Veränderung der Spieleszene oder sind die Spiele einfach nicht "gut" genug

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  • Im Thread zum Thema "Hat sich die Spieleszene verändert" hat hellvet in meinen Augen zutreffend beschrieben, dass viele Spiele nur noch 2-3x gespielt werden und dann immer wieder was neues kommt.


    Solche Themen hatten wir ja schon häufiger und die Szene ist mit Sicherheit insoweit im Wandel, als dass es immer und immer mehr Spiele am Markt gibt. Ich selbst nehme mich auch gar nicht groß aus, ich kaufe und verkaufe ohne Ende, bin stets neugierig und möchte neue Spiele entdecken.


    Nichtsdestotrotz habe ich bei mit selbst festgestellt, dass es zwischen all den Neuanschaffungen dann plötzlich doch Spiele gibt, die binnen kürzester Zeit 10, 20, 30 und noch mehr Partien erzielen, die mal ein paar Monate für Neuanschaffungen zurückgestellt werden und dann ein eindrucksvolles Revival feiern. Mal sind es Neuerscheinungen, mal spätentdeckte Klassiker, diese Spiele haben sich dann (voraussichtlich) dauerhaft durchgesetzt und trotzen auch den Neuanschaffungen.


    Ist es also eventuell doch weniger Cult of the new und vielmehr ein Rosinenpicken der absoluten Perlen aus einer Vielzahl an Möglichkeiten. Dass zwar ganz viele Spiele tatsächlich nur wenig gespielt werden, daies aber weniger an der immer größer werdenden Auswahl liegt, sondern einfach daran, dass die Spiele für die Spielgruppe/Solospieler schlicht nicht überzeugend genug sind, um sich komplett reinzustürzen?


    Oder gibt es tatsächlich mittlerweile gehäuft Erfahrungen, dass wirklich (!) hervorragende Spiele ruckzuck links liegen gelassen werden und keinen Stich mehr sehen gegen die Neuerwerbe?

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  • Ich hab jetzt über die Jahre beides hinter mich gebracht: Erst eine Runde, die wirklich nur Der eiserne Thron spielen wollte, und wann immer etwas anderes auf den Tisch kam, wurde mit Der Eiserne Thron verglichen, oder es hieß: Das ist so gar nicht unseres, denn das ist nicht Der eiserne Thron. Bei dem Spieletreff wo ich regelmäßig war lief das Gleiche mit Scythe und TFM. Zuletzt hatte ich hingegen eine Runde, wo kein Spiel mehr als zweimal auf den Tisch kam, das war dann auch wieder extrem anstrengend (so gerne lerne ich Regeln dann nämlich auch wieder nicht). Insoweit ja, hier stapeln sich Spiele aus 2019/2020, die ich unbedingt wieder auf den Tisch bringen und ausloten will, darunter Hallertau, Bonfire, Rocketman, Gugong, aber auch (zu) lange nicht gespielte Klassiker wie Snowdonia oder die frühen Felds (Notre Dame, Im Jahr des Drachen etc.). Daher habe ich mir aktuell tatsächlich einen Kaufstopp auferlegt (der ab und zu sanft unterlaufen wird) und werde mir dieses Jahr zur Spiel maximal 1-2 Neuheiten zulegen, es ist einfach noch genug da, was ich bisher nicht ausloten konnte.

  • Im Thread zum Thema "Hat sich die Spieleszene verändert" hat hellvet in meinen Augen zutreffend beschrieben, dass viele Spiele nur noch 2-3x gespielt werden und dann immer wieder was neues kommt.

    Ich denke, das trifft nur für einen Teil der Szene zu. Es gibt nach wie vor viele Menschen, die Spiele auch ein paar Dutzend Mal spielen. Die tummeln sich aber seltener in Foren wie diesem, weil sie nur selten auf der Suche nach neuen Spielen sind.

    André Zottmann (geb. Bronswyk)
    Thygra Spiele
    (u. a. für Pegasus Spiele tätig)

    Ich gebe hier generell immer meine eigene, ganz persönliche Meinung von mir.

    Einmal editiert, zuletzt von Thygra ()

  • Bei mir ist es eine Mischung.


    Ich spiele gern neue Spiele und lerne gern alles kennen. Versuche tolle Ideen von kreativen Leuten zu entdecken und mich davon faszinieren zu lassen.


    Aber ich spiele auch gern Spiele immer und immer wieder. Lote gern die Tiefen aus. Suche nach unterschiedlichen Wegen, Ansätzen und Strategien. Das fasziniert mich. Wir haben bsw. Underwater Cities mittlerweile mehr als 150x gespielt. Von Arnak hatten wir letzte Woche die 90ste Partie. Die 100 wird sicher bald fallen. Freue mich schon sehr auf die angekündigte Erweiterung. Meine Prototypen spiele auch auch unfassbar oft und ich glaube, ich werde auch nur solche Spiele machen können, die ich immer und immer wieder gern spielen mag.


    Dass die meisten Leute Spiele nur 3-5x spielen - wenn es hoch kommt - ist seit Jahren bekannt in der Branche. Ich glaube sogar mittlerweile, dass manche Spiele so entwickelt werden, dass klar ist, dass ihr Spielreiz auch nur 5 Partien anhalten muss. Danach ist bei 90% der Leute eh Feierabend.


    Ich erinnere mich, wie ich eine Phase Anfang 2020 hatte, in der mich das total deprimiert hat. Cooper Island war im Frühjahr schon wieder "veraltet". Mir wurde klar, dass das, was mich 4 Jahre gekostet hat, bei den meisten Leuten nach 3-4 Monaten entweder im Regal verschwindet oder ganz aussortiert wird. Aber das ist halt so. Ich freue mich immer, wenn ich hin und wieder noch Beiträge in den sozialen Medien sehe, dass die Leute CI oder - nach dem es 2020 gleich auf 2 Onlineplattformen erschien - La Granja noch immer hin und wieder spielen.

  • Cooper Island war im Frühjahr schon wieder "veraltet".

    Cooper Island liegt bei mir als Paradebeispiel für ein Spiel, bei dem ein oder zwei Partien einfach nicht reichen, um es in irgendeiner Weise durchdringen zu können. Daher hebe ich mir das auf für eine Runde, die Spiele mehrfach spielen will.

  • st es also eventuell doch weniger Cult of the new und vielmehr ein Rosinenpicken der absoluten Perlen aus einer Vielzahl an Möglichkeiten.

    Nicht nur eventuell, genau so gehe ich vor. Auch alte Schätzchen kommen immer wieder auf den Tisch, von den rund 1000 Neuheiten zur Messe sind max. ein Dutzend auf die „werden näher betrachtet“ Liste. Davon wiederum letztendlich ca. die hälfte.

    Ich denke mal, je länger man sich mit diesem Hobby beschäftigt, umso mehr weiß man was man will. Und vor allem was nicht!

    Bitte senden Sie mir Ihre E-Mail doppelt, ich brauche eine für´s Archiv :/

  • Ich erinnere mich, wie ich eine Phase Anfang 2020 hatte, in der mich das total deprimiert hat. Cooper Island war im Frühjahr schon wieder "veraltet". Mir wurde klar, dass das, was mich 4 Jahre gekostet hat, bei den meisten Leuten nach 3-4 Monaten entweder im Regal verschwindet oder ganz aussortiert wird. Aber das ist halt so. Ich freue mich immer, wenn ich hin und wieder noch Beiträge in den sozialen Medien sehe, dass die Leute CI oder - nach dem es 2020 gleich auf 2 Onlineplattformen erschien - La Granja noch immer hin und wieder spielen.

    Ich schicke mal eine kleine Schleimkugel los: CooperIsland's Regeln hatte ich gestern nach einem durchgefrorenen Tag mit in der Badewanne und habe das Spiel wieder ganz oben auf der Spielliste.

    Uuuund La Granja gehört zu meinen All-time-Favourits. Leider ist an Solarius Mission nicht mehr ranzukommen, sonst hätte ich die gesamte Sammlung von Ode (sofern es nichts neues gibt) und würde ihn als Beispiel für ein breites Repertoire an Ideen gerne anführen (neben Martin Wallace).

    Danke für diese Perlen!

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  • Mal die beiden Sätze rausgepickt, ist es denn bei dir nicht auch dann so, dass du manche Spiele neu entdeckst aber dann eben nicht tief eintauchst? Halt nicht Cooper Island oder La Granja aber dafür was anderes, was andere Leute wiederum zigfach gespielt haben?



    Bei mir hat sich auch so ein bisschen herauskristallisiert, dass neben der Tiefe/Wiederspielreiz, die der Titel bietet, ein Kriterium auch immer die (Wieder-)Einstiegshürde, Auf- und Abbauzeit und ähnliche "Begleiterscheinungen" sind.


    Insoweit stecke ich derzeit beispielsweise bei Bonfire und Maracaibo in einem Dilemma. Viele Plättchen, bei Bonfire regeltechnisch eine recht große Hürde, bei Maracaibo ziemlich lange Aufbauzeit mit den doofen Klötzchen und den Kartendecks usw. Wenn es dann abends halb 10 und das Baby endlich im Bett ist UND ich mir tatsächlich genug in den Arsch treten kann, noch einen "Expertentitel" auf den Tisch zu bringen, da wird es dann zwangsläufig etwas, was zackiger gespielt ist. Also in meinem Fall zB UWC oder Agricola. Und das reicht dann halt manchmal als Unterschied zwischen 5 oder 20+ Partien. Das hat tatsächlich dann wenig mit Neuanschaffungen zu tun.

  • Torlok Das funktioniert nur, wenn der Geschmack nicht so ausufert. Das Problem habe ich schon bei Hobbys insgesamt, z.b. Musik oder Videospielen. Ich mag einfach so wahnsinnig viel und vor allem auch die Abwechslung. Es gibt im Bereich Brettspiele nur wenige Genres/Mechaniken denen ich skeptisch gegenüberstehe. Dungeon Crawler haben es etwas schwerer und Auktionsspiele, aber auch da gibt es Ausnahmen.

  • Bei mir hat sich auch so ein bisschen herauskristallisiert, dass neben der Tiefe/Wiederspielreiz, die der Titel bietet, ein Kriterium auch immer die (Wieder-)Einstiegshürde, Auf- und Abbauzeit und ähnliche "Begleiterscheinungen" sind.

    Wie wahr....

    Also Solist ein echtes Killerkriterium, wenn die Schachtel nach dem Öffnen wie Omas Schmuckkästchen aussieht. Aber noch ist mein Büro im Keller im Wasserschadens-Renovations-Vorstadium, danach wird wieder der Spieltisch aufgebaut. Und dann gehts ab....

  • Schöner Thread, sehr interessantes Thema! Auch wenn ich im anderen Thread bereits etwas geschrieben habe, möchte ich mich hier auch noch mal äußern.

    Ist es also eventuell doch weniger Cult of the new und vielmehr ein Rosinenpicken der absoluten Perlen aus einer Vielzahl an Möglichkeiten. Dass zwar ganz viele Spiele tatsächlich nur wenig gespielt werden, daies aber weniger an der immer größer werdenden Auswahl liegt, sondern einfach daran, dass die Spiele für die Spielgruppe/Solospieler schlicht nicht überzeugend genug sind, um sich komplett reinzustürzen?


    Oder gibt es tatsächlich mittlerweile gehäuft Erfahrungen, dass wirklich (!) hervorragende Spiele ruckzuck links liegen gelassen werden und keinen Stich mehr sehen gegen die Neuerwerbe?

    Bei mir ist das nicht so, allerdings übt der Reiz des Neuen auf mich seit jeher wenig Faszination aus. Denke, es ist primär Charaktersache, ob es einem mehr gefällt, sich dem Bekannten zu widmen und die Erfahrungen stetig weiter zu vertiefen, oder ob jemand lieber viele neue Dinge kennenlernt und seinen Horizont dadurch fortlaufend erweitert. Natürlich gibt es auch viele Stufen dazwischen, das sind ja so die "Gegenpole" im Hobby, würde ich mal sagen. Hier tummeln sich ja ganz unterschiedliche Persönlichkeiten, wenn diese einem einen Einblick in ihre Sicht auf die Brettspielwelt gewähren, ist es für mich persönlich mitunter teils sehr überraschend, aber immer spannend. Gerade, wenn Leute eine völlig andere Herangehensweise haben, die ich nicht leben, aber über die ich gerne etwas lesen möchte.


    Für mich war es sehr wichtig, dass ich mir nach gründlicher Recherche sowohl einen Bestand fürs Solospielen, als auch einen für gemeinsame Spielerunden mit meinem Mann aufgebaut habe. Wird bei mir nicht gemischt, ist und bleibt strikt getrennt. War sehr froh, als die Kaufphase dann ein Ende hatte und ich mich jetzt den Spielen widmen kann, die ich mir herausgesucht habe. Mein Sortiment ist sehr vielseitig, um mich die nächsten Jahrzehnte zu erfreuen. Möchte mir auch mit der Zeit Titel für Titel die Regeln so sicher aneignen, dass sie jederzeit abrufbar sind.


    Mir ist egal, ob irgendwann die Verfeinerung von Spiel und Mechanik XYZ auf den Markt geworfen wird, denn kein Spiel wird in meinen Augen schlechter, wenn jemand irgendwann ein neues herausgebracht hat, das seinem Vorbild sozusagen überlegen ist. Jedes Werk steht für sich und muss ja keine Vergleiche gewinnen, sondern mir einfach nur gefallen und Freude bereiten.

    Ich denke, das trifft nur für einen Teil der Szene zu. Es gibt nach wie vor viele Menschen, die Spiele auch ein paar Dutzend Mal spielen. Die tummeln sich aber seltener in Foren wie diesem, weil sie nur selten auf der Suche nach neuen Spielen sind.


    Da stimme ich Dir zu, kann ich in meinem Umfeld auch beobachten - und von mir selbst. Wobei ich für meinen Teil ja weiterhin im Forum bleibe, auch wenn ich kein Interesse mehr an neuen Spielen habe, da ich einfach gerne hier bin.

    Och die gibt es auch hier ;)

    Jepp :winke:


    Glaube aber, damit zur Minderheit zu gehören, auch wenn es bestimmt ganz natürlich ist, dass nicht über jede Partie berichtet wird, wenn ein Spiel oft auf den Tisch kommt, sondern eher im stillen Kämmerlein gespielt wird. Dafür wecken neue Titel und erste Eindrücke doch mehr Interesse. Wenn mir jedoch danach sein sollte, zu schreiben, dann werde ich dies tun, selbst wenn es die hundertste sein sollte :dirol:

    Wir spielen gerne: Sword & Sorcery, Side Quest, Village Attacks und Diverses von Games Workshop!

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  • Nichtsdestotrotz habe ich bei mit selbst festgestellt, dass es zwischen all den Neuanschaffungen dann plötzlich doch Spiele gibt, die binnen kürzester Zeit 10, 20, 30 und noch mehr Partien erzielen, die mal ein paar Monate für Neuanschaffungen zurückgestellt werden und dann ein eindrucksvolles Revival feiern. Mal sind es Neuerscheinungen, mal spätentdeckte Klassiker, diese Spiele haben sich dann (voraussichtlich) dauerhaft durchgesetzt und trotzen auch den Neuanschaffungen.

    Diese Spiele gibt es, aber meiner Erfahrung muss man sie erst finden. Wenn ich ein neues Spiel kaufe, dann weiß ich nicht sicher, ob es vielleicht diesen Klassikerstatus für die Spielerunde erreichen wird. Dass es das nicht wird, ist eher die Regel als die Ausnahme. Die Spiele, die es nicht schaffen, sind dann eben diese, die man nur 2-3 mal spielt. Der Grund sind bei mir dann auch eher die Klassiker als zu viele neue Spiele. Es wird einfach lieber die Partie No. 20+ des Klassikers gespielt als die dritte oder vierte Partie des ordentlichen Spiels - sei es, weil es nicht so subjektiv gut ist wie der Klassiker oder weil man das Gefühl hat, das meiste schon gesehen zu haben.

  • So, nachdem sich hier schon einige 'alte' Hasen zu Wort gemeldet haben, will ich doch vielleicht auch noch eine andere Perspektive einwerfen. Ich bin noch nicht so lange im Hobby. 2017 ging es mit W40K los, 2018 kamen die Brettspiele dazu. Gefühlt war ich damit Teil einer Menge an Leuten, die, spätestens im Zuge der Pandemie, in das Hobby eintauchten. Ich glaube, der 'Boom' hält sogar noch an, wobei da andere sicher mehr Einblick haben, ich selbst stütze mich ausschließlich auf Vermutungen :D
    Jedenfalls ist Anfangs der Kaufrausch enorm, war er zumindest bei mir. Dazu kommt, wie im Forum schon öfter aufgeworfen, dass während der ganzen Lockdowns ein SPIELEN der Spiele für viele kaum möglich war. Das führte eventuell zu einem Teufelskreis, der ungefähr so aussah:
    neues Spiel erscheint --> 'wow, das spiele ich, sobald Treffen wieder möglich sind' --> neues Spiel erscheint --> 'wow, das...'--> repeat
    Damit sammelten sich bei vielen wohl ein guter Haufen an Spielen, die eben nicht, oder nur unzureichend, gespielt wurden. Neuerscheinungen blieben aber leider nicht aus ;)
    Ich hoffe, dass dröselt sich langsam etwas wieder auf.

    Kickstarter hat das Ganze sicher nicht besser gemacht, die Schlagzahl an 'Hype'-Titeln ist abartig.


    Bei den 'jüngeren' im Hobby kommt weiter dazu, dass Klassiker entweder gar nicht, oder nur nach und nach entdeckt werden. Wenn ich alle Klassiker nachspielen wöllte, von denen man so liest, dann wäre ich permanent am Spielen...und, wie gesagt, die Neuerscheinungen werden nicht gerade weniger. Man will halt auch bei den neuen Dingern mitreden können. Gerade, wenn man in Foren o.ä, aktiv ist und dann KANN man quasi nicht 40 mal das gleiche Spiel spielen. Die Youtube- und Podcastszene trägt noch ihren Teil dazu bei.
    Für mich habe ich folgende Lösung gefunden:

    Ich kaufe mittlerweile (Gott sei dank, die schlimme Zeit ist vorbei) sehr selektiv und überlegt. Ich will für verschiedene Genres und Spielerzahlen/-gelegenheiten nicht mehr als ein ein, maximal zwei Spiele. Insgesamt ist mein regal auf 100 Titel begrenzt und wurde ein Spiel zwei Jahre nicht gespielt, zieht es aus. Alles immer unter Vorbehalt natürlich, aber das führt langsam dazu, dass ich endlich Spiele mehrfach spiele, wie z.B. 8 mal Nemesis dieses Jahr. und das fühlt sich gut an. Damit wurden für mich auch Erweiterungen wieder interessant.

    Fazit des ganzen Geschwurbels:
    Nein, ich glaube nicht, dass Spiele schlechter werden, die Szene hat sich vielleicht verändert (um das abschließend zu beurteilen, bin ich zu kurz dabei), aber ganz gewiss haben Corona und die wachsende Contentcreator-Szene ihren Teil zu einer Veränderung beigetragen.

    Die große Stärke der Narren ist es, dass sie keine Angst haben, Dummheiten zu sagen.

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  • Man will halt auch bei den neuen Dingern mitreden können.

    Ohhh, woher kennst Du mich nur?

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  • Tendenziell würde ich sagen, dass die Spiele sogar besser werden. Das führt dann aber eben auch dazu, dass man kaum noch hinterherkommt, alle tollen Neuheiten zu spielen ;)

    Ich bin ganz klar der Entdeckerspieler. Wenn ich die Wahl zwischen einem Spiel habe, das ich schon kenne und einem, das ich noch nicht kenne, möchte ich aller Wahrscheinlichkeit nach das neue Spiel ausprobieren. Die meisten Spiele fliegen bei mir nach 5-10 Partien auch wieder raus, selbst wenn sie gut sind. Ich entdecke dann lieber was Neues, als auf bekannte Spiele zurückzugreifen. Ausnahmen sind aber wirklich extrem gute Spiele. Die behalte ich und die kommen dann auch nach Jahren immer wieder auf den Tisch. Da kann ich mir dann auch nur schwer vorstellen, dass die jemals gehen müssen. Agricola ist so ein Beispiel oder Scythe. Aeons End ist auch schon bei 50 Partien, da kann ich mir momentan auch schwer vorstellen, dass es gehen muss. Manche Spiele spiele ich auch nur einmal im Jahr, sie bleiben aber trotzdem, weil sie einfach was besonderes haben (TI4, Lords of Hellas).

  • Bei den 'jüngeren' im Hobby kommt weiter dazu, dass Klassiker entweder gar nicht, oder nur nach und nach entdeckt werden. Wenn ich alle Klassiker nachspielen wöllte, von denen man so liest, dann wäre ich permanent am Spielen...und, wie gesagt, die Neuerscheinungen werden nicht gerade weniger. Man will halt auch bei den neuen Dingern mitreden können. Gerade, wenn man in Foren o.ä, aktiv ist und dann KANN man quasi nicht 40 mal das gleiche Spiel spielen.

    Bin ich ja auch, nach der zwanzigjährigen Pause war ich 2018 dann doch wieder "Frischling". Aber ich bin einen anderen Weg gegangen und hab hauptsächlich ältere Spiele gekauft, da die bei meinen intensiven Recherchen einfach am meisten überzeugt haben. Neuere Titel sind kaum in meinem Regal gelandet. Aber ich will anders als Du auch nicht mitreden können, sondern hab die Sachen einfach gekauft, um die nächsten Jahre ein Spiel nach dem anderen zu entdecken, ohne sie gleich alle jetzt spielen zu wollen. Im Forum lässt es sich auch ohne neue Titel zu kennen oder darüber zu berichten gut leben, da auch ältere Spiele besprochen werden und es ja noch darüber hinaus andere Themen wie dieses hier gibt, um sich aktiv einzubringen. Ansonsten ist ja auch die stille, lesende Teilnahme hier kein Problem.

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  • Scythe

    Ach was... :lachwein:

  • Also auch wenn ich hier definitiv nicht der älteste Spieler bin (mit Unterbrechungen fröne ich jetzt etwas über 30 Jahre diesem Hobby), würde ich trotzdem nicht behaupten, dass Spiele "besser" werden. Allenfalls gibt es mehr Neuheiten und damit auch mehr gute neue Spiele. Da ist aber auch schlicht viel Mode und Zeitgeschmack dabei. Spiele aus den 1990ern sind nicht automatisch schlechter weil sie alt sind, sie entsprechen nur nicht unbedingt dem aktuellen Zeitgeist. Handeln und Absprachen der Spieler*innen untereinander etwa sind ein Mechanismus, der in den letzten Jahren kaum noch vorkommt, während die gute alte Auktion sowas wie fröhliche Urständ zu feiern scheint. Es gibt mehr komplexe Kracher als vor 20, 30 Jahren, aber es gibt halt schlicht von allem mehr als früher.

  • Ohhh, woher kennst Du mich nur?

    Habe kein Leben und stalke derweil alle Leute, die sich hier rumtreiben ;)


    Bin ich ja auch, nach der zwanzigjährigen Pause war ich 2018 dann doch wieder "Frischling". Aber ich bin einen anderen Weg gegangen und hab hauptsächlich ältere Spiele gekauft, da die bei meinen intensiven Recherchen einfach am meisten überzeugt haben.

    Ja, da komme ich langsam auch hin. Habe mir ein Paket Orleans gegönnt und freue ich mich wie Bolle. Aber Anfangs war ich hoffnungslos überfordert und habe auch mehr oder weniger alte Spiele geholt (teils auch richtig teure zB AH2 mit Erweiterungen), einfach weil diese als 'heiliger Gral' behandelt wurden und werden. Mittlerweile fast alle, außer El Grande, wieder verkauft, weil sie einfach nichts für mich waren, bzw. es heutzutage optimierte Spiele gibt, die ein ähnliches Gefühl vermitteln (mir zumindest). Es gibt wohl kein Allheilmittel, außer: Einfach. Weniger. Kaufen.
    Ganz einfach, eigentlich :filterbubble: :D

    Die große Stärke der Narren ist es, dass sie keine Angst haben, Dummheiten zu sagen.

  • Den Daumen gibt es, weil Du mit allem recht hast. Außer mit AH2 natürlich.

    Um direkt die vielgeliebte Diskussion wieder aufzubringen:
    Eldritch Horror hat mir auch gefallen.

    ...nein, Spaß, BITTE lassen wir das Thema ruhen :D

    Die große Stärke der Narren ist es, dass sie keine Angst haben, Dummheiten zu sagen.

  • Das Bessere ist der Feind des Guten.

    Ich glaube allerdings, dass kann nur jeder für sich entscheiden.

    Tzolk’in habe ich jahrelang links liegen lassen.

    Und nun? Ich möchte nichts anderes mehr spielen.

    Wozu brauche ich die 50. Neuheit wenn ich mit meinen Perlen glücklich bin.

    Dune, ist mir egal.

    Aeons End ist für mich flüssiger als Wasser.

    Ich möchte für mich sagen, dass es sehr schade ist, meine Spiele viel zu selten gespielt zu haben.

    Schade um die Zeit, die man mit einer Neuheit verbracht hat, die einen nicht überzeugt hat anstatt sie mit liebgewonnenen Spielen verbracht zu haben.

    Und die Spiele, die ich dann verpasse......die Welt dreht sich auch so weiter.


    Und über alles muss ich nicht mitreden.

    Wenn immer der Klügere nachgibt, wird nur dummes getan!

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  • hmppf.... jetzt gibts das Thema Hat sich die Brettspielszene verändert und hier das gleiche und parallel wird zum gleichen Thema geschrieben.

    Grumpf.


    Ich glaube es ist eher ein Meta-Gesellschaftliches Problem, dass sich niederschlägt und das dann im Forum nochmal umso mehr kondensiert.


    Weil uns Spiele etwas Seelenheil und Ablenkung vom Alltag verschaffen, haben, nutzen und kaufen wir diese.

    Bei manchen hilft der Konsumgott FOMO in deftigster Form mit, andere sind immuner gegen ihn. Schnell, viel , noch mehr, Hauptsache Kaufen, Es geht auch mehr um das Kaufen und Besitzen als um das Spielen. Auch, weil das Kaufen ein kurzes schnelllebiges Konsumglücksgefühl liefert. Geil , ich hab das.

    Es vervollständigt mich nun und macht mich zu einem Besseren Menschen. Jetzt wo ich das besitze bin ich endlich komplett und habe.... oooh was ist das denn GEILES ???!?? .... Booaaah, muss ich auch haben.

    Wer freut sich nicht über den Kauf von etwas ? Ja, ich mich auch.


    Das Forum, also eigentlich wo FOMO schon zu 60% im Wort drin steckt, ist dann die finale Kondensationsfläche weil man nebst Spielglück und nach Kaufglück in allen Farben und Formen auch noch viel Repräsentationsfläche findet, was die anderen denn alles so geiles haben. Muss ich auch haben. Darf ich nicht verpassen. Daneben gibt es noch die %-Jäger, die kaufen weil Hauptsache viel, Und viel % macht viel Platz im Schrank weg. Geil. Mein Boot, mein Auto, meine Dicke Sammlung. Will ich das Spiel überhaupt ? Ach klingt so wie alle anderen, muss gut sein, war billig.

    Ausserdem kann man es sich leisten und weil Spiele als Hobby so angenehm günstig sind klappt es nochmal umso besser.


    Und dann drückt die Welle an Spielen ins heimische Gefilde und weil es schier so viele sind, müssen alle ja mal gespielt werden.

    Und die nächste Fuhre.


    Gottseidank ist das Beschriebene nicht die Welt von jedem, es gibt auch die dezidiert und überlegt Kaufenden und Spielenden.

    Für mich war das der Grund Statistiken zu ziehen was ich wie oft gespielt habe.

    Es macht mich richtig gehend unzufrieden, traurig möchte ich nicht sagen aber ganz falsch ist es auch nicht, wenn ich Spiele in meinem Regal habe, die es auf nur 1-2 Partien gebracht haben. Gefühlt rausgeworfenes Geld.

    Das ist beim Kauf wenn mich etwas reizt die oberste Prämisse : Bietet das Spiel das theoretische Potential es aus dieser SausageZone hinaus zu schaffen.

    ( Dass ein Spiel auch mal floppt ist unbestritten )

    Bei 3-x4 denke ich mir, na ja, mein Geist muss nicht auch der Geist der Anderen sein, Die Schuldzone.

    ich bin nicht schuld, dass es nicht öfter gespielt wurde, das lag an den Anderen die wieder mit was Neuem angekommen sind. Aber 4x 2 Stunden Seelenheil und Ablenkung vom Alltag für 50 Euro, Geht.
    Bei 5-7x kommt die Okayzone, das ist halt ein bisschen über gefühltenm Durchschnitt, schön, dass es andere auch so abholen konnte.

    Ab 8x, fängt dann langsam der Moment an, wo sich nach dem Kauf ein neues Gefühl hinzugesellt. Eines, das viele der oben Beschriebenen nicht kennen und niemals kennen werden : Es war ein Guter Kauf.

    Besucht uns auf unserer Seite unter "www.mister-x.de"

  • Ich denke es ist ein Mischmasch aus allen im Eingangspost genannten Dingen. Ich möchte auch mal etwas neues kennenlernen, finde aber nicht jedes Spiel gut und zudem sind wir so dermaßen mit Spielen überschüttet, dass man sich je nach Laune etwas anderes nehmen kann. Vor 25 Jahren wurden nur ca. 10 Titel gespielt, immer und immer wieder. Für die meisten Spieler heutzutage undenkbar.


    Ich halte das ganz einfach. Jedes Spiel das ich kennenlerne (ich Spiele gezielt ca. 20-30 Neuheiten pro Jahr), muss sich gegenüber meinen Spielen die ich besitze beweisen können. Wozu 10+ Spiele mit derselben Mechanik? Klar unterscheiden sich die meisten an vielen anderen Stellen, aber nicht jedes gefällt mir ähnlich gut. So bleiben es am Ende des Tages maximal eine Handvoll mit ähnlicher Mechanik und gegenüber diesen muss die Neuheit erstmal anstinken. Schaffen nicht viele und genau deswegen finde ich auch nicht jedes Spiel super.


    Zudem mag ich Spiele, die ziemlich eigen sind und von deren "Sorte" es nicht viele gibt. Standardkram langweilt mich nur noch, genau wie ständige Weiterentwicklungen desselben Spiels (Hallo Uwe! 8o ), bzw. leicht veränderte Varianten von Spielen die es in ähnlicher Form schon gab.


    Mir würden meine Spiele (nur noch ca. 150 Stück) locker bis zum Lebensende reichen, ohne dass sie mich langweilien würden.

  • Ich habe mich schon immer intensiv vorm Kauf über Spiele informiert und spiele sie dann auch oft. Dune Imperium habe ich ca. 40-50 Mal die letzten Monate gespielt.

    So etwas wie Micromacro würde ich mir niemals kaufen.

    Brecher wie Mage Knight kommen leider seltener auf den Tisch (zuletzt vor 1 Jahr), aber werden ganz sicher nicht verkauft.

    Und um noch weiter zurückzugreifen: ich werde bestimmt auch irgendwann mal wieder Runebound 2nd Edition spielen.

  • Mein Wortbeitrag war eigentlich nicht als fischen nach Komplimenten gedacht, aber danke an alle trotzdem! <3

    Ich schicke mal eine kleine Schleimkugel los: CooperIsland's Regeln hatte ich gestern nach einem durchgefrorenen Tag mit in der Badewanne und habe das Spiel wieder ganz oben auf der Spielliste.

    Made my day!

    Leider ist an Solarius Mission nicht mehr ranzukommen

    Ja, das ist auch so ne Geschichte... Wir bemühen uns weiterhin, das doch nochmal irgendwann wieder aufzulegen. Aber nach so einer Scheiße wie mit Flyring Lemur... :(

  • Diese "Spiele besser oder schlechter"-Debatte finde ich interessant, weil ich da auch viel drüber nachdenke.

    Ich glaube grundsätzlich, dass Spiele eher "anders" sind. Die ganze Sache hat ja im Grunde erst so richtig in den 90ern angefangen breiter zu werden. Also Catan als eine Art Startpunkt für die moderneren Spiele in der breiten Masse. Und seitdem hat sich wirklich einiges getan. Das, was damals komplex und kompliziert war, geht ja heute kaum noch als Kennerspiel durch. Vor Jahren schon wurde mir das Zitat eines Redakteurs erzählt, dass man Spiele heute gar nicht zu komplex machen könne - der Markt nimmt diese Spiele eben einfach. Es gibt diesem Markt für komlexeste und komplizierteste Brummer.

    Ich finde aber auch, dass Kickstarter einen gewissen Anteil daran hat, dass Spiele teilweise redaktionell nicht mehr so gut bearbeitet sind. Manche Verlage haben schlicht die Arbeitskraft nicht Spiele zu bearbeiten. Hübsche Bilder und gutes Marketing sorgen aber für gute Absatzzahlen. Um Spiele besser dort anbieten zu können kriegen sie dutzende Module und Mini-Erweiteurngen, die man dann als Strechgoals raushauen kann. Statt ein rundes Spiel zu entwickeln gibt es dann eben 15 Module. Es werden Materialentscheidungen getroffen, die wenig sinnvoll sind, aber eben direkt für zusätzlichen Verkäufe verantwortlich sind.

    Auf der anderen Seite werden Verlage auch immer professioneller. Viele holen sich Entwickler und Redakteure dazu. Nicht unbedingt immer als Angestellte sondern als freie, projektbezogene Mitarbeiter. Ich bekomme ja gerade selber mit, wie viele Leute bei Board&Dice arbeiten. Die sind echt ziemlich krass professionell aufgestellt. Ein Bekannter von mir, ein Spieleautor namens Jonny Pac, hat bsw. als Entwickler Endless Winter betreut.

    Und, ob besser oder schlechter? Am Ende ist es ja auch voll subjektiv.

  • Mal die beiden Sätze rausgepickt, ist es denn bei dir nicht auch dann so, dass du manche Spiele neu entdeckst aber dann eben nicht tief eintauchst? Halt nicht Cooper Island oder La Granja aber dafür was anderes, was andere Leute wiederum zigfach gespielt haben?

    Sicher ist das auch so. Erst kürzlich wieder ein Spiel, das für uns nach 5 Partien dann einfach durchgespielt war. Wir hatten nicht das Gefühl, noch mehr entdecken zu können und das, obwohl uns das Dingen mechanisch super gefallen hat.

    Da ich nicht weiß, was andere so zigfach gespielt haben kann ich da nur raten. Ich kenne jemanden, der Terraforming Mars dreistellig oft gespielt hat. Das noch öfter zu spielen hab ich mich nach 4 Partien geweigert. Obwohl ich gestehen muss, dass ich es bald nochmal mit dem Spiel versuchen will.

    Dass ich viele Spiele spiele und meistens auch durch den aktuellen Jahrgang recht ausfühlich durch gehe hat zwei Gründe: Einmal will ich wissen, was so aktuell rauskommt. Recherche sozusagen. Wissen, was Andere machen, was es für tolle Ideen gibt, mir Inspiration holen. Und dann bin ich natürlich auch Spielefreak. Und meine Frau glüklicherweise auch. Daher spielen wir zusammen eben auch super viel...

  • Kickstarter ist ein gutes Stichwort. Nun stehe ich sowieso nicht auf Miniaturen-Spiele, deren Komponenten gefühlt inzwischen nicht FSK 14, sondern FSK 28 sind. Aber die Strech Goal- und Modul-Orgien nerven genau dann, wenn jemand seinen Kombi mit 8 Boxen zu einem Spiel auslädt. Da sieht man dann mit seinem Rocketmen-Kickstarter mit drei Metallmünzen und einer Spiezeugrakete (hätte ich die vor ein paar Jahren nur aufbewahrt, bevor meine Kids groß waren) alt aus. Ansonsten wäre mir das ziemlich egal.

  • Ja, das ist auch so ne Geschichte... Wir bemühen uns weiterhin, das doch nochmal irgendwann wieder aufzulegen. Aber nach so einer Scheiße wie mit Flyring Lemur... :(

    Nach dem Reinfall kaufe ich das höchstens auf Rechnung, nie und nimmer mehr gegen Vorkasse.

    Spielerische Grüße Ernst-Jürgen


    TOP 10: 1. Viticulture - Compl. Coll. Ed., 2. Martians - A Story of Civilization, 3. Scythe, 4. Anachrony, 5. Snowdonia: Deluxe Master Set, 6. Räuber aus Skythien, 7. Age of Industry, 8. Nieuw Amsterdam, 9. Siedler von Catan - Entdecker&Piraten, 10. Alubari - A nice cup of Tea

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  • Ob ein Spiel gut ist, oder nicht, hat verhältnismäßig wenig damit zu tun, wie oft ich es spiele. Mich reizt durchaus Neues, weil ich immer noch neugierig bin, aber ich spiele auch gerne Altes.


    Oft spiele ich ein Spiel nur, wenn es mich thematisch und dann auch spielmechanisch abholt und mit 1-4 Spielern gespielt werden kann. Da liegen dann halt Viticulture, Scythe, Zug um Zug usw. mit großem Abstand vorn.

    So manches Spiel, von dem ich nach Vorinformation glaubte, es könne gut für mich sein, ist es dann doch nicht. Manches stellt sich als einfach viel zu aufwändig bezüglich Spielaufbau heraus.

    Ein Spiel bis in seine letzten Feinheiten auszuloten, hat mich noch nie interessiert, weil ich meinen Spielspaß daraus nicht ziehen kann; mir kommt es auf das Spielerlebnis an, das ich durchaus auch solo haben kann. Dazu gehört auch eine manchmal recht intensive Befassung mit dem thematischen Hintergrund. Ein Spiel, das ich nur 3 oder 4mal gespielt habe, kann auch dadurch das Gefühl vermitteln, einen guten Griff getan zu haben.

    Spielerische Grüße Ernst-Jürgen


    TOP 10: 1. Viticulture - Compl. Coll. Ed., 2. Martians - A Story of Civilization, 3. Scythe, 4. Anachrony, 5. Snowdonia: Deluxe Master Set, 6. Räuber aus Skythien, 7. Age of Industry, 8. Nieuw Amsterdam, 9. Siedler von Catan - Entdecker&Piraten, 10. Alubari - A nice cup of Tea

  • Also auch wenn ich hier definitiv nicht der älteste Spieler bin (mit Unterbrechungen fröne ich jetzt etwas über 30 Jahre diesem Hobby), würde ich trotzdem nicht behaupten, dass Spiele "besser" werden. Allenfalls gibt es mehr Neuheiten und damit auch mehr gute neue Spiele. Da ist aber auch schlicht viel Mode und Zeitgeschmack dabei. Spiele aus den 1990ern sind nicht automatisch schlechter weil sie alt sind, sie entsprechen nur nicht unbedingt dem aktuellen Zeitgeist. Handeln und Absprachen der Spieler*innen untereinander etwa sind ein Mechanismus, der in den letzten Jahren kaum noch vorkommt, während die gute alte Auktion sowas wie fröhliche Urständ zu feiern scheint. Es gibt mehr komplexe Kracher als vor 20, 30 Jahren, aber es gibt halt schlicht von allem mehr als früher.

    Ich verstehe was du meinst, denke aber im Gegensatz zu dir, dass die Spiele mit der Zeit immer besser werden, nicht alle, das ist klar, aber in der Summe schon. Über die Jahre werden Mechanismen weiterverwendet und dabei verfeinert und verbessert. Nimm beispielsweise Dominion als Beispiel. Als erster Deckbuilder ein für mich überragendes Spiel, dass die Türe für viele Varianten aufgestoßen hat, die ich besser finde. Zudem wird so ziemlich allen Geschmäckern mehr geboten in den neueren Spielen...


    Du findest einen statischen Markt doof? OK, nimm Ascension

    Du willst lieber ein Spiel mit einem Brett? Klar, nimm Klonk

    Du magst keine Karten und willst lieber Würfel? Nimm Cubitos!

    Du willst lieber was Thematisches? Nimm Legendary Aliens

    Oder willst du mehr Spielerinteraktion? Nimm Runeage!


    Würdest du mich fragen, welchen Deckbuilder wir spielen wollen, würde ich auf keinen Fall Dominion wählen - es gibt eben viel andere bessere Deckbuilder für jeden Gelegenheit und jeden Geschmack. Ist deswegen Dominion ein schlechtes Spiel? Auf keinen Fall! Als es rauskam haben wir es rauf und runter gespielt und konnten nicht genug davon bekommen, aber mittlerweile gibt es eben doch bessere Spiele.

  • Würdest du mich fragen, welchen Deckbuilder wir spielen wollen, würde ich auf keinen Fall Dominion wählen - es gibt eben viel andere bessere Deckbuilder für jeden Gelegenheit und jeden Geschmack. Ist deswegen Dominion ein schlechtes Spiel? Auf keinen Fall! Als es rauskam haben wir es rauf und runter gespielt und konnten nicht genug davon bekommen, aber mittlerweile gibt es eben doch bessere Spiele.

    Den Gedankengang kann ich nachvollziehen (ich finde z.B. Thunderstone Quest von allen drei Thunderstone-Spielen mit Abstand das beste Spiel, weil es ganz viele Probleme des "Originals" beseitigt). Wenn man bei einem bestimmten Mechanismus bleibt, kann ich mir gut vorstellen, dass spätere Formen besser entwickelt sind als frühere (auch wenn ich Dir jetzt gerade bei Dominion nicht zustimme, da finde ich nach wie vor, dass keine Adaption die Varianz und Breite an Submechanismen aufweist, die Dominion mit allen Erweiterungen jetzt vorzeigen kann - je nach Kartenauswahl sind "Dominion A, bestehend aus Basisset und Intrige" und "Dominion B, mit Karten aus den Gilden, Nocturne und Menagerie" für mich fast nicht mehr miteinander zu vergleichen, so unterschiedlich komplex und spielerisch anders ist das). Mir ging es da eher um das große Ganze: Auktionsspiele wie Knizias Auktionstrilogie sind quasi perfekt, da ist in den 20 Jahren danach nicht mehr viel Besseres nachgekommen. An dem Mechanismus muss auch nichts mehr verbessert werden. Für mich sind Ra, Modern Art und Medici Spiele, die ich sofort auf den Tisch bringen würde, gegen jede moderne Konkurrenz, weil ich sie in ihrem Feld für drei der besten Spiele aller Zeiten halte. Gleiches gilt für Arkham Horror: Zugegeben ist die zweite Version eine Verbesserung gegenüber der ersten, aber soviel hat sich da am Ende auch nicht getan (ich breite den Mantel des Schweigens über die dritte), und trotzdem ist das ein Themenmonster, an das für mich kein anderes Spiel an Immersion herankommt. Ich bin extrem großer Fan von Storytellingspielen, und obwohl ich da quasi alles kaufe, was auf den Markt kommt, ist nie etwas besseres erschienen als "Tales of the Arabian Nights". Und selbst im Familienspielbereich gibt es für mich solche Klassiker, die ich nie hergeben würde und die sofort auf den Tisch kommen wenn jemand bereit ist mitzuspielen, z.B. Finca.


    Tl,dr: Ja, es gibt Verbesserungen an einzelnen Mechanismen und bei Spielen von Version zu Version. Das lässt m.E. aber keine Aussage darüber zu, dass Spiele heute insgesamt besser wären als vor 20 oder 30 Jahren. Es gibt allerdings, das gebe ich gerne zu, mehr gute Spiele heutzutage als das früher der Fall war, aber das macht die alten Spiele imho nicht schlechter.

  • Diese "Spiele besser oder schlechter"-Debatte finde ich interessant, weil ich da auch viel drüber nachdenke.

    Ich glaube grundsätzlich, dass Spiele eher "anders" sind.

    Man kann natürlich alles auf den eigenen Geschmack herunter reduzieren, aber ich denke dennoch, dass einige Spiele auch heute noch (im Vergleich zum Rest) schlechter sind. Oft völlig überladen, oder schlicht belanglos, weil zu ähnlich ohne interessantes hinzuzufügen. Natürlich geht das sehr stark in die Richtung der eigenen Meinung, aber für mich fängt ein wirklich guter Autor da an, wo Regeln reduziert, statt hinzugefügt werden, um das Balancing in den Griff zu bekommen. Hinzufügen kann jedes Kind, aber die wirkliche Kunst liegt für mich darin, ein Spiel auf die wirklich relevanten Dinge zu reduzieren.


    Auch wenn ein Spiel per se nicht schlecht ist, nur weil bereits ein sehr ähnliches gibt, werte ich soetwas dennoch deutlich runter, eben weil es nichts Neues macht. Damit meine ich keinesfalls, das ein Spiel immer aus neuen Elementen bestehen muss, aber es muss sich eben anders anfühlen, bzw. anders funktionieren. Eine (beinahe) 1 zu 1 Kopie eines Spiels. würde bei mir immer durchfallen.


    Hübsche Bilder und gutes Marketing sorgen aber für gute Absatzzahlen.

    Da hast du jetzt noch einiges mehr zu diesem Thema gesagt (sehe ich alles genauso), aber diese zitierte Kernaussage wirft natürlich eine ganz andere Frage auf.


    Die traurige Wahrheit ist, dass es heutzutage offensichtlich ausreicht die Käufer mit reinem Blendwerk zu fangen, vor allem, wenn die meisten ihre Spiele nur 0-2 Mal spielen. Ich frage mich schon seit Jahren, wieso die Leute inzwischen so auf den ganzen Schrott abfahren. Zwar schreien auch heute noch alle nach Abwechslungsreichen Spielen mit möglichst hohem Wiederspielwert, aber kaum einer spielt die Spiele auch nur Ansatzweise oft genug, um die gesamte Erfahrung überhaupt reinzuholen. Da sind wir dann vermutlich wieder bei FOMO...


    Bleibt also die Frage, ob es sich noch lohnt X Jahre in ein Spiel zu investieren, wenn man mit BlingBling viel schneller und einfacher Geld verdient...

  • Die traurige Wahrheit ist, dass es heutzutage offensichtlich ausreicht die Käufer mit reinem Blendwerk zu fangen, vor allem, wenn die meisten ihre Spiele nur 0-2 Mal spielen. Ich frage mich schon seit Jahren, wieso die Leute inzwischen so auf den ganzen Schrott abfahren. Zwar schreien auch heute noch alle nach Abwechslungsreichen Spielen mit möglichst hohem Wiederspielwert, aber kaum einer spielt die Spiele auch nur Ansatzweise oft genug, um die gesamte Erfahrung überhaupt reinzuholen. Da sind wir dann vermutlich wieder bei FOMO...

    Yep! Meine These dazu - liegt am dauernden liefern von Content in den einschlägigen sozialen Medien. Ständig online irgendwas präsentieren zu wollen/müssen reduziert die Aufmerksamkeitsspanne auch im normalen Leben. Sich längerfristig mit einer Sache zu beschäftigen frisst zuviel Zeit und wird irgendwann auch schlicht „verlernt“.

    Bitte senden Sie mir Ihre E-Mail doppelt, ich brauche eine für´s Archiv :/

  • Die traurige Wahrheit ist, dass es heutzutage offensichtlich ausreicht die Käufer mit reinem Blendwerk zu fangen, vor allem, wenn die meisten ihre Spiele nur 0-2 Mal spielen. Ich frage mich schon seit Jahren, wieso die Leute inzwischen so auf den ganzen Schrott abfahren. Zwar schreien auch heute noch alle nach Abwechslungsreichen Spielen mit möglichst hohem Wiederspielwert, aber kaum einer spielt die Spiele auch nur Ansatzweise oft genug, um die gesamte Erfahrung überhaupt reinzuholen. Da sind wir dann vermutlich wieder bei FOMO...

    Yep! Meine These dazu - liegt am dauernden liefern von Content in den einschlägigen sozialen Medien. Ständig online irgendwas präsentieren zu wollen/müssen reduziert die Aufmerksamkeitsspanne auch im normalen Leben. Sich längerfristig mit einer Sache zu beschäftigen frisst zuviel Zeit und wird irgendwann auch schlicht „verlernt“.

    Wobei man ja fairerweise sagen muss, nach allem was man hier zumindest von H8Man liest, dass die Spiele, die von ihm als Blendwerk und Schrott bezeichnet werden, mitnichten immer nur 0-2x gespielt werden. Sondern Menschen haben durchaus viel Spaß mit den Spielen. Ich vermute sogar, dass es viele meiner meistgespielten Spiele betrifft :lachwein:

  • Die Spielesammlung meiner Gruppe (ca. 10 Leute) umfasst sicher weit über 300 Spiele. Wir spielen regelmäßig jedes Wochenende, manchmal sogar zweimal. Daher spielen wir ca. 5-10 Spiele die Woche und im Schnitt sagen wir mal 7 Stück. Das macht im Monat 28 Spiele, da ist keines doppelt dabei. Bei uns dauert es schonmal mehrere Monate oder länger bis ein Spiel wieder auf den Tisch kommt (gab auch Ausnahmen). Dennoch finden auch alte Klassiker immer wieder den Weg auf den Tisch. Daher kann ich es nicht unterschreiben, dass Spiele bei uns nach 2-3 mal spielen "out" sind obwohl wir sie monatelang nicht mehr anfassen (was eben unserer riesigen Spielesammlung verteilt über 10 Leute geschuldet ist).