Terminologie für Anfänger: Deckbau/Deckbuilding/Poolbuilding

  • Ich wollte den anderen thread nicht völlig kaputtmachen, deswegen geht's hier mal weiter. Die folgende Problematik begegnet mir seit 10 Jahren immer wieder: die Begrifflichkeit um Deckbuilding, Poolbuilding, Deckbau, Collectible Components und Customizable Games.


    Boardgamegeek definiert Deck-/Poolbuilding so:

    This mechanism describes something that happens in play during the game as a function of the game, not customization of the game from a body of cards prior to play.

    Darunter fallen ganz klar Legendary Encounter Alien oder Hero Realms, weil man da während des Spiels sein Startdeck verstärkt und ausbaut. Übrigens als MECHANIK. Dummerweise heisst Deckbuilding auf Deutsch "Deckbau" und wir in Deutschland meinen mit Deckbau eigentlich das Bauen eines Decks VOR dem Spiel. Das, was auf BGG als "Customizable Games" gelistet wird. Dort eine SUBDOMAIN. Magic the Gathering eben.


    Das mit der Datenbank hat also so seine Tücken. Bei Arkham Horror wiederum steht sogar Deck-/Poolbuilder...


    Da es für mich persönlich keinen Grund gibt, ein und derselben Mechanik 2 Namen (Deckbuilding und Poolbuilding) zu geben und Deckbuilding auf Deutsch nunmal Deckbau heißt, war es für mich am sinnigsten, nach der tatsächlichen Kernmechanik zu gehen. Und da baue ich eben bei einem Legendary Encounter kein eigenes Deck, sondern sammle Karten aus der Auslage in einen Karten-Pool: Poolbuilding.


    Nu kann es mir egal sein, was ich in meinem Wohnzimmer mache, solange ich mit mir selbst spiele. Blöd, wenn man ein eher öffentliches Wohnzimmer hat. Deswegen meine Frage: wie unterscheidet ihr begrifflich Deckbau (Deutsch, VOR dem Spiel) und Deck-/Poolbuilding (BGG-Englisch, WÄHREND des Spiels)? Haltet ihr euch an Englisch und nutzt dann die Definitionen von BGG? Oder ist euch das egal? Mischt ihr die Begriffe?

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  • Da ich oft mit internationalen Spielpartnern spiele:

    BGG auf Englisch ist maßgebend.


    Aber generell sind mir Begriffsdefinitionen ziemlich egal, solange sie nicht Auswirkungen auf ein Spiel haben, das ich spielen oder kaufen will.


    Ich glaube nicht, daß jemand wirklich objektiv sein kann - alle Meinungen sind subjektiv.
    Natürlich gilt das auch für mich.

  • Diese Terminologie ist eindeutig geklärt. Du musst m.E. wegkommen von Übersetzungen. Es gibt noch keine bestmögliche Übersetzung von Deckbuilding. Sie ist rein sprachlich gesehen Deckbau, klar, aber darum geht es nicht. Denn Deckbau meint hier nicht den Aufbau eines bestmöglichen Kartenstapels vor dem eigentlichen Spiel (wie bei CCGs), sondern das Erstellen eines (besseren/bestmöglichen) Stapels während des Spiels. Alle starten gleich, aber du baust dir während dem Spielen ein anderes Deck auf als deine Gegner, um bestmöglich ein/dein Ziel zu erfüllen. Am besten schneller als die Anderen. Daher ist die direkte Übersetzung eben zu missverständlich, um sie generell anzuwenden/im Deutschen durchgängig zu nutzen. Manche machen das, in der Mehrheit hört man aber Deckbuilding und nicht Deckbau, eben um solche Missverständnisse wie von dir zu vermeiden.


    Daher nochmal ein anderer Ansatz: das Problem in dem anderen Thread waren die Genres. Die Einteilung von Brettspielen in Schubkästen, damit man leichter über sie sprechen kann und gleich eine größere Gruppierung meinen kann. Und Deckbuilding was circa mit Dominion eingeführt und mainstreamtechnisch salonfähig gemacht wurde, ist ein eigenes Genre. Genau wie es CCGs sind, Collectible Card Games. Nur gibt es mittlerweile hierin schon zu viele Unterscheidungen, wodurch man bei Letzterem die Unterbegriffe und -Kategorien "LCGs" und "TCGs" eingeführt hat, einfach um sie weiter trennscharf abbilden zu können und dennoch eine größere Menge auf einmal ansprechen zu können. Genau das selbe ist im Deckbuilding passiert. Nur deswegen haben sich mittlerweile Begriffe wie zum Beispiel Bagbuilding (Hyperborea, Orleans, Altiplano, Automobiles) und Poolbuilding (Dice Masters, Quarriors, Puzzle Strike) etabliert. Ist ja auch logisch. Denn du baust dir halt beim Bagbuilding einen Sack mit Cubes auf und beim Poolbuilding alles andere, was nicht Karten oder Cubes sind (z.B. Würfel, Tokens etc.). Es macht also auch inhaltlich Sinn, da du keine Karten veränderst, es gibt kein "Kartendeck". Überdies sind solche Terme augenscheinlich hip und lassen sich gut verkaufen, da man ja "mit Innovation auftrumpfen kann" und daher wird auch immer mal wieder versucht, etwas Neues in der Richtung zu implementieren. In Railroad Revolution sprachen sie ursprünglich von Workerbuilding. In Noria von Wheelbuilding. Hast du vielleicht beides schon mal gehört, vielleicht aber eben auch nicht. Und warum nicht? Weil es A noch zu wenige Spiele davon gibt und sich B der jeweilige Begriff eben noch nicht final durchsetzen konnte. Wenn zum Beispiel alle Wheelbuilding-Spiele schwach werden und wenig gekauft werden, wird sich das Genre wohl auch nicht durchsetzen. Übrigens ist das auch IMMER von den USA mit geprägt und nicht vom deutschen Sprachspiel her. Selbst "Arbeitereinsetzspiel" ist ein Trauerkloß, welchen viele Reviewer ungern schlucken und somit oft generell gleich gar nicht verwenden. Erstens weil er blöd klingt, zweitens weil er umständlich lang ist, drittens weil er einfach nicht "cool" ist laut der Meinung vieler und viertens weil Englisch nunmal die Weltsprache ist, auch im Brettspielsektor. Deswegen sagen die meisten (ich sage bewusst nicht "alle") immer noch Worker Placement und werden dies auch weiterhin tun.

    Ob man deswegen jetzt aber Poolbuilding und Bagbuilding neben Deckbuilding auf eine Stufe stellt oder sie als Untergattungen versteht, darüber gibt es in der Tat noch Diskussionen, immer mal wieder. Dice Placement sehe ich zum Beispiel mittlerweile locker auch als eigenständiges Genre an, so viele Spiele wie es davon mittlerweile schon gibt. Andere sehen es als Unterart von Worker Placement und sind da auch unbelehrbar. Von demher wäre das der spannendere Diskussionsansatz.


    Wie auch immer. Was ich sagen möchte, ist, dass du unter dem Strich wohl besser von den deutschen Begriffen wegkommen solltest - wenigstens von einem definitorischen Standpunkt heraus. Denn wenn du dir weiterhin so wie oben die Übersetzungen ableitest, kannst du nur missverstanden werden und/oder ordnest Begriffe gleich von vornherein falsch ein.

    Empfehlung daher: mehr englische YouTuber schauen ;) Hattest ja jetzt auch erst wieder eine etwas längere Pause, vielleicht spielt das hier dann auch mit rein. Wenn nicht, auch gut, nur solltest du dann aufpassen, dass es nicht auch in deinen schriftlichen Rezensionen mal zu einer fälschlichen Verwendung kommt :) So oder so weiterhin maximale Erfolge für dich.

    Lg der Kastennerd

  • Finde ich einen guten Ansatz, mit dem ich durchaus leben könnte. Was hälst du aber beispielsweise dann davon, dass es Versuche gab ALLES einzudeutschen?


    Sebastian Wenzel hatte das mal angefangen. Ich fand die Idee nicht schlecht, es scheiterte dann oft in der Praxis.


    Abenteuerliche Begriffe wie „Aus-der-Hand-Spiel“ lassen mich heute noch schaudern. Von daher kann ich mit Englisch als Standard gut leben 😉


    Die Frage ist ja nur, wie alle anderen es sehen. Wenn jemand von Magic spricht, sagt wohl kaum jemand „individuell anpassbares Spiel“. Vllt noch Sammelkartenspiel, aber das ist eben nicht die Mechanik. Sammeln kann ich auch Briefmarken. Alle nennen es Deckbauspiel

  • Wer das machen möchte, bitte. Birgt dann halt nur wie gesagt erst recht das Risiko, missverstanden zu werden und in der eh noch recht unbekannten Brettspielterminologie der Kenner-/Vielspieler im Mainstreamsektor weiterhin für Verunsicherung zu sorgen. Da ist es mir quasi offen gestanden lieber, wenn auf allen Spielen gleich die englischen Begriffe mit drauf stehen, als 8 verschiedene deutsche Neologismen ;)

    Aber das kann jeder anders sehen und auch handhaben, wie er möchte. Mehrheitlich werden eh immer noch die englischen Fachbegriffe benutzt. Imho zum Glück ;)

    Lg

  • Dieses krampfhafte eindeutschen ist mir ebenfalls ein Graus. Da "googlen" auch im Duden seinen Eintrag hat, sollten Wörter wie Workerplacement oder Deckbuilding u.a. für die Szene die diese benutzen, unverkrampft genutzt und von jedem verstanden werden.

    Schön ist es auch andersherum wie z.B. beim "Handy". Gibt's nur in Deutschland, anderswo ist es ein "Mobile/Cell(phone)".

    I believe i Spider...:lachwein:

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    Einmal editiert, zuletzt von Torlok ()

  • Dann schau dich doch mal im IT-Bereich um. Meinereiner und wahrscheinlich auch andere stören sich an diesem eindeutschen. Ich bin weit weg vom fließenden Englisch, aber Standardbegriffe die eigentlich jeder kennt, sind nun mal genau diese.

    Nicht jeder kommt immer und überall völlig problemfrei durchs Leben...

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  • Matze


    Richtig und wie weiter oben geschrieben ist das Sammeln von Karten keine Mechanik (das wäre wieder (Set) Collection und ist was völlig anderes). Und das ist eben das Problem: die Übersetzung wörtlich passt nicht zum Sinn.


    Sammelkartenspiel beschreibt ja nur, dass das Spiel Karten hat, die man sammeln kann, aber nicht das Bauen eines individuellen Decks. Außer man sieht es als gegeben an bei Sammelkartenspielen.


    Ich weiß nicht wie ich das besser beschreiben soll. Mir fehlt der Begriff für die Mechanik

  • Da "googlen" auch im Duden seinen Eintrag hat

    Du meinst vermutlich "googeln". 8o

    Für den Dudeneintrag hast du Recht, das Verb wurde dem deutschen Sprachgebrauch bzgl. der Schreibweise eingedeutscht. Rechtliches war wohl auch im Spiel...

    Es ging ja auch nur um den Dudeneintrag. Aber wieso "Rechtliches"? Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Firma Google irgendeine rechtliche Handhabe gegen einen Eintrag "Google" oder "googlen" hätte haben können, denn eine bloße namentliche Nennung ist meines Wissens kein Markenverstoß.

    Genau Thygra, sach doch auch ma wat

    Wozu? Zum Thema? Da hätte ich nichts zu sagen, was hier nicht schon gesagt wurde. Und über den Sinn des Satzes "Es wurde zwar alles schon gesagt, aber noch nicht von jedem." habe ich in meinem Leben durchaus schon mal nachgedacht. ;)

    André Bronswijk
    Thygra Spiele
    (u. a. für Pegasus Spiele tätig)

  • Aber wieso "Rechtliches"? Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Firma Google irgendeine rechtliche Handhabe gegen einen Eintrag "Google" oder "googlen" hätte haben können, denn eine bloße namentliche Nennung ist meines Wissens kein Markenverstoß.

    Ich glaube mich zu erinnern, das Google selbst darauf bestanden hat, sie wollten wohl die Wortintension der "suche im Internet" nicht nur auf sich selbst bezogen wissen. Andere Suchmaschinenbetreiber sollten nicht "diskriminiert" werden, o.ä.

    Aber das kann man bestimmt "googelen" ;)

    Bitte senden Sie mir Ihre E-Mail doppelt, ich brauche eine für´s Archiv :/

  • Torlok : Danke für die Erklärung. Ich habe mal kurz recherchiert. Es ging nicht ums Benachteiligen anderer Suchmaschinen, sondern um etwas anderes. Wenn der Name Google (ähnlich wie z. B. Tesafilm) als generischer Gattungsname gebraucht würde, könnte Google Gefahr laufen, sein Markenrecht zu verlieren. Deshalb lautet der Duden-Eintrag für "googeln" nicht allgemein "im Internet suchen" (dagegen war Google vorgegangen), sondern nun "mit Google im Internet suchen". Es ist also wichtig, dass das Wort "googeln" immer im direkten Zusammenhang mit Google selbst steht, da sonst die Marke in Gefahr geriete.

    André Bronswijk
    Thygra Spiele
    (u. a. für Pegasus Spiele tätig)

  • Fast. Sie wollten "googlen" eben gerade nicht als synonym zur "Suche im Internet" begriffen wissen, sondern explizit als "Suche mit Google" verstanden wissen, um ihren Markennamen zu schützen.

    Google will richtig "googeln" lassen | heise online


    Und so ist es auch tatsächlich im Duden: Duden | goo­geln | Rechtschreibung, Bedeutung, Definition, Herkunft

    "mit Google im Internet suchen, recherchieren"


    Edit: Thygra war schneller. Dafür bei mir mit Links :)

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  • btt

    Bandida nicht jedes Spiel, in dem man vor der Partie sein Deck (Kartenstapel?) baut, ist ein Sammelkartenspiel - aber allen Sammelkartenspielen ist gemein, dass man sein Deck vor der Partie baut. (Los, Klugscheißer an die Front! Nennt mir Sammelkartenspiele, bei denen das nicht so ist!)

    Die Begriffe sind eh fließend, denn es wird immer Spiele geben, die eine Grenze tangieren und auf die ein Sammelbegriff dann wieder nicht passen wird...


    Nur - Wasser bringt es Dir, Begriffe zu entwickeln, die keiner kennt?

  • (Los, Klugscheißer an die Front! Nennt mir Sammelkartenspiele, bei denen das nicht so ist!)

    Ich bin mir nicht sicher, weil es knapp 20 Jahre her ist, aber ich glaube beim Sammelkarten-Rollenspiel "Dragon Storm" haben die Spieler keine Decks vor dem Spielen gebaut, sondern nur der Spielleiter. Während des Spiels konnten die Spieler dann durch ihr Rollenspiel neue Karten vom Spielleiter erhalten und damit ihren Charakter verbessern. Ich mag mich aber auch irren.


    André Bronswijk
    Thygra Spiele
    (u. a. für Pegasus Spiele tätig)

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