Die Evolution des Homo Ludens

  • Damit ich nicht weiter das Thema über englische Spiele zuspame hier ein neuer Thread für meine Evolutionstheorie (ok, klingt etwas hochgegriffen). Die Frage, die ich mir gestellt habe, lautet: Wie entwickeln sich Spieler im Laufe ihres Spielelebens. Ich gehe davon aus dass sich viele von uns recht ähnlich entwickelt haben wenn auch mit Sicherheit in den Einzelheiten Unterschiede bestehen. Aber erst einmal meine (vermutete) Phasen:


    1. Der Spieler kommt mit den ersten Spielen meist innerhalb der Familie oder mit Freunden in Kontakt. Gespielt werden Klassiker wie die Spielesammlung, Schach, Dame, alle möglichen Kartenspiele mit dem Standartblatt (Mau Mau und Konsorten), Mensch ärger dich nicht, Spiel des Lebens, Monopoly... Spielen ist eine Beschäftigung die in der Familie (Familienspieleabend) oder im Freundeskreis nebenher (UNO im Freibad) geschieht.


    2. Der Spieler aus Phase 1 stellt fest, dass ihm das Spielen Spaß macht. Also möchte er neues kennenlernen, geht hierfür entweder in den klassischen Spieleladen oder sucht evtl. im Internet nach Spielen. Gespielt werden nun Spiele wie die Spiele des Jahres. Das Spielen nimmt nun einen größeren Stellenwert ein, ist aber noch immer ein Hobby unter vielen (max. gleichwertig zu Kino, Sport, was auch immer). Hier würde ich vom Gelegenheitsspieler sprechen.


    3. Der Spieler aus Phase 2 stellt fest dass sein Bedürfnis nach Spielen noch immer nicht befriedigt wird und will mehr. Also stöbert er tiefer im Spieleladen, sucht sich evtl. ein Fachgeschäft oder, heute am wahrscheinlichsten, steigt tiefer ins Netz ein. So findet er eine große Auswahl weiterer Spiele, die in der Komplexität weiter steigen. Gespielt werden nun Spiele wie das Kennerspiel des Jahres. Das Spielen nimmt nun zeitmäßig einen guten Teil der Freizeit ein und der Spieler beginnt auch mehr Zeit für Zeitschriften, Foren und Blogeinträgen zum Thema zu beschäftigen oder sich selbst einzubringen. Hier würde ich vom Vielspieler sprechen.


    4. Der Spieler aus Phase 3 denkt nur noch an Spiele, durchsucht Crowdfunding-Plattformen, entdeckt BGG für sich und verbringt ab sofort einen signifikanten Teil seiner Freizeit mit Spielen oder der Beschäftigung damit. Da das Spieleangebot nun quasi unüberschaubar ist muss der Spieler Prioritäten setzen und passt seine Sammlung entsprechend daran an (so werden Spiele die nicht mehr passen auch schon einmal verkauft ;( ). Hier würde ich vom Freakspieler sprechen :D


    Noch zur Erklärung: Ich sage nicht dass ein Spieler, der z.B. in Phase 3 ist, keine Spiele aus der darunter liegenden Phase mehr spielt. Dazu kann es viele Gründe geben (Nostalgie, Spielen mit Kindern oder Gelegenheitsspielern, wenig Zeit,...). Mir geht es darum was ein Spieler gerne spielen würde, wenn er dafür alle Möglichkeiten hätte. Außerdem muss nicht jede Phase voll durchlaufen werden. Wer in einer Spielefamilie aufwächst wird sehr schnell sehr hoch sein oder eben untere Phasen überspringen.


    Mich würde interessien ob ihr auch diese Phasen durchschritten habt oder ob ihr einen anderen Weg genommen habt :)


    @Meister Yoda: Ich wollte auch gar nichts für oder gegen die verschiedenen Modelle des Kennenlernern neuer und ggf. dann auch mal fremdsprachiger Spiele sagen. Aber bei deiner Aussage, mit Eurospielen wäre man im deutschsprachigen Bereich mehr als gut genug versorgt, musste ich dann doch mal etwas sagen. Das stimmt nämlich so immer weniger. Die "Euros", die man aus den deutschen Verlagen bekommt, werden immer ähnlicher zueinander, immer wieder nur alter Wein in neuen Schläuchen. Gleichzeitig gibt es den unheilvollen Trend, auch noch das letzte bisschen Interaktion weg zu operieren. Zugriff auf eine gemeinsame Auslage ist da oft das einzige bisschen Interaktion.


    Bist du sicher dass deine Aussage so allgemein stimmt oder ist das vielleicht deine Sichtweise NACHDEM du zuvor lange Jahre eben diese deutschen Spiele gespielt hast? Ich würde mal vermuten dass ein Spieler aus Phase 2 (vielleicht sogar auch noch aus Phase 3) mit dem deutschen Sortiment mehr als zufrieden ist. Für ihn ist die Auswahl schon rießig und die Unterschiede fallen noch auf bzw. werden als neues Element wahrgenommen.


    Aus diesem Grunde ermutige ich heute auch jeden sich dem fremdsprachigen Spiel nicht aus Bequemlichkeit zu versperren. Es entgeht einem sehr viel dabei.


    Da gebe ich dir völlig Recht :)


    Ich glaube aber dass die Bereitschaft, sich mit fremdsprachigen Spielen zu beschäftigen, steigt, je weiter ein Spieler schon vorangeschritten ist. Jemand der nur gelegentlich mit Freunden und Familie spielt hat doch keinen Bedarf an englischen Spielen wenn es für seinen Bedarf hunderte von deutschen Spiele gibt. Die größte Bereitschaft dürfte dann vorliegen wenn der eigene Spielegeschmack auf deutsch unterrepräsentiert ist (Cosims) oder sich durch immer gleiche deutsche Spiele Langeweile einstellt (Wunsch nach innovativen Euros). Natürlich gibt es auch Spieler die schon früh englische Spiele spielen, dann wurden sie aber wahrscheinlich extern darauf gestoßen (Tipp eines Freundes u.Ä.).


    Wenn meine Theorie so stimmt wäre es wohl ziemlich enttäuschend ein englisches Spiel zu einem Spieletreff mit Gelegenheitsspielern mitzunehmen, die Chance damit anzukommen wäre sehr gering ||(



    So, wer das alles liest bekommt einen Fleißsmiley :D

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  • Und was ist, wenn es in Phase 1 & 2 noch überhaupt kein Internet gab? Sondern eben nur den S/W-Katalog von "Das Spiel" in Hamburg, später dann AdamSpielt und irgendwo dazwischen die Pöppel Revue und das FidoNet.

  • Und was ist, wenn es in Phase 1 & 2 noch überhaupt kein Internet gab? Sondern eben nur den S/W-Katalog von "Das Spiel" in Hamburg, später dann AdamSpielt und irgendwo dazwischen die Pöppel Revue und das FidoNet.

    Ist doch ganz klar...dann bist du alt :D

  • Und was ist, wenn es in Phase 1 & 2 noch überhaupt kein Internet gab? Sondern eben nur den S/W-Katalog von "Das Spiel" in Hamburg, später dann AdamSpielt und irgendwo dazwischen die Pöppel Revue und das FidoNet.

    Genau das war bei mir der Fall und trotzdem beschreibt @Meister Yoda zumindest meinen Werdegang recht gut. Und bevor jetzt jemand einen frechen Kommentar schreibt: Ja, ich bin alt :alter:;)

  • Meine Evolution lief folgendermaßen ab:


    Als Kind die Klassiker wie Mau-Mau, Monopoly und vor allem Malefiz mit der Familie gespielt. Später kamen dann auch Spiele wie Heroquest, Claymore Saga, Tikal, Siedler von Catan oder Carcassonne hinzu, aber auch wenn diese Titel Spaß gemacht haben, kam das ganze doch nicht an ein ernsthafteres Hobby ran. PC- und Videospiele waren meist doch verlockender.


    Als daddelnder Teenager wurde ich dann auch vom GW Moloch vereinnahmt, aber die Vorbereitung und Planung der Spiele hatten, aufgrund der dürftigen Regeln und unseres hohen Siegesverlanges, eigentlich immer wesentlich mehr Spaß gemacht als die tatsächlich ausgetragenen Partien, bei denen Streitigkeiten an der Tagesordnung waren.


    Dann ein Jahr USA Aufenthalt, Abitur, Bundeswehr und Studienbeginn in denen ich praktisch gar nichts gespielt habe, da waren andere Dinge im Vordergrund gestanden. Bis ich 2008 oder 2009 von meinem Bruder Dominion zu Weihnachten geschenkt bekam, was ich begeistert zu meinen Studienfreunden getragen habe. Das haben wir exzessiv gespielt und es hat nicht lange gedauert, bis uns das nicht mehr gereicht hat. Die nächsten Anschaffungen waren dann Der Eiserne Thron, Dungeon Lords und Twilight Imperium 3, welche der absolute Hit in meinem Freundeskreis waren. Puerto Rico und Galaxy Trucker sind nicht gut angekommen.


    Zur Promotion bin ich dann aus Frankfurt weg gezogen und habe es nicht geschafft meine neuen Bekannten und Freunde zum Spielen zu bringen (der Kollegenkreis war absolut weiblich dominiert) und der Spieleerwerb trat dann an die Stelle des eigentlichen Spielens, so dass meine Sammlung mittlerweile auf über 400 Titel angewachsen ist, von denen ich nichtmal die Hälfte angespielt habe.


    Ich kaufe immernoch fleissig, aber mein Fokus hat sich doch deutlich verändert. Habe ich mich die ersten Jahre sehr von Tom Vasels Reviews beeinflussen lassen, schaue ich mir die heute kaum noch an. Hat leider viel zu lange gedauert bis ich bemerkte, dass wir einen ziemlich gegensätzlichen Spielegeschmack haben. Der ganze Vasel Müll verlässt mich so nach und nach und ich bin eher bei mittelschweren bis schweren Euros, LCGs, 18xx und GMT Spielen hängen geblieben. Fairerweise muss ich zugeben, dass ich von den letzten beiden Kategorien bisher nur 2 GMT Titel tatsächlich gespielt habe (Urban Sprawl und Twilight Struggle) und durchaus die Möglichkeit gegeben ist, dass ich mir da ein riesiges Groschengrab geschaffen habe *lol*

  • Eine allgemeingültige Entwicklungsgeschichte wird es wohl nicht geben. Ich vermute mal, dass die 4 Phasen eher deine persönliche Entwicklung im Hobby beschreibt. Ob es grundsätzlich eine stetige Vertiefung mit dem Spielehobby gibt ? Glaube ich eher nicht. Es ist für mich vielmehr eine Frage der Gelegenheiten. Im Zivildienst hatte ein Kollege Civilization mitgebracht. Avalon Hill kannte ich bis dato nicht.Daraufhin habe ich mir ein paar schwergängige Multiplayer wie Britannia, Republic of Rome zugelegt. Die wurden dann irgendwann eingemottet, als ich keine Spielepartner dafür hatte. 2-3 Cosims spielte ich ein wenig solitär mangels Spielpartner. Als ich dann Cosimer kennenlernte, hatte ich auf einmal über 100 Cosims. Meine Spielesammlung explodierte von 50 auf 300 Spiele als ich regelmässig einen Spieletreff besuchte. Als berufstätiger Familienvater bin ich jetzt ganz froh, wenn ich ne Partie Zug um Zug o.ä. mit meiner Frau spiele und bau mir mal ab und zu ein Cosim auf. In Zeiten des Internets hat man zudem die Möglichkeit gefunden, meist sinnfreie oder müssige Diskussionen über Spielenebenthemen zu verfolgen als Ersatz dafür, dass man nicht so häufig Gelegenheit hat zu spielen wie man möchte.

  • Ich bezweifle vor allem den Teil der Theorie, der sich auf die englischen Spiele bezieht. Durch meinen älteren Bruder habe ich schon als Kind engl. Bücher gelesen und Filme gesehen und noch nie darauf geachtet, in welcher (der beiden) Sprache(n) ein Spiel ist. Ich kannte auch lange niemand, für den das ein Thema war. Kurz, unter meinen ersten Spielen war bereits #CryHavoc, noch zu Beginn von Phase 2. Ein Freund hatte sich als erstes Spiel #SquadLeader gekauft. SdJ hat der einfach bei mir gespielt.


    Da spielen ganz andere Faktoren eine Rolle. Aber soll hier nicht weiter ausgeführt werden.

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  • Ich denke nicht, daß sich alle, die sich gerne mit Spielen beschäftigen, in ein Schema pressen lassen - und schon gar nicht in ein dermaßen simples.
    Ich denke eher, daß die meisten ihre ganz persönliche Geschichte erzählen könnten, wie ihr spielerischer Werdegang war und welche Gründe es dafür gab.


    Ich glaube nicht, daß jemand wirklich objektiv sein kann - alle Meinungen sind subjektiv.
    Natürlich gilt das auch für mich.

  • und der Spieleerwerb trat dann an die Stelle des eigentlichen Spielens, so dass meine Sammlung mittlerweile auf über 400 Titel angewachsen ist, von denen ich nichtmal die Hälfte angespielt habe.

    Du bist eindeutig ein Fall für einen der unknonwns-Spieletreffs bzw. die GHS!

    Gruß aus dem Münsterland
    Herbert

    ______________________________
    I'm old enough to know what's wise
    and young enough not to choose it

    Einmal editiert, zuletzt von Herbert ()

  • Ich dachte der Zugang zur GHS erfolgt auf Antrag undMitgliedsbeitrag, nicht nach Spielbesitz.

    Klarer Fall von falsch gedacht. Auf dem HexaCon findest Du Spielpartner und kannst bislang Ungespieltes spielen!

  • Die von Dir genannten 4 Phasen des Homo Ludens habe ich tatsächlich in genau dieser Reihenfolge beschritten.
    Zwischen Phase 1 und Phase 2 liegen aber so 15-20 Jahre - zwischen Phase 2 und 3 nur einige Monate und Phase 4 erreichte dann nach knapp einem halben Jahr später seinen Höhepunkt.


    Wobei ich mich mittlerweile wieder in Phase 3 befinde - allein aus Kosten- und Zeitgründen.
    Schlüsselerlebnis hierfür war die erste Teilnahme überhaupt für mich an der Spiel´16 und dem Kaufrausch dem ich dort erlegen bin. Wenn man soviele Spiele kauft die übereinander bis zur Decke reichen, kann man schon fast von einer Sucht sprechen. Mit gesundem Menschenverstand hat das wohl nix mehr zu tun! :D


    Mittlerweile wäge ich sehr genau ab, ob ich ein Spiel tatsächlich brauche und überlege viel mehr als früher, den "Jetzt Kaufen"/"Pledgen" oder ähnlich lautende Knöpfe zu drücken.


    Und die Bereitschaft mehr zu englischsprachigen Spielen zu greifen, die wohl nie übersetzt werden nimmt stetig zu - alleine deshalb, weil es mittlerweile viele für mich interessante englischsprachige Spiele gibt, die ich gerne spielen würde und die (leider) wohl niemals übersetzt werden (Gloomhaven, Too Many Bones, 7th Continent um einige zu nennen).
    Hier benötige ich aber auch die Bereitschaft meiner aktuellen Mitspieler, sich darauf einzulassen. Diese ist (noch) nicht da - ich arbeite aber daran! ;)
    Ich gebe aber zu, dass es reine Bequemlichkeit von mir ist.
    Deiner o.g. Theorie kann ich also auch wieder zustimmen.


    Aus dem von Gernspieler genannten Grund, meide ich auch Spieletreffs mit mir unbekannten Mitspielern.
    Ich war mal auf einem (...) und hatte Spiele dabei, für die mir (noch) die Mitspieler fehlten: Agricola, Tzolkin, Archipelago und Pandemie meine ich dabei gehabt zu haben.


    Gespielt wurde dann aber Risiko (kein Spiel für mich) und Werwolf....


    Danach suchte ich Gleichgesinnte, die einen ähnlichen Geschmack haben wie ich - in dieser Zusammensetzung wird auch heute noch gespielt - da weiß ich, was mich und die anderen erwartet.

  • Ich denke nicht, daß sich alle, die sich gerne mit Spielen beschäftigen, in ein Schema pressen lassen - und schon gar nicht in ein dermaßen simples.
    Ich denke eher, daß die meisten ihre ganz persönliche Geschichte erzählen könnten, wie ihr spielerischer Werdegang war und welche Gründe es dafür gab.

    Da gebe ich dir völlig Recht. Ich habe ja auch nie den Anspruch erhoben hier ein wissenschaftlich valides System zur Einteilung von Spielern gefunden zu haben. Ich wollte damit einfach mal eine Diskussion anstoßen wie Menschen zu Spielern werden, warum vielleicht manche in bestimmten Situationen kein englisches Spiel mitspielen wollen und und und...


    Im Idealfall erzählt jeder eine kleine lustige Anekdote aus seinem Leben, wie er selbst zum Spieler wurde. In der Pädagogik nennt man sowas einen Sprachanlass :)


    Natürlich können wir auch alternativ zum dritten Mal dieses Jahr über die Pegasus-Fachhandeldsaktion, zum x-ten Mal englisch vs. deutsch mit immer den gleichen Gründen oder gerade mal wieder über das System von Spielworxx diskutieren. Ds haben wir ja schon viel Übung drin :rolleyes:

  • @VoSch Natürlich gehe ich von meiner eigenen Entwicklung aus, verbunden mit der Entwicklung einiger Freunde. Dass mein System von richtig über fehlerhaft bis völlig schwachsinnig sein kann ist mir klar. Es war nur mal mein Versuch mir über soetwas Gedanken zu machen :)


    Eine grundsätzliche Vertiefung kann es nicht geben, sonst müssten über kurz oder lang alle Spieler Freakspieler sein. Dazu wird es nie kommen, machen wir auf alle Spieler gesehen wahrscheinleich keine 5% aus.


    @Sternenfahrer Zu jeder Regel gibt es bekanntlich Ausnahmen. Besonders der Teil meiner Vermutungen zum Spielen von englischen Spielen wird der größten Veränderung unterliegen, weil englisch von Generation zu Generation natürlicher ein Bestandteil des eigenen Alltags (Bücher, Filme, Spiele) wird. Dennoch zeigen viele Diskussionen hier im Forum dass englisch immer noch spaltet.


    Ich selbst habe erst mit englischen Spielen angefangen als ich selbst motiviert war ASL zu erlernen. Davor wollte ich von englischen Spielen nichts wissen. Es ist dann wohl eine Mischung aus äußeren Einflüssen (gr. Bruder) und innerer Motivation (ich will jetzt ASL lernen) die bestimmt, wann ich mich daran wage. Meine Aussage war dass die innere Motivation steigt, je schwieriger die Spiele werden die ich spiele. Denn wenn ich schon so weit bin und Schwergewichte spiele bin ich evtl. eher bereit auch auf englisch zu spielen, um eine neue Herausforderung durch neue Spielkonzepte zu finden.


    Wann externe Faktoren wirken (Eltern wollen Kind in englisch unterstützen) ist natürlich völlig unabhängig von der eigenen Spieleerfahrung.

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  • Dennoch zeigen viele Diskussionen hier im Forum dass englisch immer noch spaltet.

    Dieser Thread soll sich ja nicht nur an diesem Aspekt reiben, aber ich nehme das ganz anders wahr - ich würde formulieren: "Dennoch zeigen viele Diskussionen hier im Forum, daß es selbst hier noch einige wenige gibt, die nur auf Deutsch spielen."

  • Persönliche Erfahrung, die bitte nicht zu verallgemeinern ist:


    Phase 5: Nach den ersten Eskalationen des Spiele-Erwerbs trennt sich die Spreu vom Weizen. Beide Gruppen beginnen ihr Konsumverhalten anzupassen, allerdings in unterschiedliche Richtungen.
    Die eine Gruppe fängt an zu erkennen, welche Spiele auch tatsächlich in der eigenen Gruppe gespielt werden und beschränkt die Einkäufe auf Spiele die die eigene Sammlung abrunden ohne "more of the same" darzustellen UND welche auch tatsächlich im Bekannten/Freundeskreis gespielt werden. Meist geht bei dieser Gruppe auch eine drastische Reduktion der Sammlung dem "angepassten Kaufverhalten" vor.
    Die andere Gruppe hat Gefallen an der "Sammelaktivität" gefunden und sucht nach "wertvollen" (i.e., oop, KS exclusives, ... you name it ...) Spielen mit denen die Sammlung ergänzt werden kann, zusätzlich zu den üblichen Einkäufen bei den Online Dealern ;-). Rabatt-Aktionen von 75 - 80% sind "no-brainer", selbst wenn die Spiele auf lange Sicht nicht geöffnet oder gespielt werden.
    Eventuell folgen auch noch erstmal ein paar Iterationen "Sammelaktivität" bevor das große "pruning" der eigenen Sammlung beginnt (falls es überhaupt beginnt), aber ich sehe Phase 5 eher variabel/optional und stark unterschiedlich in der tatsächlichen Stärke ihrer Ausprägung.


    Wahrscheinlich ist die Wirklichkeit irgendwo in der Mitte angesiedelt ;), aber man kann genügend Vertreter beider Gruppen auf BGG beobachten (mich selbst eingeschlossen)!
    Ich glaube wenn man ganz trocken analysiert wieviel Geld man in die eigene Sammlung gesteckt hat, wovon man zwischen 20 - 50% noch kein einziges mal gespielt hat (aber man kauft die Spiele trotzdem bei Release zu 60 - 80% MSRP), dann wird früher oder später jedem irgendwann "unwohl" :-).

  • "Dennoch zeigen viele Diskussionen hier im Forum, daß es selbst hier noch einige wenige gibt, die nur auf Deutsch spielen."

    In der aktuell laufenden Umfrage geben von 108 Teilnehmern 32% an, bereitwillig auf die deutsche Version eines für sie interessanten Spiels zu warten.


    Gegenthese: Bei den sehr aktiven Usern hier im Forum ist die Englischaffinität prozentual deutlich größer als bei der Gruppe der stillen Mitleser.


    Gerade die "lauten" User hier scheinen für mich die aktivsten Brettspieler gemessen an Spielekomplexität und Freizeitverbrauch für Spiele und dazugehörige Tätigkeiten zu sein. Ich glaube dass im Bereich der stillen Mitleser hier ein großer Anteil dabei ist, den wir hier eher als Gelegenheitsspieler ansehen würden. Quasi angemeldet weil die Google-Suche über ein bestimmtes Spiel hergeführt hat oder um eine Regelfrage loszuwerden. Und in dieser Gruppe, die in Teilen auch an der Umfrage teilgenommen hat, scheint mir die Englischaffinität viel geringer ausgeprägt zu sein (zumindest auf Brettspiele bezogen) :)

  • ...Gerade die "lauten" User hier scheinen für mich die aktivsten Brettspieler gemessen an Spielekomplexität und Freizeitverbrauch für Spiele und dazugehörige Tätigkeiten zu sein. Ich glaube dass im Bereich der stillen Mitleser hier ein großer Anteil dabei ist, den wir hier eher als Gelegenheitsspieler ansehen würden. Quasi angemeldet weil die Google-Suche über ein bestimmtes Spiel hergeführt hat oder um eine Regelfrage loszuwerden. Und in dieser Gruppe, die in Teilen auch an der Umfrage teilgenommen hat, scheint mir die Englischaffinität viel geringer ausgeprägt zu sein (zumindest auf Brettspiele bezogen) :)


    Zumindest der erste Teil des Zitates trifft auf mich nicht zu. Ich bin wohl einer der eher "stillen" Mitleser, auch der Tatsache geschuldet, dass ich die Threads erst morgens lese und mich am Wochenende kaum im Internet herumtreibe... (Achtung: eine subjektive Einschätzung!): Allerdings meine ich aus verschiedenen Äußerungen der "Vielschreiber" herausgelesen zu haben, dass ich doch erheblich öfters zum Spielen komme als einige davon...
    Englisch stellt für mich jetzt auch keine Hürde dar, mein erstes selbst gekauftes Spiel war damals "Freedom in the Galaxy" und dann kamen noch einige englische SF Titel dazu. Aber ich musste auf die harte Tour feststellen, dass die Mitspieler die deutschen Regeln bevorzugen, deshalb habe ich mich von fast allen englischen Spielen wieder getrennt.

  • Wenn meine Theorie so stimmt wäre es wohl ziemlich enttäuschend ein
    englisches Spiel zu einem Spieletreff mit Gelegenheitsspielern
    mitzunehmen, die Chance damit anzukommen wäre sehr gering tired.png



    Hallo Yoda


    Du hast noch eine Kategorie vergeßen.
    Nämlich die, die sich langsam wieder zurück entwickeln


    In diesem Spieletreff befinden sich Gamer, die seit 30 jahren spielen und all diese stufen durchlaufen haben und schlicht und ergreifend keinen Bock mehr haben, komplexe Sachen zu spielen.



    Der Gernspieler

  • Ich nenne sie "ausgebrannt". Viele fürchten sich vor diesem Schicksal, kann es doch jeden treffen - oder gibt es den häufig postulierten Zusammenhang zur Elternschaft doch?!?


    Jedenfalls werden sie totgeschwiegen, und nur manchmal denkt man bei der nächsten Partie des Schwergewichts, "das hätte X früher Spaß gemacht", während man schaudernd seinen Zug macht...

  • In diesem Spieletreff befinden sich Gamer, die seit 30 jahren spielen und all diese stufen durchlaufen haben und schlicht und ergreifend keinen Bock mehr haben, komplexe Sachen zu spielen.

    Ich spiele jetzt seit ca. 60 Jahren, und irgendwann mal wird auch für mich die Zeit kommen, wo ich keine komplexen Sachen mehr spielen werde.
    Aber solange ich noch in der Lage bin, Counterstapel ohne größeren Unfall über den Spielplan zu schieben, liegt das in ferner Zukunft ... ^^


    Ich glaube nicht, daß jemand wirklich objektiv sein kann - alle Meinungen sind subjektiv.
    Natürlich gilt das auch für mich.

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  • Ich nenne sie "ausgebrannt". Viele fürchten sich vor diesem Schicksal, kann es doch jeden treffen - oder gibt es den häufig postulierten Zusammenhang zur Elternschaft doch?!?

    Ich spiele seit ein paar Jahren so komplexe Spiele wie GWT oder Terraforming Mars nicht mehr gerne. Ich würde das aber nicht "ausgebrannt" nennen, sondern einfach nur eine Verschiebung der Interessen.

    André Bronswijk
    Thygra Spiele
    (u. a. für Pegasus Spiele tätig)

  • Meine Stationen als Spieler:
    1. Klassiker: Monopoly, MÄDN, Risiko, Catan
    2. Tabletop: Warhammer
    3. Pseudo-Tabletops: Rune wars, Age of Conan, Descent, Doom, Warrior Knights etc
    4. Moderne Brettspiele, vor allem Euros, auf und unter KSdJ Niveau, Mechanik > Thema
    4.1 "Erzählerische" Brettspiele: GMT, Eldritch Horror etc, Thema > Mechanik
    4.2 Partyspiele, Filler, Microgames


    Ab Punkt 4 erweitert sich der Horizont nur noch, vorher ersetzt der nachfolgende Punkt den vorherigen.


    Was immer noch fehlt und vermutlich erstmal außen vor bleibt: Abstrakte Spiele, Heavy Euros und ausufernde Wirtschaftssimulationen, die reizen mich wenig bis gar nicht.


    Dazu eine grundlegende Skepsis, was Titel aus Kleinverlagen und Kickstarter angeht. Wenn es auch nur irgendwas taugt, findet es einen Weg zu einem "richtigen" Verlag. ;)

  • Ich spiele jetzt seit ca. 60 Jahren

    Du hast hier mal geschrieben dass du seit 30 oder 40 Jahren viel importierte Spiele spielst. Was hast du die 20 - 30 Jahre zuvor gespielt? Oder anders gefragt: was gab es zu dieser Zeit in Deutschland so zum Spielen? :)

  • Du hast hier mal geschrieben dass du seit 30 oder 40 Jahren viel importierte Spiele spielst. Was hast du die 20 - 30 Jahre zuvor gespielt? Oder anders gefragt: was gab es zu dieser Zeit in Deutschland so zum Spielen?

    In dieser Zeit habe ich hauptsächlich Sport getrieben (Tennis, Fußball) und Musik gemacht.
    Gespielt habe ich davor oft, dann weniger, aber halbwegs regelmäßig:
    - Mühle und Dame zuhause,
    - Monopoly, Öl für uns alle, Risiko, Tipp Kick bis zum Erbrechen mit meinen Freunden
    - Schach in der Schule
    - sonstigen damals aktuellen Kram, aber da war nicht viel ...


    Ich glaube nicht, daß jemand wirklich objektiv sein kann - alle Meinungen sind subjektiv.
    Natürlich gilt das auch für mich.

  • In dieser Zeit habe ich hauptsächlich Sport getrieben (Tennis, Fußball) und Musik gemacht.Gespielt habe ich davor oft, dann weniger, aber halbwegs regelmäßig:
    - Mühle und Dame zuhause,
    - Monopoly, Öl für uns alle, Risiko, Tipp Kick bis zum Erbrechen mit meinen Freunden
    - Schach in der Schule
    - sonstigen damals aktuellen Kram, aber da war nicht viel ...

    Jetz kommt der Satz:


    Wir hatten damals ja nichts! :ironie:

  • Witzig, das trifft es eigentlich sehr gut - zumindest fast. Zu Warhammer gesellen sich bei mir noch Pen &Paper. Mit 10 Jahren fing das an das ich dicke Regelbücher mit weit mehr als 250 Seiten anfing zu verschlingen. Nebenbei wurden ab und an Brettspiele gespielt. Oft Partyspiele, Das Tomaten-Vampir-Spiel, Catan... durch das immer weniger Zeit haben für Pen & Paper mehrmals in der Woche wurden die Regelhefte dann schlanker (komplexere Eurogames).


    Gut, diese Pseudo-Tabletop-Phase hatte ich nicht, weil richtige Tabletops ausgebaut wurden (Necromunda. Blood Bowl, Warmachine, WH40K, Infinity, Firestorm Armada, Dropfleet, Guild Ball...) und ich da immer noch am Ball bin.


    Am Ende passt es aber wieder. Microgames, Absacker, kleine coole Perlen sind gerade hoch im Kurs.


    Dabei sammel ich zwar irgendwie auch Brettspiele, kann auch keine verkaufen (Hilfe der Platz/ brettspiel-Messi), aber trotzdem achte ich darauf das ich eine homogene Sammlung habe. Was haben meine Freunde? Was habe ich schon im Schrank? Von der Mechanik ähnliche Spiele werden nur gekauft wenn die Thematik extrem anders ist. Ich habe keine Lust im regal 10 Dungeons-Crawler zu haben.


    Grundsätzlich habe ich eine Abneigung gegen typische Dungeon Crawler. Selbst Hero Quest als "Kind" fand ich immer weniger cool als meine Freunde. Ich finde diese Spiele, auch wenn es wohl manchmal zu unrecht ist, einfach stumpf bei viel zu langer Spielzeit. Entweder Spiele ich dann lieber Tabletops oder Brettspiele mit hohem Anspruch. Beides dauert gleich lang, aber ich fühle mich gefordert und unterhalten von tollen Mechaniken. Mein schlimmstes Spielerlebnis ist daher unter anderem Descent (Erste Edition).

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  • ZU später Stunde mal etwas Threadwiederauferstehung

    Dazu eine grundlegende Skepsis, was Titel aus Kleinverlagen und Kickstarter angeht.Wenn es auch nur irgendwas taugt, findet es einen Weg zu einem "richtigen" Verlag.

    Hm... Dir ist schon klar, dass was Du heute als "richtigen" Verlag ansiehst vor ein paar Jahren noch ein Kleinverlag war... Skepsis gegenüber Kickstarter kann ich nachvollziehen, doch
    beim Kleinverlag finde ich so eine generelle Ablehnung grenzwertig...

  • Hm... Dir ist schon klar, dass was Du heute als "richtigen" Verlag ansiehst vor ein paar Jahren noch ein Kleinverlag war... Skepsis gegenüber Kickstarter kann ich nachvollziehen, dochbeim Kleinverlag finde ich so eine generelle Ablehnung grenzwertig...

    Völlig richtig. Deshalb steht da auch "Skepsis" und nicht "generelle Ablehnung".

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