Spiele, Bücher und Filme im O-Ton

  • Da die Diskussionen an anderen Stellen ja gerade heiß hergehen, mache ich mal einen neuen Thread auf, ohne die bisherigen Ergüsse hier zu übernehmen...


    Müssen Spiele, Bücher und Filme im O-Ton zwingend besser sein? - Diese Antwort liegt sicherlich bei jedem selbst. Aber mich würden mal die verschiedenen Sichtweisen von Euch interessieren. Ich bin dabei IMMER abgestorben.


    Das ist meine Sicht der Dinge:


    Ich hatte von 1992-1995 in der Schule englisch. Und war sehr froh darum. Ein paar Jahre eher geboren und ich hätte ggf. nicht mal dieses bisschen englisch erfahren dürfen. Mit dem bisschen Englisch kann ich nun in den englischsprachigen Raum fahren und mir höflich etwas zu essen und trinken bestellen. Super.


    Dann habe ich für ein amerikanisches Unternehmen gearbeitet. Die Telefon- und Videokonferenzen haben mich anfangs echt komplett überfordert. Inzwischen kann ich alles verstehen. Meine Aussprache, sagen die meisten, ist super. Aber ich kann kaum einen Satz in richtiger Grammatik zusammenstellen.


    Nun bin ich auch jobmäßig relativ stark kopflastig unterwegs. Ich habe Abends und am Wochenende einfach keinen Bock, mich mit Büchern oder Filmen auf englisch abzumühen. Spielregeln oder Kartentexte auf englisch dagegen sind kein Problem. Es handelt sich hierbei ja um Standard-Begriffe, die man inzwischen nahezu nebenbei versteht und wenig nachlesen muss. Zumal das alles ziemlich „technisch“ ist, wie eine Anleitung eben.


    Nun stelle ich mir bei diesen Diskussionen hier im Forum auch vor, dass nicht alle Unknowns-User muttersprachlich deutsch sind. Da fallen mitunter Begriffe, die noch nicht einmal jeder Deutsche kennt, weil sie regional verwendet werden oder oder oder oder... („Geschwurbel“ fällt mir da aktuell ein). Und so geht es mir bei Film und Buch. Da ist ganz einfach Umgangssprache genutzt, die ich weder in Verhandlungen erlebe noch in Spielen. DAS ist der große Unterschied für mich und daher eben doch ganz anders als das, was ich mir zutraue. Da verzichte ich lieber auf jeden zweiten <wortwitz, weil er eben nicht ins deutsche übersetzt wird anstatt nur jeden 4. überhaupt als solchen zu erkennen...

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  • Joa, das wird jetzt dem einen oder anderen hier sicher nicht schmecken, aber für mich klingen solche Aussagen immer ziemlich versnobt. :) Filme schaut man nur im original. Und chinesisch essen selbstverständlich nur mit Stäbchen. Naja. Das zielt halt auf postmaterielle Statussymbole ab. Warum? Weil die Aussage "Ich schaue Filme nur im Original" eine Botschaft zwischen den Zeilen transportiert: Schaut her, ich bin gut gebildet und bin auf niemanden angewiesen, der für mich übersetzt.


    Abgesehen davon überschätzen viele Leute ihre Sprachkenntnisse, vor allem bei Englisch. Behaupten tun einige dann aber, sie verstünden alles völlig problemlos, und das nur darum, weil sie ein paar amerikanische Serien im Originalton angeschaut haben. Gut, zehn Prozent der Dialoginhalte haben sie dabei zwar doch nicht verstanden, aber dieser kleine, das Selbstbild vom Englisch auf höchstem Niveau eintrübende Umstand wird dann schnell verdrängt, denn für das Verständnis der Handlung war das ja nicht entscheidend. Die schöne Illusion von "ich spreche ganz supertoll englisch" zerbricht dann hat immer nur ab und zu, wenn man wirklich mal mit Muttersprachlern zu tun hat...


    Außerdem gibt's ja auch noch andere Sprachen auf der Welt, die auch der gebildete Europäer normalerweise nicht mal ansatzweise versteht, obwohl in diesen Sprachen auch tolle Bücher geschrieben und Filme produziert werden. Geht doch schon bei Französisch los. Spanisch, Russisch, genau das selbe, von irgendwelchen kleinen Sprachen in Europa oder gar im fernen Osten ganz zu schweigen. Diese Fokussierung auf die Kultur im englischsprachigen Raum ist für mein Empfinden eine Form der Ignoranz, die bei uns sehr verbreitet ist, und die mich sehr ärgert, nebenbei bemerkt, aber egal. Wenn man bei einer nicht bekannten Sprache die Wahl hat zwischen einer passabel eingedeutschten Synchronfassung einerseits, und andererseits der Originaltonspur mit passabel übersetzten Untertiteln, die die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf die kleinen Zeilen unten im Bild konzentriert, dann bin ich mir sicher, dass das Meinungsbild ganz anders aussieht, als bei Harry Potter und Co.

  • Da verzichte ich lieber auf jeden zweiten <wortwitz, weil er eben nicht ins deutsche übersetzt wird anstatt nur jeden 4. überhaupt als solchen zu erkennen...

    Ganz meine Worte, he he. :)


    Ganz allgemein formuliert: O-Ton KANN besser sein, MUSS aber nicht. In vielen Fällen wird es so sein, wie im anderen Thread schon beschrieben: Man kann Wortwitze nicht immer übersetzen, und dann verliert eine Übersetzung mitunter im Vergleich zum Original.


    Es kann aber auch anders herum laufen. Ich denke hier an die Fernsehserie "Die Zwei" von 1970/1971 mit Roger Moore und Tony Curtis. In den USA ein Flop, in England durchaus erfolgreich, und in Deutschland ziemlicher Kult damals. Warum? Weil die Übersetzungen teils erheblich vom Original abwichen und eine Menge Slapstik reinbrachten, was damals ziemlich angesagt war. Ich zitieren mal Beispiele aus Wikipedia:


    "Während die Serie in den USA floppte (und deshalb auch keine weiteren Folgen gedreht wurden), war die Sendung in Großbritannien, Australien und mehreren Ländern Europas ein Erfolg. In Deutschland erreichte die Serie sogar absoluten Kultstatus. Dies lag wohl auch an der Synchronisation nach den Dialogbüchern Rainer Brandts, die zum Teil erheblich vom Original abweichen: Während es sich im englischen Original zwar auch um eine Krimiserie mit Humor handelt, wurden für die deutsche Fassung flapsige und witzige Sprüche („Hände hoch – ich bin Achselfetischist!“, „Sleep well in your Bettgestell!“, …) ergänzt, die damals auch Einzug in die Alltagssprache fanden. Außerdem gab es Anspielungen auf die deutsche Sendeanstalt oder das Fernsehen als solches. So kommentierte Danny Wilde das Halten im Parkverbot mit der Bemerkung: „Mach’ ich vorm ZDF auch immer so.“ In einer anderen Folge fiel folgender Kommentar: „Lass doch die Sprüche, die setzen ja die nächste Folge ab!“ Selbst die freie Übersetzung der Synchronisation als solche persiflierte Brandt in der Serie: Auf die Bemerkung Richter Fultons „Sie haben schon ’ne Menge Sprüche losgelassen, die nicht jedermanns Geschmack gewesen sind.“ lässt er Danny Wilde antworten: „Leute, die lieber Originaltexte hören, interessieren doch nicht!“ Brandt etablierte mit dieser Serie endgültig sein sogenanntes Schnodderdeutsch.

    Rainer Brandt erzählte in mehreren Interviews, dass sich Tony Curtis, der Deutsch verstand, nach dem Dreh der ersten Staffel drei Folgen der deutschen Fassung schicken ließ und davon so begeistert war, dass er eine Weiterführung der Serie unter der Bedingung anregte, dass Brandt nun auch die Originaldrehbücher schreiben sollte. Dieses Vorhaben scheiterte laut Brandt aber daran, dass sich Curtis und Moore zerstritten."


    So etwas ist aber wohl eher die Ausnahme.


    "Monty Pythons Flying Circus" ist zum Beispiel etwas, was im Original unschlagbar ist. Es gab einige synchronisierte Folgen, die aber bei weitem nicht so lustig waren wie die Originale. Hier muss man einfach alle Schauspieler komplett erleben mit allen Betonungen etc. Zum Glück sind die relativ leicht verständlich.


    Ich habe auch mal "Pulp Fiction" im Original gesehen, als ich in den USA war. Davon habe ich, obwohl ich die deutsche Version schon kannte, grob geschätzt ca. 10-20 % verstanden. Die haben soviel Slang gesprochen, da kam ich leider überhaupt nicht mit ... :(

    André Bronswijk
    Thygra Spiele
    (u. a. für Pegasus Spiele tätig)

  • Ich will mal die drei genannten Gebiete getrennt betrachten:


    Spiele: Da bevorzuge ich ganz klar Deutsch. Es wird nur in sehr seltenen Fällen so viel Atmosphäre aufgebaut, dass sprachliche Nuancen für das Spielgefühl wichtig wären. Deutsch ist dann bequemer weil doch weniger anstrengend und ist auch für die Suche von Mitspielern günstiger. Sollte ein Spiel aber nur in Englisch verfügbar sein, wäre das auch kein Problem.


    Filme: Wenn ich könnte, würde ich alle Filme im Original sehen - funktioniert aber leider nur in Deutsch und Englisch, und bei Englisch nur bei ca. 3/4 aller Filme und Serien, die mich interessieren (manche Serien sind klanglich so schlecht oder so slang-behaftet, dass ich kapituliere). Besonders wichtig sind für mich dabei die Lippensynchronität (die leider auch bei manchen im Studio nachsynchronisierten deutschen Filmen nicht gegeben ist) und die "Klangwelt", also die Menge aller Hintergrundgeräusche, die bei der Synchonisation häufig deutlich nachlässt. Außerdem finde ich, dass bei der Übersetzung oft der "Fehler" gemacht wird, neben der Sprache auch die Kultur zu übersetzen, da beziehen sich dann beispielsweise Witze in US-Sitcoms plötzlich auf deutsche Personen oder so etwas.


    Bücher: Romane von englischsprachigen Autoren lese ich immer in Englisch. Zum einen, um mein geschriebenes Englisch regelmäßig zu trainieren (brauche ich auch beruflich), und zum anderen, weil englischprachige E-Books fast immer deutlich günstiger als die deutsche Übersetzung sind.


    Ciao

    Stefan

  • Ich mag Bierbart zustimmen: allzu häufig habe ich den Eindruck, dass einige die Haltung, Filme nur auf Englisch zu schauen, als Mittel der Distinktion nutzen. So wie viele Eltern ihre Kinder Musikinstrumente wie z.B. Cello spielen lassen um sich darüber zu profilieren. Das gilt sicherlich nicht für jeden. Aber sicher ist auch, dass viele die deutsche Synchronisation unberechtigterweise als schlecht einstufen. Ich wage gar zu behaupten, dass die deutsche Synchronisation eine wenn nicht gar die beste der Welt ist. Das liegt natürlich nicht daran, dass sie deutsch ist sondern daran, dass es weltweit keine vergleichbar umfangreiche und qualitativ gleichwertige Hörspielproduktion gibt. Nirgendwo findet man wohl mehr „Sprech“schauspieler als hierzulande.

    Thygra hat die Serie Die Zwei als Beispiel angeführt, bei der die deutsche Synchronisation eine Aufwertung darstellte, ergänzen kann man hier noch aus dem Kinder- und Jugendbereich Alf und Saber Rider.

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  • Sieht so aus, als würde sich die "Jon Schnee ist so uncool"-Fraktion nicht hinterm Ofen vortrauen.


    Ich finde, man muss sich bei allem "coolen" Englisch mal vor Augen halten, wie das für einen klingen würde, wären wir Amis oder Engländer - nämlich deutlich weniger cool. In der Musik würde sicher einiges unter Schlager auf SWR4 laufen :)

  • Besonders lustig finde ich die Diskussion immer bei Animes. Da gibt es auch etliche, die alles, was nicht japanisch ist, konsequent als Müll abtun. Dabei ist das auch im japanischen Original nur synchronisiert.


    Für mich käme es immer drauf an. Naruto zum Beispiel geht einfach auf deutsch überhaupt nicht. Das ist keine Synchro, sondern eine Beleidigung. Da schwöre ich auch nur auf das Original. Bei Dragonball konnte ich die japanische Kinder/Mädchenstimme von Goku nie ernst nehmen und alleine deswegen blieb da nur die (teils) sehr gute deutsche Synchro.


    Ansonsten wäre mir noch nie aufgefallen, dass ich deutlich mehr Spaß am Original gehabt hätte. Störend wird es, wenn durch schlechte Übersetzung der Inhalt verfälscht wird.


    Hier nun kleine Minispoiler zu Matrix und Starship Troopers:

    Bei Starship Troopers zum Beispiel wird am Anfang gefragt, was wohl die Bewohner von Washington auf "das und das" antworten würden, worauf die Protagonistin erklärt, "die würden gar nichts antworten, Washington wurde im ersten Bug-Krieg zerstört."

    Soweit ok. Böse Bugs, haben die Erde angegriffen, ne ganze Stadt auslöschen ist halt nicht so nett. Blöd nur, dass im Original von Hiroshima die Rede ist. Und das lenkt den Film direkt in eine (für) mich ganz andere Richtung. Die Bugs haben die Erde nie angegriffen, Hiroshima wurde bekanntlich nicht von außerirdischen Käfern zerstört. Anstatt heroischer Verteidiger der Erde wird die Föderation (oder was auch immer da war) zu bösen imperialistischen Invasoren der armen Käfer, die sich nur verteidigen.

    Sowas nervt mich dann schon.


    Aber es geht auch in die andere Richtung. Bei Matrix ist eine meiner "Lieblingsstellen" seit dem ersten Gucken, wenn Trinity cool erwidert "Nur eine Maschine."

    Im Original sagt sie allerdings "Dodge this." Das kommt nicht im Ansatz an die Coolness aus der "Übersetzung" ran.


    Thygra : Sehr schön zu lesen, dass es nicht nur mir so ging^^. Bei Pulp Fiction habe ich auch entnervt aufgegeben und bin wieder zur deutschen Tonspur gewechselt, ebenso bei Bad Boys II.


    Ansonsten ist das schon Übungssache. King of Queens fand ich am Anfang auch nicht einfach, wenn man sich 3 Folgen durchkämpft, versteht man doch erstaunlich viel. Nicht jedes Wort, aber es geht doch ohne große Mühen.


    Eine Zeit habe ich aus Übungszwecken oft Filme und Serien auf Englisch geschaut, leider ohne großen Erfolg. Passiver Wortschatz ist vielleicht etwas gewachsen, aber der aktive Wortschatz kümmerlich wie eh und je. Für mich bringt es also wenig bis nichts, einfach nur zuzuhören, wenn nicht auch aktiv gesprochen wird. Schade... Beineide die, bei denen das Erfolg hat. Einen angenehmeren Weg mein Englisch zu verbessern kann ich mir nicht denken...

    Mit freundlichen kollegialen Grüßen


    Syrophir


    ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------


    "Die Menschen hungern nach der Wahrheit, doch wissen sie selten ihren Geschmack zu schätzen."

  • Da sind dann Untertitel, mein japanisch nicht nicht sonderlich gut^^.


    Wobei auch daran gewöhnt man sich sehr sehr schnell, wenn man nicht nur alle paar Wochen mal etwas mit Untertiteln guckt. Nach den ersten 20 Episoden Naruto hat mich das gar nicht mehr gestört.

    Mit freundlichen kollegialen Grüßen


    Syrophir


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    "Die Menschen hungern nach der Wahrheit, doch wissen sie selten ihren Geschmack zu schätzen."

  • Ich finde, man muss sich bei allem "coolen" Englisch mal vor Augen halten, wie das für einen klingen würde, wären wir Amis oder Engländer - nämlich deutlich weniger cool. In der Musik würde sicher einiges unter Schlager auf SWR4 laufen

    Nicht nur "würde". Ist so. Vor ein paar Jahren habe ich mal beim Autobahnfahren im Radio gezappt und dann auf SWR4 in einer Mischung aus Erstaunen, Erheiterung und panischem Entsetzen das Titanic-Lied entdeckt. Auf deutsch, interpretiert von Vicki Leandros. Bei Anklicken akute Lebensgefahr, ICH MEINS ERNST!

  • in einer Mischung aus Erstaunen, Erheiterung und panischem Entsetzen das Titanic-Lied entdeckt. Auf deutsch, interpretiert von Vicki Leandros. Bei Anklicken akute Lebensgefahr, ICH MEINS ERNST!

    Das Lied ist doch im Original schon genau so scheisse. Das wird in der Übersetzung auch nicht schlimmer.

    Aber wo wir schon bei Celine Dion sind...das hier verursacht körperliche Schmerzen:


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  • Ansonsten ist das schon Übungssache. King of Queens fand ich am Anfang auch nicht einfach, wenn man sich 3 Folgen durchkämpft, versteht man doch erstaunlich viel. Nicht jedes Wort, aber es geht doch ohne große Mühen.


    Eine Zeit habe ich aus Übungszwecken oft Filme und Serien auf Englisch geschaut, leider ohne großen Erfolg. Passiver Wortschatz ist vielleicht etwas gewachsen, aber der aktive Wortschatz kümmerlich wie eh und je. Für mich bringt es also wenig bis nichts, einfach nur zuzuhören, wenn nicht auch aktiv gesprochen wird. Schade... Beineide die, bei denen das Erfolg hat. Einen angenehmeren Weg mein Englisch zu verbessern kann ich mir nicht denken...

    Seinfeld und Frasier waren/sind zwei weitere Serien, die mir im original enorm gefallen und weitergeholfen haben das Gehör auf englisch einzustellen. Liegt vielleicht auch daran, dass in Sitcoms meist recht deutlich, laut und auf Pointe bedacht gesprochen wird. Das von mir schon an anderer Stelle bemängelte Nuscheln findet man ja hauptsächlich in Krimi- oder Dramaserien neueren Datums.


    Ist aber auch immer ein bisschen vom Schauspieler und seiner Rolle abhängig. Carrie fand ich in King of Queens z.B. schwerer zu verstehen als z.B. Frasier, der auch durch seine leicht affektierte Art sehr ruhig spricht. Bei Seinfeld finde ich die gesamte Besetzung durchweg sehr gut verständlich.

  • Ein Grund, warum ich mir manche Sachen auf Englisch ansehe: Ich war zu ungeduldig auf die deutsche Synchronisation zu warten, hab auf Englisch begonnen und mich so an die Stimmen gewöhnt, dass Deutsch einfach nicht mehr geht. So kann/konnte ich z.B. die deutsche Stimme von Ragnar bei den Vikings nicht hören, da graust es mir.


    Bin ich jetzt ein Snob? :)

  • Ich finde die Deutsche Synchro meistens sehr gut gelungen. ABER: Das Charisma in der Stimme kann man nicht kopieren. Gerade bei Comedians (Monty Python-Truppe, Jerry Seinfeld oder Jerry Stiller wurde ja schon erwähnt) kann man Eigenarten in der Stimme nicht kopieren. Samuel L Jacksons "Motherfucker" ist legendär (auch wenn die Synchro von Pulp Fiction auch sehr gut ist), aber man bekommt den Slang nur schwer übersetzt.


    Das ist wie eine Cover-Version eines Lieds. Das gelingt oft gut, aber das Original ist meistens besser.

  • Anime Filme und einige Serien liefen vor zig Jahren im Abend/Nachtprogramm auf VOX in Japanisch mit deutschen Untertitel. Dann kamen sie mal auf die Idee manche Sachen auf deutsch zu synchronisieren und das ging mächtig in die Hose (vor allem bei Record of Lodoss War).


    Bei anderen Animeserien, die im Tagesprogramm damals liefen oder auch etwas später auf MTV/VIVA waren dagegen doch gut synchronisiert. Heutzutage werden auch auf Cons die meisten Filme und Serien auf deutsch gezeigt, da auch das Publikum selber generell auf deutsch schaut. Die Synchro-Qualität ist auch generell mittlerweile gut.


    Englische Synchros schwanken von der Qualität eher mehr. Manche gehen gar nicht, andere sind gut.


    Bei der Netflix Serie Dark gibt es ja auch im englischsprachigen Raum welche, die nur auf O-Ton schwören und die Serie deswegen auf deutsch schauen.


    Ich mag es eher synchronisiert und auch Namen übersetzt. Texte von neuen Warhammer Produkten finde ich gerade durch die englischen Namen und Titel sehr anstrengend zu lesen.

  • Schauspieler werden üblicherweise nach ihrer Stimme gewählt. Audition - von Audio; auch auf Deutsch: Vorsprechen, nicht vorspielen. Ein gutes Beispiel war z.B. in Sleepy Hollow - die haben 30 Schauspieler verübt, bis eindlich einer die Testsätze so sprechen konnte, wie es der Produzent wollte. Auch wenn er optisch nicht passte, das war egal, das hat die Maske dann schon hingekriegt. Schauspieler bei Synchros? Üblicherweise wird genommen, wer gerade Zeit hat ... oder noch nicht gestorben ist, dann wird's überhaupt gruselig, wenn der Synchrosprecher wechselt (zuletzt glaub' ich bei Pirates of the Carribean?)


    Schauspielern selbst geht hauptsächlich über die Stimme - gut ausschauen ist Sache der Maske. Aber eine markante Stimme kann einem Schauer den Buckel runterjagen. Oder Tränen aus dem Auge treiben. Die Glaubwürdigkeit eines Film-Charakters ist die Stimme.


    Synchros haben generell ein Glaubwürdigkeitsproblem. Auch wenn es "Synchronisation" heißt, ist es nicht synchron. Auch wenn Sätze oft verstümmelt oder gezogen werden um halbwegs hinzukommen, ist es nie synchron - unterbewusst wirkt das falsch.


    Eines der Hauptprobleme ist die Kunstsprache die verwendet wird. Ganz besonders schlimm bei Ami-Gangster Filmen ... RTL-Deutsch auf ultra-cool ... kein Mensch würde je so sprechen, schon gar nicht in Chicago! Stellt euch einmal einen Berliner Tatort Krimi auf Italienisch an - das wäre nur mehr lächerlich ... "Arresto il gangster di tanto in tanto vado a casa da mia madre." und im Hintergrund das Brandenburger Tor. Sehr glaubwürdig ... ? Oder sollte man's gleich auf Bayerisch synchronisieren?


    Hört euch einmal einen deutschen, einen schweizer und einen österreichischen Nachrichtensprecher an. Alle drei reden Hochdeutsch. Alle reden anders. Genauso bei Filmen. Ein Nord-Franzose spricht anders als ein Südfranzose; ein Schwarzer hat eine andere Sprachmelodie als ein Weißer ... etc. Das geht alles verloren! Da red' ich noch gar nicht von Wortwitzen.


    Wer Filme mag und sich für mehr interessiert, als nur einfache Unterhaltung, kann nur zum Original greifen - und es ist völlig wurscht, welche Sprache das ist. Heute gibt's Untertitel. Es gibt keinen Grund mehr, einen guten Schauspieler zu vergewaltigen.


    Und als netter Nebeneffekt trudeln dann auch noch ein paar Sprachkenntnisse ein ... schon einmal mitgekriegt wie unterschiedlich das Englisch-Niveau von deutsch-sprechenden und z.B. Skandinaviern ist? Letztere haben übrigens ausgezeichnete Filme und Schauspieler! Nur so als Tipp.

  • IIn welcher Sprache "müsste" man sich dann Zeichentrickfilme, Animationsfilme oder Animes anschauen?

    Da sind die Zeichnungen/Animationen teilweise im "Original" ja nicht synchron mit dem Ton.

    Die Animationen werden nach den Drehbüchern angefertigt - also je nach Sprache, die das Original ist.

    Aber auch hier werden die Rollen mit Schauspielern besetzt, die ein passende Stimme haben. Hank Azaria ist mit Homer Simpson berühmt geworden!

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  • Spiele - ist mir wurscht.

    Deutsch verstehe ich leichter, aber die englische Sprache erscheint mir ein bisschen präziser.


    Bücher - eher deutsch.

    Die deutsche Sprache kann ich recht gut "querlesen", also Passagen überspringen und trotzdem den Inhalt mitschneiden.


    Filme/Serien - eher englisch.

    Liegt vorwiegend daran, dass ich - gerade bei Serien - einige Synchronisationen erlebt habe, die ich dann doch störend "hölzern" und "lieblos" erlebt habe.

    Auch finde ich es schön, die originalen Dialekte zu hören, die sich teils nur äußerst bedingt übersetzen lassen (texanischer oder australischer Dialekt, wie will man das auf Deutsch darstellen?).

    Ich bin mir aber auch nicht zu schade, mal auf Deutsch zu wechseln, wenn ich zu müde bin, um mich zu konzentrieren.

    Oder mal Untertitel einzublenden, wenn geballtes Fachvokabular kommt (zB irgendein SciFi-Techno-Exposition-Dump, den ich für die weitere Handlung verstehen sollte, aber auf Englisch nicht verstehen würde).

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