Spielend für Toleranz


  • Diverse Seiten machen mit, initiiert wurde die Aktion von den folgenden:

    Spielen bedeutet Miteinander, Gleichheit und Fairness. Deswegen haben sich eine Reihe von Spiele-Blogs sowie Spielejournalistinnen und -journalisten zusammengetan, um ein gemeinsames Zeichen gegen rechte Hetze, gegen Ausgrenzung, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit zu setzen. Wir müssen unsere offene Gesellschaft und die europäischen Werte gegen diejenigen verteidigen, die in den sozialen Medien Hassbotschaften verbreiten, Desinformation mit Fake News betreiben und die Meinungs- und Pressefreiheit beschneiden wollen. Dem stellen wir uns entgegen. Denn die Spiele-Szene steht für Toleranz und Respekt gegenüber jedermann, ganz egal welcher Herkunft, welchen Geschlechts, welcher sexuellen Identität oder religiösen Überzeugung er oder sie ist.

    Einmal editiert, zuletzt von yzemaze () aus folgendem Grund: +Initiatoren

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  • Was brauchst du für Infos?

    Eine Liste der mitmachenden Seiten/Personen findet sich in Udos Blog. Ich habe sie im Zitat weggelassen, weil sie wohl sowieso noch deutlich wachsen wird.

  • An sich eine schöne Aktion, aber dieser Beitrag wäre meines Erachtens besser im Unterforum RSP aufgehoben.

    Eben nicht. Wenn man von Toleranz spricht, gegen Ausgrenzung ist – und es auch ernst damit meint – , wenn also Herkunft, Geschlecht und Religion keine Rolle spielen, dann ist dieses Forum (Spiele und Spieler) das genau richtige!

    Einmal editiert, zuletzt von Gead () aus folgendem Grund: In der ersten Fassung meines Beitrags stand noch das "politische Weltbild"; dieses spielt natürlich schon eine Rolle, wenn man gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit ist. Obwohl bei anderer Überzeugung m. E. auch hier Ausgrenzung nicht unbedingt der richtige Weg ist. Warum sind/werden Menschen fremdenfeindlich und gibt es einen Weg zurück (zum Miteinander der Kulturen über das gemeinsame Spiel)?

  • Martin Klein schrieb:


    "Fairness, Respekt, Rücksichtnahme, Toleranz, Gleichheit, Dialog, Offenheit…"


    ...und dann holten sie #DerEiserneThron heraus... :D


    Und? Die genannten Aspekte gelten doch auf der Metaebene und nicht für das Spiel an sich?!


    Zitat von Udo:


    "Was das mit Spielen zu tun hat? Jede Menge. Spielen steht für ein respektvolles Miteinander, für Gleichheit, Fairness und Dialog. Spielen verbindet statt auszugrenzen. Spielen steht für genau die menschlichen Werte, die aktuell bedroht sind".


    Ich kann das unterschreiben, auch wenn ich Game of Thrones spiele - es geht doch um das Miteinander beim Spielen oder würdest du Leute von deinem Spiel ausschließen, nur weil sie bspw. Migranten sind?

  • Es war ein Scherz.

    from childhood's hour I have not been / as others were, I have not seen

    as others saw, I could not bring / my passions from a common spring


    from the same source I have not taken / my sorrow, I could not awaken my heart

    to joy at the same tone / and all I lov'd, I lov'd alone

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  • Gead : Wenn alles auf der allgemeineren Ebene bliebe, so wie etwa im sehr gelungenen Statement von Harald Schrapers, dann könnte ich dir noch recht geben. Da passt's noch mit: "So ist's richtig, diskutiert wird nicht, das sind alles Selbstverständlichkeiten!" Dann wäre Spieler und Spiele auch noch ein geeignetes Forum hier. Aber der erste verlinkte Beitrag von Udo Bartsch geht doch ganz klar in eine politischere Ecke, etwa beim juristisch und politisch hochkomplexen Thema Seenotrettung. Da sind wir dann auch schnell in Grauzonen und bei Fragen wie: Dürfen Seenotretter mit Schlepperbanden kooperieren und nach Lust und Laune italienische oder maltesische Gesetze brechen?


    Ich halte es für sehr unglücklich, solche Selbstverständlichkeiten wie "gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit" mit konkreten, schwierigen, diskussionswürdigen Fragestellungen zu vermischen. Gerade wenn die Aktion von Udo Bartsch ausgegangen sein sollte. In seinem Beitrag spricht er auch Sachen an, die ausdiskutiert werden müssten, um wirkliche Lösungen zu finden, aber gleichzeitig macht die Art des Beitrags jede Diskussion unmöglich, wenn man nicht als Rassist oder Fremdenfeind dastehen will. Wenn man Sachen wie Seenotrettung diskutieren wollte (Konjunktiv; ich will's nicht!), dann landen wir hier im RSP-Bereich.

  • Diverse Seiten machen mit:

    Wäre da nicht auch bei unknowns.de ein Plätzchen auf der Startseite?


    Ich halte es für sehr unglücklich, solche Selbstverständlichkeiten wie "gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit" mit konkreten, schwierigen, diskussionswürdigen Fragestellungen zu vermischen. Gerade wenn die Aktion von Udo Bartsch ausgegangen sein sollte. In seinem Beitrag spricht er auch Sachen an, die ausdiskutiert werden müssten, um wirkliche Lösungen zu finden, aber gleichzeitig macht die Art des Beitrags jede Diskussion unmöglich, wenn man nicht als Rassist oder Fremdenfeind dastehen will. Wenn man Sachen wie Seenotrettung diskutieren wollte (Konjunktiv; ich will's nicht!), dann landen wir hier im RSP-Bereich.

    Denke nicht, dass es die Absicht war die einzelnen Punkte auszudiskutieren oder sich an einzelnen Punkten aufzuhängen. Was die Ajktion genau bewirken udn aussagen soll, ist ja weiter unten nochmal genauer erklärt:

    Zitat

    um zu signalisieren: Ich bin für Demokratie und Menschenrechte. Ich bin für Toleranz. Ich bin gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit und gegen Nazis.

  • Dürfen Seenotretter mit Schlepperbanden kooperieren und nach Lust und Laune italienische oder maltesische Gesetze brechen?

    Nein, dürfen dürfen sie nicht. Und tun es im Einzelfall trotzdem. Das kann ich gut oder schlecht, menschlich oder unmenschlich, sinnvoll oder sinnlos finden. Ob es notwendig war oder unnötig, ein solches Thema mit dem Aufruf für mehr Toleranz zu verbinden? Vielleicht. Dieses Thema und ggf. weitere diskussionswürdige Aspekte können aber immer noch in ein anderes Forum ausgelagert werden. Grundsätzlich gehört das Thema hierhin, wo es Spiele und Spieler(innen) direkt betrifft.

    Einmal editiert, zuletzt von Gead ()

  • Vor einer abweichenden Meinung sollte man keine Angst haben. Denn genau da fängt die Toleranz an.

    Genau deshalb sollte man nicht jeden, der die Flüchtlingspolitik unserer Bundeskanzlerin nicht vorhaltlos toll findet und nicht versteht, warum Deutschland weit mehr Flüchtlingen einen dauerhaften Bleibestatus gewähren sollte als alle anderen EU-Staaten zusammen, sofort in die Nähe von Rassismus, Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit und Nazis rücken. Sonst erzeugt man meiner Meinung nach nur eine Stimmung, in der Rechtspopulisten prächtig gedeihen können, und die haben dann ganz schnell auch einen Flügel dabei, der nicht mehr unterscheidet zwischen "Zuwanderung sinnvoll begrenzen" und "die Migranten, die nun mal da sind, sinnvoll und gut integrieren". Die Ganz-Rechten vereinfachen direkt zu: "Ausländer raus!"


    Im diesem Sinne finde ich in Bartschs Aufruf die Kritik an der Zusammenstellung des Fernsehprogramms, die Aussagen zu Flüchtlingshelfern bzw. "Seenotrettern" und anderen politischen Themen komplett unnötig bei dieser grundsätzlich begrüßenswerten Initiative. Mehr noch: es ist sogar eher kontraproduktiv, wenn es einem wirklich darum geht, etwas konkret zu verbessern, und man es sich nicht nur in einer "wir sind die Guten, die anderen sind die Bösen"-Position bequem machen will.


    Gerade bei diesem Thema, wo unsere Gesellschaft zu zerbrechen droht, müsste man doch viel mehr miteinander statt übereinander reden. Gemeinsam konstruktive Lösungen suchen, und zwar sowohl innerhalb der deutschen Gesellschaft (nicht nur, aber auch, Ost-West) wie auch auf europäischer Ebene, wo man sich als Deutscher bewusst sein sollte, dass wir da einen Sonderweg gehen und Bewohner anderer Länder schnell allergisch reagieren können, wenn wir Deutschen da in Sachen Aufnahme von Flüchtlingen mit einer unheilvollen "an deutschem Wesen soll die Welt genesen"-Haltung auftreten, während unsere Regierung gleichzeitig Despoten dafür bezahlt, die Flüchtlinge so weit wie möglich aufzuhalten.

  • Was mich mal interessieren würde, auch gerade in Hinblick auf Toleranz, Gesellschaft und dem Miteinander, wer ist hier selber Migrant, spielt Brettspiele mit Menschen mit dem Hintergrund oder vielleicht mit deren Kindern?


    Egal ob auf lokalen Spieletreffs, privat, großen Messen oder in Brettspiel-Cafés, die Menschen sind weiß. Ich selber habe am Tisch so unterschiedliche Menschen (Beruf, politische Einstellung, Weltbild, Religion) und alle spielen miteinander, das liebe ich sehr! Aber alle sind weiß und keiner hat einen Migrationshintergrund. Eigentlich sehr schade bei einem Element wie Brettspiele, welches Verbindungen schafft.


    Ich erlebe das übrigens auch bei meinen Kindern (Grundschule und Kita).


    Vor einer abweichenden Meinung sollte man keine Angst haben. Denn genau da fängt die Toleranz an.

    Genau deshalb sollte man nicht jeden, der die Flüchtlingspolitik unserer Bundeskanzlerin nicht vorhaltlos toll findet und nicht versteht, warum Deutschland weit mehr Flüchtlingen einen dauerhaften Bleibestatus gewähren sollte als alle anderen EU-Staaten zusammen, sofort in die Nähe von Rassismus, Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit und Nazis rücken.

    Meine Sicht der Dinge, das macht kaum einer oder weniger als kommuniziert. Aber es wird von den Hardliner gerne als Nazikeule verpackt. Und ehrlich gesagt kann ich das auch nicht mehr lesen. Dafür passiert in der Richtung einfach zu viel, was aus dem Rahmen fällt.

    Ich musste mit Hass und Hetze kurzzeitig leben, weil ich gegen Rassismus bin. Das muss man sich nur mal vorstellen. Dabei ging es nicht um Flüchtlinge, um Lösungen von Problemen oder politischer Einstellung. Es geht einfach um Rassismus. Ein linksversiffter Asi und schlimmeres ist man. Und wer da pöpelt, ist nicht der Nazi, sondern Leute aus der "Mitte". Sorry, aber da kriege ich Bluthochdruck und ganz schlechte Stimmung. Genauso wie bei Twitter oder Facebook, wenn ich meine Brettspielblase verlasse. Ganz schwer auszuhalten. Und wie willst du bitte da noch reden und aufeinander zugehen? Ja, das wäre der richtige weg. Ich fühle da stellenweise aber eine ungesunde Ohnmacht, weil eine Diskussion mit dem Brüllbürger rein gar nichts bringt.

  • In meiner Kita-Gruppe ist nur eine Syrerin,

    bei ihr spielt das Sprachproblem eine große Rolle.

    Aber ich habe schon geschafft ihr Memory beizubringen und wir spielen jeden Tag eine oder zwei Runden.

    Da lernt sie von mir nebenbei auch ein paar Vokabeln, denn sie soll immer benennen, was sie da gerade aufgedeckt hat.

    Läuft ganz gut. :)

    Einmal editiert, zuletzt von Krazuul () aus folgendem Grund: Rechtschreibung

  • Was mich mal interessieren würde, auch gerade in Hinblick auf Toleranz, Gesellschaft und dem Miteinander, wer ist hier selber Migrant, spielt Brettspiele mit Menschen mit dem Hintergrund oder vielleicht mit deren Kindern?


    Egal ob auf lokalen Spieletreffs, privat, großen Messen oder in Brettspiel-Cafés, die Menschen sind weiß. Ich selber habe am Tisch so unterschiedliche Menschen (Beruf, politische Einstellung, Weltbild, Religion) und alle spielen miteinander, das liebe ich sehr! Aber alle sind weiß und keiner hat einen Migrationshintergrund. Eigentlich sehr schade bei einem Element wie Brettspiele, welches Verbindungen schafft.

    Ich hab sogar nicht-weiße Mitspieler in der Gruppe ohne Migrationshintergrund in der 2. Generation ;)


    Ich finde dieses ganze Thema ziemlich ermüdend, weil es uns schnurz ist wie jemand aussieht oder woher er kommt. Das liegt aber dann nicht am Thema an sich, sondern daran, dass so viele Holzköpfe gibt, die noch im Mittelalter leben...


    Es ist wirklich traurig, dass man solche Diskussionen noch führen muss... Ich bin in einer Clique bestehend aus deutschen, romänischen, kroatisches, polnischen, italienischen, türkischen und tamilischen Kindern und Jugendlichen aufgewachsen, da gab es so ein Thema nicht. Vielleicht sollten die Deutschen aus entlegeneren Gebieten mal Sommerurlaub im Pott machen.


    Was mir bei dem Thema auch auf der Seele brennt ist, dass das Gegenteil von Rassismus für viele bedeutet, die Unterschied bloß nicht anzusprechen. Auch das finde ich befremdlich, denn die Unterschiede sind nunmal da. Ein Tamile sieht nicht aus wie ein Italiener sieht nicht aus wie ein Deutscher. Wichtig ist doch nur, dass man diese Unterschiede nicht dazu nutzt auf Intelligenz, soziale Stellung oder Zugehörigkeit zu schließen. Ich sehe das wie bei Kleidung, Tattoos, Frisuren und Co. Da versucht jeder "eigen" zu sein, individuell, um aus der Masse herauszustechen. Da will mancher anders sein.


    Und diese Unterschiede tauchen bei uns auch tagtäglich auf und damit kann man sogar richtig Spaß haben! Sei es, dass in der Esskneipe einem Deutschen spontan Kartoffeln dazu bestellt werden oder dass ein Schwarzer selbstironische "Nur weil ich schwarz bin?!"-Witze macht. Es geht nicht darum Unterschiede nicht zu benennen, sondern sich losgelöst von diesen mit Respekt zu begegnen.

  • ...wer ist hier selber Migrant, spielt Brettspiele mit Menschen mit dem Hintergrund...

    Ganz streng ausgelegt bin ich selber auch einer (Berliner im Rheinland) ;), bekomme ich auch im Stammimbiss auf´s Brot geschmiert:

    Frikadelle 1,50€, Bouletten 2,00€! Selbstredend nehme ich die guten Bouletten...

    In "meinen" 2 öffentlichen Spielekreisen sind auch Spieler-/innen mit ausländischen Wurzeln. Alles kein Problem, interessiert auch niemanden und so soll es auch sein!

    Bitte senden Sie mir Ihre E-Mail doppelt, ich brauche eine für´s Archiv :/

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  • [alles, was nicht der eigenen Meinung in Sachen Flüchtlingspolitik entspricht, in die Rechtsaußen-Ecke rücken]

    Meine Sicht der Dinge, das macht kaum einer oder weniger als kommuniziert.

    Passiert doch z.B. im Beitrag von Udo Bartsch. Kannst du zumindest verstehen, dass man als jemand, der sich politisch mitte-rechts sieht, etwas Probleme mit den darin enthaltenen "linken" Aussagen hat, etwa mit der Glorifizierung der sogenannten "Seenotretter"? Das sind teilweise Organisationen, die in stillschweigender bis offener Kooperation mit Schlepperbanden Flüchtlinge direkt vor der libyschen Küste aufgenommen haben (nicht in Seenot), um sie dann nicht etwa in den nächstgelegenen sicheren Hafen zu bringen, sondern einmal quer über das Mittelmeer nach Italien, wo man sie den Italienern mit einem "kümmert euch drum!" vor die Nase gesetzt hat, und zwar so lange und in solchen Massen, bis auch maßgeblich dadurch in Italien europafeindliche Populisten an die Macht kommen konnten. Was gewinnt man damit, wenn man die Folgen des eigenen Handeln konsequent ausblendet? Ich wünsche mir da von der Politik deutlich mehr Verantwortungsethik und viel weniger "aber wir sind doch die Guten!!!"-Gesinnungsethik.


    So gern ich ein "Gegen Rassismus!" unterschreiben möchte: wenn ich damit gleichzeitig ein Bekenntnis zu unkontrollierter Masseneinwanderung in unsere Sozialkassen unterschreiben soll (redet mal mit Leuten, die 30-40 Jahre immer brav ihre Beiträge und Steuern gezahlt haben und nun erfahren, dass ihre Rente nicht reicht!) oder zum Brechen italienischer Gesetze bzgl. Förderung der illegalen Migration, dann mache ich da nicht mit, sorry, nein. Für mich diskreditiert das die ganze Kampagne. Leider. Ich wünschte mir, dass wäre alles auf den komplett konsensfähigen Niveau des Schrapers-Beitrages geblieben.



    Sorry, aber da kriege ich Bluthochdruck und ganz schlechte Stimmung. Genauso wie bei Twitter oder Facebook, wenn ich meine Brettspielblase verlasse. Ganz schwer auszuhalten. Und wie willst du bitte da noch reden und aufeinander zugehen? Ja, das wäre der richtige weg. Ich fühle da stellenweise aber eine ungesunde Ohnmacht, weil eine Diskussion mit dem Brüllbürger rein gar nichts bringt.

    Miteinander reden, im real life, auch und sogar ganz bewusst mit Andersdenkenden. Auf die Leute zugehen, auch wenn's manchmal schwer fällt. Soviele "Brüllbürger" gibt's da gar nicht. Dass das bei Twitter oder Facebook (nutze ich beides nicht) deutlich schwerer ist, eventuell gar unmöglich, das glaube ich dir allerdings sofort.

  • MetalPirate Ich gehe mal aus Selbstschutzgründen davon aus, dass du vom Problem und nicht von deiner eigenen Einstellung sprichst. Denn bei sowas wird mir kotzübel!


    Seenotrettung in einen Text mit "Unterwanderung der Sozialsysteme" zu nennen hat mächtig Zündstoff.


    Ich sehe die Sachen so...


    Flüchtlinge aufnehmen: Sind Verbrecher darunter? Ja. Ist das anders als bei uns? Nein. Ist es angenehm? Nein. War es richtig und notwendig? Ja. Ich bin keinesfalls ein Anhänger von Merkel, aber was sie in dieser Situation getan hat, als eines der reichsten Länder der Welt, war richtig. Denn ob man sie nun mag oder nicht, ob man es toll findet oder nicht, ob man davor Angst hat oder nicht - die Leute standen vor der Tür oder waren zumindest auf dem Weg dorthin. Was danach gelaufen ist und dass man viele einfach aufs Abstellgleis geschoben hat, war auch nicht richtig. Aber generell war es besser zu sagen, dass sie erstmal kommen sollen anstatt sie an Ungarns Grenzen verhungern zu lassen. Natürlich ist die Verteilung ein Problem.


    Seenotrettung: Gleiches Schema, die Leute sind da! Und die Schlepper hören nicht auf. In meinen Augen ist es da besser den Kontakt zu suchen, wenn sie eh kommen, um Leben zu retten. Ganz gleich woher jemand kommt und warum er in Seenot ist - ertrinken werden alle auf gleiche Weise. Da sollte man sich eher einen Kopf machen über die Jungs, die monatlich nach Romänien fahren und ganze Autoladungen an Arbeitern mitbringen, die binnen kürzester Zeit Hartz IV bekommen und ihre Familien nachholen. Das ist die echte und geplante Unterwanderung der Sozialsysteme, denn um Sicherheit oder Überleben bangen in Romänien wohl weniger Leute als in Syrien.


    Gewalt und Verbrechen: Dagegen eine ganz klare Linie. Ich würde jeden, der bei sowas wie Köln damals dabei war, direkt nach Marokko, Afghanistan oder Chemnitz (sollte aktuell keinen Unterschied machen) zurückschicken, denn wer Schutz sucht und Gewalt mitbringt, hat für mich auch kein Anrecht auf weiteren Schutz der Gesellschaft. Aber da spielt unser Grundgesetz zum Glück nicht mit, denn man kann die Ahndung einer Straftat nicht an der Person, sondern nur an der Straftat selbst festmachen. Und unser Rechtssystem ist, soweit ich weiß, nicht auf Rache ausgelegt sondern auf Rehabilitation. Und das ist im Allgemeinen auch gut so!


    Es gab einen sehr guten Text von einem syrischstammigen Professor, der seit über 20 Jahren in Deutschland lebt und unterrichtet. Der sagte, dass die eigentliche Gefahr ist, diesen Leuten zu viel Spielraum zu lassen und genau das prangere ich auch an. Die kommen aus rückschrittlichen Systemen, die von Religionseifer, Rassismus und Diktatur geformt wurden. Natürlich ist für die jeder, der anders lebt, schwach und dumm. Dass aber genau diese Lebensart der Grund ist, warum sie in ihrer Situation sind, wird ihnen nicht bewusst. Der große Fehler meiner Meinung nach ist, diese Leute nicht an die Hand zu nehmen und sei es mit Polizeigewalt (im Rahmen der Gesetze), denn wie man überall sieht, springen die jungen und zumeist männlichen Flüchtlinge der Polizei mit "Merkel hat mich eingeladen"-Sprüchen auf der Nase herum. In Amerika macht das keiner, weil jeder weiß, dass ein Cop dich für eine Nacht in den Knast stecken kann, wenn ihm deine Nase nicht passt.


    Das aber alles an Hautfarben oder der Herkunft in geografischer Sicht festzumachen ist schlicht dumm. Das ist einzig eine Frage der Bildung und der politischen und religiösen Erziehung. Und wenn man jemanden, der Frauen für minderwertig hält einfach machen lässt was und wie er meint, dann erntet man, was man säht. Leider trifft vieles davon auch auf die Idioten zu, die die Nazis wählen.


    :2cent:

  • Ja, wie gesagt, jedem seinen Standpunkt, wenn er im Rahmen bleibt. Von daher könnten wir nun angemessen diskutieren. Das erzeugt auch keinen Bluthochdruck. Schwierige Themen haben keine einfachen Lösungen und von daher ist ein Austausch wichtig.


    Nur ich zähle uns beide damit nicht zum Problem und auch nicht als Grund zum wichtigen Aufruf von Uwe Bartsch. Ich sehe als als Aufruf gegen Rassismus und für Toleranz. Und das ist gerade nicht mehr so selbstverständlich. Es kann einem geradezu Angst machen unter welchen abartigen bis grotesken Posts in den sozialen Medien Zustimmungen geäußert werden. Das nimmt zu! Teilweise von "einer Partei" bewusst befeuert. Ich habe in den letzten zwei Jahren so viel Mist gelesen in einer unerträglichen großen Masse. Wie gesagt, grusel trifft bisweilen Ohnmacht.


    Die sozialen Medien wurden seit der letzten Bundestagswahl von Rechten sehr in Beschlag genommen und sehr gezielt eingesetzt. Noch immer! Da begrüße ich den Aufruf der viel größeren Masse, sich zu beteiligen. Als Gegenpool! Denn Chemnitzer-Chaoten (als Beispiel) sind eben nicht das Volk. Und nochmal, es geht mir erstmal um Rassismus und Hetze im Netz.

  • (redet mal mit Leuten, die 30-40 Jahre immer brav ihre Beiträge und Steuern gezahlt haben und nun erfahren, dass ihre Rente nicht reicht!)

    Wenn wir die Diskussion ernsthaft führen wollen, dann muss der Thread wirklich ins Schmuddelkind-Unterforum umziehen.


    Aber sei es drum: Angesichts der demographischen Entwicklung seit den 1970er Jahren haben diese Leute dann offenbar nicht mitbekommen, dass die Zahl der Rentenbeitragszahler wegen Pillenknick und seither geringen Geburtenraten stark rückläufig ist. Nachdem meines Wissens verhältnismäßig wenige Senioren nach Deutschland migrieren, ist davon auszugehen, dass die Migration die Zahl der Beitragszahler eher deutlich erhöht denn senkt. Wenn die Neuankömmlinge denn von Rechts wegen arbeiten DÜRFEN, d.h. der Staat sie überhaupt einen Beitrag leisten lässt.


    Noch immer haben wir in Deutschland derweil viel mehr Kinderarmut als Seniorenarmut, während vielen Rentnern Erhöhungen noch und nöcher nachgeworfen werden, da sie verlässlich wählen gehen. Falls hier im Forum irgendwer unter 50 ist, der ernsthaft daran glaubt, er würde im Alter noch ansatzweise das Rentenniveau (und Renteneintrittsalter) der heutigen Rentnergeneration erhalten, dann möge er mir bitte erklären, wie das gehen soll. Jeder Fall von Armut ist einer zuviel, völlig klar - aber die Lage war schon seit langem so, bevor die Migrationswelle von vor ein paar Jahren kam, und wurde durch diese nicht schlimmer gemacht. Wenn hier von "Masseneinwanderung in die Sozialsysteme" die Rede ist, dann schaff mal bitte Fakten und zeige mir, wo einem verarmten deutschen Rentner zur Versorgung von Migranten systematisch ein Besitzstand weggenommen wurde. Wenn das nicht passiert ist und nur mit nun möglicherweise ausbleibenden potentiellen Verbesserungen (an die man erstmal glauben muss - im Zweifel gibt es immer eine Investmentbank zu retten oder einen Militärtransporter zu erneuern) argumentiert werden kann, dann entpuppt sich diese Formulierung aus meiner Sicht als genau die Hetze, als die sie von denen, die diesen Begriff immer wieder in Munde führen, ursprünglich gemeint ist.

  • Das gibts aber von rechtsaußen ("Ausländer Raus, Deutschland den Deutschen") und linksaußen ("Deutschland verrecke, Nie wieder Deutschland").


    Die die drunter leiden sind die mitte-links Liberalen und die mitte-rechts Konservativen, die noch Potential haben sich zu unterhalten.

  • (redet mal mit Leuten, die 30-40 Jahre immer brav ihre Beiträge und Steuern gezahlt haben und nun erfahren, dass ihre Rente nicht reicht!)

    Wenn wir die Diskussion ernsthaft führen wollen, dann muss der Thread wirklich ins Schmuddelkind-Unterforum umziehen.

    Wohl wahr! Ich denke, das kann man sich an 5 Fingern abzählen: Meine Eltern-Generation: Mutter 5 Geschwister, Vater 3. Nachfolgende Generation: 2. Ich denke das Problem kommt ganz einfach daher, dass irgendwer in der CDU mal gesagt hat: "Kinder werden immer gebohren!" Naja, so kann man sich irren ;) Was nun aber der Geburtenrückgang in der letzten "Karriere"-Generation mit Zuwanderung zu tun hat, muss mir auch mal einer erklären.

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  • MetalPirate Wenn ich davon spreche, es implizit fordere, keine Angst vor anderen Meinungen zu haben, so auch nicht vor deiner.


    Spielend für Toleranz (und: Gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit) einzutreten, hast du ja eingangs als „schöne Aktion“ bezeichnet. Ich bin mir aber jetzt nicht sicher, ob du dich nur deswegen in der Rechtsaußen-Ecke wähnst, weil du über deine (aus meiner Sicht durchaus berechtigten) Kritikpunkte nicht im für dich besser geeigneten Unterforum diskutieren kannst?!


    In dem Startbeitrag schreibt Udo Bartsch, dass es „keine ,offizielle‘ Seite und keine ,offizielle‘ Richtlinie zu dieser Initiative” gibt, und dass die Initiatoren „unterschiedliche persönliche Statements dazu abgegeben“ haben. Wenn dir einzelne Punkte im Statement von Udo Bartsch missfallen, sie für dich eine Vermischung oder Verwässerung der Aktion darstellen, dann formuliere es auf deine Weise und rede nicht gleich alles schlecht. Und davon, dass ein Statement alle anderen diskreditiert. Tut es nämlich nicht. Gilt potenziell auch für deines!

  • Was nun aber der Geburtenrückgang in der letzten "Karriere"-Generation mit Zuwanderung zu tun hat, muss mir auch mal einer erklären.

    Galt die Frage mir? Ganz einfach und wie oben schon erwähnt: Wer als Vertriebener oder Wirtschaftsflüchtling hierher kommt, der will sich in den meisten Fällen ein besseres Leben erarbeiten. Also: Einen Job. Also auch: Renten- und Sozialbeiträge zahlen.


    Zuwanderung in Arbeit ist eine (schnellere) Alternative zur höheren Geburtenrate, was den Erhalt der Sozialsysteme angeht. Weswegen es pervers ist, dass wir voll integrierte Leute mit qualifiziertem Job abschieben. Aber das ist noch eine andere Diskussion.

  • Was nun aber der Geburtenrückgang in der letzten "Karriere"-Generation mit Zuwanderung zu tun hat, muss mir auch mal einer erklären.

    Galt die Frage mir?

    Nein :) Deine Aussage habe ich schon verstanden. Ich bin da voll deiner Meinung! Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass der Wohlstand, den wir hier haben, ohne Zuwanderung nicht möglich gewesen wäre und nicht möglich ist.

  • Dass eine staatliche Regelung missbraucht wird (nicht allen), als Vorwand oder Vorspiegelung falscher Tatsachen (Asyl -> Migration bzw. Seenot -> Asyl -> Migration) sollte eigentlich jeden Bürger stören. Berechtigte Kritik daran ist weder rechts noch rechts-außen, irgendwie schade dass man das immer noch erwähnen muss.

    Einmal editiert, zuletzt von atreides ()

  • Was mich mal interessieren würde, auch gerade in Hinblick auf Toleranz, Gesellschaft und dem Miteinander, wer ist hier selber Migrant, spielt Brettspiele mit Menschen mit dem Hintergrund oder vielleicht mit deren Kindern.

    Der Freund meiner Tochter kommt aus dem Jemen. Ob im Keller am Dartboard oder oben am Tisch - spielerisch sind Barrieren (Sprache, Kultur etc). definitiv einfacher zu überwinden. Und das gilt explizit auch für eigene Vorurteile dem "Fremden" gegenüber, die - auch wenn es nicht leicht fallen mag, das zuzugeben - latent vorhanden sein mögen.

  • Sankt Peter Wieso jetzt doch die Verschiebung in den Off Topic-Bereich? Dieser hat per definitionem nichts (oder nur wenig) mit dem Thema Spiel zu tun. Ist die Initiative „Spielend für Toleranz“ und die daraus hier resultierende Diskussion deswegen off topic, weil es dabei auch religiöse, sexuelle und politische Aspekte gibt? Einer der Initiatoren betont ja gerade, dass „Spielen verbindet statt auszugrenzen.“


    Im Grunde ist es aber gleichgültig, wo diskutiert wird und das zuvor Geschriebene verliert nicht an Wert.

  • Der erste Beitrag ist noch Spiele und Spieler.


    Die daraus folgende Diskussion aber dann RSP. Der Spielebezug ist immer weniger gegeben und es wird inhaltlich und allgemein über Toleranz, ... geschrieben/ diskutiert. Und das wird erfahrungsgemäß noch eine Weile weiter gehen... deswegen habe ich es schon mal verschoben.

    "We are the unknowns. Lower your shields and surrender your ships. We will add your biological and technological distinctiveness to our own. Your culture will adapt to service us. Resistance is futile."


    Meine Spiele: Klick mich

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  • Was andere Statements angeht: Spielend für Toleranz


    Da habt ihr einen mit einer zumindest etwas anderen Zuspitzung.


    Ich bin nicht ganz glücklich mit dem Slogan (und dem Logo) und finde ebenfalls, dass die Problem hinter diesem Thema nicht einfach mit der Dampframme diskutiert werden können. Dazu sind sie zu vielschichtig und komplex und eben nicht mit schwarz-weißem Denken aufzulösen. Aber wenn der gemeinsame Nenner ist, gegen die faschistischen Tendenzen in der Gesellschaft sich deutlich und im Sinne eines sozialen Miteinanders zu positionieren, dann haben wir schon viel erreicht und die richtige Richtung eingeschlagen.

  • Zum Thema Zuwanderung in Kürze:

    Es fehlt Deutschland in Zukunft und z.T. auch jetzt schon u.a. an

    • Steuerzahlern,
    • Auszubildenden,
    • Erwerbstätigen,
    • Fachkräften.

    Jetzt soll mir mal jemand von den Betonköppen verklickern, woher die kommen sollen. Die Fertilitästrate von 2,1 Geburten pro Frau, die notwendig wäre um eine gleichbleibend große Bevölkerung zu haben, wird mit 1,5 deutlich unterschritten. Ergo wird es immer weniger Einwohner geben, wenn nicht Einwanderung stattfindet.

    Edit Zusatz: Selbst bei gleichbleibender Zuwanderung wird sich die Bevölkerungszahl signifikant verringern!

    Weiter sollten alle sich mal vor Augen halten, dass wir einen Braingain erleben, also einen höheren Zuzug an Fachkräften im Vergleich zur Auswanderung (Braindrain), das gilt für den Bundesdurchschnitt, in einigen Regionen Ostdeutschlands ist dem leider nicht so.

    Wenn jetzt jemand meint, dass man ja nur die "richtig Cleveren" reinlassen solle, dann kann er sich mal überlegen, was solche Schwachmatenaufläufe wie in Chemnitz für ein weltweites Echo hervorgebracht haben, und wer von den "richtig Cleveren" da wohl kommen mag. Zumal der Wert eines Menschen nicht an seiner potenziellen Arbeitsleistung gemessen werden sollte, denn schon mit den Gastarbeitern kamen keine Roboter sondern Menschen.


    Zur Frage, wer Migrationshintergrund hat: ich! Das macht aber nichts, denn ich falle sowieso nicht in den Durschnittspieler-Typus, da ich mit Vorliebe Hip Hop, Funk und Jazz höre statt Metal :punk: und vier Kinder habe. Für einen Mann bin ich auch noch recht klein mit 1,68cm, und ich betreibe regelmäßige Körperhygiene. Und noch viel krasser, ich bin Muslim. Boaah! :)


    Wieso tatsächlich Menschen mit Migrationshintergrund seltener Spieler sind, mag an kulturellen Hintergründen aber auch der im Schnitt geringeren Ausstattung mit sozialen, ökonomischen und Bildungskapital (Kapitalsorten – Wikipedia) liegen. Und das alles hat nix mit der Ethnie oder sonst etwas zu tun, um den Kreis hiermit zu schließen.

  • Zum Thema "gegen Hetze, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit" erlaube man mir eine Episode aus Kanada:


    Wir waren kürzlich dort und haben einige interessante Beobachtungen und Unterhaltungen gemacht.


    1. Der Kanadier an sich ist wirklich so klischeehaft freundlich, wie es immer transportiert wird.

    2. Ein Drittel der Einwohner Vancouvers ist asiatischer Herkunft (geschichtlich doppelt bedingt: Gastarbeiter aus China zum Eisenbahnbau und später eine Massenflucht aus Hongkong kurz vor der Rückgabe der Stadt unter chinesische Hoheit).

    3. In Richmond, im Grunde ein Stadteil Vancouvers südlich davon, ist der asiatische Bevölkerungsanteil bei erstaunlichen 75% (!)


    Probleme und Reibungen? Fehlanzeige! Und das, obwohl hier der Begriff "Überfremdung" tatsächlich mal Anwendung finden könnte (im Gegensatz zum Osten mit seinen ~4% Ausländeranteil....). Sprachlich ist man bei ca. 40-60% chinesisch zu englisch, produziert alles keinen Stress. Vielleicht, weil der Kanadier an sich auch sonst Zweisprachigkeit gewohnt ist.


    Aber dann waren wir in Enderby, einige Stunden ins Landesinnere, auf einer Pferdefarm für einige Tage zur Erholung. Ein Ehepaar führt die Farm und hat einige Gästunterkünfte. Ebenfalls unfassbar freundliche Menschen, eigentlich positiv gestimmt, sehr gut situiert. Auf einem Ausflug, den sie uns netterweise angeboten haben, kam man ins Gespräch, und da wurde es hanebüchen.


    1. Wie schlimm denn aktuell die No-Go-Zones in Deutschland wären.

    2. Wie viele Probleme die Syrer machen würden, die gerade nach Deutschland kämen.

    3. Kanada würde momentan geradezu überrant von Syrern.

    4. Das wären alles Verbrecher, die sich an den Sozialsystemen sattfressen wollten und ständig Geschenke vom Staat abkassieren würden.


    Wir bekamen hier brühwarm die ganze trump-höckesche Populismusretorik aufgetischt, die hüben wie drüben den Diskurs bestimmt. Wir haben versucht, mit klaren Argumenten dagegenzureden und einige Dinge klarzustellen:


    - Es gebe keine No-Go-Zonen in Deutschland, die nicht mehr von der Polizei betreten werden ("Wir hatten neulich ein deutsches Paar hier, die haben aber von denen berichtet!")


    - Dass "die Syrer" im Grunde keinerlei Probleme bereiten würden, da sie aus einem Land mit ehemals extrem gutem Bildungsstandard und hoher Industrialisierung kämen, bis ihr Präsident beschlossen hat, Bomben auf ihrer Häuser zu werfen und die Straßen mit Giftgas zu fluten (nur leicht überspitzt formuliert). Dass man da weg wolle, sei ja schon irgendwie nachvollziehbar. (Ja schon, aber die kommen alle hierher! So viele können wir gar nicht aufnehmen!)


    - Dass die meisten Syrer die Gegend nie verlassen haben, denn allein die Türkei und der Libanon haben zusammen ~4.5Mio der 13Mio Geflüchteten aufgenommen. (Auf den Widerspruch, dass alle Syrer nach Kanada kämen, aber man in Deutschland ja angeblich so viele Probleme mit Syrern habe, sind wir nicht weiter eingegangen.) Sie könnten sich sehr leicht integrieren und würden es auch tun, sobald man ihnen die Chance gibt und sie nicht monatelang auf dem Land ohne nennenswerten Kontakt zur Außenwelt in Unterkünfte einsperrt. ("Ja schon, aber das sind trotzdem alles Verbrecher, die da kommen, die sorgen für so viele Angriffe auf Kanadier.")


    - Dass in jeder Bevölkerungsgruppe ca. 5% Kriminelle sind und von den Medien - gerade auch in Deutschland - die Berichterstattung vorwiegend auf Zwischenfällen von Ausländern fokussiert ist, obwohl seit Jahren die Kriminalitätsrate in fast allen Bereichen sinkt. Dass aber ausgerechnet Rechtsterrorismus gerade in Deutschland immer wieder unter den Tisch gekehrt wird und dass das der einzige Bereich in der Kriminalitätsstatistik ist, der überhaupt wächst. ("Vielleicht, aber die Muslime wollen hier die Scharia installieren!")


    - Nein, gerade bei syrerischen Geflüchteten steht die Religion bei Weitem nicht so sehr im Vordergrund wie bei bestimmten fanatischen Gruppierungen, die meist gezielt versuchen, ihre eigene Vorstellung des Islams durchzusetzen. Vor denen sind sie ja auch aus ihrer Heimat geflüchtet. (Es hilft, eine Religionswissenschaftlerin dabeizuhaben dafür)


    - Und dass es die Ächtung und der Versuch, eine einzelne Religion auszuschließen, zu verbannen oder irgendwie weg zu bekommen, eine ganz schlechte Idee sei - der Deutsche spricht da aus Erfahrung.


    - Dass es in der Berichterstattung aber vor allem in der Politik immer eine Agenda gibt, die man hinterfragen sollte: "Wer profitiert von solchen Aussagen und warum?" und sich die neue organisierte politische Rechte in Deutschland (und auch in Amerika) so unfassbar offensichtlich anstellt, dass eigentlich niemand darauf hereinfallen dürfte (=> minderheitenverdammende Rhetorik von der personifizierten unterdrückten Minderheit Alice Weidel (Frau, lesbisch, mit einer Frau aus Sri Lanka verheiratet und dazu noch in der Schweiz lebend...). Letztlich sollte klar sein, dass es für bestimmte Leute nur um Macht und Geld geht, und sie dabei alle Errungenschaften über den Haufen werfen, die in den letzten 70 Jahren erreicht wurden. ("Ja, stimmt alles, aber wir kriegen hier nur den Bodensatz, wirklich nur die Schlimmsten der Schlimmsten...")



    Da wurde es dann auch irgendwann ermüdend. Wer es bis nach Kanada schafft, scheint offenbar über sehr viel Geld zu verfügen, außerdem Reisepapiere. So ein Maß an (Selbst-)Organisation und Disziplin ist den Schlimmsten der Schlimmsten nicht wirklich zuzutrauen, es sei denn man glaubt verschwörungsartig daran, dass das alles von "denen" gesteuert wird - wer auch immer das sein mag.


    Wir können nur hoffen, dort ein klein wenig das schiefe Bild geradegerückt zu haben oder zumindest einigen Schlagworten den Wind aus den Segeln genommen zu haben, hatten aber den Eindruck, dass die simplifizierende populistische Spreche zu tief sitzt, als dass man wirklich überzeugen könnte. Und das selbst bei diesen wirklich freundlichen und eigentlich offenen Menschen.


    Offensichtliche Widersprüche werden dabei glatt übersehen, stattdessen sonnt man sich in künstlich aufgebauschten Ressentiments. Uns scheint es so, als ginge es im Grunde darum, dass bei allem, was "andere" "bekommen" (aka Fortschritt und Ausgleich von Missständen), man selbst das Gefühl hat, aus- und zurückgelassen zu werden. Ohne zu realisieren (bzw realisieren zu wollen), dass man als Teil der äußerst privilegierten Gruppe eben der Maßstab ist, zu dem jene anderen nur aufschließen möchten.


    Der gefühlte persönliche "Verlust" angesichts eines vermeintlichen "Gewinns" der anderen ist also eher ein ziemlich unbegründetes Neidgefühl, das bestimmte Gruppierungen gezielt ausnutzen, um daraus Vorteile zu ziehen. Da werden dann Verteilungskämpfe "wir gegen die" ausgerufen, um daraus politisches Kapital zu schlagen. Ohne Rücksicht auf Verluste.


    Ich schweife ab. Von daher: ja bitte, lasst uns jeden Kanal und jedes Medium nutzen, um Toleranz und Austausch zu fördern. Außerdem: wer spielt, kämpft nicht. Panem et circensis.

  • Brandigan


    Der hohe Anteil asiatischer Einwanderer in Vancouver wird als nicht so ganz unproblematisch betrachtet, vor allem die neueren Wellen,die nicht mit den 2 von Dir genannten Zuzügen zu tun haben. Soweit jedenfalls mein Stand. Darüber gab es mal eine Reportage beim Auslandsjournal, oder einer ähnlichen Sendung.

    Was da wohl passiert, dass die immer mehr unter sich sind, und es dann halt keine Reibungspunkte mehr gibt, aber integriert sind die dann nicht unbedingt, fallen aber auch nicht negativ auf.


    Davon unabhängig noch der Hinweis auf die Situation der indigenen Bevölkerung, da besteht wie in den USA noch großer Aufarbeitungsbedarf.


    Grundsätzlich ist aber richtig, dass in Kanada die Herkunft üblicherweise keine Rolle spielt, dafür aber der soziale Status.

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