Dumpinglöhne in Deutschland - Hartz IV besser als Arbeit?

  • Ich brauche Mal etwas intellektuellen Austausch in diesem hoch intellektuellen Forum. Ich mein das ernst, hier sind ja einige helle Köpfe und ich möchte mit euch einen Artikel bzw. eine These diskutieren.

    Hartz IV lohnt sich bei 4 Kindern mehr als arbeiten zu gehen.

    Die FAZ schreibt in einem PLUS-Artikel (leider kostenpflichtig - Was genau ist Armut im Sozialstaat Deutschland?), dass bei 4 Kindern der Hartz IV Satz mehr ist, als viele Jobs an Gehalt bieten können. Man bräuchte 15,40€ Stundenlohn (Ich nehme an Brutto. Macht bei Vollzeit (40 Std.) einen Bruttolohn von ca. 2.464€ Das ist 114€ Brutto unter dem Lohn eines Vollzeit Erziehers in Hessen (nachzurechnen hier sue?id=tvoed-sue-2017i&g=s_8a&s=1&zv=vbl&z=100&zulage=&stj=2017&stkl=1&r=0&zkf=0&kk=15.5%).

    Lohnt es sich also, 4 Kinder zu zeugen und Hartz IV zu beantragen? Mit 4 Kindern und ner Frau hat man auch gute Chancen eine recht geräumige Wohnung finanziert zu bekommen, wenn nicht sogar eine Reihenhaushälfte (unabhängig vom Standort betrachtet.) Und was macht das mit uns Menschen? Jetzt kann man sagen, Erzieher verdienen viel zu wenig. Ich bin selbst im TvÖD eingruppiert und verdiene als Berufsanfänger mehr als meine Mutter. Sie: Gelernte Bürokauffrau mit 30 Jahren Erfahrung und mittlerweile Abteilungsleiterin bei OBI - Baumärkte. In meiner Sozialisation sind also ganz andere Gehaltsvorstellungen vorhanden. Ich hab gejubelt, als ich mein zukünftiges Gehalt gesehen habe.


    Worauf ich hinaus will: Mit Jens Spahn kamm ja erneut die Debatte auf, ob Hartz IV zu viel oder zu wenig sei. Ich bin Linker. Rein ideologisch gesehen, finde ich, ist das zu wenig. In logischer Konsequenz muss ich dann aber auch deutlich höhere Löhne fordern. Was ich durchaus für möglich halte. In der pädagogischen Branche wird extrem über Fachkräftemangel gejammert. Neue Einrichtungen aufbauen sorgt für große Sorgen bei den Kommunen, weil man das Fachpersonal nicht findet. Löcher werden mit unausgebildeten Gestopft. Was das für die Zukunft unserer Kinder bedeutet, kann sich jeder selbst ausmalen. Nun gilt mit dem TvÖD ein Tarifvertrag für das gesamte Bundesgebiet. Während man im Rhein-Main-Gebiet mit dem Gehalt ganz gut leben kann, ist es in München ein Graus. Wer will denn unter diesen Umständen noch Fachkraft werden?


    Wo muss ein Land, das seit vielen Jahren Wirtschaftswachstum und Handelsbilanz über alles stellt etwas verändern? Verändern, dass Hartz IV ein würdevolles Leben sichert, aber das normale Gehalt ein gutes Leben ermöglicht.

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  • Vermutlich geht der Beitragsfaden bald wieder in die „bedingungsloses Grundeinkommen“-Richtung, was wir kürzlich hatten. Wäre vielleicht mal einen Versuch wert...

    Vielleicht sollte man den Begriff der Fachkräfte auch etwas entzerren. Mein Junior wollte liebend gern Erzieher werden, nur fragte er sich nach ein paar Monaten, was um aller Welt bringt das Wissen um Osmose, Zellkernaufbau etc. im beruflichen Alltag? Manchmal wird einfach zuviel „drumrum“ gelehrt, Konzentration aufs wesentliche wäre meistens der bessere Weg. Damit würde sowohl die Motivation erhöht und die Ausbildungszeit verkürzt werden.

    Bitte senden Sie mir Ihre E-Mail doppelt, ich brauche eine für´s Archiv :/

    Einmal editiert, zuletzt von Torlok ()

  • Ich glaube, dein Dilemma zu verstehen. Aber "Schmarotzer" des Systems wird es immer geben, da kommt man nicht drum herum. Und da ich schon mal arbeitssuchend war, kann ich dir nur versichern, dass die Ämter unseres Landes schon genug Druck auf einen ausüben, auch schnell wieder in eine Beschäftigung überzugehen - selbst wenn man studiert ist und ganz genau weiß, wie und vor allem worum es geht. Die kleistern dich mit Maßnahmen zu, die du eigentlich gar nicht brauchst, einfach damit du beschäftigt bist und keinen Bock mehr auf Arbeitslosigkeit hast. Ist zumindest bei uns in der Region so, das gilt sicherlich nicht überall. Dennoch verstehst du denke ich, worauf ich hinaus möchte. Ich bin auch der Ansicht, dass Hartz IV ein Leben am Limit darstellt, erstmal unabhängig der Kinderanzahl. Klar wird Letzteres manchmal negativ ausgenutzt, aber das darf man nicht als Aushängeschild respektive strahlendes Beispiel dafür sehen, Hartz IV nun einkürzen zu wollen. So wird kein Schuh draus. Wenige schwarze Schafe sind immer noch zu ignorierende Ausreißer. Ja, wenn es Überhand nimmt, sollte man reagieren und da evtl. bürokratische Hinter- oder Falltüren einbauen, von mir aus, aber aktuell noch nicht. Die Zahlen in der Hinsicht sind zu gering. Auch generell gesehen. Hartz IV erhalten derzeit in Deutschland 4.26 Millionen Menschen. 2010 waren es noch 4.84 Millionen. Der Abwärtstrend ist relativ eindeutig zu beobachten - wenn auch langsam. Und falls du auf Flüchtlinge anspielst, gehen die Zahlen da auch drastisch herunter. Viele Inobhutnahmen müssen schließen und deutschlandweit wird händeringend umverteilt, damit die wenigen, die es noch gibt, überhaupt noch adäquat gefüllt werden können. Die meisten sind schon geschlossen oder in Jugendheime etc. umgewandelt worden. Da ist viel Hetze und Missinformation in den öffentlichen Medien.


    Ps: Dein Erziehergehalt ist übrigens nicht von schlechten Eltern, vor allem als Einstiegsgehalt. Ich denke im Deutschlandschnitt bist du damit schon in den obersten 10% des Berufszweigs. Der Bildungsträger wo ich arbeite ist der bestbezahlte Private der Region mit Abstand, und unsere Erzieher bekommen weniger Einstiegsgehalt.

    Lg

  • Das Beispiel ist mit einem Einzelverdiener, und so üppig ist das auch nicht. Ist da die Wohnung mit eingepreist oder nicht? Gerade in teuren Städten kann das der entscheidende Anteil an den Einnahmen ausmachen/kosten.

    Bei konsequenter Umsetzung des Grundgesetzes würde sich so eine Frage auch nicht stellen,da dann die Menschenwürde und das Recht, nicht die Pflicht,zur Arbeit in Einklang gebracht werden müssten. Dann noch der Teil mit dem Eigentum verpflichtet, und dann wäre schon einiges getan.

    Solang aber erwartet wird,dass in wirklich verantwortlichen Positionen wie bei Erziehern und im Gesundheitswesen, unter unerträglichen Bedingungen,dabei ist der Lohn wirklich noch das kleinste Übel,gearbeitet wird, Manager dafür aber überhaupt keine Verantwortung übernehmen können oder wollen, wird das System munter weiter gegen die Wand fahren.

    Das Problem nur national zu lösen wird allerdings schwierig, da hier ein globales Umdenken wohl unabdingbar ist. Man könnte es aber wenigstens mal versuchen.

  • Nur zur Klarstellung, ich bin kein Erzieher, aber ähnlich eingestuft. Es geht auch nicht um mich, sondern um die gesellschaftlichen Implikationen und mögliche vorstellbare Lösungswege. Natürlich ist das BGE ein möglicher Lösungsvorschlag und ich bin dem BGE durchaus zugeneigt.

    Ich finde es einfach extrem Schwierig, Arbeit zu vermitteln als etwas, dass auch den Menschen persönlich bereichert, wenn so wenig Geld dabei herumkommt und gleichzeitig jemand, der morgens liegen bleibt, das Gleiche Geld bekommt. Ich finde Work-Life-Balance ist heute ein wichtiges Schlagwort. Wenn auch schon totgeschlagen. Mit 39/40 Stunden pro Woche ist nicht mehr viel Life übrig. Bezieht man das in die Bewertung mit ein, so ist der Arbeitslohn umso schäbiger gegenüber dem Hartz IV.


    Gleichzeitig denke ich aber, dass der Hartz IV Satz zu niedrig ist. Wissenschaftlich bewiesen wurde ja bereits, dass er falsch Berechnet wird und daher eine zu niedrige Summe bei herum kommt.


    Wie kann man diesen Widerspruch also auflösen? Doch eigentlich nur durch steigende Gehälter. Ist das wirtschaftlich machbar oder sorgt es dafür, dass wir noch mehr andere Länder ausbeuten?!


    Die Erfahrung mit dem Amt, wenn man ALG 1 oder Hartz IV bezieht hab ich auch schon gemacht. Da wird man dann in ein Bewerbertraining von 8-17 Uhr gesteckt, obwohl man gerade 5 Vorstellungsgespräche hat und sich den Job aussuchen kann... Nur damit man eben was zu tun hat. Ausruhen nach dem Studium war nicht ;).

    Ich würde gerne mehr auf das Erziehergehalt eingehen, aber dazu mach ich gerne einen extra Thread auf :)


    Siehe hier: Pädagogische Gehälter und Arbeitsbedingungen

  • Die Erfahrung mit dem Amt, wenn man ALG 1 oder Hartz IV bezieht hab ich auch schon gemacht. Da wird man dann in ein Bewerbertraining von 8-17 Uhr gesteckt, obwohl man gerade 5 Vorstellungsgespräche hat und sich den Job aussuchen kann... Nur damit man eben was zu tun hat. Ausruhen nach dem Studium war nicht ;).

    Ich bin immer wieder erstaunt, wie pauschalisierend Linke doch sein können, die eine Pauschalisierung so verabscheuen ;-)


    Bei mir als (Unter 25-)Arbeitsvermittler eines Jobcenters passiert das bei meinen Leuten übrigens nicht (so) :-) Für meinen Puls werde ich aber lieber das Thema hier ignorieren :)

    Top 10 (jeweils ohne Reihenfolge)

  • Da kollidieren aus meiner Sicht kapitalistisches System, gesellschaftlicher Nutzen einer Tätigkeit und der Hedonismus des Einzelnen.

    Wichtige Bereiche der Gesellschaft entziehen sich eigentlich einer kapitalistischen Gewinnabschöpfung, werden aber gnadenlos dessen Primat unterworfen. Seien es nun Kunst und Kultur, immer schon eng verknüpft mit dem Kapitalismus,oder seit neuerer Zeit Gesundheitsfürsorge und humanistische Bildung. Soziale Marktwirtschaft, so gut wie Fehlanzeige, und selbst die wäre nur ein Kompromiss.

    Dem Staat ist auch quasi verboten als Mitbewerber im Wirtschaftssystem aufzutreten,da sind die liberalen Märkte dann doch erstaunlich protektionistisch. Überall dort wo Gewinn gemacht werden kann, ist der Staat als Mitbewerber nicht gern gesehen. Ihm dafür dann aber ausreichend Steuern zuzugestehen ist dann aber auch keine freiwillige Übung der freien Wirtschaft. Zusätzlich werden dann auch noch Kosten der Wirtschaft vergemeinschaftet. Kohle,Stahl, Auto oder Atomindustrie, die Liste lässt sich hier quasi beliebig fortsetzen.

    Die Arbeitnehmer,potentiellen Sozialhilfeempfänger sind hier sicher nicht das Problem.

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  • Bei mir als (Unter 25-)Arbeitsvermittler eines Jobcenters passiert das bei meinen Leuten übrigens nicht (so) Für meinen Puls werde ich aber lieber das Thema hier ignorieren

    Das freut mich, dass das bei dir nicht so ist. Das war nicht pauschalisierend gemeint. Aber das ist die Erfahrung die ich und mein persönlicher Umkreis hier gemacht haben. Ich hoffe sogar, dass nicht jedes Jobcenter so bescheiden arbeitet, wie das mit dem ich bekannt werden durfte.

    Übrigens: neuer Thread zum Thema Erziehergehälter: Pädagogische Gehälter und Arbeitsbedingungen

  • Der Abstand zwischen Hartz IV und Mindestlohn ist meiner Meinung nach viel zu gering.


    Zieht ein Geringverdiener von seinem Netto die Kosten ab, die er als Hartz IV Empfänger nicht hat (Miete, Kinderbetreuungskosten, GEZ usw.), dann wird es sicher nicht wenige Menschen geben, für die sich das Arbeiten nicht mehr lohnt. Ich kann es menschlich verstehen, wenn man in so einer Situation zu dem Schluß kommt, nicht mehr zu arbeiten.


    Anderseits gibt es jetzt schon so viele Menschen, die aufgrund Bildungsstand, Ausbildung, Alter, Herkunft und weiterer Faktoren gar nicht mehr in der Lage sind, selbst für ein ausreichendes Einkommen sorgen zu können und langfristig aus Hartz IV nie herauskommen werden. In diesem Zusammenhang macht mir die derzeit ungesteuerte Zuwanderung große Sorgen und frage mich, wieviel hält der Sozialstaat noch aus?


    Es wird eine gesellschaftliche Aufgabe werden, die Verteilung des Wohlstandes im Land zu überdenken - und ich bin kein Linker. Aber wie immer wird es so sein, dass Veränderungen nur dann befürwortet werden, wenn es einem nicht selbst betrifft. Ich denke wir haben ein paar spannende und hoffentlich friedvolle Jahre vor uns, "weiter so" wird auf Dauer nicht gutgehen.

  • In diesem Zusammenhang macht mir die derzeit ungesteuerte Zuwanderung große Sorgen und frage mich, wieviel hält der Sozialstaat noch aus?

    Es ist aktuell wissenschaftlich nicht haltbar, das eine Zuwanderung in unsere Sozialsysteme stattfindet. Die Angst davor halte ich für populistisch. Meine Angst: Ab jetzt entgleist die noch junge Diskussion.

  • Ich brauche Mal etwas intellektuellen Austausch in diesem hoch intellektuellen Forum. Ich mein das ernst

    :D, sorry, das kam ziemlich lustig :)


    Ich denke, das ist kein einfaches Thema! Auf der einen Seite kann ich mir vorstellen, dass es tatsächlich zutrifft: in einigen Fällen bekommt man durch H4 mehr als wenn man einem (bestimmten) Job nachgeht. Dennoch sei mal gesagt, dass 2.500 € brutto für 5 oder 6 Personen ziemlich wenig ist!


    Es gibt auch andere Fälle, in denen sich "Stütze" "lohnt". Eine mir bekannte Bäckerei möchte zum Beispiel eine Teilzeitkraft stärker einspannen, weil sie gute Arbeit leistet. Diese verweigert jedoch, weil sie dadurch zu viel verdienen würde und ihre Bezüge gestrichen werden würden. Wir "Besserverdienenden" - zumindest gehe ich mal davon aus, dass hier der Großteil (weit) über H4-Niveau liegt - tadeln sowas häufig. Wie kann man nur, Schmarotzer! Aber ganz ehrlich: Wenn ich die Wahl hätte, mir für einen Hungerlohn den Rücken krumm zu schuften oder für nahezu das gleiche Geld meine Freizeit zu genießen, dann würde ich auch letzteres wählen.


    Für mich besteht das Problem nämlich darin, dass diese schlecht bezahlten Jobs meist körperlich anstrengend oder anspruchsvoll sind. Schaut man sich mal eine Frisörin an... 8-10 Stunden am Tag stehen und die Hände hochhalten, mit Menschen quatschen, begutachtet werden. Das würden viele von den Ü50.000ern nicht mal einen Tag durchhalten. Dennoch verdient eine Frisörin einen Hungerlohn. Wohnung, Auto, 1x Kino im Monat und 1x im Jahr in den Urlaub - das war's meist schon.


    Bleibt doch grundsätzlich eine Unterscheidung: H4 kann tatsächlich eine Falle sein und nicht jeder der H4 bekommt, zählt auch zum Schmarotzerpack. Dennoch gibt es das, das kann man nicht wegdiskutieren. Es gibt viele Menschen, die zu faul sind zu arbeiten. Und ehrlich gesagt kann ich das teilweise auch verstehen, wenn der Lohn keine Motivation ist.


    Was ist also eher das Problem? Meiner Meinung nach die geringen Gehälter in manchen/vielen Bereichen. Wäre Arbeit durch Lohn & Gehalt wieder attraktiver, gäbe es vielleicht nicht so ein Ungleichgewicht.

    Top Ungespielt-Liste (10/18): 1. Hyperborea — 2. Herr des Eisgartens — 3. Runewars — 4. Siege of Columbia — 5. 7th Continent — 6. Food Chain Magnate — 7. Gaia Projekt — 8. Spirit Island — 9. This War of Mine — 10. Twilight Imperium

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  • HDScurox Sie ist eher enteist. :)


    "Zuwanderung"in die Sozialsysteme hatten wir schon bei der Wiedervereinigung in xfacher Höhe, und haben es gut überstanden. Da tun uns die 2-3 Millionen max , sofern wir annehmen, die legen sich alle in die soziale Hängematte, auch nicht weh.


    Bei der Wirtschaft sind wir ja so liberal, sprich wir nutzen das soziale Gefälle weltweit für uns aus, wollen dann Menschen aus anderen Staaten daran teilhaben, ist die Tür dann ganz schnell wieder zu. Waffen liefern ist auch ok, Kriegsflüchtlinge lassen sich aber bitte lieber im Heimatland direkt erschiessen,statt hierher zu fliehen.

  • Übrigens ist es ein sehr eng gefasster Begriff von „Arbeit“, wenn man automatisch annimmt, ein Harz-4-Empfänger arbeite nicht.

    Das ist meiner Meinung nach ein großes Problem der Debatte, auch mit Blick auf das BGE.


    Falls man es richtig macht (bewusste Einschränkung!) halte ich z.B. die Aufzucht von vier (!) Kindern für schwere Arbeit, die ich im übrigen z.B. nicht machen wollen würde.

  • Es ist aktuell wissenschaftlich nicht haltbar, das eine Zuwanderung in unsere Sozialsysteme stattfindet. Die Angst davor halte ich für populistisch. Meine Angst: Ab jetzt entgleist die noch junge Diskussion.

    Mich wurdert, dass es erst jetzt passiert :) Internet und Stammtischpolemik (auch das ist polemisch) passiert nochmalerweise direkt :) Das lässt für dieses Forum ein bisschen Hoffnung übrig :)

    Zu deiner konkreten Frage: Ja Arbeiten lohnt sich. Denn jeden Cent mehr als Hartz 4 wirst du brauchen und einsetzen. Spätestens wenn du 4 Kinder hast. Es geht auch mehr um Selbstachtung als um den reinen Ertrag. Als Brettspieler wünscht man sich vielleicht mehr Freizeit, aber am Ende ist man doch froh, wenn man sich selbst weiterbringen kann, als sich auf irgendwelche Zahlungseingänge aus dem System zu verlassen.

    Rechne bitte die Kosten, die Kinder ergeben dagegen.... Mit Harz 4 wird es im Bildungssystem nämlich eng. Ich war da, als es noch Sozzialhilfe hieß. Ganz tolle Nummer, wenn deine Klasse auf Klassenfahrt geht, und dein Beitrag vom Förderverein bezahlt wird, du aber den Kinobesuch ausfallen lassen musst, wegen zu wenig Taschengeld. Und vom Studium gar nicht zu reden... 500€ Bafög... viel Spaß damit :) Dazuverdienen geht auch nicht... oder nur in engen Grenzen. Ich hatte Glück, Unterstützung von anderen zu haben, und Glück jetzt 25k Studienschulden aufnehmen zu können.


    Was bringt es dir, eine Wohnung bezahlt zu bekommen, wo du nicht frei entscheiden kannst, wo diese ist. Oder was bringt dir ein Einkommen, das du nicht steigern darfst. Mal abgesehen von der Altersvorsorge... dein Schicksal ist in einem Leben mit Hartz 4 besiegelt. Rauskommen ist super schwer.



    Sicher gibt es den Lohnsektor, in dem man fast nix verdient. Da mag deine Frage gerechtfertigt sein. Aber auch hier gibt es die Chance weiter zu machen.



    Ich muss bei dieser Diskussion immer ein wenig aufpassen, dass ich nicht vergesse, wo ich herkomme. Ich habe den Ausbruch für mich geschafft, und ein ordentliches Einkommen. Dafür hab ich ne Menge Kredite aufgenommen, die Nächte durchgeschuftet und etwas zu lange studiert :)



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  • Tja die Gehälter... da könnte ich jetzt einen Roman zu schreiben, aber das ist mir zu riskant. Medienbranche ist außer auf einigen wenigen Stufen manchmal modernes Sklaventum. Wenn ich die Ghälter von Freunden sehe (Hotelbranche) dann ist das noch trauriger.


    Fremdsprachen beherrschen, eigenverantwortliches Arbeiten, mit Personalführung und der Lohn ist so niedrig das man davon alleine nicht seine Famile "ernähren" kann – zumindest mit ein bisschen Wohlstand (Auto, Urlaub & Co). Dazu Auslagerung von Arbeit, Personalknappheit über der Grenze des Zumutbaren und gleichzeitig werden von Kunden die Preise immer weiter gedrückt. Jeder will Gewinne und Wachstum einfahren und ganz am Ende gibt es viel zu viele Verlierer. Ich erlebe seit ca. 13 Jahren eine dramatische Abwärtsspirale.


    Ich bin immer weich gefallen, aber meine berufliche Laufbahn ist gepflastert mit Entlassungen, Schließungen und Umstrukturierungen von Kollegen bzw. Firmen inkl. traurigen wie menschenverachtenden Begleiterscheinungen...

  • Echt? Du redest von Hamburg, oder? Ich bin zum Glück aus der Agenturspirale seit raus. Denn doch ist es tatsächlich wie du schreibst - modernes Sklaventum. Als ich noch drin war, da waren Löhne von 2.100 € Brutto für Familienväter keine Seltenheit und das bei 50-60 Stunden pro Woche, immer hipp und aktuell, nie müde oder ausgelaugt...


    Allein diese Eigenart der Branche, dass man "für den Lebenslauf" in bestimmte Agenturen will, dennoch aber schon plant nach wenigen Jahren weiterzuziehen, weil man eigentlich gar keinen Bock auf den Job hat.


    Da lobe ich mir das Buch 39,90.


    PS: Sind die Gehälter tatsächlich so nach unten gegangen?

    Top Ungespielt-Liste (10/18): 1. Hyperborea — 2. Herr des Eisgartens — 3. Runewars — 4. Siege of Columbia — 5. 7th Continent — 6. Food Chain Magnate — 7. Gaia Projekt — 8. Spirit Island — 9. This War of Mine — 10. Twilight Imperium

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  • Es wird eine gesellschaftliche Aufgabe werden, die Verteilung des Wohlstandes im Land zu überdenken

    Nur um mal eine Gegenmeinung zu vertreten: Es wird eine gesellschaftliche Aufgabe, die Rahmenbedingungen so zu ändern, dass jeder die Möglichkeit hat, seinen Wohlstand selbst zu erarbeiten, statt auf Kosten anderer zu leben.

    Es ist aktuell wissenschaftlich nicht haltbar, das eine Zuwanderung in unsere Sozialsysteme stattfindet.

    Was meinst Du damit? Dass Zuwanderer keine Sozialleistungen erhalten? Dass es keine Zuwanderer gibt? Dass Zuwanderer kein Interesse an Sozialleistungen haben?

    Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.
    Die Bibel: Johannes 3,16

  • dawue schöner Beitrag danke. Du ziehst eine ganz neue Dimension mit rein, nämlich die des "Weiter kommens" die Möglichkeit des sozialen Aufstiegs ist mit Hartz IV nahezu Null und mit Arbeit zumindest vorhanden. Theoretisch gesehen. Ich komme ebenfalls aus einer Arbeiterfamilie (Schreiner!) bei denen schwer Schuften an der Tagesordnung war. Meine Mutter hat z.B. neben ihrem Beruf als Bürokauffrau immer mitgeholfen. Work-Life-Balance nahezu 0. Ergebnis? Mit 50 die Krankheiten von Ü60 Patienten. Gegenbeispiel: Mein Großvater. Schreiner. Arbeit = Leben und das aus Lust, nicht aus Zwang. Ergebnis: Mit 85 noch wesentlich fitter als Altersgleiche.

    Arbeiten lohnt sich also immer, wenn man noch Zukunftsperspektive hat oder haben will. Aber hat die jeder? Kann eine Putzfrau nicht mit ihrem Dasein als Putzfrau zufrieden sein? Und sollte diese dann weniger verdienen, als jemand der sich entschieden hat bei Hartz IV zu bleiben? Wir kommen hier zu sehr individuellen Fragestellungen. Aber das finde ich gut, um mehrere Ansichten beleuchten zu können.

    dawue High-Five für die studierten Arbeiterkinder die sich mit Bafög durchgeschlagen haben. Mit Bafög und 400€-Job hab ich mein Studium bestritten. Weil ich 2 Semester länger gebraucht habe, gabs noch nen kleinen KfW Studienkredit obendrauf. An den Schuldenberg denk ich besser nicht, sonst muss ich doch wieder über mein aktuelles Gehalt meckern. Wobei. Ich hab ein Auto (alt und ständig kaputt), einen Hund, eine 3 Zimmer Wohnung mit Partnerin und mir fehlt es an Luxusgütern an nichts. Dafür lasse ich ausgedehnte Urlaube aus... Ich kann also nicht meckern.

  • Das mit den Studienkrediten bekommt man ganz gut in den Griff, wenn mal der Hauskredit daneben liegt.... dann fällt er kaum mehr auf.

    Im Ernst, als Putzfrau oder Gebäudereiniger sieht es düster aus... oder für uns als Brettspieler näherliegend, der Paketbote. Aber auch hier ist eigener Hände lohn vermutlich deutlich mehrw ert, als es zu bekommen. Und diese Leute gibt es zu Hauf. Ich kenne Menschen aus dem nahen Umfeld, die Ihre Eltern aus Syrien geholt haben, und nun komplett für sie aufkommen, obwohl sie es nicht müssten. Einfach aus stolz, es selbst schaffen zu können.

    Die Presse bemüht gerne die kleine Prozentzahl an Schmarotzern, die das System ausnutzen. Aber das System fängt eben auch die 20 jährige alleinerziehende Mutter mit 2 Kindern auf.
    Ich habe damals geschimpft und war unfair, warum ich dies oder das nicht haben konnte. Heute, als Vater von 2 Kids, weiss ich was es bedeutet, 2 Kinder zu haben, und ihnen Spaß zu gönnen. Bildung zu gönnen, abseits eines maroden Systems. Handball, französischer Spielkreis, Musikschule (wohl gemerkt alles ohne Zwang und statt Kindergarten statt zusätzlich) Solche Dinge kann man mit Hartz 4 nicht bieten. Da ist das höchste der gefühle, der Freibadgutschein oder das Museum zum Sozialtarif.


  • Nunja es wird genug Klicks generieren :) Und viele werden sich jetzt bestätigt fühlen: Hab ich schon immer gewusst. Allerdings sind das auch die Gesellen, die mal im System landen sollten...

    Als Bundetagsabgeordneter lässt sich leicht polemisieren... und wenns dann die ein oder andere rechte Stimme dazu gibt, wieso auch nicht. Ich meine mit seinem kümmerlichen Gehalt würde ich auch drüber nachdenken, lieber Hartz4 zu beantragen.... Am Ende muss er noch als Lobbyist "arbeiten" um sein Gnadensold etwas aufzustocken.

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  • Weltherrscher jop, wobei die Zahlen ja nicht vom Bund der Steuerzahlen kommen, sondern vom Bundessozialministerium. Die Einordnung erfolgte durch den Bund der Steuerzahler.


    Sternenfahrer Volle Zustimmung. Wobei die heutigen Diäten definitiv über diesem Niveau liegen. Ich kenn' aus meiner aktiven politischen Zeit einige die sich sagen: Einmal für 4 Jahre im Land- oder Bundestag sitzen und alles ist gut. Dafür tun diese Personen auch alles mögliche. Mich widert das an. Und das die Idee, sie müssen so viel verdienen, dass sie für Bestechung weniger anfällig sind nicht wirklich greift, sieht man ja an der Lobbyarbeit (die ich per se für wichtig halte, nur die Art und Weise ist oft das Problem)

  • Laut der Tagesschau handelt es sich nicht um eine Familie mit 4 Kindern, sondern lediglich um eine vierköpfige Familie.


    "Wer eine vierköpfige Familie ernähren will, braucht heute einen Bruttolohn von mindestens 2540 Euro, um netto Hartz-IV-Niveau zu erreichen."

    "Gehe man von einer Arbeitszeit von 38 Stunden in der Woche aus, benötigten Alleinverdiener mit Partner und zwei Kindern einen Stundenlohn von mindestens 15,40 Euro, um Hartz-IV-Niveau zu erreichen."


    Gegebenenfalls könnte ein BGE oder eine andere Lohnstruktur helfen. Das sieht die Mehrheit der Bevölkerung offenbar jedoch anders, sonst wäre die Bundestagswahl sicherlich anders verlaufen.

  • Bei H4 darf nichts gespart werden. Außerdem müssen vorher Erspartes, darunter zählt u.a. auch manche Altersvorsorgearten, erstmal aufgebraucht werden. Hinzu kommt der Druck des Amts, zum Beispiel von jetzt auf gleich 5 Bewerbungen zu schreiben (da man selber ja keine schreibt...), am besten in der Woche vor Weihnachten oder gar zwischen den Jahren. Und sie haben noch weitere Schweinereien auf Lager, das geht auch alles auf die Psyche.

  • Ich bin ein Freund davon, dass die Tätigkeit als Abgeordneter gut entlohnt wird, damit es eine Alternative für kluge und gut ausgebildete Köpfe ist, denen auch andere Karrieren offen stünden.

    Stimme ich voll und ganz zu. Aber vielen reicht das offenbar nicht aus. Meine Kommentare gehen eher in die Richtung: Wer keine Ahnung hat, wie wenig 2500€ sind, sollte nicht urteilend darüber öffentlich reden. Jeder, der auch nur andeutet, dass HARTZ4 zu großzügig ist, sollte es mal 6 Monate versuchen. :)

    Unabhängig davon ist ein Mindestlohn von 8,xx € ein Witz. eine Errungenschaft für Wenige, aber deutlich unter dem, was Arbeit wert sein sollte.

  • "Wer eine vierköpfige Familie ernähren will, braucht heute einen Bruttolohn von mindestens 2540 Euro, um netto Hartz-IV-Niveau zu erreichen."

    Was heißt denn eigentlich "ernähren"? Was beinhaltet das? Nicht verhungern? Oder ist das die sog. "Armutsgrenze"? Woran wird das gemessen?

    Top Ungespielt-Liste (10/18): 1. Hyperborea — 2. Herr des Eisgartens — 3. Runewars — 4. Siege of Columbia — 5. 7th Continent — 6. Food Chain Magnate — 7. Gaia Projekt — 8. Spirit Island — 9. This War of Mine — 10. Twilight Imperium

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    Filmkritiken in 100 Wörtern: 100szenen.de

  • Die Betonung lag bei dem Satz nicht auf Ernähren,sondern auf Hartz 4 Niveau. Der Betrag abzüglich möglicherweise zu bezahlender Steuern,entspricht dem Hartz4 Satz für eine 4 köpfige Familie mit 2 Kindern. Wie man es allerdings schafft bei dem Einkommen, die Steuern ohne Abzüge zu bezahlen ist mir nicht klar. Durch diverse Freibeträge, anrechenbare Ausgaben,sollte man da eigentlich besser wegkommen.

  • Ich bin ein Freund davon, dass die Tätigkeit als Abgeordneter gut entlohnt wird, damit es eine Alternative für kluge und gut ausgebildete Köpfe ist, denen auch andere Karrieren offen stünden.

    Stimme ich voll und ganz zu. Aber vielen reicht das offenbar nicht aus. Meine Kommentare gehen eher in die Richtung: Wer keine Ahnung hat, wie wenig 2500€ sind, sollte nicht urteilend darüber öffentlich reden. Jeder, der auch nur andeutet, dass HARTZ4 zu großzügig ist, sollte es mal 6 Monate versuchen. :)

    Unabhängig davon ist ein Mindestlohn von 8,xx € ein Witz. eine Errungenschaft für Wenige, aber deutlich unter dem, was Arbeit wert sein sollte.

    Moin,


    den letzten Satz unterschreibe ich sofort. Leider gilt das auch für die Unternehmer, die auf Aldi und Co angewiesen sind, um ihre Produkte zu verkaufen. Da bleibt nicht mehr viel übrig für den Unternehmer und seinen Mitarbeitern. Aber das Volk will ja diese Niedrigpreise. Im Gegensatz zu Rewe oder Edeka, die ihre Zulieferer "angemessen" bezahlen, ist Discounter für Unternehmer und Mitarbeiter das Allerletzte: Ausbeutung pur. Aber den Kunden interessiert das nicht.Leider...Irgendwer muss ja den extrem niedrigen Preis bezahlen... Selbst den Milchbauern bleibt nicht mal genug , um das Futter für ihre Kühe zu bezahlen. Traurig.


    Gruß

    Marc

    2 Mal editiert, zuletzt von Jimmy_Dean ()

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  • Ich habe als Student bei Aldi Nord das Hauptlager gefegt. Stundenlohn: 17 DM


    LEH zahlt nicht gut aber auch nicht schlecht.

    "We are the unknowns. Lower your shields and surrender your ships. We will add your biological and technological distinctiveness to our own. Your culture will adapt to service us. Resistance is futile."


    Meine Spiele: Klick mich

  • Im Gegensatz zu Rewe oder Edeka, die ihre Zulieferer "angemessen" bezahlen, ist Discounter für Unternehmer und Mitarbeiter das Allerletzte: Ausbeutung pur.

    Aldi bezahlt hier (Münchner Speckgürtel) 14,11 €/h

    IHallo Klaus,

    das mag sein, aber die Arbeitsbedingungen sind sehr schlecht. Ein BL muss für seine 70.000 Euro Einstiegsgehalt rund 70 Stunden die Woche arbeiten. Krass? Normal bei Aldi. Brennholz für den Ofen. So werden Mitarbeiter bei Aldi verheizt. Ebenso gibt es KEINE Weiterbildungsmöglichkeiten. Die Ausbildung bei Aldi ist ein WITZ. Die Auszubildenden werden nur ausgenutzt für Kasse und Waren einräumen.Die Azubis lernen nichts über Lebensmittel. Nichts, was im Ausbildungsrahmenplan steht, wird da vermittelt.Eine Schande, dass Discounter überhaupt ausbilden dürfen. Das ist Aldi und CO. Ausbildung und Weiterbildung bei EDEKA oder REWE ist etwas völlig anderes. Auch was die Behandlung der Mitarbeiter angeht. Dazwischen liegen Welten....


    Gruß

    Marc

  • Ich bin ein Freund davon, dass die Tätigkeit als Abgeordneter gut entlohnt wird, damit es eine Alternative für kluge und gut ausgebildete Köpfe ist, denen auch andere Karrieren offen stünden.

    Ich kenn' aus meiner aktiven politischen Zeit einige die sich sagen: Einmal für 4 Jahre im Land- oder Bundestag sitzen und alles ist gut.

    Ich bin ebenfalls dafür, dass ein Abgeordneter eine gute Entlohnung erhält, damit es attraktiv genug ist für die schlauen Köpfe, die sonst lieber in die Wirtschaft gehen. Ich bin aber sehr dagegen, dass ein Abgeordneter nach seinem Ausscheiden aus dem Land- oder Bundestag hohe Pensionsansprüche erhält. DAS ist aus meiner Sicht das eigentliche Problem:

    4 Jahre Bundestag bringen mehr als ein Leben lang arbeiten

    Was ich noch verstehen könnte, wäre ein Unterstützungsgeld für ein paar Monate, bis man wieder einen Job gefunden hat. Also quasi Arbeitslosengeld. Und natürlich sollte man auch einen Pensionsanspruch erhalten, aber der ist aus meiner Sicht zur Zeit viel zu hoch.


    Ich komme aber vermutlich gerade zu sehr vom Thema ab ...

    André Bronswijk
    Thygra Spiele
    (u. a. für Pegasus Spiele tätig)

    Einmal editiert, zuletzt von Thygra ()

  • Und das die Idee, sie müssen so viel verdienen, dass sie für Bestechung weniger anfällig sind nicht wirklich greift, sieht man ja an der Lobbyarbeit (die ich per se für wichtig halte, nur die Art und Weise ist oft das Problem)

    Naja, das Argument habe ich schon immer für ein ziemlich schwaches gehalten. Leute die sich bestechen lassen, machen das in den allermeisten Fällen nicht aus Bedürftigkeit, da sie als Entscheidungsträger im Allgemeinen hinreichend bezahlt sein sollten, um gut über die Runden kommen zu können.

    Das ist für mich eher ein Einstellungsproblem bzw. ein Zeichen menschlicher Schwäche.

    Und wie hoch sollten sie bezahlt werden ,um z.B. einem Bestechungsversuch von moderaten 50.000 widerstehen zu können?

  • Oha, ich weiss genau was du meinst. Ich bin Geschäftsführer eines Digital-Vermarkters, der aber zu einem großen Verlagshaus gehört, und wir arbeiten seit Jahren mit großen Agenturen zusammen. Unfassbar (aber verständlich) was du da für eine Personalfluktuation hast. Aber ich verstehe es auch. Die meisten bei den Agenturen hoffen, dass sie diese als Sprungbrett nutzen können.

    Problem dabei ist halt, dass die nächsten hundert Bewerber schon Schlange stehen, damit man weiter dumpen kann.

    Das ist echt übel!

  • Bei den "Berechnungen", man bräuchte 15,40 Euro Stundenlohn in dem Beispiel , wurde vergessen, dass ein Arbeitnehmer noch zusätzlich Kindergeld erhält, während dieses mit den SGB II-Leistungen bereits abgegolten ist. Daher ist diese Berechnung falsch, wird aber schön weiter verbreitet.

    Quelle u.a.: Bund der Steuerzahler, FAZ, dpa u.a. verbreiten absurden Lohn-Hartz-IV-Vergleich


    Der Link aus Beitrag #23 zur Tagesschau verweist nun übrigens auf einen Artikel mit dem Titel: "Berechnung zu Hartz IV Arbeit lohnt sich - meistens - doch". Auch hier wird nun der Punkt bzgl. der fehlenden Berücksichtigung des Kindergelds erklärt.


    Traurig, dass solch einfache Fehler ungeprüft von vielen Medien weiterverbreitet werden. Jedem, der sich mit dem Thema ein wenig auskennt, sollte dieser Fehler gleich auffallen und die Aussage des Bundes der Steuerzahler stutzig machen.

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