ja, Zwerge können in den Bergen sogar Felder bestellen...) sicherer machen. Das klingt so vernünftig, dass unser Trupp unversehens den neuen Auftrag annimmt, sich in die Berge auf- und einigen dortigen Schädlingen den Garaus zumachen...

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