Warum werden Spiele so gut wie nie weiterentwickelt?

  • Angeregt durch

    und

    frage ich mich, warum werden Spiele eigentlich so gut wie nie weiterentwickelt? Warum ist jedes Spiel praktisch ein Schuss ins Blaue, ohne die anschließende Erfahrung damit zu nutzen, um das Spiel besser zu machen?


    Ich kenne kaum einen Fall, in denen ein Spiel später in einer grundlegend verbesserten Fassung erscheint. Damit ich meine ganz explizit keine Erweiterung und keine Module, die ergänzt werden. Also auch nicht eine Neuauflage mit hinzugefügten optionalen Modulen (kürzlich z.B. #Endeavour, #NotreDame) oder ein "neues" Spiel, welches zwar einen Großteil der Grundelemente aufnimmt und verbessert, aber vom Thema und Namen her dennoch ein anderes Spiel ist (z.B. #GaiaProject als Nachfolger von #TerraMystica).


    Es würde mich beispielsweise riesig freuen, wenn #RailroadRevolution in einer Version 2.0 erscheinen würde, die in sich komplett ist und genau die (zusätzlichen oder geänderten) Elemente enthält, um daraus das gute Spiel zu machen, dass es verdient hat zu sein. Aber bitte nicht schon wieder eine Sammlung von X Erweiterungen und Modulen, die einen vor jeder Partie nötigen, zu entscheiden, mit welcher Kombination man spielen möchte und das Spielmaterial entsprechend zu sortieren. Einfach ein in sich gutes Spiel.


    Wie seht ihr das? Sollten Spiele ähnlich wie gute Software über Jahre "gewartet" werden, um sie immer besser zu machen? Alle paar Jahre eine neue Version, die die bis dahin bekannt gewordenen Schwächen und Unausgewogenheiten korrigiert? Oder soll weiterhin mit Erweiterung und Modulen herumgeflickt werden?


    Ciao

    Stefan

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  • Ich denke mal grob, dass diese Industrie noch ziemlich in den Kinderschuhen steckt. Ein analoges Produkt, das eben auf Verdacht produziert und evtl gut verkauft wird. Was gut läuft, wird kopiert. Sowas wie Marktforschung ist viel zu teuer und Social Media und Co sind sicherlich noch nicht zu diesem Zwecke in der Industrie angekommen. Vor allem in Deutschland. Zumindest kenne ich noch keinen Verlag oder ähnliches, der digitale Medien nutzt wie z.B. ein Software-Unternehmen.


    Eben eher wie du sagst: Ein Schuss ins Blaue und was gut läuft, das wird adaptiert. Mitunter ein Grund, warum sich die Kickstarter-Welt so stark von der Verlagswelt unterscheidet.


    Kurzum: Ich glaube den Verlagen fehlt einfach genügend Feedback um zu entscheiden, wie ein Spiel weiter entwickelt werden sollte. Obendrein kostet das alles auch einfach Geld und ich schätze, dass man mit Familienspielen, die einfach immer und immer wieder rethemed werden, immer noch mehr Geld verdient als mit unseren aufwändigen Expertenspielen.

  • Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass sich der Aufwand lohnt. Die wenigstens Spieler werden sich ein Spiel nochmals kaufen - höchstens wenn sie ihr altes gut loswerden. Aber wer soll denn das dann wieder kaufen, wenn es doch die bessere Version gibt?

    Ohne größere Änderungen (Arkham Horror -> Eldritch Horror, Agricola -> Agricola V2) kann man wahrscheinlich nicht genug Aufmerksamkeit erregen. Eine längst vergriffene Erweiterung mit reinzupacken, erzeugt einfach mehr Interesse als ein geänderter Absatz im Regelbuch.

    Patches wie im Softwarebereich sind da einfacher zu machen, aber wie soll da das Bezahlmodell aussehen? Neues Regelbuch im Briefumschlag für 5€?

  • Hm. Ich hätte eigentlich vermutet, dass du malzspiele , das eigentlich ganz gut wissen müsstest. Soll kein Vorwurf sein. Generelle Verwunderung...


    1. Das Spiel ist ja schon verkauft worden. In Version 1.0. Die Käuferschar für Version 2.0 ist kleiner.

    2. Brettspiele sind nicht vergleichbar mit Computerspielen. Der Markt ist viel kleiner. Für wen soll man sich die ganze Arbeit machen weiter an dem Spiel zu feilen, für das ich doch schon Geld bekommen habe? Für die 2000 Stück vom Kleinverlagsspiel, die verkauft wurden? Selbst, wenn es 5000 sind - lohnt sich das? Darüber hinaus kann man heutzutage Patches oder Updates mal kurz runterladen und schon ist der Bug gefixed. Das geht bei Brettspielen nicht so einfach und schnell...

    3. Die Spiel-Community will doch gar keine Spiele, die sie 20 Mal spielen müssen/wollen. Neue Spiele landen auf dem Tisch, haben 3-6 Monate Zeit um 1-3 Partien zu erleben und dann kommen schon die nächsten Neuheiten - wie von der Spielerschar gewünscht! Wie oft lese ich im Netz, dass manche Spiele kaum eine zweite Chance bekommen? Die Neuheitengeilheit kennt doch kaum noch Grenzen. Nichts ist älter, als das Spiel von der letzten Messe. Für wen soll man denn die Produkte pflegen? Für das Verstauben im Regal?

    4. Erfolgreiche Spiele bekommen eine Erweiterung und vielleicht auch die ein oder andere Regelanpassung. Macht man das, ist das Geschrei in der Szene groß, weil die Erstkäufer sich (zurecht?) verkohlt fühlen. Sie zahlen viel Geld um Beta-Tester zu sein?

    5. Bei sehr erfolgreichen Spielen, die an sehr hohe Absatzzahlen kommen, wird doch genau das gemacht, was du beschreibst. Spiele wie Carcassonne oder Siedler werden gehegt und gepflegt. Regelanpassungen im Laufe der Jahre. Neue Erweiterungen oder sogar eigenständige Spiele in der Reihe, die ja alle vom Originalspiel gelernt haben.


    Ich kenne kaum einen Fall, in denen ein Spiel später in einer grundlegend verbesserten Fassung erscheint. Damit ich meine ganz explizit keine Erweiterung und keine Module, die ergänzt werden. Also auch nicht eine Neuauflage mit hinzugefügten optionalen Modulen (kürzlich z.B. #Endeavour

    An der Stelle möchte ich widersprechen. Endeavor ist GENAU DAS! Die Autoren haben jahrelange Erfahrung mit dem Spiel und es an allen Ecken und Enden verbessert. Anpassungen für unterschiedliche Spielerzahlen, diverse Regel- und Materialänderungen im positiven Sinne. Die ganzen Exploits sind eben noch was, was oben drauf gepackt wurde. Aber auch das Grundspiel selber ist im Grunde Endeavor 2.0. Aber zugegebenermaßen ist dies ein Ausnahmebeispiel.

    Einmal editiert, zuletzt von ode. ()

  • warum werden Spiele eigentlich so gut wie nie weiterentwickelt? Warum ist jedes Spiel praktisch ein Schuss ins Blaue, ohne die anschließende Erfahrung damit zu nutzen, um das Spiel besser zu machen?

    Ich sehe schon, dass die gewonnene Erfahrung genutzt wird. Sie fließt halt nicht in ein Spiel "XYZ Version 2" ein, sondern viel eher in (additive) Erweiterungen oder bei größerem Änderungsbedarf in komplett neue Spiele mit altem Kern, aber deutlich geändertem Thema (neben Gaia Project wären da z.B. noch Altiplano oder Clank in Space zu nennen). Das ist für die Verlage besser zu verkaufen. Ein XYZ Version 2 würde überwiegend negative Reaktionen der Sorte "Das ist doch Abzocke!!! Warum soll ich mir das gleiche Spiel nochmal kaufen?!" provozieren.


    Mit der Veröffentlichung von Version 2 entwertet der Verlag außerdem die eigene Version 1. Sowohl im übertragenen Sinne als auch ganz direkt in Sachen Wiederverkaufswert. Das gefällt den Besitzern der Version 1 natürlich nicht. Das gilt umso mehr, wenn der Verlag aus wirtschaftlichen Gründen (geringer und unklarer Bedarf) keine Upgrade-Kits von Version 1 auf Version 2 anbieten kann. Klar, dass die Verlage dann lieber bequemere Wege suchen als die eigenen Fans zu vergrätzen. Da muss dann eben ein Re-Theme her, das wird von der Kundschaft akzeptiert...


    Die Zeit für eine verbesserte/überarbeitete Neuauflage ist erst reif, wenn die Erstausgabe ein paar Jährchen out of print war. Jedenfalls in Europa. Die Ami-Verlage sind da gefühlt etwas freier darin, eine 1st edition als obsolet zu deklarieren und durch eine 2nd edition zu ersetzen. Oder entsprechend für höhere Nummern. Bei Twilight Imperium sind wir z.B. inzwischen bei Version 4.



    BTW: Endeavor: Age of Sails unterscheidet sich vom Original-Endeavor (deutsch: Magister Navis) nicht nur durch die Hinzunahme der Erweiterung. Da wurde auch das Grundspiel überarbeitet.

  • Bei #Funkenschlag gibt es jetzt bald eine leicht überarbeitete Version. Prinzipiell war ja auch schon die Deluxe Variante eine überarbeitete Version. Weitere Dann fällt mir noch im #ImWandelDerZeiten ein und #Groundfloor. Ich würde aber die Abgrenzung zu neuen Spielen nicht ganz so eng sehen. Irgendwie ist für mich #GaiaProjekt schon eine überarbeitet #TerraMystica Version. Oder #BrassBirmingham oder die verschiedenen #Zombicide Versionen. Bei vielen Spielen kommt die Überarbeitung als (Teil der) Erweiterung, z.B. wie sich bei Terra Mystica die Zugreihenfolge aus der Passreihenfolge ableitet.


    Ansonsten scheinen Überarbeitungen auch ein guter Aufhänger für Kickstarter bzw. Crowdfunding zu sein. Da fällt mir #SanktPetersburg, #GlenMore, #Suburbia und #CarnivalZombie auf die Schnelle ein.


    Also Insgesamt finde ich die Weiterentwicklung und Pflege bei Brettspielen jetzt nicht so schlecht aufgestellt. Großer Unterschied zu Software ist halt einfach, dass man auch physische Komponenten braucht (Regel-Errata bzw. FAQ mal ausgenommen).

  • Hallo Stefan,

    auf eine Frage an einen mir bekannten Redakteur, warum eine bestätigt graißliche Grafik der Erstauflage nicht komplett überarbeitet wird, war die Antwort:

    Der Besitzer der Erstauflage würde sich betrogen vorkommen. :?:

    Ich weiß nicht, ob dieses Argument nur vorgeschoben ist. Aber - wenn ich so an die unknownler denken, vermag ich das Problem ein klein wenig nachzuvollziehen.

    Aber - frage doch mal den Meister Knizia, Reiner seiner, wie das geht, Spielentwicklungen oft im neuen Gewand wiederauferstehen zu lassen. ;)

    Liebe Grüße
    Nils

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  • Naja. Klar gibt es Beispiele, die Stefans Diskussionspunkt widerlegen. Ich glaube es ging ihm eher um die grundsätzliche Haltung. Die hat natürlich auch was damit zu tun, wie die Käufer dazu stehen. Siehe Beitrag von Nils. Das würder der Redakteuer nicht sagen, wenn Spielekäufer eine größere Akzeptanz für so was an der Stelle hätten...

  • ...

    3. Die Spiel-Community will doch gar keine Spiele, die sie 20 Mal spielen müssen/wollen. Neue Spiele landen auf dem Tisch, haben 3-6 Monate Zeit um 1-3 Partien zu erleben und dann kommen schon die nächsten Neuheiten - wie von der Spielerschar gewünscht! Wie oft lese ich im Netz, dass manche Spiele kaum eine zweite Chance bekommen? Die Neuheitengeilheit kennt doch kaum noch Grenzen. Nichts ist älter, als das Spiel von der letzten Messe. Für wen soll man denn die Produkte pflegen? Für das Verstauben im Regal?

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    Habe ich auch schon 1000 Mal erlebt. Da würde ich mir auch häufig mehr Nachhaltigkeit wünschen. Aber für die meisten zählt erstmal nur haben haben haben. Wenig Spiele werden öfter als 5 mal gespielt, stattdessen mehr Geld in den Markt gepumpt und trommelnd auf neue Kickstarter gewartet statt das zu genießen was man hat.

    Viele könnten sich auch vorm Spielekauf besser informieren, dann würds automatisch schon weniger Fehlkäufe geben. Zudem kaufen sich Freundeskreise Spiele mehrfach obwohl es doch reichen würde, wenn nur einer das Spiel hat...

  • doppelt so clever könnte man auch als Version 2 ansehen. Da fallen mir bei den roll 'n' write noch ein paar mehr ein: die ganzen Penny Papers, Qwixx, Qwantum etc.

    Geht vermutlich schon in die Richtung, dass die Spieler sich ein Spiel für 30-50€ oder noch mehr € nicht noch einmal kaufen würden, nur weil dann ein paar Regeln anders sind. Bei den r'n'w Spielen ist das wiederum eine ganz andere Preiskategorie.

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  • Ich stelle mir zur Zeit öfters die Frage ob ich die neue Version von x oder y brauche. Was ist dort besser als bei der die ich habe. Dann schlägt sofort auch der Preishammer auf den Tisch. Ist es mir den wirklich wert eine verbesserte Version zum gleichen oder gar höheren Preis zu erwerben? Spätestens an dieser Stelle fällt zu fast 100% der Fälle das endgültige NEIN.

    Mir sind dann Erweiterungen die günstiger daherkommen und das Spiel auch verbessern lieber. Wenn ich die will ist die Hemmschwelle wesentlich geringer -> weil günstiger.

    Ich ziehe die Erweiterung dem Spiel 2.0 vor.


    MfG

    fleXfuX

    Wer die Weisheit mit Löffeln gegessen hat, neigt zu geistigem Durchfall.

  • Bei den heutigen Spielepreisen gilt:


    Wenn ich mir was neues kaufe, muss es auch was neues bieten. Sonst spiele ich das alte Spiel weiter.


    Bei Software ist es einfach: Patch runtergeladen, und die Erstkäufer sind auf dem selben Stand wie die Käufer der Definitive Edition. Aber bei Brettspielen? Zu 90% die gleichen Karten, Bretter und Counter? Das ist in meinen Augen wirklich Material- und Geldverschwendung. Glücklicherweise gibt es ja auf BGG den unscheinbaren Eintrag bei der Spieleübersicht "reimplements xxx". Der wird von mir auf jeden Fall genutzt.


    Soviel mal aus Käufersicht.


    Wenn ich Spiele entwickeln würde.... hmm... vermutlich würde ich Regeländerungen und Verbesserungen in Erweiterungen unterbringen. Und wenn ich ein netter Spieleentwickler sein wollte, würde ich nicht nur die neuen Regeln zum Download anbieten sondern auch alle Komponenten, die zum Upgrade auf Version 2.0 geändert werden müssten.


    Oder aber:


    Ich würde meine neue Version in ein ganz neues Spiel packen. Dabei sollte sich das von der ersten Version so sehr unterscheiden, dass "reimplements" nicht zum Tragen kommt.


    Alles obige, denke ich, gibt es in der Realität. Was davon sich wirtschaftlich trägt --- keine Ahnung!


    Aktuell denke ich über die Marco Polo Diskussion nach. Ich mag das Spiel. Besitze auch alle bisherigen Erweiterungen. Aber nochmal neu kaufen? Nein, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht. Eine Erweiterung? Weit eher möglich! Vor allem, wenn sie solomodusmäßig was dazutut.


    Es gibt zu viele gute Spiele, die zu wenig Zeit und zu wenig Regalplatz gegenüberstehen.

  • Die Spiele werden durchaus weiterentwickelt, sei es nun von Auflage zu Auflage evolutionär, durch Übernahme der Mechanismen in ein neues Spiel, durch Varianten in angrenzenden Bereichen, vom Würfel, zum Brett, zum Kartenspiel und wieder zurück. Durch Erweiterungen, durch Regelkorrekturen und Anpassungen.

    Das wird nur meist nicht so plakativ in den Vordergrund gerückt. Aber von den Dauerbrennern wirst Du wenige finden die wirklich noch 1 zu 1 wie in der Ursprungsauflage sind.

  • Der Vergleich zu Computerspielen hinkt finde ich etwas, weil der Fokus oft ein anderer ist. Trotzdem finden sich Gemeinsamkeiten. Entweder bedeutet eine 2.0 neuer Inhalt plus technisches Update, es ist ein Remaster, als oft nur technisches Update oder es fügt viel neues hinzu, meist durch eine komplett neue Story.


    Alles andere sind kostenpflichte DLCs oder kostenlose Patches.


    Bei den Brettspielen gibt es neue verbesserte Editionen (wie Remake/Remaster), Errata (Patches). Ein richtiges 2.0 braucht es nur wenn eine Story weitergeführt wird oder die Spielwelt massiv erweitert wird. Das ist selten, aber auch vorhanden: Pandemic, Pandemic Legacy, Cthulhu Wars.

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  • Aber es gibt doch auch bei Spielen Weiterentwicklungen, wenn man an FFG denkt fallen doch zahlreiche ein, oder wie ist es gemeint?


    Twilight Imperium, VIllen des Wahnsinns uvm.


    Also kann ja keiner sagen, es gaebe keinen Markt.

    Ich bezweifel auch, dass sich das nicht lohnt, dafuer wird es zu intensiv betrieben, auch ein Argument: Die Kunden wuerden es nicht akzeptieren ist doch bei den FFG-Titeln eher gegenteilig

    Einmal editiert, zuletzt von Vollkasko ()

  • Weiterentwicklungen finde ich grundsätzlich gut, wenn sie ein Spiel auch wirklich weiterbringen. Damit meine ich in erster Linie das Spiel als Spiel weiterbringen, der wirtschaftliche Erfolg ist mir bei dieser Betrachtung nicht wichtig. Meine Sichtweise ist da klar: Ich bin in keiner Weise mit der Spielebranche verbunden, auch kein Blogger oder Youtuber, bin einfach nur Spieler, also "Endverbraucher", der's kaufen soll.


    Daran anknüpfend zu den zwei wirtschaftlich besonders erfolgreichen Beispielen:


    Carcassonne: Die ganzen Erweiterungen haben zwar Neues ins Spiel gebracht, es aber aus meiner Sicht nicht verbessert, sondern mit jeder weiteren Erweiterung letztlich so unübersichtlich gemacht, dass ich alles, was ich hatte, entnervt verkauft habe. Etwas besser war das bei dem ein oder anderen neuen eigenständigen Spiel aus der Carcassonne-Welt, aber letztlich haben auch sie unter meinem Überdruss gelitten und sind ausnahmslos weg.


    Catan: Das ist für mich eine ganz andere Hausnummer. Das Grundspiel finde ich mittlerweile eher langweilig, würde ich nur noch mit Einsteigern spielen. Aber aus meiner Sicht schon grandios, was man aus diesem Grundsystem alles machen kann. Nimmt man z.B. die vierte große Erweiterung, Entdecker&Piraten, erkennt man zwar immer noch Catan, das ist aber ein ganz anderes Spielniveau, einfach großartig (ja, das sage ich in dem Zusammenhang hier mal, mache ich ja äußerst selten). Auch eigenständige Spiele aus der Catan-Welt haben zumindest teilweise einen großen Reiz, wie etwa Abenteuer Menschheit, Aufbruch der Händler oder Siedler von Nürnberg, weil sie dem System ganz neue Aspekte hinzufügen, die eine Bereicherung sind. Davon kann es für mich gar nicht genug geben. Bin halt ausgemachter Catan-Fan. Deshalb schon in erwartungsvoller Spannung hinsichtlich der kommenden Legende der Eroberer.

    Spielerische Grüße Ernst-Jürgen


    Allzeit-TOP 5: 1. Viticulture - Compl. Coll. Ed., 2. Martians - A Story of Civilization, 3. Scythe, 4. Snowdonia, 5. Prehistory

  • Carcassonne: Die ganzen Erweiterungen haben zwar Neues ins Spiel gebracht, es aber aus meiner Sicht nicht verbessert

    Da stimme ich dir zu, aber wurde nicht irgendwann im Laufe der Zeit die Bauernregel modifiziert und vereinfacht. Das war dann tatsächlich eine Weiterentwicklung.

    Gruß aus Frankfurt, Helmut

  • Die Bauernregel in Carcassonne ist für mich ein Beispiel für eine Weiterentwicklung.

    /:ninjad:

    Erst bringt er ein gutes Spiel raus (Patchwork z.b.), dann tut er es mit jeden Ableger weiter verschlechtern (Cottage Garden, Indian Summer...) ;)

    Würde das schlechtere Spiel zuerst erscheinen, würde ja niemand mehr die Nachfolger kaufen ... :/

    André Zottmann
    Thygra Spiele
    (u. a. für Pegasus Spiele tätig)

    Einmal editiert, zuletzt von Thygra ()

  • Carcassonne: Die ganzen Erweiterungen haben zwar Neues ins Spiel gebracht, es aber aus meiner Sicht nicht verbessert

    Da stimme ich dir zu, aber wurde nicht irgendwann im Laufe der Zeit die Bauernregel modifiziert und vereinfacht. Das war dann tatsächlich eine Weiterentwicklung.

    Ja schon, aber eine einfache Regeländerung dieser Art ist ja jetzt nichts Herausragendes. Das hat es bei Catan auch gegeben, als z.B. die Trennung von Bau- und Handelsphase aufgehoben wurde.

    Spielerische Grüße Ernst-Jürgen


    Allzeit-TOP 5: 1. Viticulture - Compl. Coll. Ed., 2. Martians - A Story of Civilization, 3. Scythe, 4. Snowdonia, 5. Prehistory

  • Die Bauernregel in Carcassonne ist für mich ein Beispiel für eine Weiterentwicklung.

    /:ninjad:

    Erst bringt er ein gutes Spiel raus (Patchwork z.b.), dann tut er es mit jeden Ableger weiter verschlechtern (Cottage Garden, Indian Summer...) ;)

    Würde das schlechtere Spiel zuerst erscheinen, würde ja niemand mehr die Nachfolger kaufen ... :/

    Selbes Vorgehen wie bei Game of Thrones - der Serie... ;-)

  • Im Cosim-Bereich ist eine Weiterentwicklung schon lange durchaus üblich.

    Insbesondere Spiele aus Spiele-Serien mit gemeinsamen Serienregeln werden ständig verbessert.


    Ich glaube nicht, daß jemand wirklich objektiv sein kann - alle Meinungen sind subjektiv.
    Natürlich gilt das auch für mich.

  • Erst bringt er ein gutes Spiel raus (Patchwork z.b.), dann tut er es mit jeden Ableger weiter verschlechtern (Cottage Garden, Indian Summer...) ;)

    Würde das schlechtere Spiel zuerst erscheinen, würde ja niemand mehr die Nachfolger kaufen ... :/

    Es gibt aber auch durchaus Menschen, die genau aus diesem Grund "Rosenberg-Spiele" meiden.

    Seit dem angeblich verbesserten Agicola "namens Caverna" ignoriere ich seine Spiele komplett.


    MfG

    Valadir

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  • Der Cosim Bereich hat mich sehr beeindruckt. Dort gibt es teils Spiele, welche Jahrzehnte alt sind und welche noch immer mit Hingabe gepflegt (und gespielt) werden.

    Bei den Cosims ticken die Uhren diesbezüglich teils wirklich ganz anders.

  • Seit dem angeblich verbesserten Agicola "namens Caverna" ignoriere ich seine Spiele komplett.

    Wobei Caverna ja auch deutlich besser für Vielspieler ist als Agricola...


    Aber Caverna sollte ja auch nie eine Weiterentwicklung sein. Eher eine Variante.

  • Ich kann der Verwässerung nur zustimmen. Aber ich meine sagen zu können, das für mich die Idee des Puzzelns in #EinFestFürOdin gegipfelt ist und quasi das Potential sehr ausgereizt wurde ( = Mehr Puzzle + Euro geht einfach nicht von Ihm).


    Daher Patchwork super, EinFestFürOdin super weiterbildung!

    (Patchwork Express hat quasi Patchwork um einen Spielmodus erweitert! Danke dafür!).


    Der Rest sind Experimente die ich lieber nicht nochmal anfasse!


    Aber ich gebe Thygra recht, das ist nun mal der Vorteil davon.


    Könnte genauso anders herum sein und man sieht immer wieder Gurken bis endlich die reife Tomate da ist!





    Ich finde es z.B. Schade das es kein Blood Rage 2 gibt. Das Spiel ist zu schnell ausgereizt.

  • Sollten Spiele ähnlich wie gute Software über Jahre "gewartet" werden, um sie immer besser zu machen? Alle paar Jahre eine neue Version, die die bis dahin bekannt gewordenen Schwächen und Unausgewogenheiten korrigiert? Oder soll weiterhin mit Erweiterung und Modulen herumgeflickt werden?

    Ja. Ja. Nein.

    Ich betrachte allerdings die diversen 2nd und teils sogar 3rd/4th editions und Living Rulebooks, nachgereichte FAQs etc. durchaus als Weiterentwicklungen. Ansonsten s. ode.s Beitrag.


    Da stimme ich dir zu, aber wurde nicht irgendwann im Laufe der Zeit die Bauernregel modifiziert und vereinfacht.

    Mehrfach, s. Carcassonne: überarbeitete Grafik, Erweiterungen, Regelversionen etc.

  • Gutes Beispiel ist auch X-Wing 2.0 von FFG.

    Kam gar nicht gut an seine Sammlung einmotten zu können oder teilweise dreistellige Summen zu berappen um seine Modelle weiter benutzen zu können. Und in dieser dreistelligen Summe ist keinerlei neues Modell inbegriffen. Nur Pappe.


    Da haben viele nicht mitgemacht. Andere, wie ich sind dafür erst eingestiegen.

  • Angeregt durch...

    frage ich mich, warum werden Spiele eigentlich so gut wie nie weiterentwickelt? Warum ist jedes Spiel praktisch ein Schuss ins Blaue, ohne die anschließende Erfahrung damit zu nutzen, um das Spiel besser zu machen?

    ...

    Ciao

    Stefan

    Ich gehe mal davon aus, dass es viele Spieleentwickler so halten, wie ich es von einigen kenne: Die Spiele werden über Jahre entwickelt, d.h. in verschiedensten Runden als Prototyp probegespielt, angepasst, wieder probegespielt usw. Dabei fließen sicherlich jede Menge Erfahrungen mit ein, die das Spiel immer besser machen. Irgendwann ist dann halt der Zeitpunkt gekommen, dass jemand das Spiel für reif zur Veröffentlichung hält und es kommt auf den Markt. Ich persönlich finde daher die Bezeichnung „Schuss ins Blaue“ etwas übertrieben.

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  • Catan: Das ist für mich eine ganz andere Hausnummer. Das Grundspiel finde ich mittlerweile eher langweilig, würde ich nur noch mit Einsteigern spielen. Aber aus meiner Sicht schon grandios, was man aus diesem Grundsystem alles machen kann. Nimmt man z.B. die vierte große Erweiterung, Entdecker&Piraten, erkennt man zwar immer noch Catan, das ist aber ein ganz anderes Spielniveau, einfach großartig.

    Zustimmung zum ersten Teil. Ohne Erweiterungen würde ich catan nicht spielen wollen.


    Ich finde aber seit HuB ist Catan "kaputt", weil ich mich immer entscheiden muss, welche Module ich rein nehme. Ich mag keine "entweder-oder" Erweiterungen. Dafür spiele ich ein bestimmtes Spiel eindeutig zu selten, um mich entscheiden zu wollen, worauf ich verzichte.

  • Lasst mal noch ein paar Jahre vergehen! :saint:

    Vielleicht etablieren sich folgende Technologien in der Brettspielwelt, die kostenlose Patches oder -pflichtigen Downloadable Content ermöglichen. 8-))


    Apps auf Tablets

    • animierte und verständliche App anstatt Regelheft (wie bei der App "Diced")
    • freischaltbare und spoilerfreie App anstatt Klebesticker (letzteres war mir bei The Rise of Queensdale zu viel)
    • updatebare App anstatt Errata (so ähnlich wie bei KeyForge)
    • komfortable App anstatt Story-Book (wäre für This War of Mine angebracht)
    • verwaltende App anstatt Punkteleiste (hätte ich gern für Dixit mit mehr als sechs Spielern)
    • benachrichtigende App anstatt Spielerhilfe (hälfe mir bei Spirit Island, um nichts zu vergessen)
    • zufallsgenerierende App anstatt Karten/Würfel (wie bei App "Randominion" für Auswahl der Dominion-Karten)
    • ressourcenschonende App anstatt selten verwendete Komponenten (wie der zwölfseitige Würfel für Scharfschützen bei This War of Mine)
    • musikalisch begleitende App anstatt Webseiten (wie bei Escape)


    3D-Drucker daheim

    • individuelle Produktion anstatt Out-of-Print-Spiele (hätte gern alte Decks für Summoner Wars)
    • erweiterungsspezifische anstatt Holz- und Schaumstoff-Inserts (wie bei Suburbia Deluxe Edition und Carcassonne)
    • ressourcenschonendes Spieler-Material für Zwei/Vier anstatt für volle Spielerzahl (sinnvoll für Caverna)
    • druckbare Counter anstatt zum Auspöppeln (würde mir viel Arbeit bei Ein Fest für Odin ersparen)
    • erneuerbare und langlebige Komponenten aus Kunststoff anstatt Holz und Pappe (wie bei Civilization: Ein neues Zeitalter)
    • nicht zink-/markierbare Karten aus dünnem Kunststoff anstatt Papier (würde mein Love Letter wieder einsatzfähig machen)
    • wertige anstatt billige Komponenten (wie in Schatzkiste für Robinson Crusoe und Alternative zu Papiergeld bei Safranito)
    • nachdruckbares anstatt alternatives Spielmaterial (z.B. Counter für Herr der Ringe LCG, Tiere für Agricola und Zylinder für KLASK)
    • downloadbare anstatt ausverkaufte Promos (wie die Schlange bei Spirit Island)
    • digital gekaufte anstatt überflüssige Module (hätte meiner Ansicht nach den Erweiterungen für Camel Up und Las Vegas gut getan)
    • individualisierbare Figuren anstatt Standardset (so ähnlich wie die Totems in der Rezension von Gaming Wolves für Spirit Island aber für jeden Geist unterschiedlich)
    • alternatives anstatt veraltetes Design (wünsch ich mir für Warcraft wenn Reforged veröffentlicht ist, kann ich mir auch gut für Patchwork vorstellen)

    Zuletzt gespielt:

    generate_widget.php?type=2&username=itsmagic&layout=row&px_between_tiles=2&px_border=2&size=cropped&tiles_per_row=6&tile_height=30




    "Wenn du etwas verstehen möchtest, dann ist es nicht gut, eine Meinung dazu zu haben."

    "Es ist das begriffliche Wort, das die Menschen auf so unglückliche Weise gespalten hat."

    J. Krishnamurti

    Einmal editiert, zuletzt von ItsMeePle ()

  • Daher Patchwork super, EinFestFürOdin super weiterbildung!

    Es ist tatsächlich so, dass es andersherum ist. Das Wikingerspiel gab es wohl zuerst. Dann hat Uwe gleichzeitig das Puzzle-Element quasi ausgelagert und ein sehr einfaches Spiel daraus gemacht...

    War das nicht eher andersrum gerade wegen den Handkarten und der Varianz? :/

    Nein. Spieler wollen tendenziell lieber strategische Spielansätze. Die offene Auslage aller Höhlen ist quasi das, was das Zielpublikum lieber hat -und ich rede hier nicht nur vom deutschen Vielspieler - besonders vom amerikanischen Markt.


    Ich persönlich - und ich denke, da bin ich typisch europäisch geprägt - mag es lieber mit zufälligen Spielelementen. Trotzdem empfinde ich Caverna als das bessere Spiel, da der gesamte Spielverlauf belohnender, augenscheinlicher ist, der Aufbaucharakter ist über die ganze Partie gleichmäßig verteilt. In Agricola kann es sein, dass du in Runde 12 nur 1 Acker, 1 Weide und 3 Räume hast - das ganze Spiel von Knappheit geprägt. Und am Ende von Runde 14 ist dein ganzes Tableau rappelvoll. Nach hinten hin entwickelt sich eine krasse Dynamik. Bei Caverna hast du von Anfang an "mehr". Du bekommst Doppelplättchen. Dein Tableau füllt sich viel schneller. Du hast viel schneller etwas vor Augen, zum Spielen. Alles entwickelt sich viel harmonischer. Einige Regeln sind auch vereinfacht worden, Kompliziertheit rausgenommen.


    Die Sache mit den Karten ist das, was Agricola ausmacht und auch zu einem übergreifend gutem Spiel. Wohin das führen kann sieht man bei Terraforming Mars (in meinen Augen greift TM das von Agricola heraus, was die meisten Leute begeistert - Ausbildungen und Anschaffungen ausspielen - und macht daraus ein eigenes Spiel was den großen Reiz ausmacht).


    Caverna ist klar für eine weltweite Strategiespiel-Gemeinde designed. Komplexer als Agricola und strategischer angelegt, mit offenen Informationen, mit denen jeder arbeiten kann...

  • Ich hatte den Ausgangspost so verstanden, dass es um Weiterentwicklungen im Sinne von kleinen Verbesserungen geht. Polieren. Sowohl Twilight Imperium als auch VIllen des Wahnsinns sind doch eher neue Spiele mit gleichen Wurzeln und sehr ähnlichem Gewand.

  • Gutes Beispiel ist auch X-Wing 2.0 von FFG.

    Kam gar nicht gut an seine Sammlung einmotten zu können oder teilweise dreistellige Summen zu berappen um seine Modelle weiter benutzen zu können. Und in dieser dreistelligen Summe ist keinerlei neues Modell inbegriffen. Nur Pappe.


    Da haben viele nicht mitgemacht. Andere, wie ich sind dafür erst eingestiegen.

    Dabei muss man aber auch sagen, dass diese Leute mit einem zerrütteten und ungebalancetem System zufrieden waren. X-Wing 1.0 war zu seinem Ende ein absolutes Metaspiel, voll von Errata-Verbesserungen. Für den persönlichen Spaß am Spieleabend super, aber kompetitiv auf Turnierebene nicht mehr wirklich zu gebrauchen.


    X-Wing 2.0 macht es an jeder Ecke besser, bietet eine Tonne von neuen Möglichkeiten und man bekommt all das für verhältnismäßig günstige 130€. Diese 130€ beinhalten, dass man ALLES aus seiner 1.0-Sammlung auf 2.0-Reglement weiter nutzen kann, nichts ist umsonst. Und das ist schon eine starke Leistung des Verlags bzw. viel Vertrauen in ihr Produkt.


    Denn sie hätten auch einfach einen Cut machen können ohne auf Abwärtskompatiblität zu achten und die Kuh weiter zu melken, in dem sie alle zwingen von vorn anzufangen. So wie ich brettundpad verstanden habe, ist das im TT-Bereich nicht unüblich.

  • Es wurden doch viele Spiele weiterentwickelt:


    Civilization -> Advavced Civizilation -> Civ Project –> Mega Civilization

    Panzer Leader -> Squad Leader -> Advanced Squad Leader

    Twilight Imperium 1 –> 2 –> 3 –> 4

    History of the World 1991 -> Brief new History of the World -> History of the World 2018

    1829 –> 1825

    St. Petersburg –> St. Petersburg 2nd

    Blood Bowl

    Space Hulk

    C&C Ancients -> C&C Napoleonics

    Wings of War -> Wings of War WWII

    Descent

    Arkham Horror –> Eldritch Horror

    Through the Ages

    Brass

    Funkenschlag

    Third Reich -> Advanced Third Reich

    Der Eiserne Thron


    fallen mir jetzt spontan ein.


    Bei manchen fragt man sich ja ob die denn niemals fertig werden.

    Gruß aus dem Münsterland
    Herbert

    ______________________________
    I'm old enough to know what's wise
    and young enough not to choose it

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