„Bessere Spiele für bessere Spieler“: Ein Plädoyer von Synes Ernst für Spielekritik mit Niveau

  • Synes Ernst hat letzten Monat einen Artikel zum Status der Spielekritik veröffentlicht [Mirror beim SdJ] und haut damit ganz gewaltig in die bekannten Kerben der Spieleblogger/-reviewer/-influencer/-rezensenten/-journalisten bzw. New Boardgame Journalism Diskussionen der letzten Jahre.


    Da es keine Theorie zur Spielekritik gibt, greift er Theater- und Buchkritik auf und lehnt sich im Titel an Marcel Reich-Ranitzkis „Bessere Bücher und bessere Leser!“ an.

    Die Kernpunkte einer guten Spielekritik sind nach Synes Ernst:

    1. Eine fundierte Grundlage durch mehrmaliges Spielen in verschiedenen Gruppen unterschiedlichster Zusammensetzungen ist unbedingt nötig: »Wer glaub- und vertrauenswürdige Aussagen über einen Titel machen will, besonders auch über seine Langzeitwirkung, muss eins: spielen, spielen und nochmals spielen.«
      »Ich staune, wie oft diese Grundvoraussetzung für eine kompetente Kritik missachtet wird. Kaum ist ein Rezensionsexemplar auf dem Tisch gelandet, wird schon eine Besprechung rausgejagt, schnell schnell, aber von vertiefter Auseinandersetzung keine Spur.« [… und es wird nur selten transparent gemacht.]
    2. Keine Regelnacherzählung, Emotionen und Erlebnisse schildern: »Die gute Kritik stellt das Spielerlebnis ins Zentrum. Das macht sie lebendig und verleiht ihr im Gegensatz zum Nachbeten der Spielregeln Individualität und Farbe. Vorausgesetzt, die Autorin oder der Autor verfügen über die notwendige Sprachkompetenz, um die durch das Spiel ausgelösten Emotionen auch angemessen zu beschreiben.«
    3. Einordnung des Spiels durch Vergleich mit anderen, ähnlichen Titeln, Herausheben von Innovationen und Einzigartigem. Außerdem der Blick über den Tellerrand: »Ich möchte, dass die Spielkritik den Blick für andere Bereiche der Kultur öffnet und mir zeigt, ob und welche thematischen Beziehungen zwischen dem Spiel und Werken aus Literatur, Theater oder Film bestehen.«
    4. Auch die Bewertung gehört zum „Handwerk“. Allerdings mag er das Wörtchen „nett“ nicht sonderlich, »weil sich der Kritiker oder die Kritikerin hinter dem Begriff verstecken und sich – weil er es mit niemandem verderben will – nicht trauen, die Wahrheit zu sagen. Ein „nettes“ Spiel ist nämlich in der Regel weder gut noch schlecht, nichts Besonderes, Dutzendware halt, die ihren Preis nicht wert ist.«
      Er legt sogar noch nach: »Ich will von der Kritik keine Wischiwaschi-Aussagen, sondern ein eindeutiges Urteil, so subjektiv es auch ist. Solange für das Publikum eine Kritik nachvollziehbar ist, egal ob Verriss oder Empfehlung, solange weiss es diese auch einzuordnen.«
    5. Er fordert Kritiker*innen auf, eine „klare Linie“ einzuhalten und nicht in die „Beliebigkeit“ abzugleiten. Neben der Kompetenz ist damit auch gewährleistet, dass sich die Leser*innen auf die Wertungen verlassen und sich daran orientieren können.
    6. Unabhängigkeit: Die Nähe zwischen Rezensenten und Spielebranche sieht er als „ein massives Risiko für eine unabhängige Spielkritik“.
    7. Fazit: Es braucht „eine Spielkritik, die nicht mehr zur Literaturkritik & Co. emporblicken muss, sondern sich auf der gleichen Höhe bewegt“.


    Im Großen und Ganzen kann ich dem nur beipflichten. Spiegeln sich in dieser Liste doch so einige Punkte, die sich im Laufe der Jahre für mich als wichtig herauskristallisiert haben. Nebenbei liefert die Beschäftigung auch ein paar Erklärungsansätze, warum bestimmte Arten von Rezensionen bei mir so verfangen (vgl. ungewöhnliche(re) Rezensionen, Reviews etc.).


    Sind das hehre Ziele?

    Nein, denn es gibt sie ja, die Spielejournalisten und -kritiker, die den obigen Punkten regelmäßig, wenn auch nicht immer vollumfänglich gerecht werden.

    Ja, weil diese Punkte kaum in allen Fällen und erst recht nicht von Amateuren und Semi-Profis eingehalten werden (können), auch wenn sich insbesondere die besser organisierten enorm darum bemühen (Reich der Spiele, Fairplay etc.).


    Reaktionen:

    Ben2 jubilierte wohl innerlich (und auch verbal) aufgrund des Sturzbaches auf seine Mühlen ;) Er erwähnt auch einen angedachten/geplanten Workshop des SdJ e. V. zum Thema Spielekritik. [s. u.]

    Peer von abenteuer-brettspiele.de setzt sich in Die Sehnsucht nach der perfekten Brettspiel-Rezension – Ansprüche, Probleme, Lösungen sehr detailliert mit dem Artikel auseinander.


    Der SdJ e. V. wird einen Tag der Brettspielkritik ausrichten:

    Der Kulturjournalist Stefan Gohlisch (Neue Presse) wird zum Thema Kulturkritik und Feuilleton referieren, Daniel Wüllner (Süddeutsche Zeitung) wird nach journalistischer Qualität und Zielgruppen fragen, und Nicola Balkenhol (Deutschlandradio), Steffen Bogen (Professor für Kunstgeschichte), Synes Ernst (ehemaliger Vereinsvorsitzender "Spiel des Jahres") sowie Manuel Fritsch (Insert Moin) werden in einer Podiumsdiskussion den Blick über den Tellerrand wagen, unter anderem auf die Literatur- und die Computerspielkritik.

    Das Spiel ist ein Teil unserer Kultur, die Spielkritik ist ein Teil der Kulturkritik. Deswegen möchten wir auch einen Blick über den Tellerrand auf die Literatur-, Theater- und Videospielkritik werfen. Wo steht die Brettspielkritik heute, was hat sich verändert, wo liegen die Perspektiven? Darüber möchten wir zum 40. Geburtstag von "Spiel des Jahres" in Podiumsrunden und Workshops diskutieren sowie in Arbeitsgruppen die Praxis in Augenschein nehmen.

    5 Mal editiert, zuletzt von yzemaze () aus folgendem Grund: +Tag der Brettspielkritik; Ungenauigkeiten

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  • Ich wiederhole was ich schon im Spielboxforum dazu geschrieben habe. Elitäres Geschwurbel. Wer hat wohl mehr Erfolg in der Buchkritik, die Feuilletons der Zeitungen, oder die vielen Buchblogger? Auch ein Herr Scheck schert sich wenig um solche Kriterien. Die klare Linie ist als einziges , meist zu erkennen.


    Die Literaturkritik ist oft geprägt durch persönliche Befindlichkeiten, teils wurden auch in der Vergangenheit, diese öffentlich ausgetragen. Walser, Grass, Reich-Ranicki, Sigrid Löffler ... Wirklich wenig vorbildlich. Da bin ich bei der heutigen Brettspielkritik deutlich besser informiert, und oft trotzdem gut unterhalten.


    Die Punkte die aufgeführt sind, sind bis auf Punkt 6 abhängig von der Art der Rezension oder Kritik. Wer sich näher mit dem Thema Kritik beschäftigt, wird auch merken, dass es hier ganz unterschiedliche Ansätze gibt.


    Die Zielgruppe ist relevant, und viele wollen eine kurze, grobe Einschätzung, und keinen Exkurs in die Geschichte des Brettspiels. Manche Spiele muss man öfters spielen damit man weiß wo man dran ist. Den 100. Mädn Klon sicher nicht.


    Bei Büchern reicht meist einmaliges lesen, was schon einen weiteren Unterschied der Subjekte zeigt.


    Die Problematik der Influencer, die in der Buchkritik sogar eher mehr verbreitet ist, lässt sich einzig und allein am Punkt 6 festmachen.

  • Wer hat wohl mehr Erfolg in der Buchkritik, die Feuilletons der Zeitungen, oder die vielen Buchblogger?

    Das interessiert mich auch. Ich nehme mal an, Du meinst diese Frage rhetorisch. Dann hätte ich gern mal ein paar Zahlen von Dir.

    Bei Büchern reicht meist einmaliges lesen, was schon einen weiteren Unterschied der Subjekte zeigt.

    Ich kenne Brettspielblogger, die machen von einem Spiel ein "Unboxing", dann ein "Let's Play", dann ein "Regelvideo mit Fazit" und ggfs. nochmal ein "diesen Tag/Woche/Monat gespielt - Zusammenfassung". - Soll das ernsthafter Journalismus sein? - Woher weiß ich denn, ob die Blogger so manches Spiel nicht auch nur einmal gespielt haben? Hier fehlt es immer noch an Transparenz. Meistens weiß ich nicht, auf welcher Grundlage die Review erfolgt: Häufigkeit, Spielerzahl, Spielerzusammensetzung, etc. - Im Feuilleton hingegen weiß ich, dass die Kritik auf intensive Lektüre zurückgeht.

  • Ich sehe mich in meiner Idealvorstellung einer Spielekritik vollumfänglich bestärkt. :)


    Es gibt im Artikel des Autors einen Kritikpunkt am Selbstverständnis sehr vieler Rezensenten/Journalisten, den ich in dieser Deutlichkeit bisher nur selten von Seiten eines Brettspieljournalisten zu lesen bekommen habe. Den möchte ich gerne an dieser Stelle nochmals hervorheben und kommentieren:

    Kommt hinzu, dass im Spielebereich das Selbstverständnis weit verbreitet ist, wonach die Branche auf der einen und die Kritiker auf der anderen Seite ein gemeinsames Ziel zu verfolgen hätten – die Förderung des Spielens in der Gesellschaft. Die Nähe, die hier sichtbar wird, ist ein massives Risiko für eine unabhängige Spielkritik.

    Das geht auch mir sehr gegen den Strich. Tatsächlich ist diese Denkweise ja noch viel extremer ausgeprägt, nämlich dahingehend, dass auch wir Spieler uns bitte dem Ziel der Förderung des Spielens in der Gesellschaft zu verschreiben hätten, weil ja Spielen = tolles Kulturgut usw. Das ist meiner Meinung nach eine Denkweise aus der Echokammer par excellence.

    Soziale Medien fügen Ihnen und den Menschen in Ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu.

    Einmal editiert, zuletzt von Bierbart () aus folgendem Grund: Zitat gefixt

  • Du vermutest das im Feuilleton intensiv gelesen wird, aber auch das ist auf Grund der Menge der Bücher auch eher unwahrscheinlich. Oft genug wird auch nur angelesen, und nicht fertig. Wird auch in Sendungen oft erwähnt.


    Der Fehler ist schon bei allen journalistischen Anspruch zu unterstellen, den gibt es auch in der Buchkritik nicht überall.


    Die Relevanz des Feuilleton war schon immer auf einen elitären Kreis beschränkt, und die Auflagen der Zeitungen nehmen auch kontinuierlich ab. Die Relevanz ergibt sich eher durch das mediale Weitervebreiten durch Zitate, direkt gelesen oder anders rezipiert werden sicher die diversen Blogger. Im Brettspielbereich ist das ja noch offensichtlicher. Wobei die Printmedien da nicht ganz so elitär daher kommen.


    Das Kritik oder Rezension einen journalistischen Anspruch haben muss ist eine falsche Annahme. Es darf aber auch nicht so weit gehen, dass wie, bei hier gut bekannten Individuen, die Qualität der Quantität geopfert wird. Da ist weder Rezension noch Kritik drin.

  • Ich kenne Brettspielblogger, die machen von einem Spiel ein "Unboxing", dann ein "Let's Play", dann ein "Regelvideo mit Fazit" und ggfs. nochmal ein "diesen Tag/Woche/Monat gespielt - Zusammenfassung". - Soll das ernsthafter Journalismus sein?

    Nein, sicher nicht. Es muss aber nicht immer "ernsthafter Journalismus" sein, um interessant zu sein. Meine persönliche Meinung: man sollte es jedem selbst überlassen, wie er Spiele vorstellt und bewertet - und dann die Leser/Zuschauer abstimmen lassen, was sie davon am besten/hilfreichsten finden. Der deutliche Zuspruch für Hunter & Cron oder den Dice Tower zeigt meines Erachtens, dass sie vieles richtig machen, auch wenn es jedem unbenommen ist, das zu oberflächlich zu finden und sich "seriöseren" Quellen zuzuwenden. Eins sollte man aber dabei beachten: nicht jeder begeisterte Brettspieler ist in der Lage, Rezensionen zu verfassen, die Synes Ernst auch als solche anerkennen würde. Soll man ihm deshalb verbieten, seine Meinung zu sagen, weil er sie nicht gewählt/strukturiert/begründet genug ausdrücken kann?


    Leben und leben lassen. Es gibt genug Rezensenten/Blogger/Jounalisten, so dass sich jeder sein Lieblingsformat aussuchen kann. Andere dafür zu kritisieren, dass sie selbst aufgestellte Kriterien nicht erfüllen, führt da meines Erachtens nicht weiter.

    Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.
    Die Bibel: Johannes 3,16

  • Ich sehe mich in meiner Idealvorstellung einer Spielekritik vollumfänglich bestärkt. :)


    Es gibt im Artikel des Autors einen Kritikpunkt am Selbstverständnis sehr vieler Rezensenten/Journalisten, den ich in dieser Deutlichkeit bisher nur selten von Seiten eines Brettspieljournalisten zu lesen bekommen habe. Den möchte ich gerne an dieser Stelle nochmals hervorheben und kommentieren:

    Kommt hinzu, dass im Spielebereich das Selbstverständnis weit verbreitet ist, wonach die Branche auf der einen und die Kritiker auf der anderen Seite ein gemeinsames Ziel zu verfolgen hätten – die Förderung des Spielens in der Gesellschaft. Die Nähe, die hier sichtbar wird, ist ein massives Risiko für eine unabhängige Spielkritik.

    Das geht auch mir sehr gegen den Strich. Tatsächlich ist diese Denkweise ja noch viel extremer ausgeprägt, nämlich dahingehend, dass auch wir Spieler uns bitte dem Ziel der Förderung des Spielens in der Gesellschaft zu verschreiben hätten, weil ja Spielen = tolles Kulturgut usw. Das ist meiner Meinung nach eine Denkweise aus der Echokammer par excellence.

    Du darfst davon ausgehen, dass das auch im Literaturbetrieb selbstverständlich ist. Zumindest in dem Bereich an dem man sich orientieren soll. Ich sehe auch keinen Widerspruch darin ein gemeinsames Ziel zu verfolgen. Natürlich sind die Gründe dafür unterschiedlich. Beim einen steht auch das monetäre eher im Vordergrund, beim anderen der kulturelle Aspekt. Das man diese Haltung von allen Spielern erwartet ist mir neu. Viele Vielspieler dürften aber dem Kulturgut Spiel durchaus positiv gegenüber stehen. Im Gegensatz zum Videospielbereich würde ich die Akteure im Brettspielbereich in dem Punkt als mehr als zurückhaltend sehen. Siehe aktuell die Förderung der Videospielbranche analog zur deutschen Filmindustrie.

  • Für Synes Ernst „ist das Spiel wie Literatur, Kunst, Film und Theater Teil unserer Kultur. Es ist wie diese Ausdruck menschlicher Kreativität und Zivilisation, wie diese ein Spiegel unserer Gesellschaft. Also verdiente das Spiel eine Kritik, die den Vergleich mit der Literaturkritik nicht zu scheuen braucht.” Das dürfte die Grundmotivation gewesen sein, seine Idealvorstellung zu schildern.


    Ich lese aus seinem Plädoyer mitnichten einen Anspruch an alle, die sich mehr oder minder kritisch in welcher Form auch immer mit Spielen auseinandersetzen und dies veröffentlichen, die genannten Punkte bis ins Detail zu erfüllen. Es ist ein Plädoyer für eine „ideale“ Spielekritik ohne konkrete Adressaten – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Man kann den Text so interpretieren, dass es schön wäre, wenn sich alle danach richteten, man muss es aber nicht. Wer für sich allerdings in Anspruch nimmt, „Spielekritiken“ oder „Rezensionen“ zu veröffentlichen oder sich als „Spielekritiker“ bezeichnet, muss meines Erachtens den Maßstab dieses Ideals schon an sich anlegen lassen.


    Das alles spricht überhaupt nicht dagegen, weiterhin Unboxings, Kurz-/Langeindrücke oder wie auch immer genannte Anmerkungen zu Spielen in welcher Form auch immer zu veröffentlichen.


    Elitäres Geschwurbel. Wer hat wohl mehr Erfolg in der Buchkritik, die Feuilletons der Zeitungen, oder die vielen Buchblogger? Auch ein Herr Scheck schert sich wenig um solche Kriterien. Die klare Linie ist als einziges , meist zu erkennen.

    (Publikums-) Erfolg kann und darf nicht der Maßstab für alles und jede*n sein. Wo kämen wir denn hin, wenn sich Denker, Visionäre, Kulterschaffende etc. nur noch nach dem Erfolg oder dem Willen der Masse richteten? 99 % der Spiele gäbe es nicht und Dennis Scheck wäre längst abgesetzt worden ;)

    Einmal editiert, zuletzt von yzemaze ()

  • Wer für sich allerdings in Anspruch nimmt, „Spielekritiken“ oder „Rezensionen“ zu veröffentlichen oder sich als „Spielekritiker“ bezeichnet, muss meines Erachtens den Maßstab dieses Ideals schon an sich anlegen lassen.

    Warum denn, wenn es bloß eine subjektive Idealvorstellung darstellt? Dann muss sich doch letztlich niemand dafür interessieren, was Synes Ernst denkt...?

    Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben.
    Die Bibel: Johannes 3,16

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  • Da wird schon sehr allgemein formuliert, und manches Format sogar explizit.als überflüssig benannt. Da gibt es keine Einschränkungen auf einen bestimmten Bereich der Spielkritik.


    Erfolg darf und soll nicht Maßstab für alles sein, Scheck wäre aber vermutlich auch dann noch einigermaßen im Geschäft. Er schafft in einer undankbaren Randzeit, mit einem nicht unbedingt Mainstreamthema bis zu 5% Einschaltquote.


    Es geht eher darum, dass die Zielgruppe der zum Vergleich herangezogen Literaturkritik, relativ klein ist, und dort auch andere Formate in Form von Blogs usw... die Interessen der Allgemeinheit besser abbilden. Man kann sich der Kritik so nähern, schreibt dann aber für ein sehr begrenztes Zielpublikum, welches vermutlich nicht mal die Mehrheit der Vielspieler umfasst.


    Zudem ist diese Literaturkritik alles andere als frei von Vernetzungen und Bekanntschaften, dass kann man vor allem im Umfeld der Buchmesse gut beobachten. Und auch da wird zusätzlich vermehrt auf Influencer gesetzt. Man muss sich nur mal die Berichte von Bloggern zur Buchmesse beachten.


    Es gibt also auch da deutliche Abstufungen, und es müsste heißen man soll von der alten, elitären Buchkritik lernen, die aber nicht unbedingt für Moderne und Unabhängigkeit steht.

  • Ich sehe es so: "Kultur" wird sehr häufig nur von einem geringen Personenkreis konsumiert. Warum sonst müssen Theater oder Konzerthallen von öffentlicher Hand gesponsort werden. Kultur stellt natürlich einen essentiellen Teil unserer Gesellschaft dar. Trotzdem ist es immer nur für eine "Elite". Warum sollte also das Ziel einer Spielekritik der oben genannte Anspruch sein, wenn es doch so wenige interessiert. Für mich sind Gesellschaftsspiele zwar an sich Teil unserer Kultur, aber nicht im speziellen wie vielleicht Goethes "Faust".

    Und die unterschiedlichen Wünsche im Brettspielbereich von den Nutzern dieses Forums im Vergleich zur Masse kann man ja sehr gut an den Verkaufszahlen ablesen. Die meisten hier lassen die SdJ links liegen. Die sind kommerziell aber sicher vor den meisten Lieblingsspielen der Forumsnutzer.

    Ach ja? Definier mir "normal"!

  • Ich finde den Text super. Er spiegelt perfekt wieder weshalb die Rezessionen der meisten Brettspielreviewer für mich uninteressant und sogar nutzlos sind. Udo Bartsch und Martin Klein finde ich werden den genannten Punkten am ehesten gerecht und sie lese und schaue ich auch am liebsten.


    Ich stelle für mich fest, dass dieser Kult des Neuen sich auch bei den Rezenzenten und ihren Zuschauern niederschlägt. Spiele werden nicht mehr in über 30+ Partien erkundet, statt dessen wird ein ganzer Stapel an Spielen mit jeweils wenigen Partien abgefrüstückt. Wen interessiert da noch, ob das Spiel die 10+ Partien trägt, die Balance gegeben ist und aus der Menge heraussticht. Da zählt nur noch der Eindruck ob das Spiel sich in den ersten Partien toll anfühlt. Ein nett reicht dann auch zum Kauf, hauptsache neuer Nachschub. Ich finde immer wieder erschreckend welch wohlwollende Kritiken und Noten für Spiele herausgehauen werden, die nix neu oder besser machen, sondern nur halt etwas anders.


    Aber wie oben schon jemand sagte, es nicht ist alles eine Frage der Zielgruppe. Die shut up and take my money Fraktion findet zunehmend was sie sucht, ich immer weniger.

  • Mal wieder eine Diskussion um Rezensionen, nun denn: In der heutigen Welt ist der „Homo Digitalis“ (Eigenkreation) es gewohnt, das sich das Rad des Lebens schneller dreht. Getrieben durch die Fülle und Schnelligkeit des Internets kann nur derjenige sich hervortun, der flinker in die Tasten haut. Wenn heute der Krakatau ausbricht, wissen wir es alle in wenigen Minuten, früher dauerte diese Info Tage oder Wochen.

    Zeitaufwändige Analysen etc. sind dabei schon fast verpönt, angeblich verlangt das dieser ominöse Markt. Ich selbst kann mich davon auch nicht ausnehmen, eine tiefergehende Rezension nach mehreren Wochen ist zwar schön, meine Kaufentscheidung habe ich da aber schon längst getroffen. Liegt aber vielleicht auch daran, das meine Auswahl lokal begrenzt ist und ich eher den „jetzt oder nie“-Zwang habe.

    Bitte senden Sie mir Ihre E-Mail doppelt, ich brauche eine für´s Archiv :/

  • Das was sychobob und Torlok sagen kommt ja dann noch dazu. Die Masse und Veröffentlichungsgeschwindigkeit erhöht sich ständig, so dass sich "die Welt ständig schneller dreht". Ich persönlich finde das mit den ganzen Auswirkungen wahrlich nicht gut, aber leider sehen das die meisten anders. Bzw. handeln sie so als ob sie es anders sehen und versuchen dann zu entschleunigen...

    Die Utopie mag oben beschrieben sein, aber die ist selten wirklich erstrebenswert. Realismus ist da meiner Meinung nacj besser.

    Ach ja? Definier mir "normal"!

  • Danke für den Artikel, die Diskussion und der Eklat um den diesjährigen Deutschen Spielepreis haben ja eindrücklich gezeigt, dass neue Konzepte erarbeitet werden müssen für mehr Transparenz und Unabhängigkeit.

  • Da wird schon sehr allgemein formuliert, und manches Format sogar explizit.als überflüssig benannt. Da gibt es keine Einschränkungen auf einen bestimmten Bereich der Spielkritik.

    Er schreibt »Ähnliches möchte ich auch für die Spielekritik formulieren: „Bessere Spiele für bessere Spieler!“ Kritik, die solche Ansprüche erhebt, muss umgekehrt auch gewisse Anforderungen erfüllen. Die Grundlage für eine Spielekritik, die diesen Namen auch verdient, ist die Kenntnis des Gegenstands, über den man schreibt (oder ein Video macht).«

    Das sind Einschränkungen. Es geht also nicht zwangsläufig um alles, was zu Spielen veröffentlicht wird, sondern eben um den Teil, der auch für sich in Anspruch nimmt, „Spielekritik“ zu sein.


    Als „überflüssig“ bezeichnet er einzig das Nacherzählen der Spielanleitung – wohlgemerkt in einer Spielekritik. Daraus zu folgern, dass z. B. Erklärvideos/-podcasts überflüssig wären, wäre falsch. Welche Formate hat er deiner Ansicht nach „explizit als überflüssig benannt“?


    Wer für sich allerdings in Anspruch nimmt, „Spielekritiken“ oder „Rezensionen“ zu veröffentlichen oder sich als „Spielekritiker“ bezeichnet, muss meines Erachtens den Maßstab dieses Ideals schon an sich anlegen lassen.

    Warum denn, wenn es bloß eine subjektive Idealvorstellung darstellt? Dann muss sich doch letztlich niemand dafür interessieren, was Synes Ernst denkt...?

    Allein anhand der Reaktionen hier sollte ersichtlich sein, dass es eben nicht „bloß eine subjektive Idealvorstellung“ ist. Etliche der Punkte könnten einige offenbar problemlos und teils gerne unterschreiben.

    Ist nun diese Idealvorstellung das Nonplusultra der Spielekritik? Unwahrscheinlich. Aber sie geht meines Erachtens in die korrekte Richtung und es wäre in der Tat wünschenswert, wenn sich mehr daran orientierten, als es bisher tun.


    „Homo Digitalis“ (Eigenkreation)

    Trockene Ironie? Das gab’s schon vereinzelt in den 80ern.

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  • Wenn ich subsummiere, dass alles was sich als Spielkritik bezeichnet, die genannten Kriterien erfüllen soll/muss ist das schon sehr allgemein. Alles andere darf sich dann ja so nicht nennen, ist also auch keine Spielkritik. Allgemeiner geht's wohl kaum.


    Explizit erklärt er Formate, die einen erklärenden Stil der Kritik wählen als überflüssig und behauptet die meisten Verlage würden Erklärvideos anbieten, tun sie definitiv nicht.


    Auch erklärende Kritik hat ihre Zielgruppe. Das sollte er aus der Literatur zur Kritik allgemein auch wissen. In der Literaturkritik sind das zum Beispiel Formen vom Inhaltsabriss, über die kurze Nacherzählung bis zur Zusammenfassung.


    Nebenbei fiel mir gerade noch auf, dass er die journalistische Sorgfalt die er fordert, allein schon beim Namen des Literaturpapstes vermissen lässt. :)

  • Sehr interessanter Beitrag von Herrn Ernst. In der Sache bin ich seiner Meinung, nicht aber bei der Zielsetzung: ich halte es für ziemlichen Quatsch, dass es durch Spielekritiken zu besseren Spielern oder Spielen kommt. Ersteres ist völlig absurd, letzteres dann doch eher die Aufgabe von Testspielern, Redakteuren und Autoren.


    Mir reicht es schon völlig, wenn es bessere Kritiken gibt.

  • Gilt in der Brettspielszene wirklich immer der erste bei Rezensionen zu sein? Verkaufen sich auch hier die (Nischen)spiele in den ersten Wochen am besten wie bei Videospielen oder Filmen?


    Es gibt ja auch keine genauen Veröffentlichtungsdaten, sondern eher die Meldung, dass das Spiel jetzt an die Händler ausgeliefert wird.

    Eine Seite wie Metacritic etc. kenne ich jetzt auch nicht für Brettspiele.

  • Explizit erklärt er Formate, die einen erklärenden Stil der Kritik wählen als überflüssig und behauptet die meisten Verlage würden Erklärvideos anbieten, tun sie definitiv nicht.

    Der Autor schreibt, die meisten Verlage würden die Spielregeln oder Erklärvideos anbieten.

    Wenn jemand hier meint den Korinthenkacker spielen zu müssen, dann bitte auch nachvollziehbar. Im Idealfall mit einem Zitat des Originals. Eventuell wäre dann auch aufgefallen, dass alle getroffenen Aussagen nicht stimmen. Inklusive der Aussage des Autors.

    Zitat

    Langweilige Schachtelhuberei ist das, überflüssig dazu, da heute jeder Verlag die Regeln seiner Spiele ins Internet stellt oder in einem Video ausführlich zeigt, wie ein Spiel läuft.

  • Explizit erklärt er Formate, die einen erklärenden Stil der Kritik wählen als überflüssig und behauptet die meisten Verlage würden Erklärvideos anbieten

    Genau das tut er eben nicht, wie ich oben bereits ausführte :rolleyes: Der Deutlichkeit halber:

    »Die oberflächliche, schnelle Besprechung erkennt man meistens daran, dass sie schwergewichtig die Spielanleitung nacherzählt. Langweilige Schachtelhuberei ist das, überflüssig dazu […]«

    Es geht nicht um „erklärende Formate“. Es geht um das Nacherzählen von Anleitungen im Rahmen einer Spielekritik („Besprechung“).


    Deine zweite Behauptung ist ebenso falsch:

    […] da heute jeder Verlag die Regeln seiner Spiele ins Internet stellt oder in einem Video ausführlich zeigt, wie ein Spiel läuft.

    Da steht ein „oder“! Weder steht dort, dass „die meisten Verlage“ Erklärvideos anbieten, noch wie viele es tun. (Wenn man’s ganz genau nimmt, sind es mindestens die, die keine Anleitung zum Download anbieten. Aber das „jeder“ dürfte schlicht eine Übertreibung sein ;) )

    Nebenbei fiel mir gerade noch auf, dass er die journalistische Sorgfalt die er fordert, allein schon beim Namen des Literaturpapstes vermissen lässt.

    Er fordert vieles, „journalistische Sorgfalt“ allerdings nicht.

    Dieses Klein-Klein führt aber sicher nicht zu einem besseren Verständnis der grundsätzlichen Intention …

  • Gilt in der Brettspielszene wirklich immer der erste bei Rezensionen zu sein? Verkaufen sich auch hier die (Nischen)spiele in den ersten Wochen am besten wie bei Videospielen oder Filmen?

    Ich kann sowas bei meinen Klickzahlen nicht beobachten.

    Ich lege dank Nicht-Monetarisierung da jetzt nicht besonders wert drauf, aber anschauen tue ich die Zahlen schon hin und wieder.


    Ganz besonders aktuell zu sein, hat in erster Linie den - eigentlich ziemlich offensichtlichen - Vorteil, dass der Artikel schon da ist, wenn das Spiel noch "heiß" ist, es also was zum Lesen gibt, wenn das Interesse auf dem Höhepunkt ist, wenn die Leute zum ersten Mal davon gehört haben, es gekickstartert oder gekauft haben, ein "taugt das was?" lesen, ihre Meinung oder ihren Kauf bestätigt haben wollen.


    Aber in der Regel bleibt es beim folgenden - noch trivialeren - Zusammenhang:

    Artikel über Spiele, die "alle" auf dem Schirm haben, werden viel angeklickt. Artikel über Spiele, die keine Sau interessieren, wenig bis gar nicht.

    Zum Beispiel wurde - mal eben exemplarisch rausgegriffen - mein Gesabbel über #RisingSun oder #Azul viermal so oft angeklickt wie #CottageGarden, und achtmal so oft wie #Ulm.


    Exklusivität hilft auch wenig, also der einzige zu sein, der über ein Spiel schreibt. Das bedeutet nämlich im Regelfall, dass das Spiel neben den Reviewern auch den Spielern am Arsch vorbei geht. Mein Artikel über #MastersofOrion (ich glaube, ich hatte da jahrelang die einzige deutsche Review) bleibt zum Beispiel ähnlich unter dem Radar wie dieses - eigentlich sehr hübsche - Spiel auch, mit einem Zwanzigstel der Klicks von #Azul. Sowas klicken dann vermutlich fast nur noch Leute an, die primär lesen wollen, was ich schreibe, eher sekundär, worüber.


    Eine Seite wie Metacritic etc. kenne ich jetzt auch nicht für Brettspiele.

    Es gibt natürlich mehrere Seiten, auf denen sich Reviews bündeln (zB bgg, luding.org oder vermutlich auch dieses beeple netzwerk, das ich noch nie angeschaut habe). Aber etwas Vergleichbares zu Metacritic gibt es meines Wissens nach nicht.

  • Schau dir mal die Besprechungen vom Pegasus Pressetag an. Am besten die Spiele direkt vor Ort noch „besprechen“ und online stellen. Je schneller ich je mehr zeigen kann, desto besser. Gleich noch hypen, was geht und Zack: FIRST!

    Mein Job: Spiele-Redakteur bei Frosted Games

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  • In der Sache bin ich seiner Meinung, nicht aber bei der Zielsetzung: ich halte es für ziemlichen Quatsch, dass es durch Spielekritiken zu besseren Spielern oder Spielen kommt. Ersteres ist völlig absurd, letzteres dann doch eher die Aufgabe von Testspielern, Redakteuren und Autoren.

    Kritiken bzw. Kritikerinnen, die wiederholt den Finger in die Wunde legen, haben sicherlich ihren Anteil daran, dass die Subjekte der Kritiken auf lange Sicht „besser“ werden. Schließlich agieren die meisten Spieleschaffenden nicht im Vakuum. Einige setzen sich bestimmt mit Kritik und Feedback auseinander und ziehen ihre Schlüsse daraus. Auch manche Spielerinnen werden sich mehr und intensiver mit Spielen beschäftigen, wenn sie regelmäßig niveauvollere Kritiken zu lesen bekommen. Steter Tropfen höhlt den Stein.

    Aus all dem sollte man nur nicht ableiten, dass das Ziel wäre, alle Spieler dazu zu bringen, genau das zu tun, und alle Spiele in Richtung „Kulturgut“ zu peitschen.

  • Ernst Synes' Artikel (Aufruf?) ist natürlich schon ein bisschen der des einzelnen Rufers im Walde. Die Hunde bellen, doch die Karawane zieht weiter. Insofern ist die ganze Debatte eher akademischer Natur.


    Unabhängig davon denke ich, dass es schon eine Nachfrage nach Spielekritiken der Art gibt, wie Synes sie beschreibt. Das Feuilleton der FAZ bedient ja auch nur eine Nische, aber sie hat eben ihre Leserschaft. Das Missverständnis entsteht meiner Einschätzung hierbei bereits alleine dadurch, dass jemand wie Ernst Synes mit dem Begriff der "Kritik" eine ganz andere Qualität verbindet, als derjenige, der auf Amazon einen Dreizeiler schreibt und fünf Sterne vergibt; oder als derjenige, der nach einer oder vielleicht sogar drei Partien ein Rezensionsvideo aufnimmt. Ein Kritiker mit dem Anspruch eines Ernst Synes könnte andererseits vermutlich gut damit leben, würden solche Veröffentlichungen stattdessen mit "Spielvorstellung" betitielt, ganz in Analogie zur Buchvorstellung, wie wir alle sie noch von der Schule kennen. Denn qualitativ läuft es ja tatsächlich in aller Regel auf eben dieses Besprechungsniveau hinaus.

    Soziale Medien fügen Ihnen und den Menschen in Ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu.

  • Was er fordert, impliziert auch journalistische Sorgfalt, dass sollte spätestens bei Punkt 6 klar werden, auch andere der Punkte erfordern Sorgfalt.

    Jedenfalls liegen nicht zu jedem Spiel, Erklärvideo und/oder Regel vor, und ersetzen auch nicht eine solche Besprechung, wenn Du unbedingt den Begriff Kritik vermeiden willst.


    Wenn Du aber mal in den Bereich der Literaturkritik schaust, würdest Du sehen, dass es die hier abgelehnten Formate eben auch gibt. Was mir zeigt, er hat sich nur oberflächlich mit dem Thema befasst.


    Die Intention ist es auf elitärer Ebene, mit der angeblich so überlegenen Literaturkritik gleich zu ziehen, dabei übersieht er wichtig Punkte, wie die Zielgruppe, dass es auch in der Literaturkritik die unterschiedlichsten Formate gibt, das auch dort neutrale Zusammenfassungen gängig sind. Hat man übrigens auch oft im Bereich der Filmkritik, wo sie auf wenige Zeilen eingedampft ist.


    Kritiker sind im Übrigen nicht , oder nur selten, die besseren Autoren. Natürlich hat ein Ranicki sich gefühlt dafür gehalten, deshalb wohl auch das Zitat von ihm.


    Die Qualität einer Kritik hängt auch stark mit dem Nutzen für die Zielgruppe zusammen. Wenn ich vor einem Laienpublikum nur Fachbegriffe nutze, dann ist es für mich vielleicht ganz toll, bringt aber den Angesprochenen nichts.


    Man kann ganz andere Kriterien für eine gute Kritik anführen, die nicht so abgehoben daher kommen, und nicht so eingeschränkt auf ein Format sind.


    Ob man dadurch irgendwie bessere Spiele bekommen kann, sei mal dahin gestellt.

    Einmal editiert, zuletzt von Weltherrscher () aus folgendem Grund: Tippfehler korrigiert

  • Wer hat wohl mehr Erfolg in der Buchkritik, die Feuilletons der Zeitungen, oder die vielen Buchblogger?

    Das kommt darauf an, was du unter "Erfolg" verstehst. Offenbar meinst du damit die Anzahl der Leser. Es gibt aber auch andere Kriterien, wie man Erfolg definieren kann.


    Ein Beispiel: Die BILD hat mehr Leser als andere Tageszeitungen. Damit hat sie in deinen Augen vermutlich mehr Erfolg. Aber in meinen Augen hat eine Tageszeitung mehr Erfolg, die es trotz geringerer Leserzahlen schafft, journalistisch besser als die BILD zu berichten und trotzdem (über)leben zu können.

    André Zottmann (geb. Bronswijk)
    Thygra Spiele
    (u. a. für Pegasus Spiele tätig)

    Ich gebe hier generell immer meine eigene, ganz persönliche Meinung von mir.

  • ich gehe mal davon aus, dass unabhängig von der inhaltlichen Qualität, der Erfolg für einen Journalisten/Kritiker darin liegt, gelesen zu werden, und damit einen gewissen Einfluss zu erlangen.


    Auch eine Zeitung die qualitativ besser ist, hat nur dann Erfolg, wie Du richtig bemerkst, wenn sie überhaupt am Markt überleben kann.


    Schaut man sich den Zeitungsmarkt mal an, sieht man wie wenig Qualität da bei der Personalpolitik herrscht. Ich sag nur Bezahlung freier Mitarbeiter, oder das Gerangel bei der Fusion von FAZ und Frankfurter Rundschau, und die Vorgeschichte der Rundschau. Da mag man inhaltlich Qualität bieten, im Hintergrund hält man sich aber oft nicht an die verbreiteten Standards.

    Da wird also für die oberflächliche Qualität und das Überleben der eigene Standard geopfert.


    Bei der BILD sieht man schon direkt, dass man auch im Hintergrund nicht viel erwarten darf, ich bin aber mir nicht sicher, ob die internen Standards dort schlechter sind.


    Man kann grundsätzlich andere Erfolgsziele definieren, aber ich glaube nicht, dass man als Schreibender, der Einfluss nehmen will, um bessere Spiele zu erreichen, Erfolg definiert als "möglichst ungelesen zu bleiben" . Das wäre irgendwie widersinnig. Wenn ich was ändern will, muss ich viele, oder zumindest die richtigen Menschen erreichen. So wie er seinen Anspruch an Kritik definiert, wird er nur einen elitären Entscheiderkreis erreichen, dessen Entscheidungen aber völlig ins Leere laufen, wenn die breite Masse, die Käufer, nicht überzeugt sind das ein Spiel kaufenswert ist, weil es angeblich besser ist als ein Risiko oder Monopoly.


    Persönlich definiere ich Erfolg nicht über schneller, höher, weiter. Pragmatisch gesehen muss aber die angestrebte Änderung, über das Erreichen eines breiten Publikums erfolgen. Das kann auch Qualitativ geschehen, aber sicher nicht so abgehoben, wie hier gefordert.

  • Ben2 Puh ich weiß ehrlich gesagt nicht mal, wann der Pegasus Pressetag ist und habe nichts davon mitbekommen. Gibt es hier im Forum überhaupt einen eigenen Thread dazu?

  • Das kommt darauf an, was du unter "Erfolg" verstehst. Offenbar meinst du damit die Anzahl der Leser.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass es auch nur einen einzigen deutschsprachigen Spieleblogger gibt, der mehr Leser als z.B. die FAZ, Süddeutsche, Zeit, etc. hat. Die Reichweite einer Buchkritik in einer überregionalen Zeitung sollte immer noch deutlich darüber liegen.


    Aus meiner Sicht nehmen sich die meisten Blogger viel zu wichtig. Wenn ich sehe, wie viele Abonnenten der erfolgreichste deutsche youtube-Spielekanal hat, bewegen wir uns uns ungefähr in gleicher Reichweite mit Schminktipps und Grillbloggern. Selbst während der Messe hat der Twitter #spiel18 es nicht mal in die Top10 der relevanten Hashtags geschafft.


    Und so lange selbst ernannte Spielekritiker und Journalisten Regelhefte runterbeten und "Erste Eindrücke" - Videos machen wird sich daran nichts ändern.

    Und ganz nebenbei: ich habe überhaupt nichts gegen Regelvideos und Unboxing-Filmchen. Nur darf man das nicht mit journalistischer Arbeit oder gar Kritik verwechseln. - Und nur auf diese Textgattung zielt der ursprüngliche Beitrag ab.

  • ich gehe mal davon aus, dass unabhängig von der inhaltlichen Qualität, der Erfolg für einen Journalisten/Kritiker darin liegt, gelesen zu werden, und damit einen gewissen Einfluss zu erlangen.

    Ein Erfolg kann auch darin liegen, wenig Leser zu haben, aber den Pulitzerpreis zu gewinnen. Nur mal so als Beispiel.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass es auch nur einen einzigen deutschsprachigen Spieleblogger gibt, der mehr Leser als z.B. die FAZ, Süddeutsche, Zeit, etc. hat. Die Reichweite einer Buchkritik in einer überregionalen Zeitung sollte immer noch deutlich darüber liegen.

    Äh, darum geht es doch gar nicht!?

    André Zottmann (geb. Bronswijk)
    Thygra Spiele
    (u. a. für Pegasus Spiele tätig)

    Ich gebe hier generell immer meine eigene, ganz persönliche Meinung von mir.

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  • Ben2 Puh ich weiß ehrlich gesagt nicht mal, wann der Pegasus Pressetag ist und habe nichts davon mitbekommen. Gibt es hier im Forum überhaupt einen eigenen Thread dazu?

    Naja, das Forum ist ja nicht der Standard. Aber schaut und liest man deutsche Blogger/YT kam man sogar am selben Tag kaum drum herum ...

    Mein Job: Spiele-Redakteur bei Frosted Games

  • Um einen Pulitzer Preis zu bekommen muss man auch gelesen werden, und erlangt dadurch sicher auch Einfluss. Die Geschichte der Zeitungn in den USA rund um Pulitzer ist übrigens auch ein interessanter Diskurs zum Thema Erfolg, Qualität und Integrität.

  • Wenn jemand hier meint den Korinthenkacker spielen zu müssen, ...

    Wenn jemand hier meint, andere beleidigen zu müssen, dann bitte direkt. Im Idealfall auch mit richtigen Kraftausdrücken. Vielleicht wäre dann auch aufgefallen, dass man anderen vorschreiben will, wie sie sich an einer Diskussion beteiligen sollen.

    ;)

  • Synest Ernst formuliert in seinem Artikel eine Wunschliste, wie seiner Meinung nach bessere Spielkritiken aussehen könnten und beklagt, dass es bisher kaum Abhandlungen und Analysen zu Spielkritiken gibt. Soweit seine Sichtweise.


    Ich behaupte, dass ich als Leser kaum erkennen kann, ob eine Spielkritik fundiert ist oder schlicht zu einem falschen Ergebnis kommen muss, weil falsch gespielt oder in einer für das Spiel unpassenden Situation entstanden. Das kann ich nur erkennen, wenn ich das Spiel selbst kenne. Ob dann aber der Kritiker wirklich falsch gespielt hat oder sich nur missverständlich ausgedrückt hat in seiner Kritik, das weiss ich immer noch nicht, selbst wenn ich das Spiel kenne. Deshalb läuft für mich persönlich alles darauf hinaus, dass ich den Kritiker als Kritiker schätzen gelernt habe und aus der Vergangenheit eine Erwartungshaltung für seine aktuellen Kritiken ableite, dass diese mindestens ebenso fundiert sind.


    Da wir uns aber bei Spielekritiken hauptsächlich im Hobbybereich bewegen, finde ich es schwierig, Wünsche an Spielekritiker zu formulieren. Ich freue mich stattdessen eher, wenn jemand über ein Spiel berichtet, das mich interessiert oder das durch die Kritik für mich interessant wurde. Da hier aber jemand seine Freizeit geopfert hat, um neben den eigenen Beweggründen als Nebeneffekt mir zu helfen, erfreut mich ich eher das, was ich für mich an interessanten Inhalten in der Spielekritik vorfinde und beklange nicht das, was in der Spielkritik eventuell fehlt.

  • Das kommt darauf an, was du unter "Erfolg" verstehst. Offenbar meinst du damit die Anzahl der Leser.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass es auch nur einen einzigen deutschsprachigen Spieleblogger gibt, der mehr Leser als z.B. die FAZ, Süddeutsche, Zeit, etc. hat. Die Reichweite einer Buchkritik in einer überregionalen Zeitung sollte immer noch deutlich darüber liegen.

    Ist das auch immer noch so, wenn du all diejenigen abziehst, die eine dieser Printmedien kaufen aber die eventuelle Rezension nie lesen, weil sie sich eh nur für Politik und Wirtschaft interessieren? Ich glaube die Verlaust in dem Bereich sind auch orbitant hoch.

  • Hallo Mattias,

    Ist das auch immer noch so, wenn du all diejenigen abziehst, die eine dieser Printmedien kaufen aber die eventuelle Rezension nie lesen, weil sie sich eh nur für Politik und Wirtschaft interessieren? Ich glaube die Verlaust in dem Bereich sind auch orbitant hoch.

    ein Verleger begründete sein Überlassen des Musters damit, dass die Ergebnisse dieser Muster auf möglichst verschiedenen Kanälen verfügbar sein sollten. Er versprach sich davon ein besseres Marketing-Ergebnis, als wenn er zwanzig Exemplare nur in youtube-Kanäle investieren würde. Eine möglichst breite Streuung der Muster war sein Interesse, um die optimale Reichweite zu erlangen.

    Liebe Grüße
    Nils

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