Die dreizehnte Erzählung - ein enttäuschendes Verlies, ein freudloser Sieg, Scham und ziemlich leere Hände. Irgendwie ist der Wurm drin...

In der Klosterruine

  • Oha. Hier scheint ein ordentliches Feuer gewütet zu haben und die Ruine war wohl nicht aus Stein... wie die letzten paar Zähne im parodontosalen Mund eines alten Bauern ragen einige Balken noch hie und da in die Luft...hoffentlich ist der Keller der Ruine besser erhalten, sonst wird das ein kurzes Vergnügen. Verkohlte Holzbalken müssen zur Seite geschafft werden, dann kann der Abstieg, staubige Stufen hinab in einen spinnwebverhangenen unterirdischen Tunnel, beginnen...
  • Der Gang ist so eng, dass sich die Vier im Gänsemarsch fortbewegen müssen. Im ersten größeren Raum befindet sich nichts – außer einem am Boden zusammengesunkenen Skelett, das in eine Mönchskutte gehüllt dasitzt. Aus seinem Geldsäckel fischt Ronft immerhin 25 Gold.
  • Erneut hechtet Ginkgo nach vorne und reißt Ronft auf den Boden, diesmal hat er sich nicht einmal die Zeit für einen Schrei genommen. Ein Pfeil schießt an den Köpfen von Schnattus und Hilarius vorbei und bleibt vibrierend in einem Stützbalken stecken.
  • ...und plötzlich befinden sich unsere Freunde in einem Raum, in dessen Mitte ein grünlich waberndes, ovales Port steht... Hilarius, der diese Konstruktion zuverlässig als Teleporterausgang identifiziert, sich jedoch, aus Angst vor den Nebenwirkungen einer Teleportation, entschieden gegen das Benutzen desselben verwehrt, muss nicht diskutieren; keiner möchte mit einer solch enttäuschenden Ausbeute zurück nach Traumburg. Also hinaus aus dem Raum und die andere Abzweigung genommen!
  • Durch die nächste Tür, die nicht einmal ein Schloss aufweist, wird ein runder Raum betreten. Ronft wird klar, warum niemand davon abgehalten werden muss, diese Örtlichkeit zu betreten; Regal an Regal reihen sich Büchermeter, zwei Schreibtische stehen im Raum – wer will schon lesen?? Fast romantisch fällt inzwischen ein Mondlichtstrahl durch eine weit oben eingerichtete Luke in die Mitte des Zimmers. Die kahlen Wände erscheinen dadurch noch gebeinartiger. Während man Hilarius die Titel der Folianten studieren lässt („Xerose durch Hypnose“, „Maßlose Misere und wie man sie meistert“, „Historisches Leid – Die bitteren Auswirkungen ungesüßten Tees“ usw.; nichts also, was sich auf dem Büchermarkt in Traumburg teuer verkaufen ließe) steigt die gruselige Atmosphäre so an, dass alle, bis auf den begeisterten bibliophilen Elfen, unruhig werden. Während dieser seine Nase in einen staubigen Schinken hält, wird plötzlich ein Schleichen vernehmbar und - niemand weiß genau, warum - die Gewissheit, dass dieses Schleichen GEFAHR bedeutet manifestiert sich in vier Köpfen gleichzeitig. Dass sich zum Schleichen nach wenigen Augenblicken noch mehrfaches Geschlurfe, wie von einer Handvoll fußlahmer Leprapatienten gesellt, trägt nicht zur Beruhigung der vier Helden bei, die sich sogleich einem Zauberer und 4 Zombies gegenüber sehen.

    Wer dringt in das Labor des Magiers Moritor ein??“ donnert es aus der Kehle des Arkanarbeiters in den Raum. Gleichzeitig schieben sich die vier Zombies unablässig weiter in Richtung unserer Heldengruppe über den Boden. Die Frage Moritors erweist sich als rein kosmetisch. Hilarius und Ronft wollen gleichzeitig anheben, zu sprechen, da geht der Magier – dem Frieden keine Chance gebend – mit wild schwingenden Schwerthieben auf unsere armen, harmlosen Freunde los. Seine Zombies tun es ihm gleich.

    Nun, wir befinden uns nur in (bzw. unter) den Feldern. Diese Gegend ist nicht eben für besondere Herausforderungen bekannt und so bietet sich der stimmungsvollen Umgebung, dem fahlen Mondenschein und der geheimnisvollen Bibliothek ein gänzlich unausgewogener Kampf – quasi wie ein Mann gehen Magier und Monster innerhalb kürzester Zeit zu Boden. Ronft und seine Freunde sehen sich etwas verdutzt an. So macht das keinen Spaß... Das magische Meisterschwert, dass nun nutzlos (und, seiner Klinge nach zu urteilen, auch bis dato unbenutzt) in den bleichen Händen des Studiosos der magischen Künste liegt, nimmt Hilarius trotzdem an sich. Er hat die vier ja nicht einmal ausreden lassen! Keine Zeit für schlechte Gewissen. Im Raum wird eine Bronzekiste entdeckt. Alle gehen ihre Rucksäcke durch, doch ein Bronzeschlüssel gehört leider nicht zur aktuellen Heldenausstattung. Ja, wäre es eine Metallkiste gewesen...

    Immer noch erstaunt und seltsam unbefriedigt verlassen die Vier den Raum und begeben sich, betreten schweigend, auf den Rückweg nach Traumburg. Mit dieser Ausbeute wird der König nicht aufgesucht. Am besten lassen wir Gras über die ganze Sache wachsen...