[2017] Berge des Wahnsinns

  • Auf der Messe wird dieses Jahr wohl schon Berge des Wahnsinns zu bekommen sein. Gespielt wird die Erklimmung der namensgebenden Berge aus HP Lovecrafts gleichnamiger Geschichte. Und wie es sich für ein HPL-Setting gehört, werden die Spieler langsam wahnsinnig. Allerdings ist das kein Titel, bei dem man auf Cthulhu und Co stößt. Im Kern steht viel mehr der Wahnsinn selbst und das Überleben als Gruppe.


    FFG-Cthulhu-Untypisch setzt dieses Spiel eher auf Humor als auf Spannung. Wenn man einen Fehler macht und langsam wahnsinnig wird, zwingt das Spiel den Spieler immer mehr bekloppte Sachen zu machen, wie z.B. nur in Rheimen zu sprechen, jeden Satz 2x zu sagen, nicht mehr zu sprechen, bei einem bestimmten Wort zu schreien, etc.


    Ich kann mich mit diesem "Stilbruch" durchaus anfreunden und finde sowas auch witzig, allerdings habe ich wirklich die Befürchtung, dass sich das Spiel nach ein paar Partien stark abnutzt. Villen des Wahnsinns 2 hat auch eine solche Mechanik drin, allerdings lebt das Spiel schon fast davon, dass man diese erkennt und "umspielen" kann. Beispiel:



    Das Spiel wird mit Erfahrung der Spieler also noch tiefgängiger. Bei Berge des Wahnsinns habe ich die Beführuchtung, dass es gerade davon lebt, wenn man sich über das Verhalten des anderen wundert. Spätestens wenn zum 3. Mal die Karte mit Rheimen aufkommt, sind vielleicht noch die Rheime an sich lustig, wenn der Spieler fähig ist, aber der Reiz des Neuen scheint mir doch dann schnell verflogen zu sein. "Ah, er muss rheimen, ok... Weiter zum nächsten".


    Sicherlich zieht jeder Spieler bis zu 3 Karten und die Kombination der Geisteskrankheiten ist sicherlich auch nochmal lustig. Aber wie seht ihr das? Ich werde es mir auf der Messe bestimmt mal ansehen.


    Top Ungespielt-Liste (10/18): 1. Hyperborea — 2. Herr des Eisgartens — 3. Runewars — 4. Siege of Columbia — 5. 7th Continent — 6. Food Chain Magnate — 7. Gaia Projekt — 8. Spirit Island — 9. This War of Mine — 10. Twilight Imperium

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    Filmkritiken in 100 Wörtern: 100szenen.de

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  • Das ist so ein Spiel, bei dem die richtigen Spieler zueinanderfinden müssen, damit das Konzept aufgeht. Außerdem bräuchte es vmtl. ein paar "Schauspiel-Hilfen" o.ä. um bestimmte Wahnsinnsformen einigermaßen darstellen zu können. Wenn ich bspw. einen Reim-Irrsinn aufgehalst bekäme, brächte ich vmtl. kein Wort raus, auch wenn ich mehr als 30 Sekunden Zeit hätte.
    Zudem bin ich mir auch gar nicht sicher, ob das Spiel nicht eher dämlich statt lustig ist. Man müsste es halt mal live erleben und vielleicht auch mal mitspielen. Ein Review alleine hilft mir in diesem Fall nicht wirklich weiter.


    Andererseits, so als Lovecraft-Fan, frage ich mich, was wäre, wenn man tatsächlich versucht das Spiel "ernsthaft" zu spielen.
    Die Herausforderung an die Spieler wäre natürlich enorm hoch, aber Spielgefühl und Atmosphäre könnten schon krass sein. Vermutlich wäre es hilfreich, wenn man die verschiedenen Formen des Wahnsinns mit allen Spielern vorher durchgeht und sich gemeinsam auf bestimmte Darstellungsformen einigt. Beim Reimen bspw. muss ja nicht unbedingt ein Stabreim oder ein sechsfach gehobener Jambus draus werden.
    Einen Reim könnte man auch so verstehen, dass man die letzte Silbe eines Wortes unterschiedlich oft wiederholt, zum Beispiel könnte einer sagen: Ich brauche fünf Werkzeug, Werkzeuch, Werkfleuch, Wergseuch ... (und das Ganze am Besten gestammelt oder genuschelt in verschiedenen Lautstärken). Im Hintergrund läuft dabei ein Ambiente-Sound, wie bspw. das hier:


    Und vielleicht stellt man die Soundkulisse etwas lauter ein, so dass die Spieler fast schreien müssen, um sich verständlich zu machen. Natürlich ist Abend und am Tisch flackern ein paar Kerzen. Und dann geht die Reise los. Die ersten Spieler fangen an sich seltsam zu verhalten, bis plötzlich einer aufsteht, sich in die Ecke stellt und dreimal "CTHULHU" murmelt. Ein anderer bläst die Kerzen aus, weil er nur noch im Dunkeln flüstern kann und der letzte kriecht unter den Tisch, von wo er sich nur noch mit Klopfzeichen verständigt.
    Einige Zeit später umklammert der Expeditionsleiter eine Taschenlampe, als letzte verbliebene Lichtquelle. Noch immer ertönt ein Klopfen unter dem Tisch, aber sie scheinen jetzt keine Fragen mehr beantworten zu wollen. Jenseits der Schwärze, heult der Flüsterer nun mit dem Wind, während in der Ferne ein atonales Cthulhu ertönt. Seine Kameraden sind verloren, doch die Reise ist fast geschafft. Nur noch ein letztes fehlt. Doch noch während seine Lippen mit dem Wort "Waffen" ringen, bahnt sich ein Schrei an. Plötzlich erlischt die Lampe und Dunkelheit verschlingt das letzte Mitglied der Expedition. Ein letztes Mal ertönt aus weiter Ferne ein einsames Pochen, als ob es besagen will, dass die Flucht gescheitert ist. Am Ende gibt es nur noch den Wind.

    Wenn eine Schraube locker ist, hat das Leben etwas Spiel.

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  • Großes Kino! Ich glaube auch, dass das Spiel vernünftig funktioniert. Die Frage ist nur: Wie lange?


    Gut, das habe ich mich bei Mysterium auch gefragt und das funktioniert trotz seiner limitierten Karten in den verschiedenen Köpfen immer anders, von daher sehe ich das Problem dort noch nicht. Aber bei Berge des Wahnsinns bin ich mir da noch nicht stimmig.

    Top Ungespielt-Liste (10/18): 1. Hyperborea — 2. Herr des Eisgartens — 3. Runewars — 4. Siege of Columbia — 5. 7th Continent — 6. Food Chain Magnate — 7. Gaia Projekt — 8. Spirit Island — 9. This War of Mine — 10. Twilight Imperium

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  • Großes Kino! Ich glaube auch, dass das Spiel vernünftig funktioniert. Die Frage ist nur: Wie lange?


    Gut, das habe ich mich bei Mysterium auch gefragt und das funktioniert trotz seiner limitierten Karten in den verschiedenen Köpfen immer anders, von daher sehe ich das Problem dort noch nicht. Aber bei Berge des Wahnsinns bin ich mir da noch nicht stimmig.

    Es scheint zumindest die Möglichkeit zu geben, dass man sich eigene Wahnsinnsformen ausdenken kann. Das brächte natürlich einiges an Variabilität ins Spiel, aber ob das auf die Dauer reicht, kann man bezweifeln. Andererseits könnte Berge des Wahnsinns so ein Spiel sein, dass man nur bei bestimmten Gelegenheiten rauskramt, wie bspw. bei Betrayal at house on the hill, das bei uns meistens nur an Halloween auf den Tisch kommt.

    Wenn eine Schraube locker ist, hat das Leben etwas Spiel.

  • Von den Beschreibungen und Videorezensionen klingt das für mich so, als ob das Spiel eine sehr spezielle Spielrunde braucht. Auf der einen Seite eine eher ernste, düstere Grundstimung durch das Thema. Auf der anderen Seite die Vorgabe, sich eventuell "lächerlich machen zu müssen", durch wirre Handlungen, um aufsteigenden Wahnsinn zu simulieren. Klingt für mich spannend, anders und deshalb interessant. Bin allerdings skeptisch, wie der Wiederspielwert ist. Eben wenn man diverse Wahnsinnsformen kennt und dann wiedererkennt und ob und wie sich das Spielgefühl dann dadurch wandelt. Also unbedingt mal anspielen auf der Messe.

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