Die sechzehnte Erzählung - Schwarzelfenräuber, giftige Riesenbaumechsen, Heldentum, Rehabilitation, Selbstvertrauen, Mut - alles ist wieder gut!

Urwald

  • Erneut übertreten ein Flügel-, vier Beinpaare und vier Beinquartette die Grenze zwischen Wald und Ur-. Die Vegetation ändert sich. Baumstämme, Äste und Wurzeln sind nicht mehr so hart und knorrig, so gerade und vereinzelt, sondern bestehen immer mehr aus weichem, biegsamen Holz, das sich rund und bogenförmig ineinander verflicht, ohne, dass man die Einzelteile ihren Hauptpflanzen sicher zuordnen könnte. Die Luft wird feuchter, schwerer zu atmen, und der Boden deutlich weicher. Auch die Geräusche der Tierwelt werden fremdartiger; kein Uhu uhut mehr, kein Kopfhautschönchen zirpt mehr lieblich, dafür zischt es ab und an von den Seiten, oder gar von oben, und der Vogel“gesang“ wandelt sich hier von ehemals melodischem Tirillieren zu wiederholtem Schreien, abgehacktem Keifen oder alarmierendem Gekeckere. (Die Chronistin entschuldigt sich für das seltsame Vokabular, bittet jedoch um vollständiges Vertrauen darauf, dass jeder, der vor Ort wäre, genau wüsse, was gemeint sei...) In dieser, etwas unwirscheren Umgebung scheint weniger Raum für ohrengefällige Lautmalereien und mehr die Dringlichkeit nach Warnrufen zu existieren. Selbst Hilarius kann nicht immer ausmachen, WAS da eben durch die Wurzeln und Lianen huscht oder warum es just im Blattwerk am Boden, das immer mindestens knöchelhoch aufragt, raschelte.

    Trotz allem herrscht bei unseren Freunden eine heitere, neugierig-optimistische, vorsichtig-interessierte Stimmung. Ausgerüstet mit dem Besten, das sie sich vorstellen können und dem unbedingten Willen, diese Teile des Reiches vor allem für die Elfen sicherer zu machen, sehen sie in der Umgebung weniger die Gefahr als das Abenteuer. Sie sollen recht behalten!


  • Im Urwald kommen wir recht langsam voran. Gerade die Reittiere haben es schwer. Die Kleidung unserer Freunde klebt ihnen am Körper, Schnattus' und Ginkgos stets sorgsam gefettete Gefieder halten die Feuchtigkeit aber ganz gut ab. Alle vier sind sehr erfrischt und ausgeruht; die Schlafphase hört in diesem Teil des Landes morgens deutlich später auf und fängt abends früher an, da eh schon so etwas wie Dauerdämmerung herrscht und nur vom frühen Vormittag bis zum späten Nachmittag wirklich genug Licht zum Wandern durch das imposante Blätterdach dringt. An diesem Abend jedoch will keiner so recht zum Lagern aufrufen; den ganzen Tag über hat die Truppe das Gefühl gehabt, dass ihnen etwas folgt. Es hat nicht wie sonst willkürlich mal hier mal da mal dorten im Dschungel geraschelt, nein; etwas, das wie ein schwerer Körper, der sich über den Boden schiebt, klang, hat eindeutig und hartnäckig seine Kreise um die Gruppe gezogen. Alle Versuche, sich dem Wesen zu nähern wurden jedoch von plötzlicher Stille und dem Anschein vollständiger Abwesenheit jedes Getiers sabotiert. Auch Hilarius leichten Elfenfüßen ist es nicht gelungen, sich an die Quelle des Geräuschs heranzuschleichen. Jedoch kam es immer dann wieder auf, wenn in der Gruppe Einigkeit herrschte, „es“ abgehängt zu haben. Neugierig und aufs äußerste angespannt warten alle auf den Moment, da es sich ihnen deutlich zeigt... dafür wurde der Plan entworfen, die nächste Lichtung, die sich bietet und die die Möglichkeiten zum Verstecken etwas reduziert, zu nutzen, und sich dort geschlossen in Richtung „schleichendes Geräusch“ zu werfen, sobald es ertönt. Dann geht jedoch alles viel schneller. Als unsere vier ein Gebiet betreten, dass sich, für die hiesigen Verhältnisse, den Namen „Lichtung“ wenigstens ansatzweise verdient (die Bäume sind sehr hoch und der Boden nicht GANZ so zugewachsen) schmeißt sich mit einem Flummp ein fetter, wurstiger Körper von hinten auf unsere Gruppe, wirft Ginkgo um und zieht sich dann sofort wieder zurück. Diesmal ist wasauchimmer allerdings im Angriffsmodus und stürmt schnell wieder auf unsere Gruppe von Helden, die inzwischen ihre Waffen gezogen haben. Links und rechts flatscht je ein Beinpaar über den Boden, ein drachenartiger Körper ohne Flügel, beeindruckend aufgeblähte Wangenklappen und ein mächtiger, muskulöser Schwanz werden von etwas wie einem natürlich gewachsenen Schuppenpanzer zusammengehalten und scheinbar von blankem Hass angetrieben. Die exotische Färbung der Riesenbaumechse ist von der Art, wie man sie bei vielen giftigen Wesen sehen kann, die ihre Tödlichkeit bereits über ihr Aussehen signalisieren. Die Echse ist so groß, dass sich Ronft nicht vorstellen kann, dass sie alle vier Schnattercorpsmitglieder gemeinsam länger als höchstens eine Woche zu sättigen vermögen. Aber was sind denn das für seltsame Gedanken über ein Ende als Riesengiftbaumechsenfutter! Nach vorne und diese Bedrohung ehrlicher Bürger vernichtet! Idiel wartet!

    Die Echse macht allein aufgrund ihrer Größe und der enormen Härte ihrer Schuppen Probleme. Nicht jeder Schlag, der trifft, dringt auch durch. Selbst so mancher Pfeil aus Hilarius' Bogen prallt einfach ab. Er muss sich ihr fast auf Nahkampfentfernung nähern, bis er endlich einen Schuss landen kann, der sich tatsächlich in ihr Fleisch bohrt. Ronft muss mit aller Kraft mit der Spitze seiner Harpune zuschlagen und Ginkgo und Schnattus brauchen mehrere Anläufe, bis sie ausreichende Wucht hinter ihre Stiche setzen – Hiebe mit der Schwertklinge helfen schon gar nicht, die Fläche ist zu groß, dieses Monster muss ERSTOCHEN werden. Nach vielen vielen VIELEN Stichen und Schüssen bricht die Echse blutüberströmt zusammen. Sollte sie es gewesen sein, die für die Elfenopfer gesorgt hat? Es stimmt, sogar Hilarius hat lange gebraucht sie ausfindig zu machen – halt, hat nicht eher die Echse die Gruppe ausgemacht und sich auf sie geworfen? Und hätten Elfen, die mit auch nur einem Mann weniger unterwegs sind, die geringste Chance im Kampf gehabt? Zur Sicherheit wollen unsere Helden nach einer Erholung von diesem Kampf den kompletten Weg durch den Urwald ablaufen, bis zum Dschungel und zurück, um sicherzugehen, jede lauernde größere Gefahr ausgeräumt zu haben.
    Nachdem sogar Schisser Hilarius sich sicher ist, das Giftorgan der Echse eindeutig ausgemacht, ohne Verletzung herausgeschnitten und entsorgt zu haben, wird genüsslich gegrilltes Echsenfilet zum Abend verspeist und alle vier haben ein gehässiges Grinsen auf den Lippen, als sie sich das erstaunlich zarte und schmackhafte Reptilienfleisch schmecken lassen.

  • Nach wenigen Tagen ist die Gruppe fast am Dschungel angekommen. Mit leichten Herzen und sich mit zotigen Scherzen, die sie bei ihren letzten Aufenthalten in Traumburg und Abendheim aufgeschnappt haben, die Zeit vertreibend, stolzieren unsere Freunde durch den Urwald, als könnte ihnen selbst ein Stahleisdrache nichts anhaben. Ronft hat den Kopf der Echse in seinem Rucksack verstaut; vielleicht kann ein Alchemist ihn ihm einschrumpfen und haltbar machen, das wäre ein schönes Siegeszeichen an einer silbernen Halskette und würde auf etwaige Feinde sicher abschreckend wirken. Hach, der Geschmack des Triumphes sowohl im übertragenen Sinne als auch konkret; fast tut es Ronft leid, dass giftige Riesenbaumechsen nicht überall im Reich vorkommen, das Fleisch war ein Genuss, hmmmm... Schade, dass sie aufgrund der Witterungsbedingungen den Rest des Kadavers liegen lassen mussten, aber bei diesen Temperaturen wäre das Fleisch schon nach wenigen Stunden nicht mehr genießbar gewesen.
    Noch in der Erinnerung vor sich hin schwelgend und gedankenverloren hinter Hilarius herstapfend, der alle Mühe hat, in diesem besonders verstruppten Teil des Urwaldes Mangroven, Schlingpflanzen und Lianen so schnell wegzuhacken, dass die Gruppe langsam aber wenigstens stetig vorankommt, wird Ronft von einem Sirren überrascht. Das war ein Armbrustbolzen. In Windeseile ziehen unsere Helden ihre Waffen und schauen sich hektisch um. „Dort!“ ruft Hilarius, der anhand der Flugbahn des Bolzens sofort die Richtung, aus der er kam, ausgemacht hat. Doch er muss gar nicht viel zeigen, neben der dunklen Gestalt, die den Bolzen verschossen hat, erscheinen nun noch drei weitere, gut bewaffnete, große schlanke Silhouetten.

    Sie sind ungefähr so lang wie Hilarius, sie bewegen sich ähnlich elegant wie Hilarius, sie haben langes, wallendes, glattes Haar wie Hilarius, sie sind mit Fernkampfwaffen ausgerüstet, sie haben allerdings im Gegensatz zu Hilarius tiefe Furchen im Gesicht, die als Ursache eindeutig ihren derzeitigen, wohl häufig eingesetzten Ausdruck purer Verachtung bestimmen lassen. Diese, in schwarze Lumpen gehüllten Elfen, sind freiwillige Ausgestoßene; Lumpen in Lumpen sozusagen. Sie halten nichts von ätherischem Gesinge in wäldlicher Idylle, sie wollen Gold, Blut und keine Regeln. Ihren Hass auf die Gesellschaft und ihre Sitten zeigt sich bei diesen, allgemein Schwarzelfen genannten Schurken, besonders stark ihren Brüdern gegenüber, die ihren Eskapaden sicherlich mit enormer Überheblichkeit begegnen und sie dadurch in ihrem Tun nur bestärkt haben. Ronft kann mit „Glaubt ihr, DAS ist der Grund, warum so viele Elfen hier ihr Leben“ den Beginn dessen aussprechen, was unsere schlauen Helden alle denken, doch dann müssen sie sich bereits ihrer Haut erwehren. Die Schwarzelfenräuber sind gierig aber nicht eitel und verschwenden keine Zeit mit Palaver, Herumstolziererei oder dem Sich-Weiden an der Angst ihrer Gegner. Sie interessiert nur der Inhalt ihrer Beutel, Rucksäcke und Bäuche. Das eine nehmen sie mit, das andere wollen sie auf dem Urwaldboden verteilen. Durch ein wahrhaft heldengruppiges Zusammenspiel ihrer Talente und Fähigkeiten (dank der Gegneranzahl hat Ronft +1 Angriff, durch Ginkgos Aufmerksamkeit kann der Kampf in einen freiwilligen umgewandelt werden was bei Schnattus wiederum Zielen ermöglicht und ebenso +1 gibt und Hilarius kann dank Geflügel-Binky EBENFALLS +1 auf seine Kampfkraft draufhauen – ach ja und meine gut ausgebildete Tötungsmaschine Ronft kann dank Panzerstich 2 vom Rüstwert des Gegners abziehen und wie viel haben sie? 2!) befreien unsere Vier den Urwald von seiner Geißel in Form der unehrenhaften Räuberelfenbande, die sich jetzt wenigstens noch als Bodendünger verdient machen kann. Jubelnd halten Hilarius und Ginkgo die Kampfesbeute (ein Rubintalisman, eine Meisterarmbrust +2 und 20 Gold) in die Luft und werden durch Ronfts amüsiert-belächelnden Blick gerade noch von einem Freudentänzchen abgehalten. Von wegen Riesengiftbaumechse – DAS HIER ist der Sieg, von dem zu erzählen man sich wieder vor den Elfenkönig wagt! So routiniert und selbstsicher wie diese Kameraden vorgegangen sind, war das Schnattercorps nicht die erste Beute, die sie sich auserkoren haben und wenn man an ihren Hass auf alle normalen Elfen denkt, wird es glasklar, dass der Urwald nach der Erledigung der Bande wieder sicher sein sollte. Schnell schnell, auf auf, zurück in die hohen Hallen des spinnerten … des ehrwürdigen Königs und Bericht erstattet!

a fool and her money are easily parted

Kommentare 2

  • Annalen... es heisst Annalen ;-)

    • Danke, ich habe es der Chronistin ausgerichtet.


      "... ... ... NICHT IN ULTIMOR!! >:-{" *mitrotenohrenabstampf,türknall,inzimmerchenrumor*


      Das durfte ich mir danach anhören und jetzt hat sie sich in ihrem Schreibekämmerlein verbarrikadiert.
      Ab und zu dringt unterdrücktes Gezeter von wegen "abweichender Grammatik", "unterschiedliche Ursprungssprachen", "ganz andere Wortstämme" nach draußen...