Sind Sportspiele Nischenspiele?

  • Sagt aber eigentlich nur, dass ein Sportspiel Emotionen braucht.

    Sehe ich auch so! Ein gutes Sportbrettspiel braucht Emotionen! Deswegen ist z.B. 1st & Goal meines Erachtens eine richtig gute American Football - Umsetzung. Das Spiel sieht recht trocken aus und man spielt auch nur Spielzüge, ohne jetzt Figuren zu haben. Aber da passiert wirklich viel an Belauern in der Metaebene und durch die Würfel ist einfach ne Menge Zufall drin, die für Glück, Ärger, Häme, Spott, Jubel , Spannung usw. sorgt. Zumindest hatten wir schon Spiele, die genauso spannend und aberwitzig waren, wie manche Footballspiele in echt (inkl. einem Sieg in letzter Sekunde durch eine Hail Mary). Einziger Nachteil am Spiel: es setzt Regelkenntnis des American Football voraus.

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  • Ich finde die Einstellung "ist nicht umsetzbar" generell eher hinderlich - egal um welchen Spieltyp (welche Sache) es geht und die meisten Argumente kommen mir recht konstruiert vor (gerade die eher polemisch ausgeführte Ansicht von Tom Wernecke).


    Gerade bei Fußball ist es ja z.B. nur die Frage, auf welche Aspekte dieses super facettenreichen Sports man die Schwerpunkte legt, z.B. wie stark man das Spiel in die Trainerperspektive verlagert - der hat ja mit körperlicher Ertüchtigung im Endeffekt auch nicht viel zu tun und dennoch scheint die Rolle Spaß zu machen.


    Wenn du dich selbst auf den Platz stellst hast du beispielsweise nur in den seltensten Fällen die Kontrolle über die Laufwege deiner Mitspieler, so dass die Erfahrung auf dem Tisch eine völlig andere ist und ein solches Spiel schon legitimiert wird.


    Es gibt sehr viele spielerische Interpretationen des Themas Fußball (Tip Kick, Tischkicker, irgendwelche Sammelkarten/Quartett Kartenspiele, tonnenweise digitale Spiele zum Thema) und bei keinem greift das Argument: "stell dich doch einfach selbst auf den Platz".

  • (und ich sehe den Sinn nicht, weil ich stattdessen auch einfach den Sport ausüben kann).

    Ich kann auch Seefahrer werden oder Pirat.


    Ich finde das Argument sehr, sehr dünn. Es geht doch ums Spielen und nicht darum, etwas realitätsnah zu simulieren. Das Spiel soll ja keine Alternative zum echten Fußball sein.


    Die Frage ist doch jetzt einfach nur, welches Thema wir draufklatschen. Und warum Drachentöten da offensichtlich besser funktioniert als Fußball.


    Kein Wargamer sieht (hoffentlich) den Sinn in seinem Tun darin, einen echten Krieg zu simulieren, den er aus Verfassungsgründen leider nicht real ausüben kann.

  • ich sehe den Sinn nicht, weil ich stattdessen auch einfach den Sport ausüben kann

    … oder weil ich den Sport eben nicht selbst ausübe (vielleicht auch weil ich verletzungsbedingt nicht mehr dazu in der Lage bin), möchte ich Fußball als Brettspiel (und als Ersatz) für zu Hause. Oder weil ich eben nicht Ski fahre, Golf spiele oder ein Bügelbrett auf den Mount Everest mitnehme, interessiert mich die spielerische Umsetzung.


    Räumlich betrachtet, kann man so ein Sportspiel auch ganz bequem in der Nische spielen. Insofern sind alle Sportspiele Nischenspiele!

    :Buddler:

  • die meisten Argumente kommen mir recht konstruiert vor (gerade die eher polemisch ausgeführte Ansicht von Tom Wernecke)

    Vorsicht. Tom Werneck schreibt das in (s)einem "Leitfaden für Spieleerfinder". In einem solchen Ratgeber ist es sicher nicht verkehrt, den hoffnungsvollen Nachwuchsautoren ein Thema austreiben, ggf. auch etwas polemisch, wenn sie mit solcherlei Spielen allein schon aufgrund des Themas bei den Verlagen eh nur Absagen kassieren würden. Dass Verlage Sportspiele eher ungern anfassen (wegen der erwiesenermaßen schwierigen Marktchancen), ist nun mal Tatsache.

  • Vorsicht. Tom Werneck schreibt das in (s)einem "Leitfaden für Spieleerfinder". In einem solchen Ratgeber ist es sicher nicht verkehrt, den hoffnungsvollen Nachwuchsautoren ein Thema austreiben, ggf. auch etwas polemisch, wenn sie mit solcherlei Spielen allein schon aufgrund des Themas bei den Verlagen eh nur Absagen kassieren würden. Dass Verlage Sportspiele eher ungern anfassen (wegen der erwiesenermaßen schwierigen Marktchancen), ist nun mal Tatsache.

    Er hätte auch schreiben können, dass Sportspiele schlechte Marktchancen haben und von Verlagen ungern angefasst werden. Die getätigten Aussagen sind für mich so generalisiert nicht nachvollziehbar. Um Reifenbreite war Spiel des Jahres, da spürt man auch nicht den Fahrtwind im Gesicht. Außerdem muss auch nicht jedes Spieldesign in einem von einem Verlag publizierten Brettspiel münden, wichtiger ist, dass einem das Spieldesign selber Spaß macht und dass man die Thematiken umsetzt, die man interessant findet (dann kommen wohl meistens auch die besseren Spiele dabei raus).


    Letztendlich werden wir gesellschaftlich ja immer noch als ziemliche Nerds abgestempelt, und gerade deshalb halte ich die (z.B. durch KS, wodurch der Eigenverlag massiv vereinfacht wird) Entwicklung aktuell für gut - die Themen werden frischer, sexier, interessanter für die Jugend (zumindest ist das mein Eindruck, wenn man sich Gesellschaftsspiele heute und von vor 10 jahren anschaut), Bauernhof- und Handelsspiele (die laut der deutschen Entwicklerszene zumeist am besten ziehen) gibts ja schon genug und das sind nicht die, mit denen man massig Jugendliche an den Tisch holt. Ein gewisses Umdenken würde da meiner Meinung nach nicht schaden, findet ja auch bereits statt. "Nicht umsetzbar" galten auch so Dinger wie Gloomhaven und KD:M, zum Glück haben sich die Autoren da durchgebissen.

  • Er hätte auch schreiben können, dass Sportspiele schlechte Marktchancen haben und von Verlagen ungern angefasst werden. Die getätigten Aussagen sind für mich so generalisiert nicht nachvollziehbar. Um Reifenbreite war Spiel des Jahres, da spürt man auch nicht den Fahrtwind im Gesicht. Außerdem muss auch nicht jedes Spieldesign in einem von einem Verlag publizierten Brettspiel münden, wichtiger ist, dass einem das Spieldesign selber Spaß macht und dass man die Thematiken umsetzt, die man interessant findet (dann kommen wohl meistens auch die besseren Spiele dabei raus).

    Genau das tut er. Das Hauptkapitel, aus dem ich zitiert habe, heißt "Was hat Erfolgsaussichten?".

    Es geht darin explizit darum, welche Arten von Spielen Verlage gerne anfassen, weil sie sich erfahrungsgemäß gut verkaufen lassen... und welche nicht.


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  • Hi,


    Quasi geht es um Mainstream in der Nische.


    Alles was in irgendeiner Form einen Anspruch hat verkauft sich schlecht. Dat iss jetzt nix neues. Filme, Bücher, Spiele ... seltenst sind die anspruchsvollen die Erfolgreichen. Dominieren tut überall das triviale. Es gibt erfreulicherweise Ausnahmen, aber auf jede kommt ein paar dutzend 08/15-trivial-Erscheinungen.


    Atti

  • Leitfaden für Spieleerfinder, Tom Werneck, Seite 44 schrieb:

    Doch allen Brettspielsimulationen von Sportarten haftet ein Makel an: ob Würfelei oder strategisches Spiel - es ist stets nur ein dürftiger Abklatsch der Wirklichkeit. Ein Slalom auf einem Pappfeld ersetzt keine schwungvolle Abfahrt an einem kalten, klaren Wintermorgen. Die fein dosierte und präzise gezielte Wucht eines Golfschlags kann man nun mal nicht glaubhaft auswürfeln. Das wissen die professionellen Hersteller ebenso gut wie die Käufer.

    Vorsicht. Tom Werneck schreibt das in (s)einem "Leitfaden für Spieleerfinder". In einem solchen Ratgeber ist es sicher nicht verkehrt, den hoffnungsvollen Nachwuchsautoren ein Thema austreiben, ggf. auch etwas polemisch

    Kann er ja, die Begründung! dafür war einfach nur Unsinn. Natürlich lassen sich Sportspiele schlechter verkaufen, sagt dir ja jeder Verlag. Und natürlich simuliert ein Pappfeld keine echte Slalomabfahrt. Braucht es aber auch gar nicht. Reale Simulation ist nicht der Grund, warum Brettspiele verkauft werden. Es muss in Summe seiner Mechaniken unterhalten. WIE spielt keine Rolle


    Edit: Snow Tails wird doch auch nicht besser, wenn ich es im Winter draußen spiele und mir n Ventilator neben den Tisch stelle, um den Fahrtwind zu simulieren

  • "Nicht umsetzbar" galten auch so Dinger wie Gloomhaven und KD:M, zum Glück haben sich die Autoren da durchgebissen.

    Für jedes #Gloomhaven gibt es unzählige Versuche à la "Circle of Eternity": Circle of Eternity — Crowdfunding bei wemakeit

    (Mein Lieblingsprojekt aller Zeiten mit den schönsten Belohnungen wie "für 250-80=170 Euro kriegst du 3 Liter Apfelwein dazu").


    Für jedes Google oder Apple verhungern tausende andere Garagenfirmen, die genau dieselben "Erfolgsfaktoren" beachtet haben, die den beiden von jedem Wirtschaftsmagazin angedichtet werden.


    Das soll nicht heißen, dass man seine Träume am besten aufgeben und sowas niemals nicht verfolgen sollte. Aber dass #Gloomhaven - aus heutiger Sicht betrachtet - unglaublich erfolgreich war und einfach nur gewinnen konnte, lässt das wirklich den Schluss zu, dass der Markt reif ist für mehr Legacy Dungeon Crawler mit 100 Einzelszenarien?


    (Ich glaube, man nennt das "outcome bias")


  • Und natürlich simuliert ein Pappfeld keine echte Slalomabfahrt. Braucht es aber auch gar nicht. Reale Simulation ist nicht der Grund, warum Brettspiele verkauft werden. Es muss in Summe seiner Mechaniken unterhalten. WIE spielt keine Rolle

    Slalomabfahrten gibt es auch gar nicht, da kann erst gar nichts simuliert werden :-D

  • Solange die auf getunten Brettern 'nen Berg runter eiern, ist auch ein Slalom für mich ne Abfahrt :saint:


    Duden schrieb:

    Per Definition:


    2a (Ski/Rodeln) abwärtsführende Fahrt/Lauf

    2b (Ski/Rodeln) abwärtsführende Strecke


    Alle Kriterien erfüllt :floet:

  • Hi,


    Zum Thema Sport/Fussball interessiert nur der Pöbel.


    ich sitzte gerade hier. Keine Kollege mehr da - der ganze Gang leer, nur noch wenige arbeitswütige sind erreichbar (manche halt weil sie halt erreichbar sein müssen :-) ).

    Wo sind sie hin die ganzen Ingenieure und It‘ler? - Die wollen doch nicht etwa dem Fussball beiwohnen?


    Kann ich mir nicht vorstellen.


    So bleibt mir nen ruhiger Nachmittag wo man mal was erledigt wozu man nie Zeit findet. (Und nebenbei im Forum schreibt. 😜)


    Atti

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