Keine Lokalisierungen mehr? Englisch Pflicht für Spieler?

  • [Mod] aus 24.04.-30.04.2017 zu Watson & Holmes:


    Der Sonntag stand bei mir im Zeichen von Deduktionsspielen:
    Hallo Asmodee, seid Ihr wirklich nur noch Euren Finanzinvestoren verpflichtet, so dass wir keine redaktionelle Herzensprojekte mit dem Mut einer Lokalisation erwarten können?

    Ich finde es auch tatsächlich ziemlich bemerkenswert, dass die sich bei der aktuellen Nachfrage für ähnliche Spielkonzepte anscheinend bewusst GEGEN eine Lokalisation entschieden haben. Holmes ist auch nicht gerade eine Niesche derzeit und der Erfolg von Timestory etc. kann ja nicht von der Hand gewiesen werden. Dazu kommen bei mir zwei Fragen auf:


    1. Ist es sooo viel, was da Übersetzt werden muss (ich kenne es nicht, habe mich auch nur flüchtig damit beschäftigt)


    2. Ist es faktisch ausgeschlossen, dass die nicht doch noch hinterherschiessen, wenn die englische läuft? Die Antwort von Sebastian Rapp hierzu hatte ich gelesen, aber die ist ja auch schon n paar Tage her und ich kann mich nicht erinnern, wie er sich ausgedrückt hat (nach dem Motto derzeit/"noch nicht", oder "auf gar keinen Fall)

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  • 1. Ist es sooo viel, was da Übersetzt werden muss (ich kenne es nicht, habe mich auch nur flüchtig damit beschäftigt)

    Das Spiel besteht komplett aus Text.


    Pro Fall muss die Einleitung, die Auflösung und rund 14 grossformatige Textkarten übersetzt werden. Die englische Version ist dabei passend im Stil von Arthur Conan Doyle gehalten, stimmig von der antiquierten Wortwahl bis zum atmosphärischen Setting. Dazu ist die Einleitung durch einen professionellen Sprecher vertont - abrufbar als Audiofile per QR-Code.


    Einen 08/15-Übersetzer kann man da kaum heranlassen. Die Logik der Fälle muss ja mitübersetzt werden, ebenso kleinere Wortspielereien, ohne dass der Sinn entstellt wird. Zudem braucht es gute Kenntnisse der Welt von Sherlock Holmes, um die ganzen Anspielungen nicht zu übersehen und es in sich stimmig zu belassen. Eine wortgetreue Übersetzung wird da nicht wirklich funktionieren, schliesslich handelt es sich hier um Prosatexte und nicht um eine technische Anleitung.


    Vom textlichen Aufwand wohl vergleichbar mit einer Buchübersetzung, wenn man die 13 Fälle als Kurzgeschichten betrachtet. Im Gegensatz dazu gibt es kein weiteres Spielmaterial, fernab der Karten, Einleitungen-Auflösungen und der eigentlichen Anleitung, das sprachabhängig wäre. Die Stanzbögen könnten also 1:1 übernommen werden.

    "Things fall apart; the centre cannot hold; Mere anarchy is loosed upon the world.", The Second Coming by W. B. Yeats

  • Das Spiel besteht komplett aus Text.
    Pro Fall muss die Einleitung, die Auflösung und rund 14 grossformatige Textkarten übersetzt werden. Die englische Version ist dabei passend im Stil von Arthur Conan Doyle gehalten, stimmig von der antiquierten Wortwahl bis zum atmosphärischen Setting. Dazu ist die Einleitung durch einen professionellen Sprecher vertont - abrufbar als Audiofile per QR-Code.


    Einen 08/15-Übersetzer kann man da kaum heranlassen. Die Logik der Fälle muss ja mitübersetzt werden, ebenso kleinere Wortspielereien, ohne dass der Sinn entstellt wird. Zudem braucht es gute Kenntnisse der Welt von Sherlock Holmes, um die ganzen Anspielungen nicht zu übersehen und es in sich stimmig zu belassen. Eine wortgetreue Übersetzung wird da nicht wirklich funktionieren, schliesslich handelt es sich hier um Prosatexte und nicht um eine technische Anleitung.


    Vom textlichen Aufwand wohl vergleichbar mit einer Buchübersetzung, wenn man die 13 Fälle als Kurzgeschichten betrachtet. Im Gegensatz dazu gibt es kein weiteres Spielmaterial, fernab der Karten, Einleitungen-Auflösungen und der eigentlichen Anleitung, das sprachabhängig wäre. Die Stanzbögen könnten also 1:1 übernommen werden.

    Hallo Ralf und @Clickworxx


    Ist es denn nicht so, dass man heutzutage davon ausgeht, dass die deutschen Spieler eh alle Englisch können und sich darum keine deutsche Ausgabe mehr lohnt? Ich meine, wenn wirklich nur ein paar Hundert Spiele in deutscher Sprache, die Mehrheit an Spielen in Deutschland jedoch in englischer Sprache verkauft werden, dann ist halt kein ausreichender Markt mehr für deutsche Spiele vorhanden. Wird ja auch so hier im Forum propagiert: "Deutsch ist überflüssig, lieber gleich alles in Englisch kaufen. Wer Englisch nicht kann hat Pech gehabt oder muss es lernen."


    Denke, dass die Verlage mittlerweile diese Kundeneinstellung übernommen haben.


    Gruß
    Marc

  • Ist es denn nicht so, dass man heutzutage davon ausgeht, dass die deutschen Spieler eh alle Englisch können und sich darum keine deutsche Ausgabe mehr lohnt? Ich meine, wenn wirklich nur ein paar Hundert Spiele in deutscher Sprache, die Mehrheit an Spielen in Deutschland jedoch in englischer Sprache verkauft werden, dann ist halt kein ausreichender Markt mehr für deutsche Spiele vorhanden. Wird ja auch so hier im Forum propagiert: "Deutsch ist überflüssig, lieber gleich alles in Englisch kaufen. Wer Englisch nicht kann hat Pech gehabt oder muss es lernen."

    Sehe ich differenzierter und anders. Eine Fremdsprache ist für mich ein teils notwendiges Werkzeug, um gewisse Fachliteratur lesen zu können, Spiele spielen zu können, Filme verstehen zu können, die es nicht zu dem Zeitpunkt, wenn ich die gerne konsumieren möchte, in meiner Muttersprache gibt. Zudem ein Mittel in Bezug auf Englisch, um nahezu weltweit kommunizieren zu können, wenn man sich auf Englisch als gemeinsames Kommunikationsmittel geeignigt hat. Ich weiss, dass ich in einer Fremdsprache nie den Sprach- und Verständnislevel meiner Muttersprache erreichen werde, so dass Englisch für mich immer nur ein Ersatz und Mittel zum Zweck bleiben wird. Sprache ist für mich mehr, als sich nur irgendwie ausdrücken und verstehen zu können, sondern spielt sich vor allem in den Nuancen ab. Nuancen, die in einer Fremdsprache allerdings verloren gehen und übrig bleibt eine wage interpretierte Rumpfsprache, die zwar ausreichend ist, aber eben nie komplett und perfekt.


    Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich Holmes & Watson lieber in einer guten deutschsprachigen Version spielen. Da es die nicht gibt, muss ich es entweder auf Englisch spielen oder sein lassen. Das sind die Alternativen aktuell. Wenn ich aber hingegen weiss, dass eine Übersetzung nicht gelungen ist oder dabei zu viel verloren gegangen an Atmosphäre und Stimmung und Stimmigkeit, dann greife ich lieber zum Original. Guardians of the Galaxy Vol 2 schaue ich mir lieber auf Englisch an, weil ich es im Original insgesamt stimmiger finde, selbst wenn ich dabei Nuancen nicht verstehe, weil es eben nicht meine Muttersprache ist. Zudem würde ich Einzelstimmen (wie auch meine) hier im Forum nie als Mehrheitsmeinung ansehen, die man auf den gesamten Markt übertragen könnte. Wir sind hier eine Nische innerhalb einer Nische, die sich allzu oft zu wichtig nimmt.


    Zudem weiss ich nicht, ob Deine Aussagen einen Faktencheck bestehen könnten:
    1. Es nur ein paar Hundert Spiele in deutscher Sprache, die Mehrheit an Spielen in Deutschland jedoch in englischer Sprache verkauft.
    2. Es ist halt kein ausreichender Markt mehr für deutsche Spiele vorhanden.
    3. Deutsch ist überflüssig, lieber gleich alles in Englisch kaufen.
    4. Wer Englisch nicht kann hat Pech gehabt oder muss es lernen.


    Diese Thesen würde ich viermal mit Nein beantworten.

    "Things fall apart; the centre cannot hold; Mere anarchy is loosed upon the world.", The Second Coming by W. B. Yeats

  • Moin,


    @Jimmy_Dean, also ich kann zwar nachvollziehen, dass diese Haltung hier im Forum bei dem einen oder anderen vertreten wird. Dies liegt aber mMn lediglich an der Brille, die dieser jmd dann mittlerweile durch Ausführung des Hobbys über Jahre aufgesetzt hat. Durch BGG, Kickstarter und die qualitativ immer hochwertigeren Produkte von GMT, VPG & Co ist es mit Sicherheit für viele hier eine "Selbstverständlichkeit" geworden. Bei mir ganz persönlich ist es aus der Not geboren, ähnlich wie @ravn es sehr treffend formuliert hat. Grundsätzlich greife ich nach wie vor zur deutschen Ausgabe, falls vorhanden. Und das liegt nicht an dem allzu häufig angeführten Argument der nicht englischfähigen Mitspieler. Ich gebe da ziemlich ehrlich zu, dass es meine eigene Bequemlichkeit ist, die mich da treibt. Es ist und bleibt (auch nach Jahren) eine FREMDsprache, bei der es immer Hürden gibt, die ich sofern möglich gerne umgehe. Meine häufigste Spielpartnerin (da sie das Pech hat mit mir unter einem Dach zu wohnen :P ) ist halbe Irin und hat von Kindheitstagen an eine sehr viel stärkere Einbettung des Englischen in ihrem Sprachgebrauch als der NormGermane und dennoch: auch für sie ist es überhaupt nicht selbstverständlich jede noch so freakige und themenabhängige Spielregel zu lesen (grundsätzlich liest sie diese ohnehin nicht, wird aber regelmäßig meinerseits konsultiert). Natürlich hat sich meine Akzeptanz, mein Wille und letztendlich auch meine Fähigkeit (tja hätten wir in der Schule Boardgames im Englischunterricht gehabt, die 2+ wäre mir sicher) grundlegend verbessert, was darauf zurückzuführen ist, dass nunmal die Objekte der Begierde mittlerweile Gloomhaven, Comancheria, Dawn of the Zeds etc heißen und nicht NUR Marco Polo, Agricola oder Puerto Rico (beliebig austauschbar, ihr wißt wie ich das meine). Was soll man also machen? Vor allem wenn einem in einer Partie Labyrinth die Anwendung einer Karte nicht klar ist (nachdem man mühsam durch die Anleitung gestolpert ist), wo schaut man da, wenn nicht bei BGG?


    Aber mal ganz ehrlich: "davon auszugehen" ist wohl eher falsch und könnte den Verlagen durchaus immense Umsatzeinbußen bescheren! Ich kann aber natürlich absolut nachvollziehen, dass ein Verlag bei speziellen Titeln gerechtfertigter Weise KEINE Übersetzung startet. Hier wäre ich aber ganz vorsichtig mit übereilten Aussagen, so gerne ich selbst dazu neige. Als Beispiel: Als Viticulture von Feuerland lokalisiert wurde, neigte ich ebenfalls zu der Meinung, dass es doch überhaupt keinen Sinn ergeben würde, nachdem das Ding einmal übern Markt gefegt war, zumal es sich hier um wirklich leicht verständliches Englisch handelt. Großer Fehler! Nun bringen die Jungs noch Scythe (wohlgemerkt NACHDEM es bereits auf dt erhältlich ist) und sogar ein dann doch nicht ganz massenmarkttaugliches Hannibal.


    Wie dem auch sei, ich bin der Meinung, dass wirklich sehr sehr viele deutschsprachige Spieler #HolmesundWatson aufgrund der Sprache eben NICHT spielen werden, obwohl sie es denn gerne täten. Allein aus dem Grund, dass diese Art von Spiel (Erzählspiel, Deduktion/Rätsel, Kooperation?) eigentlich voll im Trend liegen dürfte. Da ich Asmodee aber zutraue Ihre Märkte wesentlich besser zu kennen und einschätzen zu können, als ich das hier stümperhaft, mutmaßend versuche, hätte es mich wirklich interessiert.

  • Ich unterscheide mittlerweile nach dem Verlag, der das Spiel lokalisiert. Etablierter Verlag? Dann vorzugsweise deutsch. Kleinverlag bzw. Crowdfunding mit hoher Gefahr von stümperhaften Hobby-Übersetzungen, bei denen man nachher doch lieber die per Download bezogene englische Version liest? Da bekommt jeder Verlag genau eine Chance. Wird die in den Satz gesetzt (so wie beim Schwerkraft-Verlag mit Above and Below), dann habe ich beim nächsten Mal null Hemmungen, mir die englische Version zu holen.


    Es ist natürlich nicht alles nur schwarz-weiß und diverse Faktoren können das in die eine oder andere Richtung drücken, aber im Grunde hängt's schon im wesentlichen daran, ob ich dem Verlag zutraue, eine vernünftige Übersetzung hinzukriegen. Leider ist das heutzutage nicht mehr selbstverständlich. Was nicht überraschend ist, denn bei den Nischenprodukten, über die wir in einem Forum wie diesem regelmäßig reden, lohnt sich mangels Stückzahlen eine professionelle Übersetzung für den lokalisierenden Verlag oft nicht. Gute Übersetzer wollen ihre Arbeitsleistung nun mal angemessen bezahlt bekommen.

  • Ich habe manchmal den Eindruck, es ist der Fluch der aktiven Brettspielszene in Deutschland, dass die Verlage auf Übersetzungen verzichten. Viele von uns kaufen sich die Spiele sofort, wenn sie in Englisch erscheinen oder backen diese bei Kickstarter und wenn die Hersteller dann eine Kosten-Nutzen-Rechnung für eine Übersetzung machen, rentiert es sich für manche Spiele nicht mehr.
    Sogar bei Magic war es so, dass einige Sachen irgendwann einfach nicht mehr auf Deutsch erschienen sind.
    Nun ist es aber mitnichten so, dass die Deutschen so toll Englisch können, wenn man uns vergleicht mit den Belgiern oder Niederländern etc., die das viel intensiver in der Schule lernen und auch im späteren Leben nutzen.
    Ich habe mein Englisch eigentlich durch das Boardgamehobby stark verbessert weil es einfach sein musste. Mir wäre es aber auch lieber, die Spiele in Deutsch spielen zu können und teilweise übersetze ich diese sogar aufwändig.


    Eine Lösung aus dem Dilemma gibt es wohl nicht, es sei denn wir würden unsere Neuheitengier zügeln und mit dem Kauf auf eine DE-Version warten, die dann vermutlich sogar erscheinen würde :-)

  • Ich bin ja auch froh und dankbar über die "Globalisierung" im Brettspielmarkt! Die Möglichkeiten die internationale Plattformen bringen sind immens und bringen eher VORteile als das sie mich jetzt dahingehend stören, dass ein Spiel halt nur im Englischen erscheint. Es kommen ja weiß Gott genug Spiele in unserer Muttersprache heraus, als das man sich da beschweren könnte.


    Und auch wenn ich @MetalPirate s Anführung schwacher Übersetzungen durchaus teile, gehe ich davon aus, dass bestimmt viele lieber eine schlechte Lokalisation wählen, als das sie einen Titel gar nicht spielen. Der Teil an Konsumenten, die sich daran wirklich stören und für die es tatsächlich ein entscheidendes Kriterium darstellt, dürfte marginal sein. Aber diese Diskussion wäre eine ähnliche wie im Filmbereich und da möchte ich kurz anführen, dass der Deutsche an sich ( :P ) ein sprachfauler Geselle ist. Nicht umsonst haben wir die besten Synchronsprecher und machen einen riesen Wind darum. Ohne da jetzt weitreichende Erfahrungen zu haben ist im Ausland eine Einsprechung in der Landessprache meist nicht auf dem hohen Niveau, welches wir gewohnt sind. Irre ich mich?


    Es ging ja ursprünglich um #watsonundholmes und da wollte ich nochmals fragen, wie @ravn den Level des Spiels einschätzt. Ist es denn so, dass CriminalCabinet als geistiger Vater dienen könnte? Oder geht das Ding in eine ganz andere Richtung. CC war ja immerhin mal SDJ, auch wenn es schon einige Zeit zurück liegt.
    Insofern.....

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  • Rein spielmechanisch und vom Regelwerk ist Holmes & Watson einfach - auf Familienspiel-Niveau. Schwierig ist das Spiel eigentlich nur in den Kriminalfällen, weil jeder für sich englischsprachige Kartentexte liest und alleine für sich verstehen muss. Wir hatten bisher immer Smartphones dabei, um online unbekannte Worte nachschlagen zu können. Weil durch den historischen Ansatz tauchen dort eben Begriffe auf, die im normalen Sprachgebrauch für mich unbekannt waren. Das minimierte sich aber in meinen drei Spielrunden auf keine bis maximal eine handvoll Nachschlageworte pro Spieler und Partie. Zu flüchtig und oberflächlich darf man die Texte aber eben nicht verstehen, weil man darauf aufbauend deduktive Schlüsse ziehen muss. Unabhängig davon wusste ich zum Beispiel nicht direkt, wie lang jetzt 10 Inch sind und ob das eher klein oder gross ist. Also nachgeschlagen und damit der Lösung nähergekommen.


    Criminal Cabinet ist freier und breiter von der Informationsbeschaffung aufgestellt. Bei Holmes & Watson konzentrieren sich die Infos auf rund 14 Karten, so dass man nach rund 14 Spielrunden alle Informationen kennt. Man braucht aber nicht alles wissen, weil die Kriminalfälle wesentlich mehr an Story haben, als für die eigentliche Lösung nötig ist. So gesehen ist Criminal Cabinet komplexer und komplizierter und Holmes & Watson verdichteter, so dass ein Fall rund zwei Stunden unterhält plus die anschliessende gemeinsame Diskussion. Wer Crimial Cabinet auf englisch spielt, sollte mit Holmes & Watson keinerlei Probleme haben.

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  • Guten Morgen zusammen,


    an dieser Stelle möchte ich einfach mal ein paar reale Tatsachen in den Raum stellen:


    Die deutsche Übersetzung zu "Twilight Struggle" fand ich richtig gut. Dennoch: Trotz der wenigen Rechtschreib und Grammtikfehler wurde die Übersetzung hier von vielen abgelehnt und zerrissen.Auf der anderen Seite habe ich hier ja mal angefragt, ob es noch weitere Personen gibt, die für eine gute Regelübersetzung gerne 20 Euro mehr bezahlen würden. Antwort: NEIN! Allerhöchstens 5 Euro. Und für diesen Betrag bekommt man halt nur eine "Geiz-ist-Geil" Hobbyübersetzung.


    Spielworxx hat das erstklassige Spiel "We the People" in deutsch herausgebracht und zwar in einer 500 Auflage. Und mittlerweile hat Spielworxx sein Portfolio auf Mainstreamspiele umgeschwenkt, weil sich mit diesen kleinen Auflagen kein Geld verdienen lässt, trotz guter internationaler Kritiken.Selbst die Karten für das Spiel "La Granja" wurden nur in englisch herausgegeben, weil man zurecht befürchtet hat, dass der deutsche Kunden den Preis (15-20 Euro?) für die geringe Auflage nicht bezahlen würde. Und Spielworxx ist nun ein "1 Mann Unternehmen"! Asmodee hat da sicher andere Gewinne im Auge. Wie sollen sie sonst die Löhne ihrer Mitarbeiter bezahlen? Da muss mehr hängenbleiben und gerade bei textintensiven Spielen muss man sich die Frage stellen, ob sich das noch lohnt, wenn man dem Übersetzer eine faire Entlohnung anbieten möchte.Schließlich will der deutsche Kunde die Übersetzung ja für lau. Wenn der Kunde sieht, dass das Spiel in deutscher Sprache auf einmal 20-30 Euro mehr kostet, dann fällt die Entscheidung leicht: Gar nicht oder die englische Ausgabe kaufen.


    Ich möchte zum Beispiel gar nicht wissen, wie viel Zeit Andreas Keirat damals in die Übersetzungsarbeit für "Geschichten aus 1001 Nacht" investiert hat. Da stand mit SIcherheit keine faire Entlohnung dahinter. Ist wohl auch der Grund, dass die Neuauflage keine deutsche Übersetzung erfahren hat. Für Stundenlöhne von 5 Euro oder weniger arbeiten nunmal nicht viele.


    Nachdenkliche Grüße
    Marc

  • Wäre doch ein Fall für Kickstarter-Freaks. Ich würde sofort auch die besagten 15-20 Euro pro Spiel zahlen, wenn ich solche Textmonster auf deutsch hätte (also 1001 Nacht und Holmes).


    Lokalisierung also auf KS oder auch wie bei GMT als P500. Dann herrscht Planungssicherheit. Aber vermutlich ist der Aufwand für den finanziellen Nutzen zu hoch...

  • Spielworxx macht doch immer noch kleine Auflagen.
    Und dafür hab ich keine Zahlen, aber dass ein erheblicher Teil der Spielworxx-Zielgruppe ausserhalb Deutschlands und insbesondere in Übersee sitzt, meine ich hat Uli auch schon mehrfach betont. La Granja ist da auch mMn das einzige, welches nur Englische Karten enthielt. Ich glaube Du müsstest Dir ein anderes Beispiel suchen.

    Cardboard Games Master Race

  • Wäre doch ein Fall für Kickstarter-Freaks.

    Wir reden hier aber über Spiele von "seriösen" Verlagen, die Spiele in alter Tradition herausbringen. Einfach selbst investieren und dann durch Verkäufe Geld verdienen. Du kannst davon ausgehen, dass Verlage grundsätzlich Crowdfunding als eher unseriös betrachten.


    Daher ist das Argument Crowdfunding für euch/uns Geeks vielleicht schlüssig. Für die meisten "richtigen" Verlage allerdings nicht.


    Ich bitte das nicht als herabwertend zu verstehen. Es ist eher der Versuch einer Abgrenzung.

  • Ich möchte zum Beispiel gar nicht wissen, wie viel Zeit Andreas Keirat damals in die Übersetzungsarbeit für "Geschichten aus 1001 Nacht" investiert hat.

    Ich denke, das war Heinrich Glumpler ...


    Ich glaube nicht, daß jemand wirklich objektiv sein kann - alle Meinungen sind subjektiv.
    Natürlich gilt das auch für mich.

  • Stimmt die These, dass sich Heidelberger zu Zeiten von Harald Bilz auch lokalisierte Projekte geleistet hat, die eher in die Kategorie Liebhabersachen gefallen sind, ohne Blick auf wirtschaftliche Gewinnmaximierung? Zumindest hatte ich den Eindruck, teils auch durch diverse Interviews vermittelt, auch wenn ich es nicht konkret an etwas festmachen kann.


    Twilight Struggle auf Deutsch ist ein Kapitel für sich. Die wirklich Interessierten waren bis zur deutschsprachigen Version sowieso schon mit einem englischsprachigen Spiel versorgt. Dazu kam, dass die erste Version der Übersetzung unglückliche Flüchtigkeitsfehler hatte und teils auch Formulierungen, die phonetisch nicht gut klangen im Direktvergleich. Und der Direktvergleich war eben gegeben. Eine Übersetzung hätte also mindestens schon so gut wie das Original sein müssen, um dagegen bestehen zu können. In Folgeversionen wurden Fehler behoben, aber dann auch nicht alle. Im Rückblick ist bei mir hängengeblieben, dass die deutschsprachige Version so ihre ganz eigenen Probleme hatte. Vor einem Kauf würde ich mich deshalb intensiver damit beschäftigen, um zu wissen, was ich mir da überhaupt einkaufe.


    Bisher waren deutschsprachige Versionen sogar meist preiswerter als die Originalversion, wenn ich mir so FFG-Spiele von Heidelberger anschaue. Kann natürlich sein, weil der Preisdruck hierzulande grösser ist als bei Importspielen, die sowieso nur der (Online-) Fachhandel anbietet und die damit ein Publikum haben, die eher bereit sind, mehr zu bezahlen.

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  • .Auf der anderen Seite habe ich hier ja mal angefragt, ob es noch weitere Personen gibt, die für eine gute Regelübersetzung gerne 20 Euro mehr bezahlen würden. Antwort: NEIN! Allerhöchstens 5 Euro. Und für diesen Betrag bekommt man halt nur eine "Geiz-ist-Geil" Hobbyübersetzung.

    Bei einer 500er Auflage sollte man allerdings mit 2.500€ Budget schon eine ordentliche Regelübersetzung hinkriegen. Richtig teuer wird es ja erst wenn weiteres Material lokalisiert werden muss.


    Für Stundenlöhne von 5 Euro oder weniger arbeiten nunmal nicht viele.

    Eigentlich nur Enthusiasten. Solange es die gibt werden die Löhne aber kaum steigen.





    Früher - als ohnehin alles besser war - haben einigte Importeuere den Spielen einfach eine deutsche Übersetzung beigelegt. War für mich vollkommen ausreichend.


    Aber heutzutage muss man Spiele ja redaktionell überarbeiten, das Layout auf links drehen und ein neues Schachtelcover entwerfen. Bei dem Vorgehen braucht es dann natürlich ganz andere Auflagen.

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  • Und dafür hab ich keine Zahlen, aber dass ein erheblicher Teil der Spielworxx-Zielgruppe ausserhalb Deutschlands und insbesondere in Übersee sitzt, meine ich hat Uli auch schon mehrfach betont. La Granja ist da auch mMn das einzige, welches nur Englische Karten enthielt. Ich glaube Du müsstest Dir ein anderes Beispiel suchen.

    Es ist richtig, dass Spielworxx den weitaus größeren Teil seiner Auflagen nicht in Deutschland verkauft. Das hat Uli schon mehrfach gesagt.


    Trotzdem ist es eine (nur) Erklärung und wird hier in Deutschland nicht als stichhaltiges Argument angesehen. Ich habe regelmäßig gelesen, dass ein deutscher Verlag ja wohl gefälligst auch deutsche Karten anzubieten habe, etcpp. (Forumsbeiträge, Rezensionen, unter anderem auch in der Spielbox). Ich möchte das selber nicht werten. Da darf jeder gern seine eigene Meinung dazu haben.


    Richtig ist, dass Spielworxx ein Verlag mit internationaler Ausrichtung ist. Und natürlich entsprechend seine Spiele ausstattet. Das kann man nun mögen oder auch nicht.


    Falsch ist, dass La Granja das einzige Spiel war, bei dem ausschließlich englische Karten produziert wurden. Ich weiß aus dem Kopf zumindest von einem weiteren Spiel, und zwar Colonialism. Auch dort wurden allerdings Kartenblätter verwendet, die die deutschen Karten zeigten, zum selber basteln. Wie auch bei La Granja.


    Ich denke, das Beispiel war sehr passend.


    Richtig ist wiederum, dass ein erheblicher Teil der Spielworxx-Zielgruppe außerhalb Deutschlands liegt. Aber: Das ist bei JEDEM Verlag so (Ausnahmen gibt es natürlich auch hier). Ich möchte erneut betonen, dass Deutschland NICHT der große Absatzmarkt ist, von dem hier oft ausgegangen wird.

  • Spielworxx hat das erstklassige Spiel "We the People" in deutsch herausgebracht und zwar in einer 500 Auflage.

    "We the People", den Urvater aller CDGs, gibt's nicht in Deutsch.
    Spielworxx hat eine deutsche Version von "Washington's War" rausgebracht.


    "Washington's War" ist eine Überarbeitung von "We the People" - in meinen Augen leider eine recht mißlungene.
    Ich selbst spiele immer mal wieder noch "We the People", aber kein "Washington's War".


    Ich glaube nicht, daß jemand wirklich objektiv sein kann - alle Meinungen sind subjektiv.
    Natürlich gilt das auch für mich.

  • Bei einer 500er Auflage sollte man allerdings mit 2.500€ Budget schon eine ordentliche Regelübersetzung hinkriegen. Richtig teuer wird es ja erst wenn weiteres Material lokalisiert werden muss.

    Mal ein kleines Rechenbeispiel:


    500er-Auflage. 2500€ allein für die Regelübersetzung. Macht 2500 durch 500 also 5€ Produktionskosten pro Spiel. Macht 20€ mehr auf den Verkaufspreis.


    Oder meinstest du ernsthaft, dass man 500 Spiele für 2500€ produzieren kann?

  • Ich würde die Titel mal anders betrachten wollen:
    Wenn man als Verlag mit einem Titel in englischer Sprache und internationalem Vertriebsweg ausreichend Geld erwirtschaftet, dann können lokale Märkte übergangen werden. Wird der lokale Markt interessant, wird auf übersetzt.


    Wenn der hiesige Spieleladen vor Ort immer mehr coole Spiele nur noch in englischer Sprache anbietet, dann wird man sehen wer die noch kauft. Wir sind nun mal gewöhnt im Fernsehen und Kino uns in deutscher Sprache unterhalten zu lassen.


    Ich bezweifle eine Massenwanderung ins Nachbarland, sollte z.B. Holland alle englische Spiele für 50% Rabbat und mehr verschleudern.


    Ich persönlich will lieber deutsche Lokalisierungen. Bei dem Spiel Watson & Holmes würde mir zu viel Fluff verloren gehen.

    Einmal editiert, zuletzt von santenza ()

  • Ich möchte zum Beispiel gar nicht wissen, wie viel Zeit Andreas Keirat

    Aber ich, und Fragen kostet nichts:
    edit: Yzemaze hat im nächsten Post schon was rausgesucht. Die Übersetzung scheint von Hr. Glumpler gemacht zu sein.


    Einmal editiert, zuletzt von Nupsi ()

  • Aus einem Interview:

    Geschichten aus 1001 hat unglaublich viel Material und nutzt ein außerordentlich ausgefeiltes System. Als wir das englische Original ins Deutsche umsetzten, mussten wir uns entscheiden, worauf wir unser Augenmerk richten wollten. Da gab es keine Alternativen: Das Spielsystem musste inhaltlich korrekt sein. Damit sind die Paragraphen und die Abstimmung von Begegnung und Reaktion gemeint. Jeder Fehler im System hätte das Vertrauen in das System erschüttert und es unglaubwürdig werden lassen: 'Ich greife mit dem Schwert an - und bekomme einen Kuss???' Da das System zusätzlich auch noch ins Deutsche übersetzt werden musste, war der Aufwand an dieser Stelle gewaltig. Jeder der 1600 Paragraphen ist sechs Mal angefasst worden.
    Die zweite Priorität war das Material und dessen graphische Gestaltung. Damit blieb für die Spielregel nur noch das Notwendigste - sprich eine Eins-zu-Eins-Übertragung aus dem Englischen. Zu guter Letzt ist die Vielfalt der Kombinationen aus Status, Fertigkeiten und Schätzen derart groß, dass wir nie eine 100 Prozent korrekte Regel hinbekommen hätten. Damit war - damals - für uns klar, dass die Spielregel die niedrigste Priorität hatte. Heute würde ich da vielleicht etwas anders entscheiden. Trotzdem denke ich nicht, dass es dem Spiel substantiell geschadet hat.


    Aus einem Thread bei spielen.de:

    "Geschichten aus 1001 Nacht" enthält (abgesehen von einer zigseiten Regel!) so etwa 1.600 Textabschnitte -
    - ich hab' jeden einzelnen übersetzt, 2x stilistisch überarbeitet und anschließend noch 2x auf Logik geprüft ... ebenfalls: NIE WIEDER!

  • Zum Thema "Warum bekommen wir keine Übersetzungen?" fällt mir nur ein, wie hier teilweise auf den Schwerkraft-Verlag geschimpft wird, dessen Hauptarbeit in den Übersetzungen liegt, und wie er es denn wagen kann, die Anleitungen NICHT als PDF zu veröffentlichen!
    Von dem Verriss des #ObenUndUnten Storybooks ganz zu Schweigen (welches ich übrigens nicht schlecht übersetzt finde. Perfekt auch nicht - aber auch nicht schlecht!)

  • Wir reden hier aber über Spiele von "seriösen" Verlagen, die Spiele in alter Tradition herausbringen

    Alles gut. Nur "seriös" ist das falsche Wort. Es gibt ja schon einige Verlage, die sich auch des Crowdfunding oder Vorbestellungen bedienen.


    Mir persönlich ists übrigens lieber, ohne KS und Co auszukommen. Bin kein Fan davon. Aber bevor ich das Spiel gar nicht auf deutsch kriege, wäre es schon ne Option (zumindest ne gute für mich) :)

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  • Mal ein kleines Rechenbeispiel:


    500er-Auflage. 2500€ allein für die Regelübersetzung. Macht 2500 durch 500 also 5€ Produktionskosten pro Spiel. Macht 20€ mehr auf den Verkaufspreis.


    Oder meinstest du ernsthaft, dass man 500 Spiele für 2500€ produzieren kann?

    Dass die Kohle nicht komplett beim Übersetzer landet ist schon klar. 5€ Erhöhung des Verkaufspreises ergibt 2500€ zusätzliches Budget. Die habe ich für Übersetzer, Drucker, Steuer, Korrdination und Gewinnmarge/Risiko.


    Der Rest ist Betriebswirtschaft, aber für das Budget sollte schon etwas gehen, auch für den Übersetzer.

  • Zum Thema "Warum bekommen wir keine Übersetzungen?" fällt mir nur ein, wie hier teilweise auf den Schwerkraft-Verlag geschimpft wird, dessen Hauptarbeit in den Übersetzungen liegt, und wie er es denn wagen kann, die Anleitungen NICHT als PDF zu veröffentlichen!

    Sehe da keinen Zusammenhang. Das eine ist eine komische Vorgehensweise und manchmal nicht ganz optimale Arbeit. Das andere ist ein finanzieller Aspekt. Was genau würde mit denn bei den erwähnten Beispielen (1001 Nacht und Holmes) ein deutsches Regelheft als pdf nutzen (oder dem Verlag schaden)? Nix... Ebensowenig bei den Regeln für Oben und unten...

  • Zum Thema "Warum bekommen wir keine Übersetzungen?" fällt mir nur ein, wie hier teilweise auf den Schwerkraft-Verlag geschimpft wird, [...]

    Du solltest doch eigentlich unterscheiden könnten zwischen Kritik an einzelnen Übersetzungen bzw. bestimmten Vertriebsentscheidungen auf der einen Seite und pauschaler Kritik an einem Verlag auf der anderen Seite. Ich denke, hier gibt's keinen, der nicht zu würdigen weiß, welche guten Spiele uns der Schwerkraft-Verlag auf deutsch gebracht hat. Umso bedauerlicher, wenn man dann bei einzelnen Titeln eher den Kauf des englischen Original empfehlen muss, weil die Übersetzung leider verhunzt wurde.

  • Nuancen, die in einer Fremdsprache allerdings verloren gehen und übrig bleibt eine wage interpretierte Rumpfsprache, die zwar ausreichend ist, aber eben nie komplett und perfekt.

    Während Du weiter oben schreibst, Du glaubst von Dir, niemals das Niveau eines Muttersprachlers in einer Fremdsprache erreichen zu können, formulierst Du hier, als gilt das allgemein; das ist falsch. Natürlich erreichen manche auch in einer Fremdsprache ein Verständnis derselben, das über das (durchschnittliche) Verständnis eines Muttersprachlers hinausgehen kann, warum auch nicht? Vor allem im passiven Sprachgebrauch.


    Im übrigen wiederhole ich mein Mantra, daß Spieleverlage halt das machen, was ihnen Geld bringt. Wenn der Umsatz z.B. des Schwerkraft - Verlages dank eingedeutschter Versionen diverser Nischenspiele explodieren würde, dann würde z.B. Asmodee das sicher nachahmen.

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    Einmal editiert, zuletzt von yzemaze () aus folgendem Grund: Schriftgröße

  • Alles gut. Nur "seriös" ist das falsche Wort. Es gibt ja schon einige Verlage, die sich auch des Crowdfunding oder Vorbestellungen bedienen.

    Aha. Welche seriösen Verlage sollen das denn sein?


    Mag sein, dass es das falsche Wort ist. Aber im Grunde ist doch die Nutzung von Crowdfunding genau der Punkt, an dem es unseriös wird... ;-)


    Naja. Ich will nicht ausschließen, dass mir das irgendwann auch mal passiert. Daher halte ich lieber meine Klappe... :-)

  • Dass die Kohle nicht komplett beim Übersetzer landet ist schon klar. 5€ Erhöhung des Verkaufspreises ergibt 2500€ zusätzliches Budget. Die habe ich für Übersetzer, Drucker, Steuer, Korrdination und Gewinnmarge/Risiko.

    Bedeutet, dass du 625€ mehr ausgeben kannst in der Produktion.


    Und du musst bedenken, dass du eh schon ein hochpreisiges Spiel hast. Sagen wir mal 69€ Verkaufspreis. Runde 70. Und dann nochmal 5€ drauf schlagen. Wo du eh versuchst alles so eng wie möglich zu halten... Wenn du ein Spiel hast, was eh ca. 70€kostet, dann versuchst du eigentlich eher noch was weg zu lassen...


    Ich glaube, ihr stellt euch das in eurem jugendlichen Leichtsinn alles ein wenig einfacher vor, als es ist. Bedenkt auch: Die Leute, die dann sagen: "Ach komm! Lass doch die 5E auch noch drauf rechnen und "Fünfe" gerade sein!" Das sind ein paar wenige Leute, die Geeks... Sicherlich nicht die Mehrheit. Willst du wegen den paar Leuten riskieren auf einem Teil der Auflage sitzen zu bleiben?


    Ich will hier auch eure Argumente alle nicht entkräften. Oder euch eure Meinung wegnehmen.


    Aber bedenkt mal folgendes: Die Leute, die tatsächlich diese Entscheidungen treffen, entscheiden ich meist anders, als ihr das hier so immer alle toll finden würdet. Meint ihr nicht, dass die da auch gute Gründe für haben? Selbst, wenn ihr sie euch nicht alle erklären könnt und im blauen Dunst rumstochert? Mal so in die Runde gefragt...

  • Während Du weiter oben schreibst, Du glaubst von Dir, niemals das Niveau eines Muttersprachlers in einer Fremdsprache erreichen zu können, formulierst Du hier, als gilt das allgemein; das ist falsch. Natürlich erreichen manche auch in einer Fremdsprache ein Verständnis derselben, das über das (durchschnittliche) Verständnis eines Muttersprachlers hinausgehen kann, warum auch nicht? Vor allem im passiven Sprachgebrauch.

    Klar kann "man" dieses Niveau erreichen oder sogar übertreffen. Bedeutet aber, dass man sich intensiv mit dieser Fremdsprache auseinandergesetzt haben muss, so dass man die mit seiner Muttersprache gleichsetzen kann. Man sozusagen in dieser Sprache lebt und agiert. Das geht nicht einfach so nebenbei wie bei der Muttersprache. Diesen Unterschied wollte ich ausdrücken, weshalb ich immer bei qualitativer Gleichheit der Inhalte meine Muttersprache bevorzuge und auch niemanden in meinem Umfeld kenne, der ohne Motivation (wie immer die auch aussehen mag: Beruf, Beziehung, Herkunft, ...) eine Fremdsprache seiner Muttersprache vorzieht. In Deinem Umfeld kann das schon ganz anders sein.

    "Things fall apart; the centre cannot hold; Mere anarchy is loosed upon the world.", The Second Coming by W. B. Yeats

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  • Und du musst bedenken, dass du eh schon ein hochpreisiges Spiel hast

    Darum geht es doch gar nicht. Es ging darum was die Spieler für eine deutsche Regel zu investieren bereit wären und ob man damit hinkommt.


    Mein Statement ist nur dass man bei 500er Auflagen für 5€ Aufpreis für die meisten Spiele wohl eine Übersetzung der Regel hinbekommen kann ohne den Übersetzer dabei auszubeuten. Mehr nicht.

  • Mal ne blöde Frage: Wie werden Übersetzer in der Regel eigentlich bezahlt? Nach Stunden, oder nach Wörtern, oder nach Projekten?

    Prinzipiell frei verhandelbar. Aber der Preis orientiert sich meist an der Textmenge.

  • Überraschend, wie weit Du in einer Diskussion über fremdsprachige Brettspiele ausholst! :-)
    "Fremdsprache der Muttersprache" vorziehen, darum geht es doch gar nicht. "Gute englische Regeln einer dilettantischen dt. Version vorziehen, die noch dazu viel später erscheint" trifft es eher! :sonne:


    Aber um noch ein Argument zu liefern: Die Fremdsprache könnte einfacher sein, das hilft dann einem Fremdsprachler auch dabei, Muttersprachlersprachniveau zu erreichen. ;)
    Viele schreiben den Erfolg von Englisch diesem Faktor zu.

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  • Darum geht es doch gar nicht. Es ging darum was die Spieler für eine deutsche Regel zu investieren bereit wären und ob man damit hinkommt.


    Mein Statement ist nur dass man bei 500er Auflagen für 5€ Aufpreis für die meisten Spiele wohl eine Übersetzung der Regel hinbekommen kann ohne den Übersetzer dabei auszubeuten. Mehr nicht.

    Und mir geht es darum deutlich zu machen, dass man das nicht so einfach sagen kann, denn an der Preisgestaltung für ein Spiel hängt noch deutlich mehr dran, als nur einen Preis festzusetzen.


    Das einfachste Beispiel ist sicher ein Kartenspiel (mit ein wenig Extra-Material vielleicht), das in der kleinen Auflage auch seine 20€ kostet. Das wird mit +5€ gleich mal verhältnismäßig teurer. Ein 70€-Spiel wird relativ gesehen nicht so viel teurer. Trotzdem ist es absolut deutlich teurer und ein Verleger wird sich gut überlegen, ob er da den Preis nochmal hoch setzt.


    Man kann so etwas nicht auf den kleinsten gemeinsamen Nenner reduzieren und dann behaupten: "Ja, guck mal... So klein ist der Aufwand! Das kann man doch machen!" Ja, klar! Denn, wenn man nur den kleinen Ausschnitt sieht, dann klingt das vernünftig. Aber so einfach ist es eben nicht.

  • Aber so einfach ist es eben nicht.

    Keep it simple!

  • Wäre doch ein Fall für Kickstarter-Freaks. Ich würde sofort auch die besagten 15-20 Euro pro Spiel zahlen, wenn ich solche Textmonster auf deutsch hätte (also 1001 Nacht und Holmes).


    Lokalisierung also auf KS oder auch wie bei GMT als P500. Dann herrscht Planungssicherheit. Aber vermutlich ist der Aufwand für den finanziellen Nutzen zu hoch...

    Das "Problem" ist doch das Kickstarter Kampagnen ebenfalls Ressourcen braucht: Marketing, Zeit aufwand vor, während und nach der Kampagne. Zudem muss ein guter Übersetzer, Druckerrei, ein Sprecher, Tonstudio etc. gefunden werden und bezahlt werden. Da gehen ganz schön Ressourcen drauf und wenn die Kickstarterkampagne dann nicht klappt wer bezahlt dann die Arbeitszeit die aufgewendet wurde?


    Viele der Kickstarterspiele werden zwar finanziert oft auch mit 200% und mehr Prozent. Das daran etwas verdient wird und ein annehmbarer Stundenlohn von dem man Leben kann ausgezahlt werden kann steht auf einem anderen Blatt.

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