Gespielte Partien analysieren - Der Kick für den Augenblick?

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    Analysierst du gerne regelmäßig deine gespielten Partien? 78

    1. Gelegentlich, hängt auch von meiner Lust und Laune ab und von meinen Mitspielern (38) 49%
    2. Eher selten, für mich ist Spielen eine nette Freizeitbeschäftigung. Da möchte ich einfach nur etwas Spaß und Erholung und nicht viel Nachdenken (17) 22%
    3. Never, ich bin Bauchspieler und finde das auch gut so. (10) 13%
    4. Immer, da es für mich zum Spielen dazugehört und ich aus meinen Fehlern lernen möchte (7) 9%
    5. Ich lasse die Geschichte revue passieren (6) 8%

    Ich analysiere sehr gerne nach einer gespielten Partie die gemachten Züge, Gründe weshalb eine Partie gewonnen bzw. verloren wurde. Mir persönlich gibt das irgendwie eine große innerliche Befriedigung. Es fühlt sich gut an, ein Spiel lesen zu können und die Kniffs des Autoren zu entdecken und darüber zu diskutieren.


    Aber wenn ich auf öffentlichen Spieletreffen bin, habe ich oft das Gefühl, ich wäre ein komischer Kauz. Grund: Viele der dort anwesenden Spieler/-innen wollen einfach ein wenig Spaß und Ablenkung haben. Wenn ich dann versuche, so eine gespielte Partie zu analysieren, schauen mich viele von denen richtig entgeistert an. Spiel ist vorbei und jetzt kommt ein neues Spiel auf den Tisch.Da muss man nichts mehr diskutieren. :(


    Mich würde sehr interessieren, wie ihr darüber denkt. Analysiert ihr eure gespielten Partien? Falls ja, warum? Falls nicht, warum nicht?


    Bin gespannt auf eure Antworten :)


    Gruß
    Marc

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  • Je nach Spiel analysiere ich gar nicht oder auch mal die (Online-) Partien anderer. Am Tisch hängt es stark von den Mitspielern ab. Alleine über Strategien zu quatschen, ergibt halt wenig Sinn. Nach einem guten Spiel, das allen Beteiligten wohlbekannt ist, noch ein Weilchen zu sinnieren, mag ich sehr. Manchmal ist das sogar besser als die Partie an sich.

  • Ich lasse nach einem Spiel gerne die eindrücklichsten Szenen Revue passieren, sprich nach einer Runde Descent schwafel ich noch mit den Mitspielern wie schwer vielleicht ein Gegner war oder wo ich Probleme hatte. Auch bei ASL erinnere ich mich gerne an Heldentaten einzelner Einheiten oder völlig schiefgegangene Pläne. Was ich niemals mache ist sowas wie "Wie hätte ich mehr Siegpunkte bekommen können" oder andere Wege auszurechnen ob sie lukrativer gewesen wären. Mir sind die Emotionen wichtig, nicht die mathematisch perfekte Weg :)

  • Schließe mich @Jimmy_Dean und @yzemaze an. Bin begeisterter "Analyst".

  • Hängt massivst davon ab, wie tiefgreifend das Spiel war (strategisch oder emotional).


    Nach einem Leichtgewicht wie #Kingdomino würde so ein "Revue passieren lassen" keine 5 Sekunden dauern, weil es mir sowohl egal ist, wer gewonnen hat, wie auch warum er gewonnen hat.
    Nach einem abendfüllenden Höllenritt wie #DerEiserneThron wird selbstverständlich noch eine Weile analysiert, wie sich Niederlagen hätten abwenden lassen können, wer warum wen betrogen hat usw.

    Mein Blog (Illustrationen, Brettspieldesign, Angespielte Spiele)

  • Einer meiner regelmäßigen Mitspieler hat neulich in der ersten Runde seiner ersten Partie #GWT schon erkannt, dass er verloren hatte, weil er das falsche neutrale Startgebäude gewählt hat - zählt das auch als Analyse? :D


    Im Ernst, wir analysieren häufig schon während der Partie.

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  • Im Ernst, wir analysieren häufig schon während der Partie.

    Das nennt sich "Jammern" :D


    (Zur Sicherheit: Es war ironisch gemeint, ist aber nicht so weit von der Wahrheit entfernt, wie mancher vielleicht denkt ;) )

  • Hallo zusammen,


    es hängt in der Tat von den Spielrunden und von gespielten Spielen ( nicht #Kingdomino!) ab. In unserer Donnerstagsrunde wird fast immer bei größeren Spielen (#KingsWill, #Brass versus #AgeofIndustry) darüber diskutiert, was die möglichen Strategien und Schwächen des Spiels sind. In allen Runden wird darüber diskutiert, wie ein neues Spiel (neu für die Spieler am Tisch) gefallen hat, wieviel Spaß es gemacht hat, ob es spannend war, ob man sich mit einer dummen Aktions ins Abseits befördern kann und ob es mehr taktisch oder mehr strategisch ausgerichtet ist. Das dient dazu zu entscheiden, ob des Spiel in dieser Runde nochmals auf den Tisch kommt.


    Gründlichere Analysen machen wir meistens zu zweit -- auch nur bei Spielen, die keine reinen Absacker sind. Dabei werden auch die Ergebnisse verschiedener Strategieansätze ( #RailroadRevolution Telegraphenhäuschen gegen 5-er Bahnstationen oder allgemeine Mischstrategie) durchgerechnet. Bei #RailroadRevolution oder #FirstClass (Schaffnerstrategie so die Schaffnerkarten denn ausliegen) sind die Unterschiede schon auffallend. Das kann dazu führen, daß wir ein Spiel wieder verkaufen . Wenn das Spielen insgesamt Spaß macht und die Tücken nicht ganz so offensichlich sind, behalten wir auch solche Spiele und wissen, daß wir genau diese Schwächen beim Spielen mit anderen nicht ausnützen dürfen.


    Ciao
    Nora

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  • Hängt bei mir auch sowohl vom Spiel als auch von den Mitspielern ab. Ein Spiel ohne strategisch/ taktische Tiefe brauche ich nicht zu analysieren. Genausowenig durchdenke ich ein Spiel, wenn meine Mitspieler aus den verschiedensten Gründen (Familienspieler trifft auf Expertenspiel, Neuling, usw.) spielschwach sind.


    Spielanalyse fängt bei uns immer erst dann an, wenn sich alle auf dem gleichen Niveau befinden. Bei uns bedeutet das, dass ich mich eigentlich nur mit meiner Frau messen kann, da wir die selben Spiele, bis auf ein paar Ausnahmen, ähnlich gut kennen und auch ein gleich gutes Spielverständnis für neue Spiele und neue Regeln aufbringen.
    Unsere Gruppe ist hingegen zu ambivalent für Analysen jeglicher Art. Hinzukommt, dass die Spiele, die auf dem Tisch landen, häufig wechseln, so dass man sich immer auf etwas Neues einlassen muss. Persönlich ist mir das auch lieber, da jedes Spiel sein eigenes Spielgefühl hat und wenn ich Lust zum Zocken habe, dann möchte ich in erster Linie ein bestimmtes Spielgefühl erleben und weniger immer wieder dasselbe Spiel trainieren.

    Wenn eine Schraube locker ist, hat das Leben etwas Spiel.

  • Ich sehe die Nachbesprechung eher als ein gemeinsames sacken lassen, ob und was hier aussergewöhnliches in der Spielpartie passiert ist. Bleibt aber meist gewollt oberflächlich und eher emotional als analytisch betrachtet. Ebenso, ob das Spiel für alle neu war und man sich über die Mechanismen austauscht, besonders wenn es verdeckte Aktionen gibt, die man nur selbst mitbekommen hat.


    Watson & Holmes ist da ein Extrembeispiel. Da man sich während der Partie nicht über den Fall unterhält, da eben im Wettstreit deduktiv ermittelt wird, ist der Erzähldruck nach der Partie umso grösser. Für vorbeikommende Beobachter schon öfters als "Schweigespiel" tituliert, weil scheinbar so wenig während der Partie passiert. Stattdessen passiert da eine ganze Menge, nur eben nicht sichtbar, sondern in den Köpfen der Spieler und das will nach der Partie raus, auch weil man nicht alle Aspekte des Falls gesehen, rückgeschlossen oder für sich anders gedeutet hat. Da sorgt die Nachbesprechung dafür, die sich während der Partie aufbauende Spannung wirklich abzubauen, um sich zurücklehnen zu können. Tolles Spielerlebnis und nach 9 von 13 gespielten Fällen immer noch meine absolute Empfehlung im Genre.

    "Trouble always begins with the naming of things", Justin Sullivan, New Model Army, From Here

  • Ich analysiere auch gerne meine Partien, aber das trifft nicht immer auf Gegenliebe.


    Insbesondere, wenn ich gewonnen habe - dann wird es gerne als Angeben oder im Ruhm suhlen betrachtet - während ich einfach gerne weiß, warum ich denn gewonnen habe...


    Analyse während der ersten Partie, feststellen, dass man selbst nicht gewinnen kann, und nach viel gejammer Analyse dann DOCH gewinnen - das habe ich am Liebsten bei meinen Mitspielern... ;)

  • Ein Mitspieler analysiert gerne seine Spiele, aber ich finde es dann eher nervig mir anzuhören, warum er dann in dieser Runde den einen und den anderen Zug gemacht hat oder warum seine trategie erfolgreich war oder nicht. Ich brauche auch keine Kommentare, die mir sagen, was ich im Spiel hätte besser machen können und warum ich dann verloren habe. Das frustriet dann nur noch mehr und am Ergebnis ändert es auch nichts.

  • Über ein gutes Spiel sollte man imho ebenso nachdenken wie über ein gutes Buch oder einen guten Film. Ein ordentliches gemeinsames "Nachkarten" mit den Mitspielern gehört für mich einfach dazu. Das betrifft dann weniger einzelne Spielzüge oder eigene Fehler - das Feedback darauf kommt ja meist in Form des Spielausganges. Aber wie das Spiel ankam, ob es balanciert ist, warum es den Verlauf nahm den es nahm und ob es meine Mitspieler das Spiel in anderen Spielrunden anders erlebt haben, das sind schon Dinge die ich nach der Partie gerne noch einmal mit meinen Mitspielern erörtere.


    Das liegt möglicherweise auch daran, dass ich prinzipiell dazu tendiere, die zum Spielen zur Verfügung stehende Zeit mit möglichst wenig Spielen zu füllen. Idealerweise also ein Spiel am Tag oder auch am Abend. Und darauf bereite ich mich gerne vor (Regeln lernen oder auffrischen) und das "Nachkarten" ist die entsprechende Nachbereitung und ersetzt gerne den Absacker.

    Gruß aus dem Münsterland
    Herbert

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    I'm old enough to know what's wise
    and young enough not to choose it

    2 Mal editiert, zuletzt von Herbert ()

  • Analysiert wird bei uns eher selten, aber es landet auch fast nur Ameritrash auf dem Tisch. Meist geht es daher um Fragen, die man während des Spiels einfach so nicht beantworten konnte. In der letzten Partie Runewars musste ich einen Nachbarn präventiv angreifen, zumindest war das meine Wahrnehmung, da er an der "gemeinsamen Grenze" Truppen zusammenzog, ich weniger hatte, aber bei einem frühzeitigen Angriff mit etwas Glück einen Teil seiner Armee aufreiben konnte um dann mehr oder weniger auf Augenhöhe zu sein.
    Als ich mich dann zum Angriff durchgerungen hatte, versicherte er mir tausendfach, dass er weiter zu einem anderen Spieler marschieren würde. Natürlich ließ ich mich nicht belabern und habe angegriffen (was gar nicht so ablief, wie geplant).


    Nach dem Spiel wollte ich dann natürlich genau wissen, ob er wirklich nur an mir vorbeilaufen wollte (was er sogar gemusst hätte, hätte er tatsächlich den anderen angreifen wollen).


    Bei BSG natürlich auch immer die Frage, ab wann man denn zum Zylonen wurde, bei Fury of Dracula wo man denn rumgewuselt ist, usw.


    Geht halt deutlich mehr um das "Drumrum", was das erlebte im Nachhinein doch noch teilweise bereichern kann.


    Achja, er wollte mich tatsächlich angreifen...^^

    Mit freundlichen kollegialen Grüßen


    Syrophir


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    "Die Menschen hungern nach der Wahrheit, doch wissen sie selten ihren Geschmack zu schätzen."

  • Je nach Lust und Laune, der Abhängigkeit von Mitspielern als auch die Abhängigkeit, welches Spiel gespielt wurde wird halt mehr oder weniger analysiert.


    Nach manchen Partien von bspw. #BattlestarGalactica haben wir uns gefühlt fast solange unterhalten wie das Spiel dauerte (was faktisch aber natürlich nicht der Fall war!).


    Wobei hier die Rechnung einfach ist: Je höher die emotionalen Empfindungen beim Spiel selbst sind, umso höher ist die Bereitschaft der Mitspieler, darüber im Nachgang noch zu diskutieren.

  • Von Hause aus Schachspieler (seit 6. Lebensjahr) wurde ich früh mit dem Analysieren von Mannschaftskampf-Partien auch Tage nach der Partie konfrontiert. Die Spiele müssen sogar "notiert" werden. Da lernt man viel, aber als "Jetztmensch" hatte mich das nie sonderlich interessiert gehabt. Lieber die nächste Partie starten war die Devise. Was mich aber stets reizt, ist die direkte Analyse danach mit dem Mitspieler. Da lernt man auch, wie andere Denken und wo/wie ihre Denkfehler aussehen. Die Selbstanalyse bzw. Selbstkritik findet meist schon während der Partie statt. Beliebt ist es, an entscheidender Stelle den besseren Alternativzug zu notieren.
    Beim Brettspielen nehme ich davon eher Abstand, da die Anderen damit oft nichts anfangen können und sich ggf. sogar noch herabgesetzt fühlen, wenn man sie auf vermutliche Spielfehler hinweist. Ausnahme hierbei sind Brettspiel-Testpartien, insbesondere mit Schachspielern. Die sind das gewohnt. Auch zur Vorbereitung auf eine Brettspielmeisterschaft kann das entscheidend sein - wiewohl ich da oft mit aufgelaufen bin. Bei Caylus hatte es sich allerdings gelohnt gehabt (4x Erster). Mir ist da allerdings inzwischen der Ehrgeiz etwas verloren gegangen und die angebotenen Spiele reizen auch allzuoft nicht genug.

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  • Eine wirkliche Analyse ist bei uns eher selten, d.h. wir zerpflücken die Partie im Nachhinein nicht en Detail nach Wahrscheinlichkeiten, Verteilungen, etc, sondern lassen sie eher noch mal gemütlich sacken, wobei wir uns in Spekulationen ergehen ("was wäre geschehen wenn"), Mitleid heucheln ("du hast aber auch ein Pech gehabt") und finstere Pläne schmieden ("beim nächsten Mal probier ich mal was anderes aus, wartet's nur ab ... "). Dabei ist es übrigens immer ganz lustig, wie unterschiedlich einzelne Partieen wahrgenommen werden ... ;) . Allerdings muss ich einräumen, dass es bei einigen komplexeren Spielen, die ich z.B. beim Hexacon spiele, schon zu etwas ernsthafteren Nachbetrachtungen kommt.


    PS: Die meisten dieser "Analysen" ergeben übrigens, dass, wenn ich das Spiel gewonnen habe, die Mitspieler sich schlicht meiner überlegenen Strategie beugen mussten, die ich mit Hilfe unglaublich raffinierter, taktischer Winkelzüge umgesetzt habe. Habe ich dagegen das Spiel verloren, kann es sich nur um ein primitives Glücksspiel gehandelt haben ... :D;) .

    Gruß aus Frankfurt, Helmut