Weisheiten für Autoren vom Guru (Knizia)

  • Reiner Knizia hat bei Twitter eine Serie mit dem Titel When you design a game gestartet. Manches klingt ein wenig nach Zen, aber im Kern steckt sicher die ein oder andere Wahrheit:

    1. Start with something innovative. This is your best chance to end up with something innovative.

    2. Be an artist, not a scientist. Avoid any fixed methodology, and don’t follow well trampled paths.

    3. Find your own style and handwriting. Following others will not lead you to innovation or glory.

    4. Only design those types of games you enjoy playing, otherwise your passion will not shine through.

    5. Remember that designs are like children. You can only guide them to full potential, but you cannot force them.

    6. Playtesting is the lifeblood of game design. No matter how experienced you are, you must feel the fun.

    7. Be prepared for a long iterative process. Going forward, going backward, taking many detours along the way.



    Zu 4. fallen mir spontan hauptsächlich Gehässigkeiten ein … Es bleibt zu hoffen, dass man seine Leidenschaft für Spiele bei Yellow & Yangtze mal wieder zu spüren bekommt ;)

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  • Zu 4. fallen mir spontan hauptsächlich Gehässigkeiten ein …

    Ich fände es fair, einfach zu akzeptieren, dass sich Reiners eigener Spielegeschmack über 30 Jahre hinweg verändert hat. Er hat heute Spaß an den Spielen, die er heute erfindet. Das merkt man an der Leidenschaft, mit der er seine Spiele präsentiert. Er mag die wirklich.

    André Bronswijk
    Thygra Spiele
    (u. a. für Pegasus Spiele tätig)

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  • Ich fände es fair, einfach zu akzeptieren, dass sich Reiners eigener Spielegeschmack über 30 Jahre hinweg verändert hat.

    Das habe ich zu Zeiten von Keltis bereits getan – wenn auch widerwillig, da ich Knizias Klassiker (Ra, E&T, Schotten Totten, Samurai, Durch die Wüste, Einfach Genial etc.) sehr schätze. Aber mit der Auszeichnung zum SdJ war für mich klar, dass er wohl nicht mehr an die – teilweise verklärten – „alten Zeiten“ anknüpfen würde. Abgesehen von El Dorado konnte mich seither keines seiner Spiele überzeugen geschweige denn seine Leidenschaft für Spiele spüren lassen. Ob er seine Spiele mag oder leidenschaftlich präsentiert, spielt für mein Empfinden beim Spielen i. ü. keinerlei Rolle.

    Im Gegensatz zu manch anderen bin ich ihm auch keinesfalls böse gesinnt, weil er nicht mehr (oder nur noch sehr selten) Vielspieler-/Expertenspiele entwickelt. Ich fände es nur sehr spannend zu sehen, was er heutzutage mit all den in der Zwischenzeit entwickelten Mechanismen und seinem Erfahrungsschatz in dem Bereich anstellen könnte, wenn er es denn täte. El Dorado ist für mich z. B. einer der besten Deckbuilder überhaupt, weil der Mechanismus da kein reiner Selbstzweck ist. Insofern freue ich mich auf Yellow & Yangtze – auch wenn da wieder einige unken, dass es nur ein hexförmiger Aufguss von E&T wird … Abwarten :)

  • Dann spiel' mal mehr "Unbekanntes", yzemaze. Amphipolis zum Beispiel ist eines der besten Set Collection-Spiele, die mir jemals auf den Tisch gekommen sind. Locker in meinen Top 10 Titeln, die ich als Gateway Games für Neulinge im Hobby benutze. Überragendes Artwork, tolles Material, spannendes Spiel, angenehme Spielzeit, fairer Preis, "nochmal"-Faktor der Mitspieler...was will man mehr?


    Tl;dr: Knizia hat auch heute noch seine Momente. Wirklich.

    Lg

  • was will man mehr?

    Möglichst viele interessante und relevante Entscheidungen.

    Amphipolis ist vermutlich ein passables Gateway-Spiel, vielleicht sogar ein sehr gutes und deine Begeisterung spricht für sich, aber was sollte ausgerechnet ich damit? Warum sollte ich es überhaupt in Erwägung ziehen, wenn ich in der Zeit auch Ra spielen könnte?

  • Warum sollte ich es [gemeint: Amphipolis] überhaupt in Erwägung ziehen, wenn ich in der Zeit auch Ra spielen könnte?

    Nun ja, im Beitrag zuvor hattest du Schotten Totten, Durch die Wüste und Einfach Genial gelobt. Die sind mindestens genauso sehr in der Gateway-Ecke zuhause.

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  • LookAtTheBacon

    Deine Antwort hätte mich schon interessiert :)

    Ich präzisiere versuche mich mal an einer Präzisierung: Was macht Amphipolis so gut, dass es besser ist als die von mir genannten Spiele (und andere ähnlichen Niveaus)? Ich habe mir eine Erklärung (Gameboygeek) angesehen und noch weitere Reviews überflogen und kann den Tipp an jemanden, der die alten Knizias und aus den letzten 15+ Jahren nur El Dorado schätzt und sich auf neue im Kenner-/Expertenbereich freut, nicht wirklich nachvollziehen. Das Ding ist leicht wie Origamipapier und die Ähnlichkeiten zu Ra sind obendrein frappierend – nur fehlt eben das Kernelement der Auktion. Woher der Spielreiz kommen soll, vermag ich u. a. daher nicht nachzuvollziehen. Also warum sollte ich lieber Amphipolis statt Ra spielen?

  • Ich weiß nicht, was du jetzt genau von mir hören willst, das ich nicht schon in dem anderen Beitrag geschrieben habe :) Die ersten zwei Zeilen deines Comicstrips könnten also in diesem Fall hier imho eher für mich gelten, als für dich.

    Aber weil du es bist, nochmal in aller menschenmöglichen Ausführlichkeit:


    1. Amphipolis ist schön.

    Schöner als jede(!) Ausgabe von Ra jemals. Das einzige was an jeglichen Ra-Versionen ansehnlich ist, ist das Cover des letzten Reprints (2016). Das Board ist ansonsten Grütze, die Plättchen schwanken zwischen langweilig, matt-blass bis potthässlich und die Währung ist maximal zweckdienlich. Und das gilt für alle Versionen! Ich habe mir extra für dich sogar nochmal das Zee Garcia-Vergleichsvideo angeschaut.

    Natürlich ist Artwork immer subjektiv, aber das Cover sowie Material und vor allem die Karten von Amphipolis sind einfach schöner gestaltet und haben einen ganz anderen Aufforderungscharakter. Ich bin sicher, dass wenn man alle drei Spiele inklusive Material offen nebeneinanderlegen würde, sich die meisten Menschen instinktiv für Amphipolis entscheiden würden, wenn man sie fragt, worauf sie am liebsten Lust hätten bzw. was sie am liebsten ausprobieren würden. Und es geht hier ja nach wie vor in erster Linie um die Zielgruppe "brettspielfremd/-fern", wenn wir über ein Gateway-Spiel sprechen. Wobei wir bei Punkt 2 wären.


    2. Amphipolis ist ein Gateway-Spiel, Ra afaik schon gehobenes Familienniveau bis leichtes Kennerniveau.

    Ersteres rangiert bei BGG auch deutlich unter dem Weight-Rating von Ra. Wurde Ra 1999 zum Spiel des Jahres nominiert? Ich glaube nicht. Der Grund liegt aber imho weder an mangelnder Bekanntheit, noch an schlechtem Design, noch an zu großer Konkurrenz. Ra ist weltbekannt, gilt als Klassiker und sowohl über Giganten als auch über Union Pacific spricht heute keiner mehr. Ich als Ketzer vor dem Herrn halte ja ebenfalls Tikal für ein bisschen überbewertet, abgesehen mal von dem tollen Aktionspunkte-Mechanismus, aber das ist ein anderes Thema. Was ich damit sagen will, ist, dass Ra wohl für den Preis zu komplex war bzw. zu schwer zugänglich. a) Hässliche (Pardon!) b) Auktionsspiele verkaufen sich wohl auch nicht so gut bzw. sind nicht so gut zugänglich wie hübsche (a) Abenteuerspiele (b). Jetzt könnte man natürlich gegenargumentieren und nachfragen, warum denn dann 2016 Amphipolis nicht nominiert wurde, wenn es denn eigentlich genau zur SdJ-Einordnung passt. Da sprechen aber (leider!) tausend konträr gelagerte Gründe dafür. Erstens bin ich sicher, dass die Jury das Spiel gar nicht auf dem Radar hatte, da Desyllas ein kleiner, eher unbekannter Verlag aus dem Ausland ist, die Auflage nicht so groß war und das Spiel bei uns abgesehen von Essen erstmal gar nicht erhältlich war. Zweitens hatte es abgesehen vom GameBoyGeek und später dem Dice Tower sehr wenig internationalen Buzz. Und Drittens hatte es in dem Jahr übertrieben starke Konkurrenz, unter anderem zum Beispiel mit Imhotep (ähnliches Setting+Look, sowie top Spiel) und Codenames (zweifelsfreies Überspiel, viel Buzz, extrem oft verkauft).

    Somit hätten wir zumindestens ansatzweise bewiesen, dass sich speziell Ra und Amphipolis nicht ganz so einfach vergleichen lassen, wie du hier vielleicht meinen möchtest respektive schon zwei Mal angeführt hast. Ja, in beiden ist Set Collection via Plättchen drin und auch das Thema ist ähnlich, da gebe ich dir Recht. Aber unter dem Strich sind es glaube ich dennoch immer noch zwei verschiedene Zielgruppen. Ra wäre jedenfalls nicht das erste Spiel, was ich einem kompletten Neuling vorsetzen würde. Es gelten hier für mich "das Auge isst mit" und "leichter ist immer erstmal besser, als zu schwer". Leute aus anderen Hobbys wollen optisch angesprochen und abgeholt werden und regen sich leicht auf wenn sie verlieren, plus Gewinnen ist generell immer erstmal ein besseres Gefühl als Verlieren - logisch. Daher sollte man beim ersten gemeinsamen Spielen vielleicht nicht Kartons aus dem Regal ziehen, wo man die Anderen zu 99% zerstören wird, egal wie intelligent oder motiviert sie auch sein mögen.


    3. Trotz dieser imho anders gelagerten Zielgruppe der beiden Spiele, finde ich persönlich, dass Amphipolis ein besseres "Skill Scaling" hat, als fast alle anderen Gateway-Spiele, die ich kenne.

    Was ich damit meine, ist, dass es Spiel des Jahres-Gewinner und Nominierte gibt, die ich als babyleicht betrachte und die auch unter Kennerspielern und reinen Experten-/Vielspielergruppen nicht viel dazugewinnen. Kingdomino ist da meines Erachtens nach ein sehr gutes Beispiel dafür. Auch Machi Koro, Camel Up, Niagara usw. sind schöne Vertreter dieser Gattung. Sie gewinnen mit starken Spielern nicht viel dazu, die Tiefe bleibt fast durchweg gleich und das Spiel ist schnell durchschaut plus bietet nach x Partien nicht viel Neues. Null Abwechslung, null Anspruch. Und mit null meine ich hier literal "Null". Ich spiele Kingdomino immer nach dem gleichen Muster und habe am Ende immer ein symmetrisches Grid mit der Burg in der Mitte, bisher ohne Niederlage. Machi Koro ist komplett ausrechenbar was die Wahrscheinlichkeiten der zu fallenden Würfel und die demnach bestmöglich zu kaufenden Karten angeht und Camel Up bleibt auch immer das gleiche Risikomanagement, der Rest ist Glück. All sowas.

    Amphipolis gehört aber zu der Gattung wie z.B. Colt Express, Zug um Zug:choose your Region, Kingdom Builder, usw. Wenn ich das mit einer kompletten Gruppe von Experten spiele, haben diese immer noch Spaß daran und können auch nach vielen Partien noch neue Kniffe finden. Ich versuche zum Beispiel, mir bei Colt Express jede Karte zu merken, immer. Oder bei Kingdom Builder die optimale Ausbeute der Zielkarten bzw. wie die verschiedenen Spieler das Brett lesen und an die Partie herangehen. Bei mehreren Zug um Zug-Spielplänen (nicht bei allen!) kann man gewinnen, in dem man Zielkarten ignoriert und einfach nur die längsten Strecken baut für viele Punkte. Als ich dies das erste Mal gesehen habe, dachte ich nur "wow!". Mind = blown. So hatte ich das Spiel noch nie betrachtet und es hat mir eine neue Tür geöffnet, eigentliche "Familienspiele" mit ganz fester Zielgruppe auch außerhalb dieser Zielgruppe super einsetzen zu können. Als softer Einstieg in einen Abend, wo man aber trotzdem noch ein bisschen Grundanspruch oder Denkmöglichkeiten haben möchte. Oder wiederum als leichter Absacker, nach einem langen Abend Gehirnschmalz-Rösten bei Mombasa & Co. Aber eben auch keinen 5-Minuten-Filler, sondern schon ein circa 30 bis 45-minütiges Erlebnis. Etwas, das nicht wie der letzte Schokoriegel ein paar Minuten nach dem letzten Bissen vergessen ist, weil es nicht sättigt. Sondern etwas Seichtes, aber zugleich Schmackhaftes - inklusive Sättigung.

    In die selbe Kategorie fallen für mich übrigens auch viele andere junge Titel, die nicht auf den SdJ-Nominierungslisten stehen oder standen - aus den ein oder anderen Gründen - und die auch oft (imho fälschlicherweise) als "zu leicht/seicht" abgetan werden. Namentlich zum Beispiel: Mein Traumhaus, Sultaniya, Metropolys, Adventure Tours, Isla Dorada, Tongiaki, New York 1901, Blueprints, Cottage Garden...diese Region.

    Demnach stimme ich deinem Assessment namens "leicht wie Origamipapier" definitiv nicht zu, da es eben im Zweifelsfall auch anders gespielt werden kann, mit skaliertem Skill Ceiling/Cap. Dann wird nämlich ausgerechnet, wie viele Steinplättchen noch im Sack sind und wie wahrscheinlich es ist, dass in den nächsten drei Zügen das Spiel endet. Oder es wird bis aufs letzte Messer taktiert, ob man vor dem baldigen Spielende noch eine Familie (aus Skeletten) anfangen sollte zu sammeln, oder nicht. Oder es werden Spezialfähigkeitskarten absichtlich zu bestimmten Zeitpunkten gespielt, wo sie anderen Spielern schaden (und nicht nur wenn sie einem selbst nützen), usw. Es gibt sehr viele, möglicherweise versteckte, Stellschrauben in diesem Spiel.


    4. (Vorsicht! Bold claim-> ) Amphipolis ist besser als El Dorado.

    Du sagst du magst aus den letzten 15 Jahren von Knizia nur El Dorado? Wow, dann finde ich das tatsächlich schade. Ich habe El Dorado ja mittlerweile Gott sei Dank auch gespielt und muss sagen, dass ich es bei weitem nicht so sehr mochte, wie ich es mögen wollte. Ich war hyped auf das Cover, ich war hyped auf das Thema, ich war hyped auf die Verbindung von Deckbau und Boardbewegung inklusive Hindernissen, ich war hyped nach all dem Buzz der Reviews und ja. Ich war insgesamt einfach extrem vorfreudig auf ein Spiel, das ich genau in die Kategorie von oben einordnen können würde. "Dauert so rund 30 Minuten, sieht gut aus, ist balanced, gefällt Familien, gefällt Kennerspielern, gefällt Expertenspielern", usw. Doch die Dauer ist meist länger, der Spielplan ist nicht so schön wie gedacht, manche Karten sind zweifelsfrei stärker als andere, Expertenspieler wie meine Hauptrunde finden weniger Gefallen daran als erhofft, usw. Wir greifen daher definitiv lieber wieder auf andere Deckbuilder zurück, wenn wir mal einen spielen wollen. Und ich persönlich bin tatsächlich verrückt danach. Ich habe massenhaft Deckbuilder zu Hause, viele davon sogar noch ungespielt. Gespielt und von mir geliebt sind zum Beispiel Dominion mit zig Erweiterungen, Star Realms mit zig Erweiterungen, Baseball Highlights: 2045 mit zig Erweiterungen, Time Masters, Valley of the Kings, Epic Resort, XenoShyft: Onslaught oder Aeon's End. Und auf den ersten Einsatz warten zum Beispiel noch die freudigen Harry Potter Hogwarts Battle, Legendary: Marvel, Skyway Robbery, Millennium Blades, Titanium Wars oder City of Iron: 2nd Edition. Ich bin also bei weitem kein Feind von oder Unwissender gegenüber Deckbau, ganz im Gegenteil. Ich mag Great Western Trail nicht, weil mir der Deckbauaspekt da zu wenig prävalent bzw. ausgebaut ist und man keine Kühe komplett aus seiner Herde entlassen kann, so ein Deckbaufreak bin ich. Daher tut es mir Leid, aber wenn mir (als Sucker für die Mechanik) El Dorado nicht gefällt, dann muss es doch Einiges falsch machen, weil die Prämissen und Vorzeichen ja eigentlich alle auf Grün stehen. Aber glücklicherweise gefällt es mir ja. Nur eben nicht so sehr, dass ich es behalten muss (7.0 BGG); nicht so sehr, wie ich es mir nach all den nationalen und internationalen Vorschusslorbeeren vorgestellt hatte; nicht so sehr, nach den obig definierten Kategorien und nicht so sehr, wie Amphipolis ;)


    5. Ampipolis ist bei den Kritikern durchweg gut bis sehr gut angekommen.

    Ich zitiere Dan King aus seinem Fazit:


    "It's actually pretty fun. It's got a good amount of tension, (...) it kind of grabs you. I really enjoyed this game a lot more than I thought I was going to. (...) If you want something simple and easy but yet something that's still gonna stimulate yourself, Amphipolis is just a great choice. [A] great, light game - that's: Amphipolis."


    und Tom Vasel aus seinem Fazit:


    "I like it. The artwork comes across well. (...) This is a set collection game. Do you like it? This is an excellent addition - even if it's light - in that, and this is a game that I think you could get a lot of people to play who wouldn't normally wanna play these complex games. You say: "hey, try this one out". They'll be attracted by the theme and the gameplay is so easy and simple, but at the same time offers you some ideas and different options to do, I think this would make an excellent gateway game."


    Der gescholtene Forenliebling Pascal vE/Brakus hat sich in seinem Kurzreview ebenfalls wohlwollend geäußert (for what it's worth! ;) ) ->


    ""Amphipolis" ist ein schickes, schnelles Sammelspiel mit einer guten Portion Glück. Dabei kann man auch taktieren, indem gezielt nur bestimmte Fundstücke kombiniert und gehortet werden, aber wehe den Mitspielern^^.

    Optisch macht das Spiel schon etwas her und die Komponentenqualität ist auch durchweg in Ordnung.

    Die Regeln sind einfach und der Spielablauf eingängig. Die Spieldauer hält sich mit 30-35min. in Grenzen und insgesamt bietet sich das Spiel einem breitem Publikum an."


    6. Ich glaube offen gestanden, du bist ein wenig (negativ) voreingenommen.

    So wie du schreibst, kennst du glaube ich viele alte Knizia-Titel und magst diese auch. Weiterhin kennst du einige(?) Neue, und magst diese aber nicht oder nur Wenige davon. Ich wiederum kenne viele seiner alten Schätze nicht, mag aber wohl ungleich mehr seiner neueren Releases. Daher habe ich ihn schon immer als gewisse Größe in der Szene wahrgenommen, du möglicherweise nur früher und mittlerweile als "schwindend" bis "transparent" bzw. "unsichtbar". Letzteres kann ich persönlich eben nicht bestätigen. Ich bin bekanntermaßen schlimmer Vertreter des Cult of the New und werde immer auf der Jagd nach dem nächsten, neuen Schatz sein. El Dorado war deiner, Amphipolis war meiner - c'est la vie :) Ich denke aber eben leider jedoch nicht, dass dich meine 2-stündige Textwall hier nun vom Gegenteil überzeugen kann, eben weil deine Vorurteile und das vorherige Meinungsbild so eingeschleift zu sein scheinen. Du siehst einen moderneren Knizia und denkst glaube ich tendenziell immer erstmal gleich "oh man, noch eine x-te Knizia-Verwurstung mit paar alten Mechaniken/Ideen von ihm, das kann ja nur schief gehen". Und daher wird Amphipolis wohl auch bei dir scheitern, egal, was ich hier nun für Argumente oder mutige Prämissen anführe ;)


    -----

    Tl;dr:

    Nach wie vor in meinen Augen ein oft übersehenes Gem und ein Spiel, dass ich niemals mehr hergeben möchte, welches auch verhältnismäßig oft auf den Tisch kommt - erst recht wenn man die eher niedrige Komplexität (im Vergleich zu dem, was wir in meinen Stammgruppen sonst am Liebsten spielen) betrachtet. Oder anders gesagt: für mich arme Seele DAS Gateway-Set Collection Spiel überhaupt.

    Lg

  • Ich glaube, das Mißverständnis besteht darin, dass man Deinen Beitrag so verstehen muss, LookAtTheBacon :

    Zitat

    Dann spiel' mal mehr "Unbekanntes", yzemaze. Amphipolis zum Beispiel (...)

    Daher wollte yze von Dir wissen, warum gerade ER mit seinen geschilderten Vorlieben das tun sollte.

    Darauf gehst Du leider gar nicht ein bzw bin ich nun überzeugt, dass Du das so gar nicht gemeint hast. :sonne:

  • Hallo,

    wenn Knizia als Designer auf dem gleichen Niveau wie die Motzer hier geblieben wäre, müsste man ihn wirklich bedauern. Statt dessen hat er lieber das ganze Spektrum der Gesellschaftsspiele und über diesen Horizont hinaus die Welt entdecken wollen. Dafür meinen Respekt. Wo ich auch nicht mit all seinen Veröffentlichung glücklich bin, möchte ich einige (z.B. Heckmeck) davon nicht missen und in der Not gibt es ja auch noch weitere spielbare Titel. Aber nach ihm zu treten, weil er sich nicht unbedingt meinem "aktuellen" Spielegeschmack zugeneigt fühlt, ist schon bescheiden. Bietet er doch unter anderen Aspekten reichlich Punkte, seine Aktivitäten kritisch zu hinterfragen.

    Liebe Grüße
    Nils

  • #Amphipolis

    Die ersten zwei Zeilen deines Comicstrips könnten also in diesem Fall hier imho eher für mich gelten, als für dich.

    Ich mach dann mal einen halben Strich in meiner „Selbstironie verstanden“-Liste ;)


    Vielen, vielen Dank für deine Mühen :) Ich weiß es sehr zu schätzen, dass du dir so viel Zeit genommen hast, um die Punkte genauer zu beleuchten :) Ich weiß jetzt noch besser, warum du Amphipolis magst und es für ein exzellentes Gateway-Spiel hältst. Auch den Spielreiz kann ich nun deutlich besser einschätzen und der Vergleich mit den SdJ war ebenfalls hilfreich.

    tl;dr

    Und daher wird Amphipolis wohl auch bei dir scheitern, egal, was ich hier nun für Argumente oder mutige Prämissen anführe ;)

    Klares Jein ;)

    El Dorado

    Ich mag El Dorado (ED) und es ist seit Einfach Genial (2004, also nur 13 Jahre – mea culpa) in der Tat Knizias für mich interessantestes Spiel, aber es ist mitnichten „mein Schatz” und wenn’s meine Tochter nicht so gerne spielte, wäre es niemals so oft auf dem Tisch gelandet, weil ich Familienspiele exakt nur dann spiele, wenn nichts mit mehr Anspruch möglich ist. Dass es bei uns gelandet ist, lag obendrein hauptsächlich an einer wortwörtlich günstigen Gelegenheit (16 €). Jede Empfehlung eines weiteren Familienspiels/Gateways etc. hat es bei mir also naturgemäß verdammt schwer, wenn es nicht – aus welchen Gründen auch immer – herausragend ist und mich jemand davon überzeugen kann. Die Spiele des Jahres gucke ich mir z. B. im Normalfall höchstens oberflächlich an und befasse mich damit erst näher, wenn hier jemand intensiver darüber berichtet und irgendwas meine Buttons triggert.

    BGG-Avg.

    Hm, ein Average rating von 6,215 schreckt schon sehr ab

    Das eher niedrige BGG avg. rating schreckt mich auch aufgrund der geringen Menge an Wertungen nur bedingt ab.

    Unter meinen 84 8+ Bewertungen bei BGG ist Oltre Mare mit einem Mittelwert von 6,68 allerdings immer noch deutlich höher bewertet. Bei 7+ fallen mir dafür zwei Spiele auf, die ich z. B. für unterbewertet halte: Colorpop 5,71 und Halali 6,12. Ich verstehe allerdings auch bei beiden, warum sie bei vielen nicht so gut ankommen und daher im Mittel nicht so gut bewertet wurden.

    … und endlich die Replik

    Amphipolis ist schön.

    Ich mag haptisch ansprechendes Material, eine Notwendigkeit ist es aber keinesfalls. Artwork hingegen ist ziemlich weit unten auf meiner Prioritätenliste. [s. Über mich – „Spiele, die ich mag: Age of Steam, Kanban, Haggis, Brass, Twilight Struggle, Splotters, abstrakte Spiele“ – noch Fragen? ;) ]

    Amphipolis ist ein Gateway-Spiel, Ra afaik schon gehobenes Familienniveau bis leichtes Kennerniveau

    […]

    So ziemlich alles in dem Absatz ist korrekt. Aber es ist irrelevant für mich. Ich würde Ra z. B. aus genannten Gründen keinem Noob oder Gelegenheitsspieler vorsetzen. Aber darum ging es (mir) auch gar nicht. Es ging um mich – den sagen wir mal „Core Gamer“, der aber „richtig gute Spiele“™ mit weniger Anspruch eben auch zu schätzen weiß und z. B. reine Kartenspiele sehr mag, die sich nur durch ein paar Kniffe von der Masse abheben und ebenfalls gut mit den Fähigkeiten der Spieler skalieren. (Tichu und Haggis sind die besten Beispiele dafür.)

    Die Antwort auf meine Kernfrage, warum ich bei meinen Vorlieben Amphipolis Ra vorziehen sollte, war zwar nicht direkt enthalten. Aber immerhin gab es da einen tauglichen Ansatzpunkt:

    Demnach stimme ich deinem Assessment namens "leicht wie Origamipapier" definitiv nicht zu, da es eben im Zweifelsfall auch anders gespielt werden kann, mit skaliertem Skill Ceiling/Cap. Dann wird nämlich ausgerechnet, wie viele Steinplättchen noch im Sack sind und wie wahrscheinlich es ist, dass in den nächsten drei Zügen das Spiel endet. Oder es wird bis aufs letzte Messer taktiert, ob man vor dem baldigen Spielende noch eine Familie (aus Skeletten) anfangen sollte zu sammeln, oder nicht. Oder es werden Spezialfähigkeitskarten absichtlich zu bestimmten Zeitpunkten gespielt, wo sie anderen Spielern schaden (und nicht nur wenn sie einem selbst nützen), usw. Es gibt sehr viele, möglicherweise versteckte, Stellschrauben in diesem Spiel.

    Das sind gute Gründe, Amphipolis eine Chance zu geben, auch wenn es nicht den von mir normalerweise präferierten Anspruch hat. (Widerspruch? Dann ersetze bitte „hat“ durch „haben sollte“ ;) )

    Amphipolis ist besser als El Dorado.

    Es folgt ein Absatz der die beiden in keiner Weise gegenüberstellt … Argumentativ fragwürdig ;) Die Kritikpunkte bzw. Probleme mit ED kann ich teilweise nachvollziehen. Ich gehe mal davon aus, dass du mit den Vergleichen hinsichtlich anderer Deckbuilder richtig liegst. Angesichts mangelnder Expertise auf dem Gebiet wäre es jedenfalls töricht, dir zu widersprechen. Ich bin definitiv kein „Deckbaufreak“, ja nicht mal ein Freund von Deckbuilding, aber ich weiß den Mechanismus zu schätzen, wenn er sinnvoll in ein Spiel eingebettet ist – so wie bei El Dorado oder A few Acres of Snow, noch lieber sind mir vielleicht sogar Abwandlungen wie bei Great Western Trail.

    Ampipolis ist bei den Kritikern durchweg gut bis sehr gut angekommen.

    Das interessiert mich nur dann, wenn meine Einschätzungen mit „den Kritikern“ erfahrungsgemäß korrelieren – und zwar nicht negativ wie z. B. bei Tom Vasel ;)

    Ich glaube offen gestanden, du bist ein wenig (negativ) voreingenommen.

    Sicher. Bias ist (fast) immer vorhanden.

    Allerdings bin ich nicht negativ voreingenommen gegenüber Knizias Spielen, sondern allen eher leichtgewichtigen (BGG weight < 2,5, SdJ-Niveau etc.) und neuen Spielen generell. Dem cult of the new kann ich obendrein so rein gar nichts abgewinnen. In Ruhe zu warten (so 1-2 Jahre), um dann den Rahm abzuschöpfen, trifft eher meine Vorgehensweise. Ausnahmen dank günstiger Gelegenheiten bestätigen nur diese Regel. Ich hätte schon vor einiger Zeit aufhören können, weitere Spiele zu kaufen, und wäre damit nicht unglücklich. Dann kämen auch Amun Re und Tadsch Mahal mal wieder auf den Tisch und müssten beweisen, dass sie mir auch heute noch gefallen können. Nach all den Jahren und spielerischer Weiterentwicklung ist genau das ja nie sicher … (Das war oben mit „verklärt“ gemeint.)

    Du siehst einen moderneren Knizia und denkst glaube ich tendenziell immer erstmal gleich "oh man, noch eine x-te Knizia-Verwurstung mit paar alten Mechaniken/Ideen von ihm, das kann ja nur schief gehen".

    Nein. „Schade, schon wieder kein Kennerspiel.” könnten eher meine Gedanken dazu sein.

    Nach wie vor in meinen Augen ein oft übersehenes Gem und ein Spiel, dass ich niemals mehr hergeben möchte, welches auch verhältnismäßig oft auf den Tisch kommt - erst recht wenn man die eher niedrige Komplexität (im Vergleich zu dem, was wir in meinen Stammgruppen sonst am Liebsten spielen) betrachtet. Oder anders gesagt: für mich arme Seele DAS Gateway-Set Collection Spiel überhaupt.

    Jeder hat so Spiele – hoffe ich jedenfalls. Das ist ja gerade das Tolle an unserem Hobby: Für (fast) jeden gibt’s das passende Spiel in der passenden Kategorie, man muss es nur finden ;) Die Leidenschaft für ein Spiel dann auch noch in passende Worte fassen zu können, setzt dem die Krone auf :)

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