Gesucht: Spiele mit hoher Interaktion, aber nicht rein destruktiv

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  • Hallo zusammen. Ich möchte mal die große Fachkenntnis dieses Forums anzapfen...


    An Spielen, bei denen man weitgehend parallel nebeneinander her optimiert, habe ich mich irgendwie satt gespielt. Ich mag keine Spiele mehr spielen, bei denen man nur Optimierungsprobleme durchrechnet und hier und da versucht, ein paar Siegpünktchen mehr heraus zu quetschen als die anderen. Zumal es irgendwie immer schwieriger wird, bei solchen Spielen Mitspieler zu finden, die solche Sachen auch aus dem Bauch heraus spielen können bzw. wollen. Stattdessen wird dann aus einem Spiel mit der Packungsangabe "90 Minuten Spielzeit" allzu leicht ein 3+-Stunden-Klopper, weil alles zu Tode analysiert und durchgerechnet wird. Da geht dann jede spielerische Leichtigkeit flöten. Furchtbar.


    Mir gefallen dagegen Spiele, bei denen eine sehr starke Spielerinteraktion dafür sorgt, dass eben nicht alles komplett durchrechenbar ist. Spiele, bei denen man nicht mehr als eine unscharfe, intuitive Idee davon hat, was die anderen kurz-, mittel- oder langfristig so vor haben, aber das bestimmt dann ganz wesentlich, was man selbst tun sollte. Kurz: Ich mag Spiele mit Spielerinteraktion.


    Ich mag insbesondere Spiele mit viel Konkurrenz parallel an vielen Fronten, denn dann ist's mit komplettem Durchrechnen ganz schnell vorbei. Man kann nicht überall mitmischen und dann braucht es Intuition. Konkurrenz beim Ausbreiten auf einer Karte, Konkurrenz um zu wenig Ressourcen, Konkurrenz um zu viel wenig gute Aktionen für alle Spieler, Konkurrenz in verschachtelten Mehrheitenwertungen, Konkurrenz um die beste Position in der Spielerreihenfolge, Konkurrenz um jede Runde immer stärker werdende Aktionen, wo man sich irgendwann sagt: "jetzt muss ich's nehmen, sonst kriegt's ein anderer". All sowas. Ich mag Spiele, in denen man versuchen muss, einen taktischen und/oder strategischen Weg zu gehen, wo man ungestört voran kommen kann, während die anderen Mitspieler auf ähnlichen Wegen sich gegenseitig behindern. In diese Kategorie stecke ich z.B. #Navegador und #Concordia.


    Ich habe dabei auch überhaupt keine Probleme damit, wenn es dabei fies und gemein werden kann. Es bringt Spannung und Emotionalität, wenn man einen Mitspieler auf dem falschen Fuß erwischen kann, man aber umgekehrt auch immer selbst in der Gefahr lebt, durch die Mitspieler die eigenen Planungen zerschossen zu bekommen. Zuletzt habe ich ein paar Mal #Vanuatu (2nd edition) gespielt, dessen erste Ausgabe damals irgendwie komplett an mir vorbei gegangen war. Herrlich. Ist sofort bei mir auf 9/10 Punkten eingestiegen. Das ist so ein Fall. Vanuatu kann brutal sein. Wenn's ganz dumm läuft, bekommt man in einer komletten Runde keine einzige sinnvolle Aktion hin. Das ist schon auf einem Niveau, wo es sicher nicht mehr für jeden passt, aber mit entsprechender Frusttoleranz ist das ein absolut tolles Spiel.


    Eines meiner Lieblingsspiele ist #BoraBora; auch das kann hundsgemein werden. Wer als Startspieler böse grinsend einen 1er-Würfel auf das Aktionsfeld setzt, wo jeder noch hin will, kann Flüche hören... ;) Ich mag auch Spiele, in denen man sich gegen solcherlei Fiesheiten absichern kann, es aber trotzdem manchmal sein lässt, weil Absicherungen auch mit irgendwelchen Kosten verbunden sind, so dass man auch kontrolliert Risiken eingehen muss, wohlwissend, dass nicht alles klappen wird. #Luna ist dafür auch ein schönes Beispiel. Da muss man sogar damit leben, dass die Mitspieler gegen den eigenen Willen die Runde einfach beenden können, während man noch ungenutzte Worker hat -- auch eine sehr schöne Art der Interaktion, eben weil man mit sowas auch einfach nur drohen kann. ;)


    Oder #Scoville, wo man per verdeckter All-pay-Auktion auf das Erstwahlrecht in der enorm wichtigen Zugreihenfolge bieten muss, enorm wichtig deshalb, weil manchmal jemand in der falschen Position böse ausmanövriert werden kann. Um das Geld für die wirklich wichtigen Momente im Spiel zu haben, muss man normalerweise sehr knapp bieten, also gezielt Risiken eingehen. Super. #Troyes hat auch viel schöne Interaktion, u.a. weil man dem Mitspieler seine Würfel einfach wegkaufen kann, wenn man genug Geld dafür hat. Bei #ArgentTheConsortium habe ich neulich die 2nd Edition bei Kickstarter gebacken. Das dürfte auch ziemlich sicher nach meinem Geschmack sein.


    Was ich allerdings überhaupt nicht mag, ist allzu starke direkte negative Interaktion. Wenn jemand etwas mühsam aufgebaut hat, möchte ich das nicht zerstören oder für mich erobern. Viel Interaktion: ja, gerne ... aber bitte möglichst unter der Schwelle von "ich mache dem Mitspieler etwas mühsam Aufgebautes kaputt". Ich möchte starke Interaktion, inklusive beliebig fieses "Knüppel zwischen die Beine schmeißen", aber sobald der Gegner irgendetwas fertig gebaut hat, dann steht's, herzlichen Glückwunsch dazu.



    Was sind eure liebsten Spiele mit hoher, auch fieser, Interaktion, die dabei aber (weitgehend) ohne rein destruktive Elemente auskommen?

    Einmal editiert, zuletzt von yzemaze () aus folgendem Grund: #Navigador => #Navegador

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  • Was sind eure liebsten Spiele mit hoher, auch fieser, Interaktion, die dabei aber (weitgehend) ohne rein destruktive Elemente auskommen?

    Concordia und Scoville spielen wir auch sehr gerne.
    Weitere Highlights (BGG 9-10), die ungefähr passen könnten, wären bei uns Marco Polo, Terra Mystica, Gaia Project, Mombasa oder Imperial 2030.
    Beim Mombasa und v.a. Imperial kann man zwar erobern, man zerstört aber nur ein Land, an dem gerade jemand die meisten Anteile hält, keineswegs einen Gegenspieler.
    Bei Marco Polo ist das Wegschnappen und Timing sehr ausgeprägt. Terra Mystica hat tendenziell einen positiven Aufbaucharakter, kann aber auch manchmal sehr hart sein.


    Spiele die bei uns nur ordentlich funktioniert haben (BGG 6-7), aber du vielleicht mögen könntest:
    Lancaster: Definitiv interaktiv, verdrängen,. abstimmen, wegschnappen,... Warum es nicht so sehr gezündet hat, kann ich nicht sagen.
    Hansa Teutonica: Sehr interaktiv und toller Mechanismus, uns aber zu wenig "bauchspielbar".
    Straßbourg: Versteigerungen sind definitiv interaktiv, das Thema ist arg trocken.


  • Zumal es irgendwie immer schwieriger wird, bei solchen Spielen Mitspieler zu finden, die solche Sachen auch aus dem Bauch heraus spielen können bzw. wollen. Stattdessen wird dann aus einem Spiel mit der Packungsangabe "90 Minuten Spielzeit" allzu leicht ein 3+-Stunden-Klopper, weil alles zu Tode analysiert und durchgerechnet wird. Da geht dann jede spielerische Leichtigkeit flöten. Furchtbar.

    Für den Abschnitt würde ich dich schon jederzeit in meiner Spielegruppe adoptieren. Dummerweise kämpfe ich da aber mit den gleichen Windmühlen ;)

  • Was mir spontan dazu einfällt ist: Food Chain Magnate


    Das Spiel hat eine hohe Interaktion. Alles was meine Mitspieler machen, betrifft nahezu immer mich. Es gibt keinen Glücksfaktor, trotzdem lässt sich einen Spielzug nicht komplett durchrechnen, da jede Strategie von meinen Mitspieler torpediert werden kann. Noch fieser wird es, wenn man mit Meilensteinen spielt, da die, sobald die Bedingung erfüllt ist, nur an die Spieler gehen, die sie in der gleichen Runde errungen haben. Danach ist der jeweilige Meilenstein gesperrt.
    Das Spiel ist absolut hundsgemein. Man kann sowas von bankrott gehen, während jemand anderes einen riesen Reibach macht. Es gibt keine absolute Gewinnerstrategie, da jede für sich gekontert werden kann. Ohne Strategie wird man bei dem Spiel jedoch auch nicht glücklich. Man braucht einen Plan, um Erfolg zu haben. Ebenfalls schön ist, dass die Regeln recht einfach sind, das Spielgeschehen hingegen aber sehr anspruchsvoll ist.
    Keine Ahnung, was ich noch sagen soll. Hol dir Food Chain Magnate!

    Wenn eine Schraube locker ist, hat das Leben etwas Spiel.

  • Hallo Matthias,


    was mir an "originellen" Titeln spontan einfällt, sind eher "kurze" Spiele, die meiner Meinung nach etwas wenig Beachtung erhielten.


    YUNNAN von Aaron Haag
    da zerstört nur der Provinzkommisar, aber der ist bestechlich :huh:


    ein anderes Spiel ist


    RAPA NUI von Klaus-Jürgen Wrede
    (kommt gerade noch mal unter dem Titel BALI neu heraus)
    hier leidet man darunter, den Mitspielern Vorlagen zu bereiten,
    und muss seine gesammelten Schätze teilweise opfern, um endgültig mitzuspielen. :/


    Liebe Grüße
    Nils

  • Ein paar Klassiker, die in dein Schema passen könnten: Caylus, Funkenschlag, Antike. Sind dir sicher bekannt !

    Bisher ist mir fast alles bekannt. Aber solche Nennungen wie deine können ja auch ein Anreiz sein, einen der Klassiker nach einer (allzu) langen Zeit des Staubeinfangens mal wieder aus dem Spieleregal zu holen. ;) Insofern: Weiter so, ich freue mich über die bisherigen Reaktionen und Vorschläge! Danke an alle, die bisher sich beteiligt haben.

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  • Das ist genau die Art von Spielen, die ich auch bevorzuge.


    Meine Empfehlungen:
    Keyflower
    Carson City
    Kohle, Kies und Knete
    Hansa Teutonica (wurde bereits genannt)
    Raja
    Die Brücken von Shangri-La
    Kemet


    Alles etwas älter, aber noch zu finden und gut.

    --
    "Out. For. A. Walk. ... Bitch." (Spike/Buffy-TVS)
    --

    Einmal editiert, zuletzt von rojack ()

  • Generell haben viele Wirtschaftsspiele diese Eigenschaften, in dem Genre könntest du dich genauer umschauen. Was ich noch ergänzend gerne mag ist:


    - Brass
    - Railways of the world (wenn die gewählte Karte klein genug ist)
    - die Händler
    - Archipelago (sehr speziell)
    - Nations (da kann zwar öfters was kaputt gehen, dann war es aber das Spiel und nicht der Mitspieler)

  • Hi,


    Stichwort Klassiker: Age of Steam wäre mein erster Vorschlag. Viel Interaktion und Strategie, gepaart mit spannenden Auktionen und auch fiesen Manövern. Wem das Thema Eisenbahn abschreckt findet bei den hunderten Erweiterungsplänen auch Alternativ-Themen wie Synapsen, menschlicher Körper, Zeitreisen oder Seelentransport in der Hölle :)


    Zweiter Vorschlag: Dominant Species. Durch den Workerplacement-Mechanismus auch für die reine Euro-Optimier-Fraktion schnell zugänglich und es geht wirklich rund wenn man das will - oder auch nicht will... ;)
    Nachteil: kann recht lange dauern


    Dritter Vorschlag: An Infamous Traffic. Hartes Wirtschaftsspiel in kompakter Spielzeit. Leider etwas teuer in der Anschaffung und kann auch wirklich, wirklich brutal und fies sein.


    Und sonst noch Wildcatters, Neue Heimat, 18xx, Triumph and Tragedy, The Great Zimbabwe (weil Food Chain Magnate schon erwähnt wurde)


    LG


    P.S. Kennst du den Heavy Cardboard Podcast? Da werden viele Spiele durchgenommen die in dein jetziges Beuteschema passen - mal so als Anhörtip.


    @dawue


    Wo hast du denn Mini Rails her? Auch haben will... :)

  • Neben den schon genannten #Troyes, #AgeOfSteam und #Brass fehlt noch #Kanban - und schon hat man vier meiner Top6. Wobei #Kanban die schwächste Empfehlung wäre, da die Interaktion doch eher indirekt ist - wenn auch teils brutal. Von Splotter muss noch #Indonesia erwähnt werden, nur ist das leider definitiv nichts für die von dir oft genug beklagten Runden ;) Von #MiniRails habe ich bisher auch nur Gutes gehört. "Meaty Filler" wäre vermutlich die passendste Schublade und daher sollte es dann selbst mit Grüblern nicht ewig dauern. Das gute, alte #KardinalUndKönig fällt auch in diese Kategorie, hat dir aber sicher zu wenig Fleisch auf den Knochen.
    Ansonsten fallen mir ad hoc noch #Panamax und #ReefEncounter ein, die durchaus ein paar Gemeinheiten erlauben. #TammanyHall dürfte zu übel sein. #ChicagoExpress und #AmericanRails sollten passen und sind auch zeitlich überschaubar.
    Falls es auch Richtung Verhandlung/Versteigerung gehen darf, landet man schnell bei #Chinatown, #OltreMare, #HändlerVonGenua, #Santiago, #Ra und #ModernArt. Aber damit wäre man wohl zu weit weg von der Ausgangsfrage.

    Einmal editiert, zuletzt von yzemaze ()

  • Viele gute Vorschläge sind schon gemacht worden, von mir noch:
    Vinci, Mare Nostrum, New Dawn, Race to the Rhine, Quantum, Quartermaster General, Age of Reason und von den Fryx-Jungs (Terraforming Mars) Fleets-the Pleiad Conflict. Eventuell könnte auch Nations oder Xia passen,

    Bitte senden Sie mir Ihre E-Mail doppelt, ich brauche eine für´s Archiv :/

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  • Eigentlich müsste ich auf alles eingehen, aber sorry, das schaffe ich nicht... Danke für die vielen Vorschläge. Da sind inzwischen auch einige unbekannte Sachen dabei, neues (z.B. MiniRails) wie altes (z.B. Rapa Nui oder Namibia), was auf meine "muss ich mir mal näher anschauen"-Liste kommt. Allein dafür hat es sich für mich schon gelohnt, den Thread zu starten. Danke.


    Viele von den genannten Spielen habe ich. Die kommen vielleicht durch die Empfehlung hier jetzt mal eher wieder auf den Tisch (z.B. Railways of the World oder Raja, seit Ewigkeiten nicht mehr gespielt). Bei den Sachen, die ich nicht selbst besitze, weiß ich in vielen Fällen, warum ich sie nicht habe. Dauert mir zu lang (18xx!), unklare und widersprüchliche Regeln als KO-Grund (Panamax), geht nicht zu zweit, thematisch zu staubtrocken (manches Wirtschaftsspiel), rein optisch unterhalb der Toleranzgrenze (Age of Steam) oder keinerlei Zufallselemente -- das gibt alles bei mir Minuspunkte. Heißt nicht, dass die Sachen schlecht sind, aber "keine Zufallselemente" regt z.B. in meinen Spielegruppen dann halt doch wieder zum Durchrechnen und Totgrübeln an. Davor sind dezente Zufallselemente (Karten / Würfel) zum Glück ein recht verlässlicher Schutz. :) Und Sachen mit Papierplänen kriege ich gar nicht erst auf den Tisch; damit war dann z.B. Infamous Traffic trotz anfänglichem Interesse nach den Berichten hier im Forum wieder schnell von der Liste gestrichen. Was nützt mir das beste Spiel, wenn ich es auf absehbare Zeit nicht auf den Tisch kriege? Dann brauche ich es nicht kaufen. Auch wenn ich davon schon auch schon mal abgewichen bin. ;)



    Konkrete Fragen werden natürlich beantwortet:

    Kennst du den Heavy Cardboard Podcast? Da werden viele Spiele durchgenommen die in dein jetziges Beuteschema passen - mal so als Anhörtip.

    Kennen ja, aber ich bin nicht so der Podcast-Hörer. Das ist mir oft zuviel Gelaber (jetzt nicht auf Heavy Cardboard bezogen, sondern ganz allgemein). Ich lese lieber, denn wer schreibt, hat seine Gedanken schon geordnet. Die entsprechende Gilde bei BGG habe ich aber abonniert und im entsprechenden Unterforum waren auch schon sehr interessante Diskussionen drin.

  • . Da sind inzwischen auch einige unbekannte Sachen dabei, neues (z.B. MiniRails) wie altes (z.B. Rapa Nui oder Namibia), was auf meine "muss ich mir mal näher anschauen"-Liste kommt.

    von Rapa Nui gibt es in Essen meines Wissens eine Neuauflage (Bali). Weiß jetzt allerdings gerade nicht, ob nur neuer Name oder ob sich auch am Spiel was geändert hat.

  • Eventuell passt es nicht ganz rein, dafür ist es mal was ganz anderes. Absolut asymmetrisch und dennoch ausbalanciert. Interaktion ist im Prinzip sehr hoch, auch wenn nicht "jeder mit jedem"


    Die Rede ist von #VastTheCrystalCaverns


    Die Ritterin muss den Drachen töten
    Die Goblins müssen die Ritterin besiegen
    Der Drache muss aufwachen und die Höhle verlassen
    Der Dieb muss Schätze stehlen und seinen Fluch brechen
    Die Höhle muss sich erst ausbreiten, dann kollabieren


    Nicht nur ein sehr gutes Spiel, sondern auch ein Paradebeispiel eines asymmetrischen Spiels


    Großer Nachteil: Sobald ein neuer Spieler am Tisch sitzt muss man ausnahmslos alles erklären. Nicht nur die eigene Fraktion. Trotzdem einen Blick wert falls Du es noch nicht gemacht hast. Kann aber auch sein, dass dich so was gar nicht interessiert. Für mich ein absoluter Geheimtipp aus dem letzten Jahr

  • @toomuchcoffeeman:


    Vast liegt zuhause rum und auch die Erweiterung mit den Minis kommt noch dieses Jahr zu mir, die hatte ich bei Kickstarter unterstützt. Ist aber noch ungespielt. Die Regeln habe ich mir auch schon so weit draufgeschafft, dass ich es erklären könnte, aber, au weia, das zu erklären, das wird die Hölle. Ich will mich nicht beschweren; genau wegen der besonderen Asymmetrie habe ich es ja gekauft, aber da spielt wirklich jeder Spieler nach komplett eigenen Regeln. Wenn man Regelsatz A erklärt, dann müssen Spieler B, C und D auch wenigstens mit einem Ohr hinhören, sonst verstehen sie nachher vom Gesamtbild nur Bahnhof, aber fürs eigene Spiel brauchen sie dafür null-komma-nichts. Insgesamt dauert die Regelerklärung dann vorraussichtlich mindestens dreimal so lange wie bei einem normalen Spiel. Das auf den Tisch zu bringen ist eigentlich nur sinnvoll, wenn man in der gleichen Gruppe das Spiel mehrfach auf den Tisch bekommt.


    Wie hast du es denn geschafft, so ein extremes Spieldesign auf den Tisch zu kriegen und dann zu erklären? Oder gehörst du zu denen, die es mehr oder weniger unvorbereitet vorgesetzt bekommen haben? Auch dann würde mich interessieren, wie das konkret geklappt hat und wie es bei den Mitspielern angekommen ist. Vor dem Projekt "Vast auf den Tisch kriegen" habe ich gehörigen Respekt...


  • Wie hast du es denn geschafft, so ein extremes Spieldesign auf den Tisch zu kriegen und dann zu erklären?

    Also ich hatte das große Glück, dass wir ausnahmslos alle total Bock darauf hatten das Spiel zu testen. Und wir waren auch alle begeistert davon.


    Es ist schon ein echter Regelbrocken aber unterm Strich sind es "nur" viele Regeln, aber nicht etwa komplizierte. Wenn man hinterher mal die Fraktionen tauscht (da hatten wir auch alle Bock drauf) dann kommt auch genug Varianz rein. Unterm Strich muss ich eine Fraktion spielen nur zum kennen lernen und dann noch ein, zwei Mal, um Strategien zu entwickeln und umzusetzen. Also das Spiel kann locker 10-15 Mal auf den Tisch (mit derselben Gruppe) ohne dass es langweilig wird und dann hat man es grad erst mal aus allen Perspektiven kennen gelernt.


    Aber Du hast recht. Eine fixe Gruppe erspart einem das nicht zu unterschätzende Erklären der Regeln.


    Pluspunkt sind auf jeden Fall die Playerboards, die nahezu alle Regeln enthalten, die man wissen muss. Der Rest ist recht flott nachgeschlagen.
    Minuspunkt könnten Spieldauer und Downtime sein. Zumindest zu fünft. Zum Kennenlernen würden sich auch kleinere Gruppen eignen.

  • da unsere runde fast nur solche spiele bevorzugt, mal die beliebtesten spiele bei uns als liste. sind natürlich einige Klassiker dabei


    Euphrat & Tigris (seit über 10 jahren top 3 games bei uns)
    Im wandel der Zeiten(neue edition)
    Dogs of war (ein richtiges Juwel, müsste genau zu deiner Beschreibung passen aber nur zu 4 oder 5)
    Vinci (bei uns beliebter wie small worlds)
    La Cosa Nostra
    sechs Städtebund (alt aber noch immer gut)
    spartakus
    Brass
    Terra Mystica (evtl nicht ganz passend)
    Eclipse
    Mombasa
    Runewars
    scythe
    star craft

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  • #DogsofWar ist wirklich sehr gut, aber die Fähigkeiten der Fraktionen für unsere Begriffe zu unbalanciert. Daher spielen wir ohne Fähigkeiten.


    Aber wirklich ein kleines oft übersehendes Schmuckstück. Am besten aber zu fünft, damit man sich schön in die Quere kommt.

    hmm kommt evtl auf die spielgruppe an aber bei uns gewinnt eigentlich jede Fraktion recht ausgeglichen.

  • Also mir gefallen in der Hinsicht noch zwei bisher nicht genannte Spiele:


    #Murano


    Die Interaktion besteht zum einen darin, zu schauen, welche Aktionsfelder man besser seinen Mitspielern nicht frei lassen sollte bzw. abzuschätzen, welches Feld in der nächsten Runde auch noch frei sein könnte und deswegen diese Aktion zu verschieben (bei weniger Mitspielern ist dieser Faktor ausgeprägter). Außerdem entsteht Interaktion dadurch, dass man versucht abzuschätzen, welcher Mitspieler auf welcher Insel, welche Spielendekarte anpeilen könnte und das kann man natürlich etwas versalzen oder aber auch selbst davon profitieren.


    #DiePalaesteVonCarrara


    Wettrennen insgesamt, Wettrennen um Stadtwertungen, Wettrennen um bestimmte Gebäude. Aber, wenn ich mich richtig erinnere, findest du das Spiel auch gut, vielleicht der Anlass, es mal wieder herauszukramen ;-)

  • [Murano]

    Außerdem entsteht Interaktion dadurch, dass man versucht abzuschätzen, welcher Mitspieler auf welcher Insel, welche Spielendekarte anpeilen könnte und das kann man natürlich etwas versalzen oder aber auch selbst davon profitieren.

    Ist das nach deinem Empfinden wirklich gezieltes Stören? Ich habe Murano immer so erlebt, dass man nicht selbst benötigte Plättchen möglichst wild und chaotisch auf anderen Inseln abschmeißt, in der Hoffnung, eher zufällig jemandem seine Pläne zu zerschießen. Das hat sowas von "wild mit der Schrotflinte rumballern" und da finde ich Interaktion durch gezieltere Aktionen in der Regel deutlich interessanter...
    Aber möglicherweise kommt das "gezielte Stören" erst rein, wenn man das Spiel oft genug gespielt hat, um die Endwertungskarten alle zu kennen.



    [Paläste von Carrara]
    Ja, da liegst du richtig, das halte ich auch für deutlich unterschätzt -- außer von der SdJ-Jury, die es zum Kennerspiel des Jahres nominiert hat. Vermutlich liegt so manche verhaltene Bewertung auch ganz wesentlich daran, dass die Spieler bei diesem Thema ein 0/8/15-Renaissance-Gebäudebau-Spiel erwarten und nicht das Wettrennen, das es eigentlich dem Wesen nach ist. Könnte man auch mal wieder rausholen. :)

  • Für den Abschnitt würde ich dich schon jederzeit in meiner Spielegruppe adoptieren. Dummerweise kämpfe ich da aber mit den gleichen Windmühlen ;)

    Das macht jedes Spiel kaputt. Habe auch schon gesagt, dass ich lieber ein Spiel dreimal schnell durchspiele statt einmal als endlos Grübelorgie. Wenn solche Mitspieler dabei sind, will ich nur noch, dass das Spiel endet, egal, wer gewinnt. Aber selbst wenn derjenige dann am Gewinnen sein sollte, muss ja meistens noch der letzte Zug auch durchoptimiert sein. Verdirbt einem schnell das ganze Spiel... Also, wo sind die easy-Bauch-Spieler? *gg*

    ... and all that Jazz !!!

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  • Das macht jedes Spiel kaputt. Habe auch schon gesagt, dass ich lieber ein Spiel dreimal schnell durchspiele statt einmal als endlos Grübelorgie. Wenn solche Mitspieler dabei sind, will ich nur noch, dass das Spiel endet, egal, wer gewinnt. Aber selbst wenn derjenige dann am Gewinnen sein sollte, muss ja meistens noch der letzte Zug auch durchoptimiert sein. Verdirbt einem schnell das ganze Spiel... Also, wo sind die easy-Bauch-Spieler? *gg*

    Ein Glück für euch, dass ihr mich nicht als Mitspieler habt!
    Darf man sich denn nicht mal mehr bei Spielen vom Zeitdruck lossagen? Als (gefühlt) alle Welt nur noch Blitzschach spielte, habe ich aufgehört Schach zu spielen, ich fand das unwürdig gegenüber dem Spiel (der bessere Auswendiglerner gewinnt).
    Heute möchte ich beim spielen nicht mehr gehetzt werden, meine schwerfällige Denke braucht eben seine Zeit. Im übrigen haben wir mal mit dem Zeitwürfel bei einigen Spielen nachgemessen, (ich glaube es war Mombassa, Great Western Trail, Great Zimbabwe, Antiquity und ein paar andere), alle mindestens zu viert, ich war tatsächlich der mit dem größten Zeitkonto, so zwischen 5 und 25 Minuten. Dieses Mehr an Zeit müsste doch in einer "entspannten Runde" drin sein. Eine Ausnahme gabs, Tiefseeabenteuer, da war ich der Schnellste, weil der Feigste. Schwierige und wahrscheinlich fehlerhafte Zeitmessung.
    Grüße

  • Darf man sich denn nicht mal mehr bei Spielen vom Zeitdruck lossagen?

    Beim Wunsch, möglichst mit "Bauchspielern" zu spielen, geht es mir nicht so sehr um die Gesamtspieldauer. Es geht mir darum, dass ich es prinzipiell störend finde, wenn Leute alles bis ins letzte Detail durchrechnen wollen (für mich der Grund, mit Schach komplett aufgehört zu haben). Damit geht für mich das "Spielerische" am Spiel komplett verloren. Ein angenehmes Spiel bedeutet für mich, einfach mal etwas auszuprobieren und in Ruhe abzuwarten, wie das dann ausgeht. Da brauche ich keine Leute, die das Spiel zu ernst nehmen und keinerlei Lockerheit zeigen...


    Ciao
    stefan

  • Ich hab jetzt nicht alles gelesen, wollte aber mal eben ein Spiel in den Pott werfen, dass in meiner Sammlung das wohl interaktivste ist:
    #Cité


    Das Spiel ist ein Echtzeit-Verhandlungs-Spiel*, bei dem jeder Spieler das Monopol über eine Ressource besitzt, und nur über Verhandlungen an andere, notwendige Ressourcen kommt, die er braucht, um Gebäude zu bauen.
    Ich finde, es ist ein absolut großartiges Spiel. Leider kommt es bei uns nicht auf den Tisch, da ich der Einzige bin, der dem Spiel etwas abgewinnen kann (der Echtzeit-Faktor macht es stressig, und man ist nach einer Partie ziemlich geschafft)...


    Das fällt zwar wahrscheinlich nicht in das Beuteschema, was hier aufgerufen wurde, aber vielleicht ist es gerade deshalb ja mal was anderes.
    :)


    *pro Spielrunde gibt es eine Aktions-Phase, die in Echtzeit abläuft

    Wer Smilies nutzt, um Ironie zu verdeutlichen, nimmt Anderen den Spaß, sich zu irren.

  • Wie wäre es mit Area-Control-Spielen (oder welche, die in diese Richtung gehen)?


    Spontan fallen mir dazu ein:


    - Kemet (schon erwähnt)
    - Inis
    - Cyclades
    - Blood Rage
    - Cry Havoc
    - Rising Sun


    Ich nehe mal an, dass du keine Co-Op Spiele hier meinst... kann dir aber Robinson Crusoe nur empfehlen, da dort die Entscheidungen auch aus dem Bauch heraus geschehen und somit sehr thematisch sind.