[2017] London - Second edition - Martin Wallace bei Osprey Games

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  • Christwart Conrad aus der Spielbox teilt diese Meinung nicht. Er spricht allenfalls von Nuancenunterschieden, wobei keines der beiden Werke besser oder schlechter sei. Christwart Conrad seine Meinung teile ich jedoch nicht immer. Dennoch halte ich ihn für einen sehr analytisch orientierten Menschen, dessen Analysen ich sehr schätze.

    Sorry, wenn ich das so sagen muss - aber die Unterschiede sind alles, aber keine Nuancen. Dafür muss ich nicht mal irgendwas analysieren. Unabhängig davon, was ich am Ende davon halte ist diese Aussage einfach objektiv nicht richtig.

    Wer meine Eindrücke und Audrücke von, zu und über Spiele hören möchte - meinen Podcast gibt es unter ichbinsderben.podbean.com

    u.a. das regelmäßige #Regalgezwitscher, das unregelmäßige #AusderReihe und demnächst mit #Klartext auch das ab und zu sehr kritische ...

  • Was mir bisher nicht aufgefallen war: Die Schriftgröße wurde drastisch reduziert. Es müsste jetzt 7 pt (vorher 12) sein. Für Leute mit nicht mehr ganz so taufrischen Augen dürfte das eher kein Vergnügen sein:


     


    Spielt man’s ein paar mal, dürfte das zwar nur eine untergeordnete Rolle spielen, aber die cleverste Desing-Entscheidung ist es wahrlich nicht, form follows function zu ignorieren … Immerhin sind die Karten dafür jetzt colourblind-friendly und einige Texte klarer formuliert worden, so dass Neueinsteigern die ein oder andere Regelfrage erspart bleiben sollte. Toll sieht’s allemal aus :)

  • Soweit ich gesehen habe liegt bei "London" eine deutsche Spieleanleitung bei, bei der auch die Karten übersetzt werden.

    Kann man diese Kartenübersetzung auch für die "Neuauflage" benützen oder wurden dort die Karten nochmals geändert oder sind neue dazu gekommen ?


    Ich habe bis jetzt dazu noch keine Uebersetzung auf BBG gesehen.


    Danke für die Hilfe

  • Kann man diese Kartenübersetzung auch für die "Neuauflage" benützen oder wurden dort die Karten nochmals geändert oder sind neue dazu gekommen ?

    Großteils ja. Einige Texte wurden angepasst (eindeutiger formuliert), eher wenige im Sinn komplett geändert, einige Eigenschaften wurden von Karten auf boroughs verschoben. Die meisten Übersetzungsfragen sollten sich mit der alten Anleitung beantworten lassen, man muss „nur“ den Text der 2nd edition Karte in der alten EN-Anleitung suchen und sich dann die Übersetzung anschauen. (pdf wäre also hilfreich)

    => ohne Englischkenntnisse kein großer Spaß

  • Eindrücke der 2nd edition (2E) insbesondere im Vergleich zur alten Auflage (1E):

    Material

    colourblind-friendly? Bei den Siegpunktpöppeln wurde im Gegensatz zu den Karten offenbar nicht darauf geachtet …


    Die Kartentexte wurden deutlicher, teilweise auch eindeutig formuliert. Erläuterungen wurden aus der Regel auf die Karten übernommen. U. a. aufgrund der angewachsenen Texte ergab sich auch die Entscheidung für eine reduzierte Schriftgröße (Vergleich s. o.). Ich habe glücklicherweise (noch?) keine Sehprobleme und komme auch mit kleiner Schrift klar, allerdings wäre es mit 10 oder 12 pt wie gehabt deutlich einfacher … So ist es leider definitiv keine ideale grafische Umsetzung. Ja, die großteils von 1E übernommenen Bilder auf den Karten sind in etwas größer noch hübscher anzuschauen und bringen durchaus Atmosphäre, aber ich möchte zuallererst, dass das Spiel möglichst reibungslos läuft. Form follows function!

    Die sonstige Umsetzung ist gut gelungen. Die Piktogramme sind klar erkennbar und eindeutig. Die Anleitung ist übersichtlich und mit anschaulichen Beispielen illustriert. Aber auch hier wurde wieder zu kleineren Schriftgrößen gegriffen, als nötig gewesen wäre …

    Der Siegpunktpfad auf dem Development Board geht nur bis 49. Es wird also im Regelfall ein Marker für 50+ VP nötig sein. Wir haben eine Münze unter die Pöppel gelegt.

    Die Qualität der Karten lässt zu wünschen übrig und das obwohl Osprey ja schon nachgebessert hatte. Meine Auflage hat keine linen finish Karten, sondern die mit matte varnish finish. Nach einer Partie und dem Handling der Karten, um sie für einen Vergleich mit 1E komplett zu erfassen, zeigen sich schon an einigen Kanten entsprechende Spuren. So lange sich die Rückseite halbwegs gleichmäßig abnutzt, spielt das glücklicherweise keine Rolle. Da der Stapel komplett benutzt wird, sollte es immerhin nicht dazu kommen, dass man A/B/C irgendwann anhand der Rückseite erkennen kann. Jaja, kann man alles mit Sleeves fixen, nur mag ich das Handling nicht so sonderlich.

    Umsetzung & Änderungen

    Die Umsetzung der boroughs und insbesondere die Verlagerung von Sonderfunktionen der Karten School, Uni, Bank, Stock Exchange, Parliament und Pubs auf 9 der insgesamt 20 borough-Karten finde ich durchaus gelungen, weil so gelegentlich weitere interessante Abwägungen ins Spiel kommen können. Manche Sonderfunktion kann unter gewissen Umständen so hilfreich sein, dass es sogar sinnvoll sein kann, auf den Kauf eines weiteren boroughs zu verzichten und stattdessen 3 Karten zu ziehen. Die Notlösung der 1E wurde also durchaus aufgewertet. Auch zu Beginn einer Partie scheint das einfache Kartenziehen eine valide Option zu sein, da man beim sofortigen Kauf eines boroughs die abzugebenden poverty points mangels selbiger verschenken müsste. Der buy-play-run-cycle ist also in der Tat aufgebrochen oder mindestens aufgeweicht worden.

    Das (kleine) Problem an dieser Umsetzung der Sonderfunktionen ist jedoch, dass man die boroughs nicht so häufig zu Gesicht bekommt wie die Handkarten. Bei der 1E war die Verknüpfung von Karte x zu ihrem Sondertext nach ein paar Partien verinnerlicht. Das wird bei den boroughs der 2E vermutlich etwas länger dauern und bis dahin ist genaues Hinschauen nötig. [7 pt …]


    Die Karten wurden teils stark überarbeitet. Etwa 3/4 dürften bis auf angepasste oder verlagerte Aktionstexte identisch sein, bei den anderen wurde teils sogar die Farbe oder die Set-Zugehörigkeit angepasst. Manche wurden komplett gestrichen (z. B. School, Fleet Street, Pubs, Parliament). Durch jetzt 101 statt 110 Karten sollte das Spiel etwas zügiger vonstatten gehen, was sicher nicht schadet.

    Die East India Company (-£4 Kauf, 1 Karte abgeben, +£12) hat die Anpassungen i. ü. schadlos überstanden, obwohl sie im Vergleich zu den Gilden (Vintners, Fishmongers etc.: +£4–6) und der Leather Industry (+£7 +1 poverty) eher stark ist – insbesondere natürlich früh im Spiel und in Kombination mit dem Hospital. Thematisch ist das vollkommen ok und es gibt dem Spiel auch einen gewissen Reiz, dass eben nicht alles ausbalanciert ist, aber es wundert mich dann doch. Die Omnibusse wurden selbstverständlich generft, können je nach Anzahl der Mitspieler und Spielverlauf aber immer noch relevant sein.

    tl;dr

    Im Großen und Ganzen fügen sich sämtliche Änderungen gut ein und machen das Spiel etwas runder. Am besten gefallen hat mir der deutlich stärkere Armutsdruck durch die nicht mehr vorhandene dauerhafte Reduzierung durch ausreichend boroughs. Am Ende einer Partie der 1E war es oft so, dass man seine Stadt mindestens poverty-neutral laufen lassen oder sogar Armut abbauen konnte. Das war wohl die größte Schwäche des Spiels. Diese wurde ausgemerzt, so dass die Armutsbekämpfung jetzt mehr Aufmerksamkeit erfordert. Auch hier ergibt sich also neuer Reiz.

    Das Spielgefühl an sich hat unter den Änderungen meines Erachtens nicht gelitten. Den fehlenden Spielplan habe ich zu keiner Zeit vermisst. Die Underground ist wesentlich einfacher abzuhandeln und auch die Endwertung ist etwas einfacher. Auch wenn das räumliche Element mehr oder minder fehlt, so hat es mich nicht weiter gestört, da das Spiel merklich flüssiger lief. Zugegebenermaßen ist es immer noch nicht super spannend, Mitspielern beim Auslegen ihrer Karten zuzuschauen, aber insgesamt geht es etwas flotter. London doesn’t overstay its welcome anymore :)

    1st edition verkaufen?

    Vom rein spielerischen Gehalt her hätte ich keine Bedenken, aber mich wird die Schriftgröße und die suboptimale Kartenqualität der 2E wohl irgendwann nerven … Vielleicht doch sleeven?

    Dann ist da noch dieses Autogramm von Martin Wallace auf der Box. London ist das einzige Spiel, was ich mir jemals signieren ließ und das auch nur weil er nachgefragt hat. Er kam wegen einer Regelfrage an unseren Tisch in Essen und wollte nach Klärung wissen, ob er denn die Box auch signieren solle. Sure :) Dabei stellte er dann fest, dass es ja gar keine Limited Edition sei und witzelte noch was von besonders wertvolle Standard Edition, wahrscheinlich die einzige weltweit … Also einen gewissen sentimentalen Wert hat die Kiste dadurch irgendwie doch ;) => Ich weiß es noch nicht :)

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  • Ein neuer Kartensatz (jedenfalls von Set A) ist aber trotzdem unterwegs, weil eine Karte eine üble Macke hatte.

    … und heute angekommen. Osprey hat sich nicht lumpen lassen und den kompletten Satz sogar inkl. boroughs geschickt (ISBN 978-1-4728-9640-7). Dabei hatte ich explizit geschrieben, welche Karte ich brauche, damit sie mir nur die eine (oder das Set) schicken müssen. So sind’s £5.90 Porto gewesen …

    Nun ja, die Ersatzkarten sind grundsätzlich von identischer Qualität, aber offenbar gibt es da doch ein paar Probleme mit der Qualitätskontrolle. 5 C-Karten sind anhand ihrer Rückseite eindeutig von den anderen zu unterscheiden, da sie alle Spuren im unteren Fünftel haben. Man kann sogar recht sicher erkennen, in welcher Reihenfolge sie auf dem Druckbogen angeordnet waren:

    Also schaut euch die Rückseiten eurer Karten mal lieber genau an.


    Die Empfindlichkeit der Kanten der Kartenvorderseiten lässt sich i. ü. zum Teil dadurch erklären, dass die Bögen offenbar mit der Kartenrückseite nach oben gestanzt wurden. Die beim Drüberfahren mit den Fingerspitzen spürbare Kante an Karten ist hier nämlich vorne und die minimale Abrundung durch den Druck der Messer auf der Rückseite. (Bei den meisten mir bekannten Karten ist es umgekehrt.) So sind die Kanten der Vorderseite besonders empfindlich, die der Rückseite sollten dafür theoretisch widerstandsfähiger sein, was ja zu begrüßen wäre. Mal sehen, wie sich das nach wiederholtem Mischen und Spielen darstellt.

    Ich nehme an, dass das eine bewusste Entscheidung war, weil die Karten ja randlos bedruckt sind und so ausgeschlossen ist, dass man die Farbe der Vorderseite beim Blick von der Seite erkennen kann. Nette Nebeneffekte sind die erhöhte Widerstandsfähigkeit der hinsichtlich unabsichtlich gezinkter Karten relevanteren Rückseiten und die leichtere Aufnahme der Karten vom Tisch. [Kurz gecheckt: Bei den ebenfalls randlos bedruckten Karten von 51st State ist’s ähnlich. Man merkt’s nur nicht ganz so stark.]

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